Mehr Schutz von Minderjährigen in sozialen Medien
Das Deutsche Jugendinstitut hat in einer Stellungnahme für eine Anhörung im Landtag Schleswig-Holstein betont, dass es dafür ein Zusammenspiel aus Regulierung, Medienbildung und Aufklärung braucht.
Soziale Medien sind fester Bestandteil der Lebenswelt vieler junger Menschen. Die intensive Nutzung durch Kinder und Jugendliche stellt Politik und Gesellschaft vor neue Herausforderungen. Diskutiert werden mögliche Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit ebenso wie Risiken durch die Konfrontation mit problematischen Inhalten, etwa Hassrede, Gewalt oder sexualisierte Übergriffe. Vor diesem Hintergrund befasste sich der Landtag Schleswig-Holstein am 2. März 2026 in einer öffentlichen Anhörung mit der Frage, welche politischen Konsequenzen sich daraus ergeben.
Auf Grundlage der Stellungnahmen von Sachverständigen wurde erörtert, ob Plattformbetreiber stärker zum Schutz Minderjähriger verpflichtet, Hassinhalte konsequenter reguliert und die Medienkompetenz junger Menschen gezielter gestärkt werden sollten. Zur Debatte stand zudem, ob gesetzliche Beschränkungen bis hin zu einem Verbot sozialer Medien für Unter-16-Jährige – wie es etwa in Australien beschlossen wurde – geeignete und wirksame Instrumente sein könnten.
Plattformen stärker in die Verantwortung nehmen, Teilhabe ermöglichen
„Eine gesetzliche Altersbeschränkung birgt die Gefahr, vor allem symbolischen Charakter zu haben, wenn ihre Einhaltung nicht wirksam kontrolliert wird“, so Dr. Thorsten Naab, der an der Stellungnahme des Deutschen Jugendinstituts (DJI) federführend mitgewirkt hat. Dies zeige sich beispielsweise bei der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).
Das DJI plädiert in seiner Stellungnahme für eine stärkere Verpflichtung der Anbieter. Plattformen sollten ihre Angebote an den Bedürfnissen und dem Schutz von Minderjährigen ausrichten – etwa durch kindersichere Voreinstellungen ohne öffentliches Profil und ohne Infinite Scroll, durch eingeschränkte Kontaktfunktionen sowie durch zeitliche Nutzungslimits. Ein solcher Safety-by-Design-Ansatz setze bereits bei der Gestaltung der Plattformen an und könne Risiken für junge Nutzer:innen von vornherein reduzieren. „Schutz sollte möglichst voraussetzungsfrei sein, – gerade weil Kinder und Jugendliche, insbesondere aus Familien in herausfordernden Lebenslagen, oft nicht über die gleiche Zeit, finanzielle Ressourcen oder digitale Bildung verfügen“, betont die Stellungnahme.
Außerdem würde eine abgestufte, an den Fähigkeiten der Kinder orientierte Angebotsstruktur dem Recht der Kinder auf eine Teilhabe an einer von digitalen Medien geprägten Gesellschaft Rechnung tragen. Einen geeigneten rechtlichen Rahmen hierfür biete die UN-Kinderrechtskonvention. Zudem liefere der General Comment No. 25 wichtige Orientierungspunkte für die Umsetzung von Kinderrechten im digitalen Raum.
Gleichzeitig bleibt die Altersverifikation nach Einschätzung von DJI-Wissenschaftler Thorsten Naab ein wichtiger Baustein, um den Schutz von Kindern und Jugendlichen zu verbessern. Besondere Aufmerksamkeit sollte dabei auf die Entwicklung datensparsamer und möglichst barrierefreier technischer Verfahren gelegt werden.
Medienbildung und Unterstützung von Eltern als zentrale gesellschaftliche Aufgaben
Technische und regulatorische Maßnahmen allein reichen allerdings nicht aus, betont die Stellungnahme. Sie müsse durch umfassende Medienbildung ergänzt werden. Medienkompetenz sollte als grundlegende Querschnittskompetenz in allen Bildungsbereichen vermittelt werden. Dazu gehören neben technischen Fertigkeiten auch kritisches Denken, die Bewertung von Informationen sowie kommunikative Kompetenzen. Schulen komme dabei eine Schlüsselrolle zu. Denn sie können alle Kinder und Jugendlichen erreichen – unabhängig von sozialem, kulturellem oder ökonomischem Hintergrund – und können damit entscheidend zur Chancengleichheit bei der digitalen Teilhabe beitragen.
Offen bleibt jedoch, inwieweit das Bildungssystem angesichts von Finanzierungsproblemen und Fachkräftemangel dieser Aufgabe gerecht werden kann und wie Lehr- und Lernräume in einer zunehmend von digitalen Medien geprägten Welt künftig gestaltet werden sollten.
Auch Eltern spielen eine zentrale Rolle. Mit ihrem eigenen Mediennutzungsverhalten und ihrem Erziehungshandeln sind sie sowohl wichtige Ressource als auch möglicher Risikofaktor für die Medienbildung ihrer Kinder. Das DJI empfiehlt deshalb die Entwicklung evidenzbasierter Interventions- und Unterstützungsprogramme für Eltern.
DJI-Stellungnahme zum Schutz vor Risiken sozialer Medien, 2. März 2026
