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Rechte und Pflichten im Alltag

Erstellt am 18. Dezember 2001, zuletzt geändert am 18. Dezember 2001

Lieselotte Wilk, Isabella Knall, Renate Riedler-Singer und Martina Gschwandtner

Beim Eingehen einer neuen Partnerschaft stehen für leibliche Eltern nicht nur die eigenen Interessen im Vordergrund, sondern gleichermaßen jene des Kindes. Es ist wichtig, dass sich der “Stief” mit dem Kind gut versteht, dass sich die beiden mögen und einander akzeptieren.

Ein Partner mit Kind bedeutet, dass die Beziehung als Paar nicht völlig unbeschwert begonnen werden kann: Einfühlungsvermögen, Rücksichtnahme und Verzicht werden verstärkt gefordert. Das Vorhandensein eines Kindes kann je nach Situation bereichernd sein, manchmal steht ein Kind aber auch sehr im Weg, wenn es etwa um Intimität geht, um gemeinsame Zeit füreinander.

Die leiblichen Eltern stehen dabei nicht selten zwischen den Personen, die ihnen sehr wichtig sind: Einerseits fordert der neue Partner mit vollem Recht gemeinsame Zeit, um Partnerschaft zu leben, andererseits muss dadurch Zeit für das Kind reduziert werden.

Sie und Ihr neuer Partner wollen und müssen Ihre Familie gemeinsam gestalten und regeln: Alltag, Freizeit, Pflichtenverteilung sowie die Finanzen. Welche Aufgaben übernimmt wer? Welche werden gemeinsam in Angriff genommen?

Dabei treffen verschiedene Gewohnheiten, Vorstellungen und Lebensweisen zusammen. Für den einen sind gewisse Dinge selbstverständlich, die für den anderen ungewohnt sind. Jeder Partner erlebt Bereiche, die er anders machen würde. Es ist nicht immer leicht, alte Gewohnheiten abzulegen. Dies gilt auch für Aufteilung der alltäglichen Haushaltsdinge. Sie und Ihr Partner haben möglicherweise unterschiedliche Vorstellungen gerade in diesem “banalen” , aber notwendigen Bereich des Zusammenlebens. Für den einen sind beispielsweise ausgeprägte Sauberkeit und Ordnung selbstverständlich, der andere wiederum findet dies übertrieben – wegen solcher banaler Fragen hat es schon Morde gegeben; es reicht aber auch, wenn wegen der Wichtigkeit, die jemand dem häuslichen Staub zuerkennt, Ehen, und damit Familien auseinander krachen.

Sicherlich bringen die einzelnen Familienmitglieder auch unterschiedliche Interessen, Vorlieben und Hobbys ein. Nehmen Sie es als Gewinn und als Chance, Gemeinsamkeiten zu entdecken oder Neues zu erfahren. Wenn Sie aber durchaus mit dem Hobby Ihres Partners nichts anzufangen wissen, lassen Sie ihm/ihr trotzdem seine/ihre Freude. Diese Aufgaben stellen sich freilich bei jeder Familiengründung. Aber durch das längere Zusammenleben eines Elternteils mit einem Kind (oder mit mehreren) haben sich Gewohnheiten und Familienregeln bereits herausgebildet und gefestigt, die nun neu ausverhandelt werden müssen.

Das größte Problem: Erziehung der Stiefkinder

Bei keinem anderen Thema gibt es derart viele Stolpersteine für den häuslichen Frieden wie in der Frage der Erziehung! Disziplinierung und Umgang mit dem Kind sind neuralgische Punkte, deren Rolle im jeweils eigenen Fall man besser gründlich abklärt und bespricht, bevor es zum Super-Gau kommt.

Nicht immer wird der neue Partner die Erzieherrolle in dem Ausmaß übernehmen wollen, wie es sich der leibliche Elternteil wünscht.

Umgekehrt ist es denkbar, dass der neue Partner Erzieher sein möchte, jedoch damit auf Ablehnung stößt.

Auch wenn Vater/Mutter die Mitwirkung des neuen Partners an der Erziehung zwar begrüßt, zugleich aber dessen diesbezügliche Entscheidungen in Frage stellt, kann es zu Problemen kommen.

In summa: Die neuen Partner müssen klären, inwieweit der/die “Stief” überhaupt erzieherisch mitwirken kann und soll. Die gemeinsame Erziehung des Kindes wird logischerweise erleichtert, wenn die neuen Partner grundsätzlich ähnliche Erziehungsvorstellungen haben.

Ist dies nicht der Fall, wird vor allem der/die “Stief” die Erziehungsvorstellungen an jene des leiblichen Elternteils angleichen müssen, da dieser bisher für die Erziehung des Kindes zuständig war und meistens auch weiterhin vorwiegend dafür verantwortlich ist.

Es wird die Aufgabe von Vater oder Mutter sein, den “familienfremden” neuen Partner behutsam, aber bestimmt in die Familie einzuführen, damit er in dieser überhaupt Platz und Bedeutung bekommt und nicht immer Außenseiter oder Gast bleibt.

Grundsätze

Eine neue Familie, in die ein Partner bereits ein Kind mitbringt, wird sich positiv entwickeln, wenn

…bei der Partnerwahl neben den eigenen Interessen auch jene des Kindes bedeutsam sind und der “Stief” seinen Partner und dessen Kind gemeinsam annimmt.

…es den Partnern gelingt, für sich als Paar Zeit zu finden, und sie in ihrer Familie auch alleine sein können.

…die Partner ihre unterschiedlichen Gewohnheiten und Vorstellungen nicht von vornherein abwerten, sondern sich bemühen, aufeinander zuzugehen und Kompromisse zu finden.

…die individuellen Hobbys jedes Familienmitgliedes akzeptiert werden und die Interessen aller aufeinander abgestimmt und gleichberechtigt berücksichtigt werden.

…Vater/Mutter die Elternrolle vom neuen Partner nicht ohne weiteres einfordert. Dieser muss auch bereit sein, die damit verbundenen Verpflichtungen zu übernehmen.

…es den neuen Partnern gelingt, unterschiedliche Vorstellungen über Disziplinierung, Erziehung und Umgang mit dem Kind aufeinander abzustimmen, aber die Letztverantwortung den leiblichen Eltern als Obsorgeberechtigte zu überlassen.

Quelle

Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen (Hrsg.): Die Patchwork-Familie, oder Der Die Das Stief … Ein Ratgeber für Familien und solche, die es noch werden wollen. Wien: Selbstverlag 2001, S. 41-45

Weitere Informationen

Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen

Abteilung V/7

Franz Josefs-Kai 51

A – 1010 Wien

Tel.: 01/71100-3330