Ertrinken: Die Gefahren ändern sich mit dem Alter des Kindes

Das Risiko zu ertrinken variiert mit dem Alter und Geschlecht. Kleinkinder und Jugendliche sind am gefährdetsten. Jungen über einem Jahr haben statistisch gesehen ebenso ein wesentlich höheres Risiko als Mädchen.

„Ertrinken gehört zu den häufigsten Todesursachen im Kleinkindalter. Die meisten Säuglinge ertrinken in für Erwachsene so banalen Dingen wie Badewannen und kleinen Wasserbehältnissen z.B. Wasserauffangbecken oder Eimern, während die meisten Kinder im Vorschulalter in Schwimmbädern ertrinken“, warnt Dr. Ulrich Fegeler, Kinder- und Jugendarzt sowie Mitglied des Expertengremiums des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), mit Bezug auf eine aktuelle Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Pediatrics“. Hauptproblem ist in diesen Fällen meist, dass die Kinder unbeaufsichtigt und/oder die Wasserstellen leicht zugänglich sind. Wasser zieht kleine Kinder magisch an, sodass sie oft unbemerkt schnell dorthin laufen. In der Nähe von Wasser dürfen kleine Kinder deshalb nie aus den Augen gelassen werden.

Tödliche Unfälle im Wasser bei Jugendlichen ereignen sich vorwiegend in natürlichen Gewässern. „Mehrere Faktoren tragen zu einem erhöhten Ertrinkungsrisiko in dieser Altersgruppe bei. Heranwachsende überschätzen häufig ihre eigenen Fähigkeiten, während sie gefährliche Situationen unterschätzen. Die Risikobereitschaft und die Impulsivität dieser Altersgruppe führen zu unüberlegten Handlungen. Besonders leidet die Schwimmsicherheit aber unter Drogen- und Alkoholeinfluss“, weiß Dr. Fegeler. Schwimmen zu lernen allein reicht nicht aus. Heranwachsende müssen u.a. ein Bewusstsein für Gefahren und Risiken entwickeln und die eigenen Grenzen kennen.
Kinder, die an Epilepsie erkrankt sind, haben ebenso ein erhöhtes Ertrinkungsrisiko, da sie während eines Anfalls nicht schwimmfähig sind. Abhängig vom Erfolg der medikamentösen Behandlung sollten Eltern mit dem Kinder- und Jugendarzt gemeinsam entscheiden, ob ein Kind ins Wasser darf. Autistische Kinder besitzen ein erhöhtes Risiko, im Wasser zu ertrinken, da sie gerne „umherwandern“ und dabei ins Wasser geraten. Herzrhythmusstörungen können in selten Fällen zu Todesfällen beim Baden führen, vor allem wenn sich vorbelastete Kinder verausgaben.

Auch wenn Kinder „nur“ beinahe ertrinken, können in schweren Fällen anschließend Spätschäden auftreten, wie Schluckstörungen, spastische Anfälle oder sonstige Hirnstörungen aufgrund des Sauerstoffmangels.

Letztes Jahr ertranken der Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zufolge 71 Kinder und Heranwachsende bzw. junge Erwachsene bis zum Alter von 20 Jahren, darunter elf Kinder im Grundschul- und 15 im Vorschulalter im Wasser.

Quellen: Neuropediatrics, Pediatrics, DLRG (1, 2, 3)

Quelle

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.