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Tipps für erfolgreiche Familienausflüge

Erstellt am 6. Mai 2003, zuletzt geändert am 17. Februar 2010

Elke Homburg

“Familienausflug – wenn ich das schon höre …!” Leo (10) und seine 8-jährige Schwester Marie verbringen die Sonntage am liebsten vor dem Computer oder vor dem Fernseher. Die Eltern haben resigniert: “Nur ein Ausflug in einen dieser sündteuren Vergnügungsparks kann unsere Kinder noch aus der Stube locken.” Alle Versuche, ihre Kinder für gemeinsame Wanderungen oder Museumsbesuche zu begeistern, scheiterten.

Der gute alte Familienausflug scheint auszusterben. Schade, denn gemeinsame Familienausflüge steigern das Wir-Gefühl im Familienteam und machen außerdem Spaß, wenn man ein paar Regeln beherzigt.

Das Wandern ist der Familien Lust?

“Wandern, das ist doch total uncool!” , bekommen Eltern häufig von ihren Sprösslingen zu hören. “Bewegung an frischer Luft ist aber so gesund!” kontern die Erwachsenen. Was des Müllers Lust ist, wird leicht zum Familienfrust. Doch mit ein paar Tricks und Kniffen kann der gute alte Wanderausflug zum Erlebnis werden.

Im Frühtau zu Berge …

Vorbereitung ist die halbe Miete. Das fängt bei der Auswahl der Wanderroute an.

Kinder bewegen sich grundsätzlich gern, aber es geht ihnen nie darum, möglichst viele Kilometer abzulaufen. Auch sollten Eltern bedenken, dass Kinder die gesamte Strecke oft zweifach oder mehrfach zurücklegen. Sie laufen zwischen den einzelnen Mitgliedern der Wandergruppe hin- und her oder erkunden den Weg vorab schon einmal.

“Gegen Ende mussten wir immer rennen, weil Papa die Sportschau nicht verpassen wollte” , mault Marie. Wer Kinder antreiben muss, um im Zeitlimit zu bleiben, verdirbt Ihnen garantiert die Laune und die Lust auf weitere Wanderungen. Deshalb ist gerade für Anfänger die kürzere Route die bessere.

Auch über die Beschaffenheit der Strecke sollten sich die Eltern im Voraus informieren. Für Kinder gibt es nichts Langweiligeres als gut ausgebaute und steil ansteigende Forstwege. Wenn es dagegen so richtig über Stock und Stein geht, sind auch die Kleineren oft kaum zu bremsen.

Es versteht sich jedoch von selbst, dass Wanderer in Naturschutzgebieten nicht vom Weg abweichen. Hier dürfen auf keinen Fall Pflanzen abgepflückt und mitgenommen werden. Wenn man Kindern den Grund für diese Verhaltensregeln genau erklärt, wird ihr Verständnis für den Naturschutz frühzeitig geweckt.

Die richtige Ausrüstung

Was gehört in den Wanderrucksack? Schweres Gepäck erschwert das Laufen. Wenn man jedoch nicht an die richtige Ausrüstung gedacht hat, ist schnell der ganze Ausflug verdorben. Eine anständige Brotzeit, Getränke und kleine Snacks für unterwegs gehören immer in den Rucksack. Kinder haben immer dann Hunger oder Durst, wenn weit und breit weder Kiosk noch Wirtshaus zu sehen sind. Außerdem ist das Picknick ein Höhepunkt jeden Ausflugs.

Mit dem richtigen Schuhen wandert es sich besser. Bequem und gut eingelaufen soll der Wanderschuh sein, eine Profilsohle haben. Für Bergwanderungen sind Knöchel umfassende Schuhe ein Muss. Da Kinder schneller frieren und schwitzen als Erwachsene, tragen sie am besten “Zwiebellook” , damit sie sich bei Bedarf häuten können. Sonnenschutz ist genauso wichtig wie Regenzeug. Gerade in den Bergen kann das Wetter blitzschnell umschlagen.

Sind kleinere Kindern mit von der Partie, gehört immer Ersatzkleidung ins Gepäck. Der ganze Tag ist verdorben, wenn einer der kleinen Wanderer beim Spielen im Bach oder auch nur in einer Pfütze landet. Pflaster helfen bei kleinen Wunden, und ein Fernglas ist immer eine feine Sache. Eine Wanderkarte ist zumindest bei größeren Touren ratsam.

Der Weg ist das Ziel

Dass sich Erwachsene wegen der schönen Aussicht die steilsten Berge hinauf plagen, ist Kindern nicht einsichtig. Ein lohnendes Ziel für Kinder jeden Alters sind Seen und Badeweiher. Beim Schwimmen oder Boot fahren erholen sich müde Füße schnell. Ältere Kinder kann man auch mit kindgerechten Museen, Burgen oder Schlössern locken.

Doch in Regel gilt: Der Weg ist das Ziel. Das Erlebnis kommt vor dem Ergebnis. Für die kleinen Attraktionen am Wegesrand muss reichlich Zeit eingerechnet werden. Es muss Zeit bleiben, um die Steine im Flussbett zu untersuchen, zum Balancieren auf Baumstämmen, um Käfer und Pflanzen im wahrsten Sinne des Wortes unter die Lupe zu nehmen. Wenn man sich auf den Kinderblick einlässt, der Flusskiesel in Edelsteine verwandelt und Blätter in Kunstwerke, findet man selber auch wieder ein Stück Magie im Alltag.

Einige Regeln für gemeinsame Bergwanderungen:

  • Beim Unterwegssein in der Gruppe gilt grundsätzlich: Der Schwächste macht das Tempo, bestimmt den Schwierigkeitsgrad und die Pausen.
  • Bergauf sollten Kinder vorangehen und das Tempo angeben.
  • Bergab geht besser ein Erwachsener voraus und verhindert das bei Kindern beliebte “Rennen ins Tal” , das oft zu Unfällen führt und Wirbelsäule sowie Beingelenke stark belastet.

Kommt auf längeren Strecken trotz bester Planung die Motivation abhanden, sorgen Ratespiele und Sammelaktionen (Tannenzapfen, Blätter, Steine) für Abwechslung. Bauen Sie eine Runde Verstecken im Wald ein, ein Ballspiel auf der Wiese.

Oder haben Sie schon einmal versucht, gemeinsam eine Geschichte zu erzählen? Von Waldschraten oder Berggeister, von Feen oder Wichteln? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Ein Pflanzenbestimmungsbuch gehört in den Rucksack, wenn Schulkinder mit von der Partie sind. Erklären sie die Wanderung zur Forschungsexpedition. Wer entdeckt als erster eine Silberdistel? Ist der Fingerhut giftig oder nicht? Und wie heißt die hübsche blaue Blume dort?

Leo und Marie sind erschöpft, aber glücklich. Das Wandern war gar nicht so übel. Aber das darf man natürlich nicht laut sagen. Die Eltern sollen sich ruhig weiter anstrengen bei der Programmauswahl. Auch die Eltern sind zufrieden. Und weil sie nicht die geborenen Märtyrer sind, werden beim nächsten Mal auch ein paar Highlights für die Erwachsenen eingeplant: Ein zünftiges Wirtshaus und eine schöne Kirche stehen auf dem Wunschzettel.

Wer nicht gern allein wandert, kann sich beim Alpenverein (http://www NULL.alpenverein NULL.de) oder der Wanderjugend (http://www NULL.wanderjugend NULL.de) über geführte Familienwanderungen informieren.

Regentag – Museumstag!

“Kinder und Museum – das passt nicht zusammen” , bekommt man immer noch oft zu hören. Natürlich ist es einfacher, Kinder für Kino und Fußball zu begeistern als für einen Museumsbesuch. Aber längst haben die Museen die Bedeutung der kleinen Besucher erkannt und ihre Tore den Familien geöffnet.

Ein Besuch im Museum kann nicht nur so manchen verregneten Nachtmittag retten. Er kann auch den Horizont erweitern und graue Theorie aus dem Schulunterricht lebendig werden lassen.

Gar nicht so selten übertragen Eltern eigene Berührungsängste auf die Kinder. Aber keine Angst – es geht nicht darum, dem Kind eine perfekte Führung zu bieten oder alle Fragen beantworten zu können. Viel interessanter ist es, gemeinsam Fragen zu stellen und in gemeinsamem “Forscherauftrag” diesen Fragen auf die Spur zu kommen.

Kinder wollen selbst aktiv sein. Mit ein bisschen Vorbereitung steigt die Vorfreude auf den Museumsbesuch. Dafür gibt es inzwischen glücklicherweise gute Hilfsmittel. Die Verlage haben entdeckt, dass Literatur für junge Museumsbesucher lange eine Marktlücke war.

Wie heißt schnell wieder der Dinosaurier mit den Flügeln? Wann fuhr die erste Lokomotive? Wenn man die Antworten auf solche Forscherfragen in der Literatur vergeblich sucht, kann man sie vielleicht “ersurfen” . Kinder wachsen mit dem Internet auf. Sie bewegen sich oft gewandter als die Eltern im Online-Dschungel.

Doch ob online oder offline – die gemeinsame Vor- oder Nachbereitung eines Museumsbesuchs macht allen Beteiligten Spaß. Und so ganz nebenbei lernen Groß und Klein garantiert eine Menge dabei.

Buchtipps – und CD-Tipps

Umwelt und Natur

Natur, Fleurus Verlag 2001.
Was Kinder (ab dem Vorschulalter) rüber die Natur wissen wollen.

Planet Erde, Time-Life Verlag, Amsterdam 1998.
Alle Themen rund um unseren Planeten werden anschaulich für Kinder ab ca. 8 Jahren erklärt.

Bernd Schuh, Das visuelle Lexikon der Umwelt, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2001.
“Umwelt ist ein fantastisches Netzwerk, geknüpft aus Natur und Technik, aus Zerstörung und Wiederaufbau, aus Leben und Überleben, aus Mensch und Erde” , heißt es in der Einleitung. 200 spannende Einzelthemen behandelt das mit dem Jungendliteraturpreis ausgezeichnete Sachbuch.

Kunst

Susanne Partsch, Haus der Kunst, dtv, München 1999.
Der Gang durch die Kunstgeschichte erleichtert der ganzen Familie den Einstig ins Thema Kunst.

Die visuelle Kunstgeschichte, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 1999.

Ein Nachschlagewerk, das nicht auf langatmige Texte setzt, sondern mit vielen Bilder und Detailinformationen arbeitet – ähnlich wie wir es von CD-Roms kennen. Das macht die Lektüre sehr kurzweilig und spannend. Ab ca. 10 Jahren.

Kinderkunstspiel, Prestel Verlag, München 2000.
Auf spielerische Art und Weise führt das Brettspiel Kinder ab dem Schulalter an den Bereich Kunst heran. Dabei geht es gar nicht um graue Kunsttheorie, sondern erstmal darum, das Sehen und Beobachten zu lernen. Wissen sammelt man ganz von allein.

Technik

Christof Gießler, Spurensuche der Technik, C. Bertelsmann Verlag, München 2000.
Hier kommt man der Technik philosophisch und unterhaltsam auf die Spur.

Wie funktioniert das? Meyer Multimedia.
Ein lustiges Mammut führt auf der CD-Rom durch die spannende Welt der technischen Erfindungen.

Das visuelle Lexikon der Technik, Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2000.

Ein ideales Nachschlagewerk für Kinder ab ca. 12 Jahren. Ausführlich, anschaulich und nie langatmig.

Autorin

Elke Homburg M.A. ist Journalistin und Buchautorin.
Sie schreibt u.a. für Familienzeitschriften und hat mehrere Freizeitführer für Familien veröffentlicht.

Adresse

Elke Homburg
Dreimühlenstr. 7
80469 München

Email: info@text-welten.de (info null@null text-welten NULL.de)

Homepage: http://www.text-welten.de (http://www NULL.text-welten NULL.de)