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Mit dem Auto in den Urlaub

Erstellt am 18. Juni 2003, zuletzt geändert am 18. Juni 2003

Sarah Schwarz

Diesmal wollen wir schlauer sein. Es ist fünf Uhr morgens und wir schlüpfen mucksmäuschenstill in unsere bereitgelegte Kleidung. Behände hüpfen wir über die knarrende Stufe auf unserem Weg die Treppe hinunter. Wir stehen geräuschlos im Wohnzimmer, bereit die Taschen und Kisten zum Auto zu tragen. Ich kann nicht anders; ich setze mir meine Sonnenbrille auf und flüstere: “Neo, sind Agenten im Anmarsch?” Er hebt die Hand und lauscht. “Viel schlimmer, Trinity. Hör selbst” , flüstert er zurück und deutet Richtung Kinderzimmer. Es dringen Laute zu mir, die nur von einem sich rastlos herumwälzenden Kind stammen können. Wir starren uns an, dann zischelt mein Mann den Befehl: “Schnell die letzten Vorkehrungen und dann los!” Ich schwebe so schnell ich kann ins Badezimmer, im nächsten Moment steht auch schon ein gähnender, mürrisch blinzelnder Dreijähriger in der Tür. “Noah, geh wieder ins Bett, es ist noch ganz früh” , versuche ich es trotz geringer Hoffnung. “Du sollst mitkommen” , antwortet er weinerlich. Nun drängelt sich auch der Fünfjährige zu mir vor. “Wohin gehst du? Wo ist Papa?” fragt Yannick besorgt und schließlich: “Warum hast du eine Sonnenbrille auf?” Ich setze die Brille ab, nehme mir fest vor, sie gleich in meine Tasche zu stecken, und erkläre: “Wir fahren doch in den Urlaub. Euer Papa belädt das Auto und ich soll euch gleich schlafend in eure Sitze befördern, damit ihr die ersten Stunden unserer Reise verschlaft.”

Fast drei Stunden später sitzen wir alle im Auto. Ohne mich zu fragen hat mein Mann den Fahrersitz besetzt und blickt stur auf die Straße. Yannick und Noah quengeln. Meine Gereiztheit nimmt Überhand: “Was gibt es denn jetzt noch zu jammern? Ohne Frühstück durften wir nicht los, also habt ihr euer Frühstück bekommen. Ihr habt das gesamte Spielzeug neu gepackt, weil plötzlich der Bär, der schon seit einem Jahr vergessen im Keller liegt, und das Puzzlespiel für Einjährige nicht fehlen durften. Du hast wieder eine trockene Hose an, Noah, und du durftest noch Oma anrufen, um dich zu verabschieden, Yannick. Also, WAS IST LOS?” Kurz sind sie still, dann fragt Yannick: “Bist du sauer, Mama?” “Ich bin müde. Ich bin um fünf Uhr aufgestanden” , antworte ich und bedenke meinen Mann mit einem giftigen Seitenblick. Schließlich war das frühe Aufstehen sein Plan gewesen. Schon haben sich die Jungen auf dem Rücksitz wieder in den Haaren. “Geh nicht auf meine Hälfte! Hier ist die Grenze” , brüllt Yannick und trommelt auf Noahs Hand, die jener mit Absicht auf Yannicks Sitz gelegt hat. Ich fiebere der Autobahnauffahrt entgegen.

Endlich sind wir da. “Autobahn!” bellt es aus drei Kehlen. Meine Aufgabe, die des Beifahrers, ist es, von jetzt an die Mitfahrenden zu versorgen. Vor der Autobahn werden die Vorräte nicht angerührt. Diese Regel soll sicherstellen, dass wir mindestens hundert Kilometer weit kommen, bevor die Reserven zur Neige gehen. Ich bestehe darauf, dass die Kinder mit Bananen und Apfelscheiben anfangen. Danach bestehen sie darauf, dass es mit belegten Broten und Kakao weitergeht. Dann gewähre ich ihnen Muffins und Apfelsaft und schließlich wollen sie ein Eis. In einem periodischen Kreislauf taucht die Forderung nach einem Eis zwischen der Frage, wann wir ENDLICH da seien, und der Nörgelei, es sei zu heiß, auf. Einige Minuten kann ich die Jungs mit Vorlesen aus einem Buch ablenken. Danach ist mir schlecht, weil ich zu den Menschen gehöre, die auf einer still stehenden Schaukel seekrank werden und schon bei der Kombination der Worte Auto und Buch ein mulmiges Gefühl in der Magengrube verspüren. Yannick und Noah haben in ihren Zyklus der Forderungen jene nach einem weiteren Buch aufgenommen und ich teile meinem Mann mit, dass mir schlecht ist und ich fahren will. “Was, jetzt schon tauschen? Wir sind ja noch nicht mal eine Stunde unterwegs” , mault er. “OK, machen wir die Stunde voll” , schnaube ich. Ich weiß natürlich, dass es ihm nicht um die Eine-Stunde-durchfahren-Regel geht, vielmehr will er nicht sobald die hoffnungslose Rolle des Kinderunterhalters übernehmen. Resigniert reiße ich die Notfallpackung Schokorosinen auf. Die Kinder verstummen über einem eisernen Wettessen. Besorgt um meinen Joker reduziere ich die Zufuhr auf eine Schokorosine zur Zeit und werfe abwechselnd Noah und Yannick eine über die Schulter zu. Ohne mich umzudrehen, damit mir nicht noch schlechter wird. Gekreische (gefolgt von aufgeregtem Gewühle) oder begeistertes Kichern verrät mir, ob ich einen Mund getroffen habe. “Ich mach sauber, wenn wir da sind” , erkläre ich meinem missbilligend in den Rückspiegel blickenden Mann. Selbst die Aussicht darauf, das Auto an unserem Ziel von Grund auf zu sanieren, ist eine Verlockung im Hinblick auf meine Lage, mit zwei äußerst aktiven Kindern in einen Raum von 2x3x1m gepfercht zu sein.

Ich sehe zum wiederholten Mal auf die Uhr. Mein Mann nickt einem Schild zu. “Hier fahren wir ab. Im Ort gibt es ein kleines Restaurant, in dem man eine richtige Tasse Kaffee trinken kann” , sagt er. “Dann tauschen wir.” Er lächelt mich mit den Gedanken schon beim Kaffee versöhnlich an und wendet sich nach hinten: “Und ihr bekommt euer Eis.” Wir fahren gerade in die Stadt ein, da meldet sich Yannick: “Ich muss mal Pipi.” “Gleich sind wir da. Nur noch eine Minute” , sage ich, obwohl ich schon seine Erwiderung kenne. “Ich muss JETZT Pipi.” Wenn kein Halten mehr ist, wiederholt er gewöhnlich seine Ankündigung noch einmal. Yannick rutscht auf seinem Sitz herum und sagt gepresst: “Jetzt SOFORT.” “Anhalten!” rufe ich und springe schon aus dem Auto, bevor es ganz zum Stehen kommt. Ein überfluteter Autositz fehlt mir gerade noch zu meinem Urlaubsglück. Ich zerre Yannick aus seinem Sitz und schleppe ihn zu einem kleinen Stück Grün zwischen zwei Läden. Er ist noch nicht ganz fertig mit Pinkeln, da ruft er panisch: “Jetzt muss ich richtig.” Und bevor ich ihn bremsen kann, zieht er sich auch schon die Hose herunter. Ich wage es nicht, mich umzusehen, und schaue zu, wie die Gänseblümchen von einer weichen Masse plattgedrückt werden. Ich wünsche mich woanders hin. Nach Hause. Doch ich bleibe am Ort der Verzweiflung und ziehe seufzend Taschentücher hervor. Schließlich klettert Yannick aufatmend ins Auto und ich hole mir eine Plastiktüte. Gerade richte ich mich wieder auf und knote die volle Tüte zu, als ein Mann auf den Laden neben mir zusteuert. Womöglich der Besitzer. Er betrachtet mich und sucht dann die Gegend nach einem Hund ab. Sein überraschter Blick wandert zurück zu mir. Ich habe das Gefühl, mich verteidigen zu müssen. “Ich war?s nicht” , sage ich und lasse die Tüte in einen Mülleimer plumpsen. Mit einem Satz bin ich zurück im Auto und schlage die Tür zu. “Eins steht fest: Es gibt kein Eis” , teile ich den Kindern mit, während ich so tief wie möglich in meinen Sitz rutsche. Ich würde mir jetzt meine Sonnenbrille aufsetzen, aber die liegt zu Hause im Badezimmer. “Hiermit schwöre ich” , rufe ich meinem Mann über das Kindergeschrei zu, “hiermit schwöre ich, nie wieder unvorbereitet in den Urlaub zu fahren.”

Die folgenden erprobten Reisetipps sollen Sie davor bewahren, sich kurz nach Reiseantritt wieder nach Hause zu sehnen.

Familiensammeln

Erforderlich sind eine gut befahrene Straße, Papier und Stifte. Die Größe der Familien wird festgelegt und jedem Mitspieler werden bestimmte Merkmale für seine Familie vorgegeben, z.B. braune Haare, blaue Hemden, Tochter mit Zopf, Vater mit Brille. Ziel des Spiels ist es, als erster seine Familie (nach den vorgegebenen Merkmalen) aus vorbeifahrenden Autos zu sammeln. Je nach Alter der Kinder können die Kinder selbst den “Stammbaum” anlegen und die gefundenen Familienmitglieder abstreichen, oder ein Spielleiter übernimmt diese Aufgabe und informiert die Mitspieler darüber, welche Personen sie noch brauchen.

Ralley

Erforderlich sind Papier und Stifte. Je nach Alter der Kinder wird festgelegt, ob man eine Farben-, eine Zahlen- oder eine Buchstaben-Ralley macht. Es wird eine Kombination aus Farben bzw. Zahlen oder Buchstaben vorgegeben. Ziel des Spiels ist es, als erster seine Kombination in den Autokennzeichen der vorbeifahrenden Autos zu finden oder, im Fall der Farben-Ralley, Autos in den Farben der vorgegebenen Kombination zu entdecken.

Märchenstunde

Wenn Ihnen auch leicht schlecht vom Lesen im Auto wird, können Sie sich leicht auf eine Autoreise vorbereiten, indem Sie sich Titel von Geschichten aufschreiben, die Sie erzählen können. Wenn Sie kreativ genug sind, können Sie die Geschichten mit dem anreichern, was Sie während der Fahrt sehen. Mit ein wenig Übung kann sich daraus eine Mischung aus Märchenstunde und Ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst ergeben, z.B.: “Dann trafen der Esel, der Hund und die Katze auf einen Hahn an einer…?” – Das Auto fährt auf eine Brücke zu – “Brücke!”

Verkorkt

Erforderlich sind Korken in der Anzahl der Mitspieler (oder mindestens ein Korken, der dann vom einen zum anderen wandert). Der älteste Spieler fängt an. Er steckt sich den Korken zwischen die Vorderzähne und muss versuchen zu sagen: “Ich bin Benjamin der Elefant und bin so schrecklich, schrecklich krank. Ich habe Zahnschmerzen – und was noch?” Nun wird nach dem Prinzip von “Ich packe meinen Koffer” vom nächsten Spieler den Zahnschmerzen eine weitere Krankheit angehängt und noch eine weitere vom nächsten Spieler etc. Nach vier Spielern könnte der Satz also lauten: “Ich bin Benjamin der Elefant und bin so schrecklich, schrecklich krank. Ich habe Zahnschmerzen, Husten, Ohrenschmerzen und Halsweh.”

Autobingo

Erforderlich sind vorgefertigte Karten mit zwölf kleinen Illustrationen, wie z.B. einem Laster, einer Tanksäule, einer Kuh, einer Brücke, einem Trecker. Die Kinder müssen draußen die gleichen Dinge entdecken und können dann abstreichen.

Bingo im Auto

Winke-Winke

Besonders geeignet für Fahrten im Stau oder Stadtverkehr. Abwechselnd müssen die Kinder versuchen, eine Person in einem anderen Auto zum Winken zu bringen.

Wanzenchor

Alle singen gemeinsam: “Auf der Mauer auf der Lauer sitzt ´ne kleine Wanze. Seht euch mal die Wanze an, wie die Wanze tanzen kann. Auf der Mauer auf der Lauer sitzt ´ne kleine Wanze.” Nun wird in der folgenden Strophe das E in jeder Wanze weggelassen, in der darauf folgenden Strophe das Z und das E u.s.w., bis das ganze Wort Wanze weg ist und mit einer Pause ersetzt wird. Wer sich beim Singen vertut, scheidet aus. Die Sänger, die am Endes des Liedes noch nicht ausgeschieden sind, haben gewonnen. Das Lied kann auch so lange wiederholt werden, bis es nur noch einen Sänger gibt, der dann gewonnen hat.

Regentropfenderby

Erforderlich sind regennasse Seitenfenster. Jedes Kind sucht sich einen Regentropfen am oberen Rand des Fensters aus. Welcher Regentropfen ist zuerst unten angekommen?

Autorin

Sarah Schwarz

E-Mail: Sarah Schwarz (sschwarz null@null textation NULL.com)