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Empfehlenswerte Bücher für ältere Kinder und Jugendliche

Erstellt am 11. November 2008, zuletzt geändert am 3. März 2010

Leseforum Bayern


ab 14 Jahre

Der Mann von der anderen Seite

Uri Orlev, Beltz & Gelberg 2007, 224 S., geb., € 12,90

Marek ist 14 und muss seinem Stiefvater Antoni helfen, Lebensmittel ins Ghetto zu schmuggeln. Sie tun das nicht aus Menschenliebe, sondern weil sie dringend Geld verdienen müssen. Marek steht wie auch sein Stiefvater den Juden ablehnend bis feindlich gegenüber. Er beteiligt sich sogar an den Erpressungsversuchen zweier übler Kumpane, die sich einen Spaß daraus machen, Juden aufzuspüren, sie zu bedrohen und ihnen ihr Geld und damit jede Überlebensmöglichkeit zu nehmen. Als seine Mutter davon erfährt, ist sie außer sich und klärt Marek auf, dass sein eigener Vater, der im kommunistischen Widerstand ums Leben gekommen ist, Jude war. Mareks Einstellung verändert sich daraufhin, außerdem lernt er Herrn Jozek, einen aus dem Ghetto geflohenen Juden, kennen, dem er nun hilft, auch als Wiedergutmachung für das begangene Unrecht. Das Buch endet damit, dass Marek Herrn Jozek hilft, zurück ins Ghetto zu kommen, als der Aufstand ausgebrochen ist, weil dieser dort kämpfen will. Nun aber ist Marek ganz auf den wenig geliebten Stiefvater angewiesen, um zurückzugelangen. Am Ende sieht dann auch das Verhältnis zwischen ihm und Antoni ganz anders aus.

Der Verfasser hat, wie gewohnt, ein außerordentlich bewegendes Jugendbuch geschrieben. Es ist spannend und beruht auf einer tatsächlichen Begebenheit, ist eine Entwicklungsgeschichte, ein historisches Buch sowie eine Liebesgeschichte, gleichermaßen für jüngere und ältere Leser geeignet.

Beast

Ally Kennen, Gerstenberg 2007, 228 S., TB, € 14,90

Stephen beginnt die Geschichte über sich und ‚Beast’ mit einer Liste der zehn schlimmsten Dinge, die er in seinem Leben begangen hat. Anschließend erzählt er quälend anschaulich, wie er unter Einsatz seines letzten Geldes vom Metzger ein Schwein kauft, es heimlich in den Schuppen seiner Pflegeeltern schafft und nachts in Stücke zersägt. Als die Taschenlampe seines Pflegevaters in den Schuppen leuchtet, ist dieser entsetzt – der Leser auch. Wer ist Stephen?

Dem Leser wird bald klar, dass er mit zwei Perspektiven konfrontiert wird. Die eine ist die Sicht der Außenwelt auf Stephen, die ihn von vornherein zum Täter macht. Die andere Perspektive ist Stephens Sicht der Dinge und seine Geschichte über ‚Beast’, die er mit viel Witz erzählt. Er hat von seinem Vater, bevor die Familie zerbrach, ein eidechsengroßes Tier bekommen, das er all die Jahre am Leben erhalten hat. Jetzt hat er ein Problem: Es ist vier Meter groß und der marode Käfig, in dem er es an einem Stausee versteckt hat, droht zu brechen. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Stephen gewinnt ihn letztlich. Er kann das Tier, ein Salzwasserkrokodil, retten und auch sein eigenes Leben in den Griff bekommen.

Ein spannend und humorvoll erzähltes Buch, das die Vorurteile gegenüber Außenseitern thematisiert. Vor allem Jungen werden daran ihre Freude haben!

Alegria Septem. Der Bund der Sieben

Norbert Klugmann, Kosmos 2007, 320 S., TB, € 14,95

Den geschichtlichen Hintergrund dieses Jugendbuches bildet der 30-jährige Krieg. Das Leben der Mädchen in dem Kloster ist hart und wird bestimmt durch schwere Arbeit und derbe Schläge. Hildegard, das Bauernmädchen, trifft es immer am schlimmsten. Bei Regula, der Kaufmannstochter, oder Cecilia, der Musikerin, Katherina, der Heilkundigen, oder Antonia, der Gelehrten, halten sich die Schwestern eher zurück. Trotz der misslichen Umstände sind die Mädchen froh, vor den Schrecken des seit Jahren tobenden Krieges in dem Kloster eine Zuflucht gefunden zu haben. Doch dann entdecken sie im Viehstall einen kostbaren Schatz. Von diesem erfährt auch die Äbtissin und setzt alles daran, das Versteck zu erfahren. Bedroht von der Folter, gelingt elf Mädchen die Flucht. Verfolgt und von Soldaten geängstigt, irren die Mädchen durch eine winterliche Landschaft. Den Schatz führen sie mit sich. Als ihre Lage schon fast ausweglos ist, stoßen sie auf eine menschenleere Burg … Von den ehemals elf Mädchen bleiben am Ende sieben übrig. Nach den Anfangsbuchstaben ihrer Namen nennen sie sich „Alegria“, was „Freude“ bedeutet. Sie wollen eine bessere Gemeinschaft aufbauen als jene, die sie im Kloster erlebten.

Der geheime Zirkel. Gemmas Visionen

Libba Bray, dtv 2007, 477 S., TB, € 12,95

Der Fantasy-Roman spielt in England im ausgehenden 19. Jahrhundert. Nachdem ihre Mutter auf eine höchst mysteriöse Weise gestorben ist, wird die 16-jährige Gemma von ihrer Familie in ein Internat in der Nähe von London gesteckt. Niemand darf etwas von den Vorfällen erfahren, die zum Tod der Mutter führten. Gemma soll zu einer heiratsfähigen jungen Dame erzogen werden und gute Chancen haben, sich standesgemäß zu verheiraten. Doch alles kommt anders: In dem Internat setzen Gemmas „Visionen“ ein. Verwirrend dabei ist vor allem, dass sie jedes Mal, wenn sie aus den tranceartigen Zuständen erwacht, etwas Reales in den Händen hält. Einmal ist es ein Stück Stoff vom Kleid ihrer Mutter, ein anderes Mal ein Tagebuch einer gewissen Mary Dowd, die einst Schülerin in diesem Internat war.

Als Gemma sich nachts mit ihren Freundinnen in einer unheimlichen Höhle trifft, erfährt sie Näheres über den mysteriösen Orden, dem Mary angehörte – und auch ihre verstorbene Mutter … Ein spannendes Buch, das nicht mit Effekten spart! Gut gelungen ist die Darstellung des historischen Hintergrundes und des Frauenbildes in der viktorianischen Zeit.

Tatort Eine Welt – Was hat mein Handy mit dem Kongo zu tun?

Karl-Albrecht Immel, Klaus Tränkle, Hammer 2007, 199 S., TB, € 19,90

Mit Nachrichten über Katastrophen und das Elend in den armen Ländern der Welt werden wir von den Medien regelrecht bombardiert. Und obwohl tagtäglich in Zeitungen, Fernsehen und Rundfunk Zahlen genannt werden, gelingt es selten, die Dimensionen von Problemen zu veranschaulichen und Zusammenhänge herzustellen. Genau dies geschieht, wenn der profilierte entwicklungspolitische Journalist Immel und der erfahrene Grafiker und Ausstellungsgestalter Tränkle sich die großen entwicklungspolitischen Themen vornehmen und mit je einem Schaubild und einer Textseite jeweils einzelne Aspekte dieser komplexen Thematik veranschaulichen. Die wichtigsten Fragen der Entwicklungspolitik und Globalisierung wie Armut, Hunger, Gesundheit, Bildung, Umwelt, Weltmarkt, Schulden, Menschenrechte usw. werden mit neuesten Daten und Fakten komprimiert und verständlich beschrieben und die Diskrepanz zwischen den reichen und armen Ländern und deren Ursachen deutlich vor Augen geführt. Die Auswirkungen des globalen Handels werden ebenso aufgezeigt wie die ganz unterschiedlichen Facetten des Themas Gesundheit in armen und reichen Ländern. Basis für die Darstellung sind vor allem Statistiken von Organisationen wie Weltbank, UNO,
WHO oder World Watch Institute.

Die Brontes in Haworth.

Ann Dinsdale und Simon Warner, Gerstenberg 2007, 160 S., geb., € 29,90

Ann Dinsdale ist Bibliothekarin des Bronte-Museums in Haworth. Gemeinsam mit dem in der Nähe lebenden Fotografen Simon Warner hat sie hier einen eindrucksvollen Band über die Zeit und das Leben der Geschwister Bronte vorgelegt, die eng mit dem kleinen Ort Haworth inmitten der einsamen Moore von Yorkshire verbunden sind. 1820 zog Patrick Bronte mit seiner Frau und sechs Kindern nach Haworth, wo er auf eine Pfarrstelle berufen worden war. Bald nach dem Umzug verstarb seine Frau, kurz danach auch seine beiden ältesten Töchter. Trotz Armut und Einsamkeit versuchte Patrick die überlebenden Kinder zu fördern. So ist es denn wohl ihm zu verdanken, dass sie, ausgehend von spielerischen Anfängen, zu überraschenden künstlerischen Leistungen, vor allem in der Malerei und Literatur, befähigt wurden. Heute gehören die Brontes zu den auch bei uns bekannten Gestalten der englischen Literaturgeschichte.

Libri Mortis – Flüsternde Schatten

Peter Schwindt, Loewe 2006, 395 S., geb., € 16,90

Rosalies 16. Geburtstag ist wie immer ein trauriges Ereignis, denn ihre Mutter liegt seit 16 Jahren im Wachkoma. Rosalies Leben nimmt an diesem Tag jedoch eine unheimliche Wende, denn sie sieht in der Schule einen unsichtbaren Mann, den seit langem verschollenen Hausmeister, und beginnt Stimmen aus der Unterwelt zu hören. Daher macht sie sich durch eine Kellertür auf, die Pariser Katakomben und das Geheimnis der Stimmen zu ergründen. Das nun beginnende fesselnde Abenteuer oszilliert zwischen dem Versuch, eine realistische Erklärung für die Geschehnisse zu finden, und der Ahnung eines unendlichen Grauens. Aufgerollt wird dabei die Vorgeschichte der manischen Depression der Mutter und die Frage nach Rosalies eigener Veranlagung. Die Protagonistin findet heraus, dass auch ihre Mutter die Katakomben aufgesucht hatte. Durch den Fund eines Buches, in das Rosalie leibhaftig eindringt wie Harry Potter in Tom Riddles Tagebuch, stößt sie voller Entsetzen auf die Geschichte des pädophilen Hausmeisters und auf Zusammenhänge von Erpressung und Gewalt in hohen Pariser Kreisen. Das Buch endet mit dem schweren Unfall der Protagonistin im Pariser Untergrund und einem mehr als offenen Schluss, der die Lektüre der Fortsetzungsbände unbedingt notwendig macht.

Der knapp 400 Seiten umfassende erste Teil der Libri Mortis-Trilogie bedient sich einer leicht lesbaren Sprache und ist ein realistisches Jugendbuch, das dann auf hoffmanneske Weise eindringt in eine Welt, die durch fantastische Elemente belebt wird. Lesefutter mit dichter Atmosphäre: Spannung pur!

Die Minute der Wahrheit. Roman über die Liebe und die Kunst

Björn Sortland, Hanser 2007, 423 S. geb., € 19,90

Frida Riis steht plötzlich vor dem Problem, dass ihre Augen schmerzen und die Besuche beim Arzt beunruhigende Ergebnisse bringen. Termine im Krankenhaus nimmt sie nur teilweise wahr, denn eigentlich will sie nicht wissen, was los ist. Da gerade Osterferien sind, kauft sie sich eine Interrailfahrkarte und zieht los, um die großen Kunstwerke Europas zu besuchen – solange, wie sie noch sehen kann. Dieser Gedanke ist mehr oder weniger bewusst immer vorhanden, das zeigt ihr Tagebuch. Sie erzählt in diesem Buch offen von ihren Problemen mit der Trennung ihrer Eltern und von ihren Gefühlsschwankungen im Zusammenhang mit Jakob, einem fast gleichaltrigen Norweger, den sie in Florenz kennenlernt. Er ist ein ganz besonderer Junge, der sich brennend für Kunst und insbesondere für die Wandlungen eines Motivs interessiert: die Szene der Kreuzigung. Er hat nichts dagegen, wenn sie, die sich als bekennender Kunstbanause vorstellt, ihn begleitet und seine Erläuterungen eines Werkes daraufhin überprüft, ob Jugendliche sie verstehen können. Er soll einen Leitfaden zur Kunst veröffentlichen und sie spielt die Rolle des potentiellen Lesers. So führt ihr Weg kreuz und quer durch Europa zu den großen Werken. Spannend bleibt diese Reise, weil die beiden Jugendlichen sich ihrer Gefühle nicht sicher sind. Neben Frida und Jakob gibt es noch ein junges Mädchen, das nur durch Handymeldungen präsent ist und dennoch alle bis zum Schluss in Atem hält.

Der vielfach empfohlene Roman enthält auch einen Bildteil, so dass die in ihm beschriebenen Kunstwerke unmittelbar nachvollzogen werden können.

Und meine Welt steht Kopf

Randa Abdel-Fattah, Ravensburger 2007, 317 S. geb., € 14,95

Die 16-jährige Amal hat während der Ferien den Einfall, mit Beginn des neuen Schuljahres den Hijab, das Kopftuch, zu tragen, das sie als gläubige Muslima kennzeichnet. Sie geht in eine traditionsbewusste Schule in Australien, genauer: in Melbourne, und wird die erste sein, die zu der Schuluniform den Schleier trägt. Sie macht sich keine Illusionen über die Reaktionen ihrer Klassenkameraden. Eine Liste über die, die sie skeptisch oder gar hämisch betrachten werden, macht ihr klar, wie groß ihr Wagnis ist. Als sie mit den Eltern redet, staunen diese über ihren Mut, appellieren aber zugleich auch an ihre Vernunft, die den Weg des geringsten Widerstandes nahelegt. Sie wählt den schwierigeren und schildert mit all ihren Ängsten die Auseinandersetzung mit der Direktorin der Eliteschule oder die Reaktion des umschwärmten Klassenkameraden, der wie so viele Jungen auf Distanz geht …

Die Autorin, die aus einer ägyptisch-palästinensischen Familie stammt, zeigt die Welt eines muslimischen Teenagers, der in einem westlichen kulturellen Kontext aufwächst. Ihre eigene Erfahrung in Australien ist in das Buch eingeflossen und macht es zu einem sehr interessanten Einblick. Die Probleme, die Medienwelt und die Sprache, die allen Jugendlichen auch hier gemeinsam sind, fließen hier ebenso ein und machen das Buch zu einem aussagekräftigen Zeitbild.

Echtzeit

Pnina Moed Kass, Bloomsbury 2007, 258 S., TB, € 9,90

Was das Buch im Titel verspricht, hält es in der Form: Momentaufnahmen, genau datiert, reihen sich aneinander und ergeben ein kaleidoskopartiges Bild vom Leben im heutigen Israel. Zusammengetragen werden die einzelnen Elemente von jungen und alten Menschen, Deutschen, Israelis verschiedener Herkunft, Palästinensern. Im Zentrum steht der 16-jährige Thomas Wanninger aus Berlin, der etwas über die Vergangenheit erfahren möchte: über seinen Großvater, der 1943 verschollen ist, von dem aber plötzlich Photographien aufgetaucht sind, die viele Fragen aufwerfen. Wer diese Photos mit der Post zugeschickt hat, ist unbekannt. Unter dieser Last der Familiengeschichte hat sein Vater gelitten und ist, wie die Mutter es deutet, an den Krebszellen gestorben, die die mutmaßlichen Untaten seines Vaters ihm eingepflanzt haben. Thomas will sich mit dem Halbwissen nicht zufrieden geben und meldet sich deshalb zu einem Aufenthalt in einem Kibbuz in der Nähe von Jerusalem. Dort treffen sich Menschen, die alle einen besonderen Grund haben, hier zu sein, etwa Vera, die Betreuerin von Thomas. Sie ist aus Odessa gekommen, nachdem sie spät über ihre jüdische Herkunft aufgeklärt worden ist. Gegen alle Pläne ist ihr Verlobter nicht mit ihr zusammen: er hat Selbstmord begangen. Belastet sind sie alle, die sich hier treffen, sei es von der Vergangenheit, sei es, wie ein junger Palästinenser, von der Gegenwart.
Die Art und Weise allerdings, in der erzählt wird, nämlich in einem lebendigen, der gesprochenen Sprache sehr nahen Ton, macht das Buch zu einer packenden Lektüre.

Ein reiner Schrei

Siobhan Dowd, Carlsen 2006, 317 S., geb., € 15,00

Südirland, 1984. Shells Mutter ist gestorben, der Vater trinkt, Shell muss den Haushalt führen und sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern. Ihre Not erkennt der junge Pater Rose, der sich aber aufgrund des bösartigen Geredes der Leute zurückhalten muss. So verfällt Shell, auch um ihrem trostlosen Alltag mit dem ewig betrunkenen, verlogenen und gewalttätigen Vater zu entfliehen, mehr und mehr ihrem charmanten, aber gewissenlosen Schulkameraden Declan Ronan. Zuerst will sie ihre Schwangerschaft nicht wahrhaben, schließlich aber bringt sie das Kind allein, nur mit der Hilfe ihrer jüngeren Geschwister zur Welt.

Das Baby, ein Mädchen, wird tot geboren, und Shell begräbt es hinter dem Haus. Als in der Nähe des Dorfes am Strand in einer Höhle ein weiteres Baby tot aufgefunden wird, geraten Shell und ihr Vater unter Mordverdacht. Der haltlose Vater, der noch dazu einen religiösen Wahn hat, gesteht fälschlicherweise, der Mörder zu sein. Erst nach gerichtsmedizinischer Untersuchung werden Shell und ihr Vater entlastet. Shell und der Leser wissen, dass auch das zweite Baby von Declan Ronan ist, der Shells Freundin Bridie ebenfalls verführt hat. Das Buch endet realistisch, es gibt kein Happy End, aber immerhin trinkt der Vater nicht mehr und Shell versucht ihr Leben neu zu ordnen.

Das Buch überschreitet immer wieder die Grenze zwischen Jugend- und Erwachsenenliteratur, es ist stellenweise fast gnadenlos in seiner Darstellung des Schicksals der Protagonistin, und es ist ein ganz hervorragendes Buch. Das fast biblische Leid der Hauptfigur, ihre unprätentiöse Art, mit diesem Schicksal umzugehen, die Lauterkeit und Kraft ihres Charakters, die schrecklichen Familienverhältnisse, die Spuren von Güte seitens des Paters und einiger Dorfbewohner, aber auch die Gemeinheit des Tratsches oder die Sünde der Gleichgültigkeit werden mit großer Anschaulichkeit und großem Einfühlungsvermögen geschildert.

Dieb im Haus der Erinnerung

Tim Wynne-Jones, Hanser 2007, geb., 201 S., € 14,90

Der Thriller spielt in Kanada. Declan Steeple wird auf dem Nachhauseweg von der Schule von einem LKW-Fahrer mitgenommen. Der kommt ihm zwar irgendwie seltsam vor, aber große Bedeutung misst er der Begebenheit nicht bei, bis er drei Wochen später beim Besuch im unbewohnten Haus seiner Großeltern eben diesen LKW-Fahrer von einem Bücherregal erschlagen auffindet. Alles deutet auf einen Unfall hin, aber Declan kommen Zweifel. Gleichzeitig mit dem Fund der Leiche tauchen in seinem Kopf immer wieder Bilder seiner fünf Jahre zuvor verschwundenen Mutter auf. Er fragt sich, ob zwischen ihrem Verschwinden und dem LKW-Fahrer, Dennis Runyon, eine Verbindung besteht. Weiterhin ist verdächtig, dass sein Vater und dessen Lebensgefährtin seinen Fragen ausweichen und er feststellen muss, dass ihre zögerlichen Antworten lügenhaft sind. Als er herausfindet, dass Runyon und seine Mutter vor und nach deren Ehe ein Paar waren, erhärtet sich sein Mordverdacht gegen den Vater … Ein überaus spannender Roman, genau wie die beiden Vorgängerromane des Autors „Flucht in die Wälder“ (2001) und „Brandspuren“ (2003) – ein Thriller mit psychologischem Tiefgang.

Arthur & George

Julian Barnes, Kiepenheuer und Witsch 2007, 524 S., geb., € 22,90

Das Buch erzählt die Biographien zweier Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Der nachmals weltberühmte Sir Arthur Conan Doyle wächst in finanziell prekären Umständen auf, entstammt aber dem schottischen Landadel, für eine gute Erziehung und Ausbildung wird gesorgt. Er wird Augenarzt, übt diesen Beruf jedoch kaum aus, weil er es inzwischen zur Anerkennung als Schriftsteller geschafft hat. George Edalji hingegen ist der Sohn eines Pfarrers der anglikanischen Kirche indischer Herkunft und erhält ebenfalls eine gute Ausbildung. Seine Erziehung allerdings ist vom religiösen Rigorismus und den engen Ehrvorstellungen seines Vaters geprägt. Schon früh erhält seine Familie Drohungen, die sich wiederholen, als George bereits als angesehener Anwalt in Birmingham arbeitet. Da die Familie sich gegen Unterstellungen und Nachstellungen wehrt, wird George selbst das Ziel polizeilicher Ermittlungen und, wenn auch augenscheinlich ungerecht, verhaftet und zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. In dieser Situation wendet er sich an Sir Arthur, der sich für den Fall interessiert und für Georges Rehabilitierung kämpft …

Ein spannender, auch ironischer Roman gegen den Rassismus!

Mal was Anderes:

Train Man

Hitori Nakano

Carlsen 2007, 425 S., TB, € 14,00


Erfolgreicher Internetroman aus Japan: Sein Nickname ist Train Man, als er den Teilnehmern
eines Internetforums zum ersten Mal von dem Mädchen Hermes erzählt, das er in der
U-Bahn kennen gelernt hat, wo er sie vor dem Übergriff eines Betrunkenen schützte. Als sie
sich deshalb bei ihm bedankt, verliebt er sich in sie, weiß aber nun nicht, wie es weitergehen
soll. Mit Computerspielen und Comics kennt er sich aus, aber mit Mädchen? Doch seine
Chatfreunde stehen ihm bei, fiebern mit, feuern ihn an. Nach und nach nähert er sich seinem
Ziel – und wird dabei zur Kultfigur einer ganzen Generation.

Liverpool Street

Anne C. Voorhoeve, Ravensburger Buchverlag 2007, 480 S., geb., € 16,95

Das auf historischen Quellen beruhende Buch stellt ein Geschichtsepos dar, das niemanden unberührt lässt. In seinem Mittelpunkt steht das Mädchen Franziska, die Tochter eines jüdischen Rechtsanwalts in Berlin, deren Familie wie alle Juden im nationalsozialistischen Deutschland schrittweise aus der Öffentlichkeit ausgegrenzt und schließlich zum Freiwild wird. Kurz vor Kriegsbeginn gelingt es ihr, dem Holocaust zu entkommen und mit dem Schiff nach England zu fliehen, wo sie am Londoner Bahnhof Liverpool Street von ihren jüdisch-orthodoxen Pflegeeltern in Empfang genommen wird, bei denen sie die furchtbaren Kriegsjahre überstehen wird … Ein Buch über die Bewährung eines starken Kindes in einer fremden Gesellschaft und Sprache, über die Schuldgefühle, davongekommen zu sein, aber auch über die Liebe – abenteuerlich, spannend, humorvoll, an keiner Stelle langweilig.

Wir retten Leben, sagt mein Vater

Do van Ranst, Carlsen 2006, 140 S., TB, € 12,00

„Da ist die Großmutter, die seit dem Tod ihres Mannes nicht mehr spricht, die Eltern der Erzählerin, die ihre Ehe verdrießlich aussitzen, und die 15-jährige Ich-Erzählerin selbst, die auf den Märchenprinzen wartet. Nicht zu vergessen deren Freundin Sue, die vergeblich, aber dafür umso intensiver liebt …Do van Ranst gelingt eine bestechend komische und originelle Fabel, die Familiengeheimnisse und kompakte Lügengeschichten originell zu skizzieren vermag. Seine familiäre Versuchsanordnung ist eine höchst amüsante und zugleich tiefgründige Inszenierung. Sie versinnbildlicht nicht nur die Qualen des Erwachsenwerdens, sondern auch die verkapselten Leidenschaften ihrer pointiert gezeichneten Charaktere. Andrea Kluitmann hat den Text mit leichter Feder aus dem Niederländischen übertragen. Ein fulminantes Familienstandbild, aus der Kurve geschossen“ – so die Begründung der Jury anlässlich der Verleihung des Deutschen Jugendliteraturpreises 2007.

Duden Wirtschaft.

Sonja Huster [Hrsg.]; Alexander Baba, Dudenverlag, 2007, 3., völlig neu bearb. Aufl., 288 S. mit CD-ROM, geb., € 21,00

Ein gelungenes, zeitgemäßes Schülerlexikon aus den Verlagshäusern Duden und Paetec, in der Reihe “Basiswissen Schule” erschienen. Themen und Inhalte werden für alle Schulformen bis zum Abitur vermittelt. Gegliedert in die Bereiche Wirtschaften im Privathaushalt (einschließlich Geldanlagen, Vertragsrecht), Betriebswirtschaft, Volkswirtschaft und Recht. Übersichtlich, mit farbigen Abbildungen, Tabellen und umfassendem Stichwortregister. Sehr gut auch die beigefügte CD-ROM (Bilder, PDF-Dateien, Suchmöglichkeit nach mehreren 1 000 Stichwörtern etc.) mit aktuellen Grafiken, Textbeiträgen, Fotos, und Animationen, damit nutzbar für „anfallende “Schülerarbeiten, Referate, Hausaufgaben etc., lauffähig unter allen gängigen Browsern für Windows-, Linux- und Macintosh-Computer, Direktzugriff auf www.schuelerlexikon.de. Hervorragend geeignet auch für die Mittelstufe sowie für Grund- und Leistungskurse.


ab 16 Jahre

Die Mittagsfrau

Julia Franck, S. Fischer 2007, 429 S., geb., € 19,90

Die Gewinnerin des Deutschen Buchpreises 2007 beschreibt in diesem Roman die Geschichte einer Frau, die ihren 8-jährigen Sohn nach dem Krieg auf einem Bahnhof im Stich lässt, nur mit der Adresse von Verwandten im Gepäck. Im Verlauf des Buches wird nun aufgerollt, wie es dazu kommen konnte, dass diese Mutter ihr Kind einfach verlassen hat. Helene wächst mit der deutlich älteren Schwester zusammen auf, beide kümmern sich um ihre hoch problematische Mutter, die in ihrer eigenen Welt lebt und nur den tot geborenen Söhnen nachtrauert. Die Mutter ist Jüdin, die Töchter sind protestantisch. Das Jüdische wird verdrängt und verschwiegen, ist aber unterschwellig Thema. Alles scheint besser zu werden, als die Schwestern zu einer Tante nach Berlin ziehen, bis Helenes Freund bei einem Unfall ums Leben kommt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird ihre jüdische Herkunft zum Problem. Ein junger Nazi verliebt sich in sie, sie nimmt ihn schließlich, aus Einsamkeit und Haltlosigkeit. Doch die Ehe wird zum Desaster, als sich der Ehemann als sadistischer Spießer herausstellt. Schließlich lässt er sie mit dem Kind im Stich … Das Buch wühlt den Leser auf, er nimmt Partei, wird dann verunsichert und erkennt, dass die Rollen von Opfern und Tätern oft fließend sind, dass Dinge viele Ursachen haben, dass Menschen versagen, und wie es dazu kommt. Ein kluges und verstörendes Buch für anspruchsvolle Schülerinnen und Schüler.

Zoli

Colum McCann, Rowohlt 2007, 382 S., geb., € 19,90

Geschichte der Zoli Novotna, einer Roma, die sowohl mit der eigenen Tradition als auch mit den zeitgeschichtlichen Umständen (Nationalsozialismus, Sozialismus) zu kämpfen hat. Die Geschichte beginnt mit dem Mord an Zolis Eltern und Geschwistern. Wie viele andere Roma in der Slowakei werden sie von den Hlinka-Gardisten aufs Eis getrieben und versenkt. Zoli überlebt mit dem Großvater, sie lernt lesen und schreiben und singt und dichtet in der Tradition ihres Volkes. Nicht zuletzt damit bezaubert sie den irisch-slowakischen Journalisten Stephen Swann. Er glaubt an den Sozialismus und daran, dass dieser auch für die Zigeuner ein lebenswertes Leben schaffen wird. Nicht nur er sieht sich grausam getäuscht. Auch Zoli wird dies. Sie wird von Swann verraten und schließlich als Verräterin von ihrem Volk verstoßen. Nach schrecklicher Einsamkeit und qualvoller Wanderung gelangt sie Ende der 50er-Jahre in den Westen, wo sie ein spätes Glück findet. Der Roman ist ein eindrucksvolles Zeugnis sowohl für das Schicksal und die Kultur der Roma, für die zeithistorischen Umstände vom Aufstieg und Fall des Sozialismus und für den Preis, den Menschen bezahlen müssen, die ihren eigenen Weg gehen wollen.

Besonderer Tipp:

50 Hertz gegen Stalin

Lüddemann, Steffen

Sauerländer 2007, 267 S., geb., € 14,90


1949 bei Leipzig entschließt sich eine Gruppe von Gymnasiasten Widerstand gegen die russische
Besatzung und das DDR-Regime zu leisten. Sie bauen heimlich einen Radiosender
und stören die Rede des Staatsratsvorsitzenden Pieck zu Stalins 70. Geburtstag …
Eine historisch verbürgte Widerstandsgeschichte mit tödlichem Ausgang!

Mascha Kaléko. Biografie

Jutta Rosenkranz, dtv 2007, 299 S., TB, € 14,50

Zum 100. Geburtstag der Dichterin und Lebenskünstlerin zeichnet Jutta Rosenkranz den Lebensweg der Lyrikerin Mascha Kaléko nach, die zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts zählt. Neben Briefstellen werden auch Passagen aus ihren Gedichten zitiert, so dass sich hier ein kleines Kaléko-Lesebuch ergibt. Kaléko wurde in Polen geboren, zog dann mit den Eltern nach Berlin, wo sie um 1930 zur literarischen Bohème gehörte und mit ihrer melancholisch-ironischen Alltags- und Großstadtlyrik zu einiger Berühmtheit gelangte. Als Jüdin musste sie nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten Deutschland verlassen und verbrachte ihr weiteres Leben in den USA, Israel und der Schweiz. Das Buch ist sorgfältig recherchiert und enthält eine Fülle von Informationen, die sicher auch für das Verständnis der Gedichte Kalékos hilfreich sind, die noch immer frisch und modern klingen.

Der Schmetterlingsmonat

Ariella Kornmehl, Bloomsbury 2006, 204 S., geb., € 16,90

Geschichte um eine junge niederländische Ärztin und deren schwarze Hausangestellte in Südafrika. Joni ist eine junge Ärztin aus den Niederlanden. Zutiefst verletzt, weil sie keine Kinder bekommen kann, hadert sie mit ihrer Mutter (der sie Gleichgültigkeit und Arroganz vorwirft), hat auch die Beziehung zu ihrem Freund abrupt beendet und findet erst in Zanele, ihrer schwarzen Hausangestellten, allmählich eine Freundin und Vertraute und damit Trost. Andererseits birgt auch diese Beziehung Konfliktstoff, bleibt Joni doch auf der Seite der anderen, der Weißen, und eine Freundschaft ist schwer möglich. Die tiefe Kluft zwischen Schwarz und Weiß ist ständig präsent, ebenso die latente und offene Gewalt innerhalb der schwarzen Bevölkerung. Das Buch verbindet die persönliche Verletzung der Hauptfigur mit den Problemen ihres Landes und der dortigen Gesellschaft, über die der Leser wertvolle Einsichten gewinnt.

Die Hölle der Zahlen

Heinrich Hemme, Vandenhoeck & Ruprecht 2007, 136 S., TB, € 14,90

Die „Hölle der Zahlen” liefert 92 neue Denksportaufgaben für die Fans des unterhaltsamen Denksports. Hemme hat – wie schon in vielen Vorgängerbändchen – in alten Büchern und Zeitschriften gestöbert, sich aber auch im Internet und bei Freunden informiert und dabei erneut eine anregende Sammlung zusammengetragen. Die Rätsel- und Knobelaufgaben kommen aus allen Bereichen der Mathematik. Schulkenntnisse der Mittelstufenmathematik reichen zur Lösung der Probleme aus. Ein größerer Rechenaufwand ist niemals erforderlich, oft wird aber einiges an Spielerei und Spitzfindigkeit beim Lösen der Aufgaben abverlangt. Die sehr ausführlichen Antworten sind fast dreimal so lang wie der Aufgabenteil, so dass man den Lösungsweg stets gut nachvollziehen kann. Die „Hölle der Zahlen“ verdient sicher eine besondere Empfehlung unter den Knobelbüchern.

Skurrile Quantenwelt

Silvia Camejo Arroyo, S. Fischer 2007, 312 S. m. Abb., TB, € 12,95

Ein Teil des Bucherfolgs beruht wohl auf der Jugend der Autorin und darauf, dass der Verlag der Hardcover-Ausgabe (Springer, Berlin 2006) gekonnt ein „Wunderkind“ inszenierte, aber nicht nur, denn tatsächlich gelingt es Arroyo Camejo in hohem Maße, die richtig erkannte Lücke zwischen populären Darstellungen und den Hochschullehrbüchern, die nur aus Formeln zu bestehen scheinen, zu schließen. Arroyo Camejos Einführung in die Prinzipien der Quantenphysik gewährt dem Leser einen tiefen Einblick in die Welt des Mikrokosmos und das faszinierende Gebiet der kleinsten Teilchen, deren Verhaltensweisen sich fundamental von dem unterscheiden, was der gesunde Menschenverstand normalerweise erwartet. Didaktisch gut aufbereitet gibt die junge Autorin einen Überblick über die gängigsten Theorien und Deutungen rund um die Quantenphysik, der auch gestandenen Physikern eine interessante Auseinandersetzung mit diesem kontroversen Thema bietet.

Die großen Naturforscher. Von Aristoteles und Darwin

Robert Huxley, Frederking & Thaler 2007, 304 S. m. 202 Abb., geb., € 34,90

Das Buch zeichnet die Geschichte der Naturwissenschaften nach, von der Antike bis zu Charles Darwins bahnbrechender Evolutionstheorie. Es umfasst bekannte Persönlichkeiten wie Aristoteles, Carl von Linné, dem wir die Systematik der Lebewesen verdanken, Maria Sybilla Merian oder den großen Sammler Joseph Banks. Auch weniger prominente Forscher kommen zu ihrem Recht: Ulisse Aldrovandi zum Beispiel, der erste Direktor eines Naturkundemuseums, Antony van Leeuwenhoek, der sein eigenes Mikroskop baute und die Bakterien entdeckte; oder Mary Anning, die „Prinzessin der Paläontologie“, die einen ausgeprägten Spürsinn für Fossilien besaß. Dass viele dieser Forscher auch große Künstler waren, zeigen die Zeichnungen und Grafiken dieses opulenten Bildbandes, die den Leser auch für die Schönheit der Natur begeistern können.

Melnitz

Charles Lewinsky, dtv 2007, 772 S., TB, € 11,50

Als 1871 nachts ein entfernter Verwandter an die Tür der Meijers klopft, ahnt keiner in der Familie, wie radikal sich ihr Leben ändern wird. Janki Meijer, aus der französischen Armee entflohen, mischt die Familie des Viehhändlers Solomon Meijer, der im Judendorf Endingen für Ehrlichkeit steht, gehörig auf. Wie sich die Geschichte dieser weit verzweigten jüdischen Familie bis ins Jahr 1945 entwickelt, erzählt Lewinsky mit großer Gestaltungskraft. Eine Familiensaga aus der Schweiz, die ein weites Geschichtspanorama entwirft, in allen Feuilletons gelobt, jetzt auch als Taschenbuch erhältlich. Großes realistisches Erzählen im Stil Flauberts oder Fontanes.

Romantik. Ein deutsche Affäre

Rüdiger Safranski, Hanser 2007, 415 S., geb., € 24,90

Kaum eine Epoche hat die deutsche Geistesgeschichte so geprägt wie die Romantik, im Guten wie im Schlechten, eine Jugendbewegung, die entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil durchaus auch ein Kind der Aufklärung war. Der Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski, bekannt geworden durch seine durchweg gerühmten Biographien zu Schiller, E.T.A. Hoffmann, Schopenhauer, Friedrich Nietzsche und Martin Heidegger, die seither mit gutem Grund auch als preiswerte Taschenbuch-Ausgaben erschienen sind, spürt hier kenntnisreich und problembewusst in 18 spannend zu lesenden Kapiteln den Anfängen dieser Epoche nach, verfolgt ihre Entwicklung und beschreibt im Zweiten Teil ihre spannungsreiche Wirkungsgeschichte, beginnend bei Hegel, Wagner, Nietzsche und Thomas Mann, über die romantischen Fieberträume der Nationalsozialisten bis hin in unsere Tage. Ein Epochenpanorama, wie man es sich wünscht – „eine deutsche Affäre“!

Kleist. Eine Biographie

Jens Bisky, Rowohlt 2007, 527 S., geb., € 22,90

Zu seinem 230. Geburtstag setzten sich auf dem neuesten Stand der Forschung Gerhard Schulz (C.H. Beck) und Jens Bisky mit Heinrich von Kleist auseinander. Beiden Werken wurde ungeteiltes Lob zuteil. Beide Werke sind für Oberstufenschüler durchaus lesbar, Bisky etwas leichter als Schulz, weswegen wir seinem Buch den Vorzug geben wollen. Mit Heinrich von Kleist wird ein Autor vorgestellt, dessen Werk bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Um eine Biographie der Extreme handelt es sich in seinem Fall, von Bisky kenntnis- und facettenreich eingebettet in eine Epoche des Umbruchs, in der kein Stein auf dem anderen blieb. Sehr zu empfehlen auch für aufgeweckte Jugendliche und junge Erwachsene!

Reclams großes Buch der deutschen Gedichte – Vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert

Heinrich Detering, (Hg.): Reclam 2007, 1 001 S., geb., € 36,90

Wer ein veritables Hausbuch für den Gabentisch sucht, das über Jahre hinweg seine Gültigkeit behaupten wird, liegt bei dieser Lyrik-Anthologie richtig. Kanonisches und Klassisches bilden das Fundament, Vernachlässigtes, Vergessenes und Unbekanntes zeigen das vermeintlich Vertraute in neuer Beleuchtung. Die tour d’horizon durch annähernd anderthalb Jahrtausende deutscher Lyrik beginnt bei den Merseburger Zaubersprüchen und endet in der unmittelbaren Gegenwart. Mundart- und Nonsense-Dichter wie der vor kurzem verstorbene Robert Gernhardt finden sich hier ebenso wie noch weitgehend unbekannte Talente der aktuellen Lyrik-Szene.

Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra

Roberto Saviano, Hanser 2007, 364 S., geb., € 21,50

Die süditalienische Camorra spielt eine wichtige Rolle im internationalen Drogenhandel und hat sich durch ihre dubiosen Geschäfte in Italien zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Ihre Geschäftsbeziehungen reichen auch nach Deutschland und bis nach China. Giftmüll, Zement, Kleidung – der lange Arm der Camorra ist allgegenwärtig. Der junge Journalist Roberto Saviano hat unter Einsatz des eigenen Lebens in seiner Heimatstadt Neapel recherchiert, Beweise zusammengetragen und ein inzwischen mehrfach ausgezeichnetes Enthüllungsbuch geschrieben, das dem Leser den Atem verschlägt. Sein Autor wurde dadurch schlagartig berühmt, aber auch höchst gefährdet. Seit dem Erscheinen seines Wirtschaftskrimis lebt er im Untergrund. Aus gutem Grund, wie die lange Reihe der Morde der sizilianischen Cosa Nostra, der kalabrischen Ndrangheta oder der neapolitanischen Camorra zeigt.

Das Erlkönig-Manöver

Robert Löhr, Piper 2007, 362 S., geb., € 19,90

Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe konnte es nicht wissen, als er nach durchzechter Nacht frühmorgens im Februar 1805 brummschädelig ins herzogliche Schloss gerufen wird. Hätte er allerdings geahnt, dass Fürst Karl August ausgerechnet ihn dazu ausersehen hat, Napoleon zu stürzen, wäre er wohl lieber zu Hause geblieben. Stattdessen befindet er sich wenig später in Begleitung Friedrich Schillers und des Entdeckers und Naturforschers Alexander von Humboldt auf dem Weg ins französisch besetzte Mainz, um den wahren König von Frankreich zu befreien. Doch der Auftrag ist weitaus vertrackter als erwartet …

Mit großem Witz und profunder Sachkenntnis beschert uns Robert Löhr nach seinem in mehr als zwanzig Sprachen übersetzten ersten Roman („Der Schachautomat“, 2005) nun eine höchst vergnügliche Mischung aus Bildungs- und Schelmenroman um die Ikonen der deutschen Literatur. Auch ein Zugang zur bedeutendsten Epoche der deutschen Literatur!


Weitere aktuelle Lese- und Hörtipps für alle Jahrgangsstufen bieten folgende Empfehlungslisten:

  • Deutscher Jugendliteraturpreis 2008 (http://www NULL.jugendliteratur NULL.org/start02 NULL.htm)
  • „Die 100 Besten – Lust machen auf aufs Lesen“ Neue Kinder- und Jugendbücher 2007 (http://www NULL.buchhandel-bayern NULL.de/lesefoerderung/100_beste_muenchner_buecherschau_2007 NULL.pdf)
  • Deutscher Buchpreis 2007 (http://www NULL.deutscher-buchpreis NULL.de/de/135020)
  • Wissen macht stark – Die besten neuen Sachbücher (http://www NULL.buchhandel-bayern NULL.de/muenchner-buecherschau/mbsjunior-wissen-macht-stark2008 NULL.pdf)
  • Zuhören – mehr als hören. Gute Hörbücher vorgestellt! (http://www NULL.buchhandel-bayern NULL.de/muenchner-buecherschau/mbsjunior-zuhoeren-mehr-als-hoeren2008 NULL.pdf)

Quelle

Leseforum Bayern (Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus)

http://www.leseforum.bayern.de/