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Weihnachtliches Sinnenfeld: Filzen einer Christbaumkugel

Erstellt am 19. November 2002, zuletzt geändert am 19. November 2002

Michael Schnabel      
Michael Schnabel

Eltern sind bemüht, die Zeit vor Weihnachten mit ihren Kindern besinnlich zu gestalten. Öfter als sonst sitzt man beieinander, liest Geschichten vor, erzählt, spielt miteinander oder bastelt für Weihnachten. Besonders stolz sind Eltern und Kinder auf ihren Christbaum, wenn er mit Schmuck behangen ist, der von ihnen hergestellt wurde. Eine gefilzte Christbaumkugel ist noch dazu ein ausgefallenes und beeindruckendes Schmuckstück. Allein das Filzen der Christbaumkugel ist ein erfahrungsträchtiges Erlebnis.

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Was brauch ich dazu?

Sehr, sehr viel Zeit! Es ist äußerst wichtig einen größeren Zeitraum für dieses Projekt einzuplanen. Mehr als eine Stunde ist unbedingt erforderlich! Denn das Filzen erfordert viel Geduld und die hohe Sinneserfahrung wird nur dann ausgeschöpft, wenn der Erfahrungsraum geweitet ist.

Das Grundmaterial ist Wolle – in mehrfacher Form: Einmal ein Sack voll gewaschene und gekämmte Schafswolle, das noch das Wollfett enthält. Dann kleine Mengen gefärbte Schafswolle. Weiterhin ist erforderlich: Schmierseife, eventuell Kernseife, ein großer Topf heißes Wasser, Gummimatten oder andere Unterlagen und ein großer Tisch.

Wenn zwei oder drei Familien sich zum Filzen treffen, kann die Aktion noch spannender werden.

Schafwolle: erstes Sinnenerlebnis

Mutter bzw. Vater stellt einen großen gefüllten Sack in die Mitte. “Was glaubt ihr, ist in dem Sack?” “Geschenke, Spielsachen … Wolle” “Ja, Wolle brauchen wir zum Filzen …” Jedes Kind, jeder Erwachsene darf mit der Hand in den Sack langen und die Wolle fühlen. Wer will, kann auch mit geschlossenen Augen erkunden, wie sich Wolle anfühlt.

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Kinder und Erwachsene teilen ihre Empfindungen mit: “Die Wolle ist ganz flauschig … Sie kitzelt mich … Sie ist federleicht… Sie ist warm…” Dann erhalten alle einen Bauschen Wolle. Mütter, Väter und Kinder spielen und experimentieren damit. Väter machen sich Bärte und Locken. Kinder bewerfen sich gegenseitig. Wir riechen an der Wolle, ziehen sie auseinander und ballen sie wieder zusammen. “Habt ihr gemerkt, wie durch das Spielen mit der Wolle euere Hände samtig weich wurden? Denn in der Wolle ist noch Wollfett und so wurden euere Hände damit eingecremt.”

Wie gehe ich vor?

Jedes Kind und jeder Erwachsene hält einen Bauschen Wolle in der Hand. Dieses Wollstück wird wie ein Taschentuch zusammengelegt. Um dieses Knäuel werden nochmals zwei, drei Wolllagen gewickelt. So soll ein Wollball entstehen, der mit beiden Händen noch umfasst werden kann.

In der Küche wurde bereits ein großer Topf mit Wasser und Schmierseife aufgekocht (Einen Esslöffel Seife pro Liter Wasser!). Das Seifenwasser wird soweit abgekühlt, dass es gerade noch erträglich ist, mit der Hand das Wollknäuel einzutauchen. Hinein mit dem Wollball in´s heiße Seifenwasser! Triefend und schaumig kommt er heraus. Jetzt muss er bearbeitet werden! Filzen ist angesagt: Der Wollball wird leicht zusammengedrückt, mit Seife eingerieben, wieder in heißes Wasser gesteckt, ausgedrückt, auf der Unterlage gewalkt (Gummifußmatten aus dem Auto eignen sich hervorragend als Unterlage!). Und immer wieder wird dieser Arbeitsgang wiederholt. Je nach Wunsch kann noch anfangs der Wollball mit zusätzlicher Wolle umwickelt werden. Durch Drücken, Einseifen, Streicheln, Kneten und Drehen verfilzt die Wolle. Die Kugel wird zusehends fester. Wenn die gewünschte Größe erreicht ist und die Kugel stabil bleibt, kann sie mit bunter Wolle geschmückt werden. Dazu wird hauchdünn farbige Wolle um die Kugel gelegt und durch Drücken und Streicheln eingefilzt.

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Ist die Weihnachtskugel fest und wunschgemäß bunt, so wird die Seife herausgespült. Dazu wird die Kugel so lange in klares Wasser getaucht und ausgedrückt, bis sie zu schäumen aufhört.
Nun braucht sie etwa einen Tag zum Trocknen.

Das Feld der Sinneserfahrungen

Filzen kann jeder! Erwachsene und Kinder haben großen Spaß dabei. Wenngleich die Technik des Filzens sehr einfach und simpel erscheint, ist das Gelingen doch sehr kniffelig. Der Erfolg hängt an Kleinigkeiten. Nicht jede Wolle ist geeignet. Es muss ausnahmslos unbehandelte Schafwolle sein, die noch das Wollfett enthält. Sonst ist jede Mühe umsonst!

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Das Filzen ist eine bedachtsame und sogar meditative Aktion. Man braucht Geduld, Ausdauer und vor allem Behutsamkeit. Es kann schon mehr als eine Stunde dauern, bis die zu filzende Wollkugel stabil wird. Aber die Kinder werden nicht ungeduldig, denn das Drücken, Streicheln und Glätten der seifigen Wollkugel ist im hohen Maße eine sinnenfreudige Tätigkeit. Es werden die Hände gestreichelt, sanft massiert, durch Schaum und warmes Wasser hoch sensibel. Alle genießen die Arbeit! Weiterhin muss das Behandeln der Wollkugel mit großem Einfühlungsvermögen erfolgen: Denn wird die Kugel zu sehr gedrückt, so beginnt sie zu eiern. Wer jedoch mit zu wenig Druck arbeitet erreicht keine Festigkeit. Gleiche Vorsicht erfordert das Einfilzen der farbigen Wolle. Nur ganz dünne Lagen lassen sich noch auftragen. Und die Kugel darf noch nicht zu fest sein.

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Damit beim Filzen mit Kindern die angesprochene Ruhe und Innerlichkeit erreicht werden kann, dürfen keine größeren Pannen auftreten. Denn Kinder sind sehr enttäuscht, wenn bei ihrer Kugel die Farbe nicht haften bleibt oder die Kugel die Form nicht behält. Daher die eindringliche Empfehlung: Wenigstens eine Mutter oder ein Vater aus der Gruppe sollte in einem Kurs erfolgreich Erfahrungen gesammelt haben. Denn sehr wahrscheinlich müssen bei den Weihnachtskugeln der Kinder gezielte Hilfestellungen erfolgen.

Anmerkung

Die Bilder wurden vom Autor bei einem Familienwochenende des Eltern-Kind-Programm e.V. aufgenommen. Kindern und Eltern ein herzliches Dankeschön für die Erlaubnis, die Bilder veröffentlichen zu dürfen. Weitere Informationen: http://www.ekp.de (http://www NULL.ekp NULL.de)

Autor

Michael Schnabel ist wissenschaftlicher Angestellter am

Staatsinstitut für Frühpädagogik

Eckbau Nord

Winzererstraße 9

D – 80797 München

Tel.: 089/99825-1929

E-Mail: Michael Schnabel (Michael NULL.Schnabel null@null extern NULL.lrz-muenchen NULL.de)


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