Wie wirkt der Kinderzuschlag für gering verdienende Eltern?

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Gering verdienende Eltern können einen Zuschlag zum Kindergeld erhalten – den Kinderzuschlag. Diesen Zuschlag erhalten Eltern, die mit ihren unter 25 Jahre alten und unverheirateten Kindern in einem gemeinsamen Haushalt leben und über Einkommen und Vermögen verfügen, das es ihnen ermöglicht, zwar ihr eigenes Existenzminimum, nicht aber das ihrer unter 25 Jahre alten, unverheirateten Kinder zu decken.

Personen mit Anspruch auf Leistungen der Sozialhilfe bzw. auf Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) -Empfänger von Arbeitslosengeld II – steht der Kinderzuschlag nicht zu.

Der Kinderzuschlag ist eine Hilfe gegen die Armutsrisiken von Kindern, um sie vor
dem Bezug von Arbeitslosengeld II zu bewahren. Neue Zahlen zeigen: Der Zuschlag
wirkt. Die beziehenden Familien sind zufrieden und bestätigen eine deutliche
Verbesserung ihrer finanziellen Situation.

Seit Jahresbeginn konnten durch den Kinderzuschlag bereits 85.000 Kinder aus dem
Arbeitslosengeld II-Bezug herausgeholt werden. 90 Prozent der Eltern, die
Kinderzuschlag erhalten, sind mit der Leistung zufrieden oder sogar sehr
zufrieden. Dies ergab die wissenschaftliche Begleitforschung zum Kinderzuschlag,
die das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beim
Sozialforschungsinstitut forsa in Auftrag gegeben hat. Der Kinderzuschlag ist
eine neue familienpolitische Leistung von bis zu 140 Euro monatlich, die es seit
1. Januar 2005 gibt. Ziel des Kinderzuschlags ist es, die wirtschaftliche
Selbständigkeit von Familien zu stärken. Die forsa-Daten belegen, dass dieses
Ziel mit dem Kinderzuschlag erreicht wird.

Zentrale Ergebnisse der Begleitforschung zum Kinderzuschlag:

  • 85.000 Kinder weniger sind ALG II-Empfänger

85.000 Kinder werden schon jetzt aus dem ALG II-Bezug geholt. Gleichzeitig
liegen noch zahlreiche Anträge vor, deren Bearbeitung beschleunigt erfolgen
soll. Das Ziel, 150.000 Kinder und ihre Familien bis Jahresende 2005 aus dem
Arbeitslosengeld II-Bezug zu holen, wird erreicht.

  • 90 Prozent der Bezieher sind zufrieden

Die Bezieher des Kinderzuschlags sind mit der Leistung zufrieden
(90 Prozent), davon sogar 32 Prozent sehr zufrieden. Über die Hälfte der
Empfänger würde bei einer freien Wahl zwischen Kinderzuschlag und
Arbeitslosengeld II den Kinderzuschlag bevorzugen, da sie nicht von
staatlichen Leistungen abhängig sein wollen. Über ein Drittel der
Kinderzuschlagsempfänger und sogar ein knappes Drittel derer, deren Antrag
abgelehnt wurde, würden sich für den Kinderzuschlag sogar dann entscheiden,
wenn dies etwas weniger Geld bedeuten würde als Arbeitslosengeld II.

  • Kinderzuschlag verbessert Einkommen

Mit dem Kinderzuschlag verbessert sich die Einkommenssituation der
Familien. Vor allem bei höherer Kinderzahl von drei und mehr Kindern macht
sich dies deutlicher bemerkbar. Der Kinderzuschlag ist von seiner
Konzeption her in erster Linie ein Angebot für Erwerbstätige. Er
unterstützt die Erwerbstätigkeit der Eltern, statt sie zu unterbinden. Von
den Antragstellern mit Partnern ist fast in 90 Prozent der Fälle mindestens
eine Person erwerbstätig. Bei Alleinerziehenden sind 47 Prozent voll und
27 Prozent in Teilzeit beschäftigt.

  • Kinderzuschlag mindert nicht die Bereitschaft zur Erwerbstätigkeit

Die Mehrheit der Befragten (70 Prozent), die nicht oder nur teilweise
erwerbstätig sind, wünschen sich eine (erhöhte) Erwerbstätigkeit.
Verantwortlich hierfür dürfte sein, dass (zusätzliches) Einkommen aus
Erwerbstätigkeit nur zum Teil auf den Kinderzuschlag angerechnet wird: drei
von zehn Euro verbleiben in der Familie.

  • Fehlende Kinderbetreuung steht gegen die Ausweitung der Erwerbstätigkeit

Ein gravierendes Hindernis für (vermehrte) Erwerbstätigkeit sehen über
40 Prozent in fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Bei Familien mit 3
oder mehr minderjährigen Kindern sind dies sogar 50 Prozent.

  • Informationsdefizit ist Herausforderung

Es besteht Bedarf für verstärkte Informationen über Leistungen, die
Familien zustehen. Den eigenen Kenntnisstand über Leistungen für Familien
schätzen ca. 70 Prozent der Befragten als nicht so gut ein. 5 Prozent der
befragten Antragsteller mit einer Ablehnung des Kinderzuschlags war nicht
bewusst, dass für sie Arbeitslosengeld II oder Sozialhilfe in Betracht
kommen können.

Das Forschungsinstituts forsa hat 2.000 Eltern befragt, die seit Ende 2004 einen
Antrag auf Kinderzuschlag gestellt haben, darunter jeweils die Hälfte Eltern,
deren Antrag bewilligt bzw. abgelehnt wurde.

Bundesfamilienministerin Renate Schmidt erklärte: “Der Kinderzuschlag hat sich
als neue, effiziente Familienleistung bewährt. Bis Ende des Jahres werden
150.000 Kinder und ihre Familien unabhängig von ALG II. Um noch mehr zu
erreichen, werden wir die Mindesteinkommensgrenze flexibilisieren und mehr
Familien eine Wahlmöglichkeit zwischen ALG II und Kinderzuschlag schaffen.”

Der Kinderzuschlag ist eine neue familienpolitische Leistung, die es seit dem
1. Januar 2005 gibt. Er beträgt monatlich bis zu 140 Euro je Kind und wird an
Eltern gezahlt, die mit ihrem Einkommen zwar den eigenen Bedarf decken können,
nicht aber den ihrer Kinder. Der Anspruch auf Kinderzuschlag entfällt, wenn das
Elterneinkommen den gesamten Familienbedarf deckt oder wenn die Familie auch mit
Kinderzuschlag noch auf eine ergänzende Zahlung von Arbeitslosengeld II
angewiesen wäre. Der Zuschlag wird für minderjährige, im Haushalt der Eltern
lebende Kinder für die Dauer von maximal 36 Monaten gezahlt. Er muss bei der
Familienkasse bei der Agentur für Arbeit beantragt werden und wird mit dem
Kindergeld ausgezahlt. Zusammen mit dem Kindergeld von monatlich 154 Euro und
gegebenenfalls zusätzlich Wohngeld deckt er den durchschnittlichen Bedarf eines
Kindes.

Weitere Informationen zu der Studie sind auch im Internet verfügbar. Ob
und wie viel Kinderzuschlag ihnen zusteht, können sich Eltern im Internet mit dem
Kinderzuschlagsrechner ausrechnen.

Quelle

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
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Erstellt am 27. September 2006, zuletzt geändert am 27. September 2006