Schulprobleme – was tun?
Erstellt am 19. August 2004,
Stefana Holocher-Ertl & Martina Frebort
Schlechte Schulleistung – ein Problem mit vielen Ursachen
Wie kann der Psychologe helfen?
Schlechte Schulleistung – ein Problem mit vielen Ursachen
Fabian (11) hat keine Lust, seine Hausaufgaben zu erledigen. Für Schulfächer die ihn nicht interessieren, lernt er ungern und bekommt daher nur schlechte Noten. Die Eltern versuchen, ihren Sohn zu motivieren – “Du brauchst doch nur ein bisschen mehr lernen!” . Doch die Lernschwierigkeiten werden immer mehr zum Streitpunkt. Die Eltern kommen mit Fabian an die Test- und Beratungsstelle (http://www NULL.testzentrum NULL.at) des Arbeitsbereichs für Psychologische Diagnostik am Institut für Psychologie, der Universität Wien, um die Lernschwierigkeiten von einer Psychologin abklären und sich beraten zu lassen. Schwerpunkte dieser Institution sind u.v.a. die psychologische Untersuchung und Beratung bei Lernschwierigkeiten sowie die Schul- und Berufslaufbahnberatung.
Durch eine psychologische Untersuchung wird das Bedingungsgefüge der Lernschwierigkeiten von Fabian erkannt: er ist überdurchschnittlich intelligent; die in der Schule gestellten Aufgaben unterfordern ihn – da zu leichte Aufgaben uninteressant sind, fehlt ihm die nötige Motivation zu lernen und es resultieren schlechte Noten.
Häufig wird die Schuld für schlechte Leistungen automatisch der Faulheit des Kindes oder dem Jugendlichen zugeschrieben; dies ist aber nicht fair. Wie der Fall von Fabian zeigt, können schlechte Schulleistungen auch völlig andere, und zwar ganz verschiedene Ursachen haben. Im Fall von Fabian lag der Grund in der Unterforderung. Die Forschung in der Psychologie zeigt, dass viele Faktoren stimmen müssen, um gute Leistungen in der Schule zu erbringen:
Begabung und Interesse:
Nahe liegend ist, dass das Kind bzw. der/die Jugendliche die nötigen kognitiven (d.h. intelligenzmäßigen) Voraussetzungen für die jeweilige Ausbildung hat. Genauso wichtig ist es aber auch, dass sich der Schüler/die Schülerin für die Ausbildung interessiert. Mangelt es am Interesse für den besuchten Schultyp oder die gewählte Berufsausbildung, sinkt bald die Bereitschaft dafür, sich anzustrengen. Aber ohne Motivation zum Lernen sind gute Leistungen fast unmöglich.
Gute Lernstrategien und Lernumgebung:
Besonders wichtig für erfolgreiches Lernen sind der passende Lernstil und eine günstige Lernumgebung. Wie am besten gelernt wird, ist individuell verschieden. Zum Beispiel lernen manche Schüler am besten durch Anfertigen einer Zusammenfassung des Lernstoffs, andere hingegen merken sich den Stoff am besten durch Zuhören. Eine schlechte Leistung kann resultieren, wenn der individuell bestpassende Lernstil gar nicht bekannt ist. Ungünstige äußere Lernbedingungen, zum Beispiel mit vielen (und lauten) Störungen bzw. Ablenkungen, können dann, aber auch überhaupt die Lernleistungen verschlechtern.
Prüfungsangst:
Ein anderer Grund für Leistungsversagen kann auch Prüfungsangst sein. Die meisten Menschen sind vor Prüfungen etwas angespannt, was bei manchen sogar zur Leistungssteigerung führen kann. Häufiger führt diese Anspannung jedoch zu unangenehmen körperlichen Symptomen, wie Bauch- und Kopfschmerzen sowie feuchten Händen. Und einige Kinder/Jugendliche (auch Erwachsene!) leiden sogar unter einer ausgeprägten Prüfungsangst. Sie haben nicht nur heftige körperliche Symptome, sondern können auch nicht einschlafen, ihre Gedanken kreisen nur um die Prüfung und bei der Prüfung selbst denken sie ununterbrochen daran, die Prüfung nicht zu schaffen. So wird es für sie unmöglich, sich auf die eigentliche Prüfungsaufgabe zu konzentrieren und eine schlechte Leistung ist die Folge – obwohl gerade sie häufig sehr viel gelernt haben und gut vorbereitet sind.
Teilleistungs- und Konzentrationsstörungen:
Als weitere Ursachen für Leistungsversagen sind Teilleistungsstörungen zu nennen. Dazu zählen neben den bekanntesten Störungen, wie Lese-Rechtschreibschwäche (Legasthenie) und Rechenschwäche (Dyskalkulie) , etliche andere. Manche Kinder haben zum Beispiel Probleme, ähnlich klingende Laute zu unterscheiden und haben daher Schwierigkeiten, im Schulunterricht aufzupassen. Andere können sich sehr gut visuelle Inhalte merken, viel weniger gut aber akustisch gebotene Inhalte. Dabei sind Kinder mit einer Teilleistungsstörung in den überwiegenden Fällen normal intelligent, manche sogar überdurchschnittlich intelligent.
Von den Teilleistungsstörungen zu unterscheiden ist eine Konzentrationsschwäche, die ebenfalls ein gutes Lernen verhindert. Schüler mit Konzentrationsschwäche sind im Unterricht besonders leicht ablenkbar, übersehen häufig Wörter oder Sätze.
Ausschließen muss man bei Lernschwierigkeiten auch bestimmte körperliche Probleme, wie eine Hör- oder Sehschwäche.
Die Umgebung – Familie, Freunde, Schule:
Schließlich hängen Leistungen nicht nur von Eigenschaften des Kindes oder Jugendlichen ab – das gesamte Umfeld hat großen Einfluss auf Schulleistungen. Die Scheidung der Eltern, der Tod eines Verwandten, aber auch ein schlechtes Klassenklima in der Schule oder starker Leistungsdruck können beispielsweise die Leistungsfähigkeit mindern.
Was können Eltern tun?
Bei schlechten Schulleistungen sollten Eltern in einem Gespräch mit ihren Kindern versuchen herauszufinden, woran die schlechte Schulleistung liegen könnte. Dabei sollten die Eltern ihren Kindern nicht die Schuld für die Probleme zuweisen oder Vorwürfe machen. Schlechte Leistungen in der Schule sind auch für den Schüler eine starke Belastung und sehr frustrierend. Halten die Schulprobleme einige Zeit an, sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, d.h. einen auf diese Thematik spezialisierten Psychologen aufsuchen. Zum Beispiel ist dies in einer Beratungsstelle möglich.
Wie kann der Psychologe helfen?
Im ersten Schritt werden die Ursachen von Lernschwierigkeiten festgestellt. Denn nur wenn man die Gründe kennt, kann man gezielt und erfolgreich helfen. Die Ursachen können durch eine psychologische Untersuchung genau festgestellt werden. Bei einer psychologischdiagnostischen Untersuchung werden zunächst in einem ausführlichen Gespräch mit Eltern und Kind (Jugendlichem) die Probleme erfasst. Anschließend werden – individuell auf das Problem abgestimmt – verschiedene Test- und Fragebogenverfahren durchgeführt. Die Psychologische Diagnostik, als eine wesentliche Teildisziplin der Psychologie, stellt heute moderne, auf hohen wissenschaftlichen Standards basierende Tests und Fragebogenverfahren zur Verfügung, mit denen die Ursachen der Lernschwierigkeiten entdeckt werden können. Damit ist eine professionelle Hilfestellung möglich, die immer individuell festgelegt wird. Die Möglichkeiten für Hilfsangebote werden mit Eltern und Kind in einem ausführlichen Beratungsgespräch besprochen. Zum Beispiel ist in Fällen, in denen der Schüler ungeeignete Lernstrategien anwendet, ein Lerntraining hilfreich. Hier erarbeitet der Psychologe mit dem Kind oder Jugendlichen gemeinsam Strategien, wie er oder sie am besten und effizientesten lernen kann. Bei Vorliegen einer Teilleistungsstörung gibt es heute in der Psychologie gute Förderprogramme, mit denen es möglich ist, die Probleme zu lösen.
Den Problemen vorbeugen:
Man muss nicht immer erst warten, bis die Probleme auftreten: Im Sinne einer Vorbeugung ist es hilfreich, bei wichtigen Schul- und Berufslaufbahnentscheidungen die Unterstützung durch einen Experten in Anspruch zu nehmen. In diesen Fällen wird durch eine psychologische Untersuchung festgestellt, ob der Schüler sich für diesen Beruf überhaupt besonders interessiert und ob er für diesen Beruf geeignet ist. Der Psychologe berücksichtigt dabei auch die Umgebungsbedingungen – zum Beispiel, ob die Belastung einer weiten Anreise zur Ausbildungsstätte für den konkreten Jugendlichen zumutbar oder doch zu groß ist. Ziel des Psychologen ist immer, durch sein Fachwissen und das gezielte Erfassen aller relevanten Informationen das Kind oder den Jugendlichen und die Eltern dabei zu unterstützen, eine optimale Entscheidung zu treffen.
Ansprechpartner
Mag. Stefana Holocher-Ertl & Mag. Martina Frebort
Test- und Beratungsstelle des Arbeitsbereichs Psychologische Diagnostik
Institut für Psychologie
Universität Wien
Liebiggasse 5/1 (Psychologicum)
1010 Wien
Tel: 01/4277-47854
Fax: 01/4277-47905
E-Mail: testzentrum.psychologie@univie.ac.at (testzentrum NULL.psychologie null@null univie NULL.ac NULL.at)
Homepage: www.testzentrum.at (http://www NULL.testzentrum NULL.at)



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