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Wie wird unser Kind schulfähig? – Elternhaus, Kindergarten und Schule tragen dazu bei

Erstellt am 20. Juni 2001, zuletzt geändert am 8. März 2010

Renate Niesel
 Foto: Renate Niesel

Kinder und Eltern kommen in die Schule

Die Anforderungen, die mit dem Übergang vom Kindergarten in die Grundschule verbunden sind, betreffen Kinder und Eltern: Aus Kindergartenkindern werden Schulkinder und aus Eltern eines Kindergartenkindes werden Schulkindeltern. Die neuen Anforderungen werden in ganz unterschiedlichen Bereichen spürbar:

Bei aller Vorfreude und dem Stolz auf den neuen Status, sind auch sind Verluste zu spüren, denn zunächst heißt es Abschied nehmen von den Lebensgewohnheiten des Kindergartens, von den vertrauten Erzieherinnen und Kindern. Es werden intensive Gefühle erlebt.

Der tägliche Wechsel zwischen Familie und Schule folgt strengeren Regeln als der Wechsel zwischen Familie und Kindergarten. Die Schule ist auch nachmittags durch die Hausaufgaben deutlicher spürbar. Schulgebäude und Schulgelände sind zunächst noch eine unbekannte Welt und oftmals ganz anders als Kinder sie sich vorgestellt haben.

Auf der Beziehungsebene verändert sich vieles: Schulklassen sind anders Kindergartengruppen und während Kinder am Ende der Kindergartenzeit den Status der “Großen” genießen können, sind sie in der Schule zunächst einmal wieder die “Kleinen”. Das Kind muss seinen Platz in einer neuen sozialen Umgebung finden. Es knüpft Kontakte zu Gleichaltrigen und zu älteren Kindern, baut Beziehungen zu Lehrerinnen und Lehrern auf, es entwickelt neue und pflegt alte Freundschaften. Die Beziehung zwischen den Eltern und Ihrem Schulkind verändert sich. Für das Kind werden die Erwartungen der Eltern jetzt deutlicher spürbar. Viele Eltern staunen über das starke Streben ihres Kindes nach Selbständigkeit. Zu Unstimmigkeiten kann es kommen, wenn das Kind mehr Selbständigkeit fordert als die Eltern gewähren möchten.

Die Rolle eines Schulkindes unterscheidet sich stark von der des Kindergartenkindes. An diese Rollenanforderungen denkt man zuerst, wenn von Schulvorbereitung die Rede ist:

  • Die Trennung zwischen formalisiertem Lernen und Spiel wird deutlicher. Das Lernen in der Schule erfolgt mit anderen Methoden als das Lernen im Kindergarten.
  • Die Vermittlung der Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen steht im Vordergrund.
  • Kinder müssen eine Vielzahl von neuen Verhaltensregeln lernen und einhalten, spontane Wünsche und Bedürfnisse müssen häufig zurückgestellt werden.
  • Sie können ihre Tätigkeit nicht mehr frei wählen. Die Aufgaben, die zu bearbeiten sind, werden von außen, also von der Lehrerin an das Kind herangetragen und sollen in einer bestimmten Zeit bewältigt werden.
  • Mit der Erfüllung der Rollenanforderungen sind positive, mit der Nichterfüllung negative Rückmeldungen verbunden.

Schule ist ganz anders als Kindergarten. Das ist gut so, denn Schulanfänger wünschen sich neue Herausforderungen – sie wollen nicht mehr Kindergartenkind sein, sondern ein Schulkind werden. Optimal ist es, wenn die neuen Anforderungen so gestaltet sind, dass sie den individuellen Kapazitäten entsprechen, um eine Überforderung aber auch eine Unterforderung zu vermeiden. Stressreaktionen treten dann auf, wenn die Anforderungen die Bewältigungsmöglichkeiten übersteigen.

Was Eltern tun können

Am Ende der Kindergartenzeit können Kinder in der Regel zählen (bis zehn oder auch weiter), die meisten können ihren Namen “schreiben” (nachmalen). Einige Kinder können schon einfache Wörter erkennen oder kleine Rechenaufgaben lösen. Das ist aber auf keine Voraussetzung oder gar ein Vorsprung, der den Schulbeginn erleichtert. Lesen, Schreiben und Rechnen werden in der Schule gelehrt und meistens mit anderen Methoden als die, mit denen Mütter, Väter oder Großeltern Kinder mit ersten Buchstaben oder Wörtern vertraut machen.

Wichtig sind dagegen solche Kompetenzen, die dem Kind erlauben, dem Unterricht zu folgen und von ihm zu profitieren. Dazu gehören Konzentrationsfähigkeit und Neugierverhalten, Experimentierfreude, Motivation, Ausdauer und Anstrengungsbereitschaft, die das Kind auch unabhängig von der direkten Anleitung durch einen Erwachsenen zeigt. Eltern, die diese Verhaltensweisen durch entsprechende Anregungen fördern, tun viel für das allgemeine Denkvermögen und Wissen ihres Kindes. Das Kind braucht ein positives Selbstkonzept, das ihm hilft, sich in der Schule wohl zu fühlen. Eltern können sich fragen:

  • Was traue ich meinem Kind zu? Was kann es selber tun, auch wenn es etwas länger dauert und noch nicht so perfekt wird?
  • Spielt mein Kind nicht nur mit seinem “fertigen” Spielzeug, sondern beschäftigt es sich auch mit Materialien (drinnen und draußen), die seine Kreativität herausfordern, die es anregen, wie ein Forscher oder Entdecker Dinge zu suchen, zu finden, zu sammeln, zu ordnen, herauszufinden, zu erfragen usw.?
  • Werden durch seine Aktivitäten sowohl die Grob- als auch die Feinmotorik geschult?
  • Kennt mein Kind andere Familien, wo z.B. andere Speisen gegessen werden, anders gespielt wird, weil z.B. ältere und jüngere Geschwister oder die Großeltern mit aktiv sind?
  • Kommt mein Kind öfters in Umgebungen, die ganz besonders anregend sind? Beispiele sind: Spielen und Entdecken im Wald oder am Wasser oder Besuche im Kindertheater. Viele Museen sind für Kinder hochinteressant und bieten besondere Programm für Kinder unterschiedlicher Altersstufen an. Zeigt das Kind sich durch die Erfahrungen und neue Eindrücke angeregt?’
  • Ist die Aussprache und die Sprechweise (z.B. vollständige Sätze) gut entwickelt? Die Sprache ist das wichtigste Medium im Schulalltag. Bilderbücher, aus denen das Kind “die Bilder erzählt” und das Vorlesen sollten im Alltag ihren festen Platz haben. Der Beginn der Schulzeit ist auch ein guter Zeitpunkt, dem Kind in der Stadtbücherei einen eigenen Leseausweis ausstellen zu lassen.
  • Kann mein Kind sich in sein Spiel richtig vertiefen? Dabei übt es unter anderem seine Konzentrationsfähigkeit – und sollte möglichst nicht unterbrochen werden.

Eine häufig gestellte Frage: “Wie sieht es mit den Übungsheften für Vorschulkinder aus, die es fertig zu kaufen gibt?”

Viele Kinder im letzten Kindergartenjahr bearbeiten solche Blätter und Hefte ausgesprochen gerne, weil sie es auch als Ausdruck ihres Status als Vorschulkind empfinden. Bevor Eltern solche Hefte kaufen, können sie mit der Erzieherin darüber sprechen, wie die Schulvorbereitung im Kindergarten aussieht. Sie werden erfahren, warum bestimmte Angebote zur Schulvorbereitung gemacht werden, aber auch, welche pädagogischen Überlegungen dahinterstecken, wenn anderes nicht gemacht wird. Eltern können dann den Stellenwert dieser Hefte besser einschätzen.

Wichtig: die körperliche Fitness

Ein körperlich stabiles Kind verfügt über bessere Ressourcen, um den geistigen, sozialen und körperlichen Anforderungen des Schulalltags zu begegnen als ein Kind, das schnell ermüdet oder häufig krank wird. Durch eine gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf und viel Bewegung, möglichst im Freien – mit Toben, Balancieren, Klettern, Rennen, Rollschuhlaufen, Fahrradfahren usw. werden nicht nur die Abwehrkräfte gestärkt, sondern das Kind entwickelt ein gutes Körpergefühl und damit Selbstsicherheit. Die körperliche Fitness schützt vor Schulstress durch Krankheitstage.

Eine wichtige Voraussetzung für den Schulerfolg ist ein uneingeschränktes Seh- und Hörvermögen des Kindes. Falls der Verdacht auf eine Störung besteht, sollte diesem so früh wie möglich nachgegangen werden. Auch wenn nichts auffällig erscheint, sollten Eltern sich durch eine Untersuchung beim Kinder- oder Facharzt Sicherheit verschaffen. Es ist auch die Aufgabe des Schularztes zu prüfen, ob der körperliche Entwicklungs- und Gesundheitszustand für eine Bewältigung der neuen Anforderungen spricht – allerdings erfolgt diese Untersuchung erst in Verbindung mit der Schulanmeldung.

Was der Kindergarten tut

Im Kindergarten steht das soziale Lernen im Vordergrund. Kinder lernen die Regeln des sozialen Miteinanders in der Gruppe, sie schließen Freundschaften und erfahren, dass Spaß und Freude oft dann am größten sind, wenn Spielideen gemeinsam mit anderen verwirklicht werden. Auch wenn man Schulkinder fragt, was das Schönste an der Schule sei, kommt nicht selten die Antwort, “dass ich meine Freunde treffe.” Umgekehrt ist für die Kinder, die soziale Ablehnung erfahren, die Schule wenig attraktiv . Bei diesen Kindern wurden langfristig stärkere Tendenzen zur Vermeidung des Schulbesuchs beobachtet und sie zeigten auch schlechtere Schulleistung.

Die meisten Kinder entwickeln angemessene Beziehungen zu ihren Klassenkameraden und zur Lehrerin. Sie finden Freunde in der Klasse, im Hort oder Tagesheim. Dabei behaupten sie sich als eigenständige Persönlichkeiten, können sich zurücknehmen oder durchsetzen – wie es in der jeweiligen Situation angebracht ist.

Eine häufig gestellte Frage: “Mein Kind hat sich nur schwer in den Kindergarten eingewöhnt, wird das in der Schule auch so sein?”

Viele Kinder gehen nicht vom ersten Tag an mit Begeisterung in den Kindergarten, sondern zeigen durch ihr zurückgezogenes Verhalten, dass sie etwas länger als andere Kinder brauchen, um sich einzugewöhnen. (Niesel & Griebel, 2000). Das gilt für Jungen und Mädchen gleichermaßen. Die meisten Kinder lernen im Laufe ihrer Kindergartenzeit mit neuen Situationen umzugehen. Besondere Aufmerksamkeit sollte einem Kind dann geschenkt werden, wenn es nicht nur zu Beginn, sondern auch noch am Ende der Kindergartenzeit deutlich gehemmtes oder zurückgezogenes Verhalten zeigt. In solchen Fällen kann es möglich sein, dass es nicht ausreicht, das Verhalten des Kindes als “individuelles Entwicklungstempo” zu sehen. Vielmehr ist mit der Erzieherin und der Lehrerin zu klären, ob eine gezielte Unterstützung nötig ist, damit das Kind nicht in eine soziale Isolation gerät. Erstes Ziel muss ein, dass das Kind sich in der Schule wohlfühlt und auch in seinem Leistungsvermögen richtig eingeschätzt wird, denn sehr schüchterne Kinder, die sich wenig äußern, werden von Lehrkräften in ihrem Leistungen nicht selten schlechter beurteilt, als sie tatsächlich sind.

Der Dialog mit der Erzieherin

Grundsätzlich fördert der Kindergarten die gleichen Kompetenzen, die auch Eltern in der Familienerziehung anstreben, die pädagogischen Ansätze und Möglichkeiten in der Gruppe mit vielen Kindern und professionell arbeitenden Erwachsenen sind aber andere. Über die folgenden Förderbereiche sollten Eltern Bescheid wissen und mit den Erzieherinnen im Gespräch sein (Reidelhuber, 1998):

  • Förderung der Identität und der kindlichen Autonomie, so dass jedes Kind ein gesundes Selbstbewusstsein in der Gruppe entwickeln kann.
  • Förderung des Einfühlungsvermögens, so dass Kinder in ihrem Sozialverhalten sicher werden
  • Sprachförderung
  • Förderung der Motivation durch Freude am selbsttätigen Entdecken und Ausprobieren, so dass das Lernen aus eigenem Antrieb, Ausdauer, Konzentration und die Freude am fertigen Produkt erlebt werden können
  • Förderung der Kreativität, so dass Interessen geweckt und Tätigkeiten lustvoll erlebt werden können.
  • Förderung der Kooperationsfähigkeit.
  • Förderung der Grobmotorik zur Entwicklung der Körperbeherrschung und Geschicklichkeit und der Feinmotorik, zur Vorbereitung der Stifthaltung und des Schreibenlernens.

Die Erzieherin ist aber auch die erste Ansprechpartnerin, wenn es um Fragen geht, die das einzelne Kind und seine Entwicklung betreffen. Nachfolgend sind einige Fragen aufgelistet, die Eltern und Erzieherinnen sich bezüglich der Schulfähigkeit eines Kindes stellen und miteinander besprechen können:

  • Wie geht das Kind an eine neue Aufgabenstellung heran ? – Ist es aktiv und zuversichtlich, das es eine Lösung finden wird?
  • Zeigt es dabei eine gewisse Ausdauer?
  • Führt es angefangene Tätigkeiten zu Ende?
  • Schöpft es Freude aus dem eigenen Tun?
  • Holt es sich Hilfe, wenn es nicht weiterkommt?
  • Ist es bereit, sich für einen gewissen Zeitraum auf von Erwachsenen angeleitete Tätigkeiten einzulassen und sich darin zu vertiefen?
  • Kann es anderen Kindern und Erwachsenen zuhören?
  • Kann es seine Gefühle angemessen ausdrücken?
  • Ist es selbstsicher und selbstbejahend?

Wenn die meisten Fragen mit “häufig” der “meistens” beantwortet werden können, sind gute Voraussetzungen für das Lernen in der Schule gegeben.

Auch wenn Eltern Zweifel an der Schulfähigkeit ihres Kindes haben, ist die Erzieherin die erste Ansprechpartnerin. In manchen Situationen verhalten sich Kinder in der Kindergartengruppe anders als Zuhause, und manches, was Zuhause zu Konflikten führt, klappt im Kindergarten problemlos, wie z.B. das Aufräumen. Wenn die Erzieherin die Bedenken der Eltern nicht ausräumen kann oder selber unsicher ist, weiß sie, wo Eltern kompetente Beratung bekommen können.

Schulreife – einmal anders herum gedacht

Bei dem meisten Kindern ist die Frage nach der Schulfähigkeit oder Schulbereitschaft eines Kindes eindeutig zu beantworten. Zunehmend wird aber das Schuleintrittsalter gesenkt und jüngere Kinder werden ohne weitere Überprüfung ihrer Schulfähigkeit eingeschult, wenn die Eltern das wünschen. Die Regelungen sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Oder aber, das Kind ist nach dem Gesetz schulpflichtig, es bestehen aber Zweifel, ob es den Anforderungen der Schule gewachsen ist oder aber noch Fördermaßnahmen braucht.

Dann stellt sich nicht nur die Frage: “Wird mein Kind die Anforderungen der Schule bewältigen?” sondern “Wird mein Kind die Anforderungen dieser Schule bewältigen?”

Wolfram (1999) hat den folgenden Fragenkatalog dazu formuliert:

  • Wie läuft das Einschulungsverfahren an der jeweiligen Grundschule ab?
  • Wie viele Kinder werden voraussichtlich in der oder den ersten Klasse(n) sein?
  • Wird ein differenzierender Unterricht in der Grundschule durchgeführt, in dem die Lehrkräfte den unterschiedlichen Entwicklungsstand des Kindes berücksichtigen?
  • In welcher Weise wird in der Gestaltung des Unterrichts und in der Auswahl der Inhalte die Bikulturaliät von manchen Kindern berücksichtigt? Sind die Lehrer dafür ausgebildet?
  • Erhalten Kinder, die intensivere Anleitung und Übungsmöglichkeiten benötigen, Förderstunden?
  • Wenn eine Lese- und/oder Rechtschreibschwäche bei einem Kind vermutet wird, wie wird darauf reagiert?
  • Wie geht die Schule mit Schulschwierigkeiten einzelner Kinder um?
  • Wie gestalten die Lehrkräfte den Kontakt zu den Eltern?
  • Welche Anforderungen werden bei den Hausaufgaben gestellt?

In der Regel ist der Kindergarten vor Schuleintritt Vermittler zwischen Elternhaus und Schule. Nicht immer steht die Schule den Eltern in selbstverständlicher Weise als Gesprächspartner vor der Einschulung zur Verfügung. Eltern sollten also nachfragen, wie Kindergarten und Grundschule zusammenarbeiten und welche Informationen dabei an die Eltern fließen. Gibt es im Laufe des Schul bzw. Kindergartenjahres regelmäßige Kontakte? Haben die Kinder Gelegenheit die Schule zu besuchen, das Gebäude kennen zu lernen? Stellt sich ihnen einen Lehrerin vor, die den Kindern vom Schulalltag berichtet und ihre Fragen beantwortet? Können die Kinder Klassenzimmer anzuschauen und an einer Unterrichtsstunde teilzunehmen? Gibt es andere Möglichkeiten des Kennenlernens? Kommt eine Grundschullehrerin in den Kindergarten? Nimmt sie an einem Elternabend für die Schulkindeltern teil?

Die Ministerien, die für Kindergärten und Schulen zuständig sind, empfehlen die Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule.

Kinder in den Übergangsprozess einbeziehen

Damit ist nicht nur gemeint, dass Kinder einmal die Schule besuchen oder zum Sommerfest in die Schule eingeladen werden. Vielmehr geht es darum, dass Kinder Gelegenheit haben, ihre Vorstellungen von Schule, ihre Erwartungen und ihre Befürchtungen auszudrücken und als Gesprächspartner ernst genommen werden. Dabei ist wichtig, dass Erwachsene sorgfältig darüber nachdenken, welches Bild von Schule sie dem Kind vermitteln und welche Botschaften sie damit verbinden. Z.B. können sich Kinder unter dem “Ernst des Lebens, der nun beginnt”, kaum etwas vorstellen und vielleicht ist gerade das furchteinflößend. In der Schule anfangen, heißt auch, den Kindergarten verlassen, ein Abschiednehmen und Neuanfang, beides sollte für Kinder und Eltern bewusst gestaltet werden.

Ein Tipp: Wenn Sie unsicher sind, z.B. weil Ihr Kind Ihnen körperlich noch zu klein, zu “verspielt” oder aus anderen Gründen noch nicht “schulreif” erscheint, wird Sie diese Frage sehr beschäftigen und Sie werden wahrscheinlich häufig darüber sprechen: in der Familie, in der Nachbarschaft, mit anderen Eltern im Kindergarten. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht mit anhaltenden Befürchtungen belastet wird, denn häufig sind Kinder während solcher Gespräche anwesend und hören zu, auch wenn das Gespräch nicht an sie gerichtet wird.

Auch Eltern kommen in die Schule

An die Eltern eines Schulkindes werden andere Erwartungen und Anforderungen gestellt als an die Eltern eines Kindergartenkindes (Griebel & Niesel, 1999). Das beginnt schon damit, dass die Tagesroutine und die Jahresplanung nun nach den Vorgaben der Schule organisiert wird. Mütter übernehmen durch die Überwachung der Hausaufgaben und zusätzliches Üben Verantwortung für den Schulerfolg. Es ist wichtig, sich durch Gespräche mit der Lehrein Klarheit zu verschaffen, wie die Anforderungen und Erwartungen an die Kinder tatsächlich aussehen. Nicht selten stellen Mütter höhere Anforderungen als die Lehrerin und es entstehen unnötige Konflikte in der Familie.

Eine wichtige Aufgabe der Eltern ist es, das Leistungsvermögen ihres Kindes realistisch einzuschätzen. Überhöhte Erwartungen, die zu einer Überforderung des Kindes führen, werden seine Schullaufbahn negativ beeinflussen.

Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule geschieht nicht an einem Tag. Vielmehr handelt es sich um einem länger andauernden Prozess, der während der Kindergartenzeit beginnt und irgendwann im ersten oder auch erst im zweiten Schuljahr abgeschlossen ist. Erst wenn der Übergang bewältigt ist, ist das Kind ein “fertiges” Schulkind. Damit ist gemeint, dass das Kind eine neue Identität entwickelt hat. Es erlebt die Schule dann als selbstverständlichen Teil seines Lebens, es erfüllt die Rollenanforderungen, die an ein Schulkind gestellt werden. Es hat eine positive Grundeinstellung zur Schule und fühlt sich fühlt sich dort (meistens) wohl. Es kann die Angebote der Schule für seine geistige, soziale und körperliche Entwicklung nutzen. Dazu braucht jedes Kind seine individuelle Zeit. Mütter, die gefragt wurden “Wann war Ihr Kind ein “fertiges” Schulkind?” machten Angaben von “nach drei Wochen” bis “in der Mitte des zweiten Schuljahres”.

Ein Tipp: Falls Ihr Kind zu den Kindern gehört, die etwas mehr Zeit brauchen, vergleichen Sie es nicht mit den “Schnellstartern”, achten Sie vielmehr auf die Fortschritte, die es in dem ihm eigenen Tempo macht. Es ist nicht realistisch zu erwarten, dass ein Kind von Anfang alles richtig macht und alles problemlos klappt. Solange Kinder das Gefühl haben ?ich kann es noch nicht, werde es aber lernen’ wird ihr Selbstwertgefühl nicht beschädigt.

Literatur

Diekmeyer, U. (2000, überarbeitete Neuauflage): Das Elternbuch 6. Unser Kind im 6. Lebensjahr. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag

Elschenbroich. D. (2001): Das Weltwissen der Siebenjährigen. München: Kunstmann Verlag

Griebel, W. & Niesel, R: Vom Kindergarten in die Schule: Ein Übergang für die ganze Familie. In: Bildung, Erziehung, Betreuung von Kindern in Bayern. Info-Dienst für Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Sozialpädagogen, 1999 4 (2), 8 – 13

Naegele, I.M. & Haarmann, D. (Hrsg.) (1999) : Schulanfang heute. Ein Handbuch für Elternhaus, Kindergarten und Schule. Weinheim: Beltz Verlag

Niesel, R. & Griebel, W. (2000): Start in den Kindergarten. München: Don Bosco Verlag

Niesel, R., Griebel, W. & Prechtl, S.(2000): Wir kommen in die Schule! Willkommen in der Schule? Kinderzeit 2, 12-14

Reidelhuber, A. (1998): Lernen im Kindergarten – unter dem herausgehobenen Aspekt der Vorbereitung auf die Schule. KiTa aktuell BY 11, 232-237

Wolfram, W.-W.(1999): Einschulungspraxis und Schulerfolg. Was sollen Erzieherinnen Eltern bei der Einschulung raten. KiTa aktuell BW 1, 4-8

Kostenlose Faltblätter

Unser Kind kommt in die Schule. Hinweise für Eltern von Schulanfängern. Information des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus.

Der richtige Start in den Schulalltag. Eine Information für Eltern über Schulranzen, Frühstück und Pausenbrot des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen.

Quelle

Dieser Beitrag erscheint in einer gekürzten Fassung in der Zeitschrift “Kinderzeit – Magazin für ErzieherInnen und Eltern”

Autorin

Renate Niesel, geb. 1948, Diplom-Psychologin, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Staatsinstitut für Frühpädagogik in München.

Forschungsschwerpunkt: Kinder in Übergangssituationen; zahlreiche Veröffentlichungen und Fortbildungstätigkeit für pädagogische Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung

Adresse

Staatsinstitut für Frühpädagogik

Winzererstr. 9
80797 München
E-Mail: Renate Niesel (renate NULL.niesel null@null ifp NULL.bayern NULL.de)