Mein Kind schwänzt – was tun?

Gertrud Plasse

Gplasse

In diesem Artikel sollen zunächst die unterschiedlichen Formen der Schulvermeidung (Schulangst, Schulschwänzen und Schulphobie) vorgestellt und erklärt werden. Im Anschluss daran werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie die Eltern, aber auch die Schule damit umgehen können. Dabei werden Hilfen für Gespräche gegeben und mögliche Kooperationspartner benannt.

„Hier spricht mein Vater. Ich kann heute nicht zur Schule kommen.“ (Patrick, 7 Jahre)

Schüler, die nicht zur Schule gehen, haben schlechtere Chancen im Leben. Sie verpassen Unterricht und erreichen nur mit Mühe das Klassenziel. Sie verlieren ihre Identität als Schüler und sind dem erhöhten Risiko ausgesetzt, ins gesellschaftliche Abseits zu geraten und schließlich vom Ausbildungs- und Arbeitsleben ausgeschlossen zu werden. Zudem besteht die Gefahr einer kriminellen Karriere. So wie es die Aufgabe von Eltern ist, ihre Kinder zu ernähren und mit ausreichend Kleidung zu versorgen, so ist es auch ihre Pflicht, die Kinder jeden Tag zur Schule zu schicken, auch wenn dies nicht immer einfach ist. Zum einen, damit die Kinder gute Startchancen im Leben behalten, zum anderen, weil eine beträchtliche Geldstrafe verhängt werden kann, wenn sie ihr Kind nicht zur Schule schicken.

Warum fehlen Schülerinnen und Schüler in der Schule?

Kommentare von Eltern:

  • „Eine Bande hat mein Kind gemobbt und verängstigt.“
  • „Der Unterrichtsstoff ist zu schwierig für ihn. Das hat ihn entmutigt.“
  • „Sie hat Angst vor der Lehrerin.“
  • „Mein Sohn ist eigentlich total kreativ, nur das Aufstehen fällt ihm schwer.“
  • „Unser Sohn hat sich nach unserer Scheidung in einer Schülergang eine Ersatzfamilie gesucht. Die Mitglieder treffen sich morgens im Kaufhaus und spielen an den Geräten.“

Aussagen der Schüler selbst:

  • „Meine Eltern sind beide arbeitslos und ich war immer der Einzige, der morgens aufgestanden ist.“
  • „Ich darf mich eigentlich nicht mit meinen Freunden treffen. Meine Eltern verbieten mir den Umgang mit denen. Da treffen wir uns dann halt morgens.“
  • „Ich habe zur Zeit eine Arbeit in einer Kneipe.“

Es gibt unterschiedliche Formen der Schulvermeidung

Unter dem Begriff „schulvermeidendes Verhalten“ versteht man nach H.G. Häring (2001) drei unterschiedliche Formen der Abwesenheit von der Schule: Schulvermeidung durch Schulschwänzen, Schulvermeidung wegen Trennungsangst und Schulvermeidung aus sozialer Ängstlichkeit. Hierzu drei Beispiele:

Schulschwänzen: Der Besitzer eines Lebensmittelgeschäfts erscheint mit dem Fünftklässler Marvin beim Schulleiter. Der Geschäftsmann hat den Jungen nun schon zum dritten Mal beim Ladendiebstahl ertappt. Er habe ihn bereits mehrfach im Stadtteil herumlungern sehen. Er wolle auf jeden Fall die Polizei einschalten. Die Lehrerschaft hat Marvin bisher noch gar nicht als auffällig erlebt. Erst von anderen Schülern erfährt der Schulleiter nun, dass er schon mehrfach Stunden und auch Tage in der Schule gefehlt hat. Als die Sache mit Marvin besprochen wird, verspricht er, ab sofort zur Schule zu kommen und sie nicht vorzeitig zu verlassen. Einige Tage später ist Marvin nach der vierten Stunde nicht in der Schule. Der Klassenlehrer findet ihn in einem Park mit anderen Jugendlichen. Sie plaudern und rauchen.

Trennungsangst: Die fünfzehnjährige Sina ist acht Jahre lang erfolgreich zur Schule gegangen. Eines Tages erleidet sie in der Pause einen Kreislaufzusammenbruch und muss für eine halbe Stunde im Krankenzimmer liegen. Danach wird sie nach Hause geschickt. Am nächsten Morgen meldet sich die Mutter telefonisch, entschuldigt die Tochter und berichtet, Sina sei es auf dem Schulweg schlecht geworden. Die besorgte Mutter denkt an eine Magenverstimmung. Sie ruft nach drei Tagen erneut an und erzählt, die Tochter leide immer noch unter Bauchschmerzen und könne weiterhin nicht zum Unterricht kommen. Sie sei nun in ärztlicher Behandlung. Sie wird krankgeschrieben und bleibt zu Hause. Jeder ihrer Versuche, das elterliche Haus allein zu verlassen, führt zu heftiger Übelkeit, Schwitzen und Erbrechen. Die Eltern stellen Sina bei anderen Ärzten, einer Heilpraktikerin und einem Diplom-Psychologen vor. Der Schulleiter fordert den Schulbesuch des Mädchens, will selbst mit dem Arzt sprechen und den Schulpsychologen hinzuziehen.

Soziale Ängstlichkeit: Die dreizehnjährige Sophie ist während der gesamten ersten sechs Schuljahre zwar recht schüchtern, aber eine fleißige Schülerin gewesen, die auch gut mitgearbeitet hat. Eines Tages soll sie im Politikunterricht ihre Hausaufgabe vorlesen. Sie stottert und kann nicht flüssig sprechen. Einige Mitschüler lachen, und der Unterricht kann nicht normal beendet werden. Sophie fühlt sich beschämt und geht in der Pause nicht auf den Hof. Sie entschuldigt sich für den Rest des Tages mit der Ausrede, sie habe Kopfschmerzen. Auch an den folgenden Tagen lässt sie sich von ihrer Mutter krank melden. Entschuldigungen wegen „fiebriger Erkältung” nehmen so zu, dass die ganze Familie in die Schule bestellt wird.

Ein Schaubild verdeutlicht die Unterscheidung zwischen Schulschwänzen, Schulangst/ sozialer Ängstlichkeit und Trennungsangst.

  Schulvermeidung  
Schulschwänzen

Keine Angst; Regelverstoß
z.B. im Kaufhaus Spiele machen anstatt zur Schule zu gehen

Schulangst/ soziale Ängstlichkeit

Angst in der Schule
z.B. Probleme mit den Mitschülern

Trennungsangst

Angst außerhalb der Schule
z.B. schwere Krankheit eines Elternteils

 

Warnsignale

An den folgenden Anzeichen erkennen Sie als Eltern ein schulvermeidendes Verhalten bei Ihrem Kind:

  • Das Kind erzählt nichts von der Schule.
  • Es zeigt keine Arbeiten oder Briefe aus der Schule vor.
  • Es berichtet auch nicht von Schwierigkeiten in der Schule.
  • Ihre Tochter oder Ihr Sohn zögert das morgendliche Losgehen immer wieder hinaus.
  • Krankheiten wie Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen häufen sich.
  • Sie bekommen auf schulbezogene Fragen keine Antworten.
  • Sie als Eltern trauen sich schon seit einer Weile nicht mehr, etwas über die Schule zu fragen.
  • Ihr Kind hat eine Außenseiterposition.
  • Die Beziehungen zwischen den Schülern oder auch zwischen der Schülerin und der Lehrkraft sind gestört.
  • Ihr Sohn oder Ihre Tochter ist Mitglied in einer Clique, in der bereits andere Schüler dem Unterricht regelmäßig fernbleiben.

Wer ist verantwortlich?

Verantwortlich für den Schulbesuch der Kinder sind und bleiben die Eltern. Sie müssen einerseits dem Kind die Pflicht zum Schulbesuch generell verständlich machen, haben aber darüber hinaus auch die Aufgabe, es morgens zu wecken und zur Schule zu schicken. Und die Schule muss dafür sorgen, dass Eltern möglichst schnell und reibungslos informiert werden können, wenn eine Schülerin oder ein Schüler fehlt. Denn normalerweise ist ein Kind erst am dritten Tag krank zu melden. In problematischen Fällen sollten fehlende Schüler jedoch sofort identifiziert werden und die Eltern noch am selben Tag erfahren, dass jemand gefehlt hat. Dies kann, eventuell unter Beteiligung des Elternbeirats, durch einen Konferenzbeschluss erwirkt werden.

Das können Sie tun

Regel Nummer eins beim schulvermeidenden Verhalten ist die Konfrontation. Dies bedeutet, dass es wichtig ist, das Kind sofort anzusprechen und nie so zu tun, als wüssten Sie von der Sache nichts. Verschaffen Sie sich Klarheit, fragen Sie in der Schule nach, ob Ihr Kind anwesend ist. Ermöglichen Sie kurze Wege zwischen sich und der Schule. Seien Sie nach Möglichkeit erreichbar, sodass Sie sofort handeln können, wenn Ihr Kind morgens in der Schule als fehlend gemeldet wird. Ihr Kind verlangt danach! Es möchte gesehen werden mit seinen Sorgen. Schauen Sie nicht weg, schauen Sie hin!

Einige Grundregeln vorweg:

  • Am nächsten Tag zur Schule! Es wird viel schwieriger, das Fehlen in der Schule aufzugeben, je länger es andauert. Deswegen ist es nötig, dass Sie Ihr Kind am nächsten Tag wieder zur Schule schicken.
  • Konfrontieren: Wenn gar nichts passiert, werden Schülerinnen und Schüler dazu bewegt, auch weiterhin zu fehlen, da sie sich nicht „gesehen“ fühlen, was sich zu einem Teufelskreis entwickeln kann. Deshalb müssen alle Fehltage nachgeholt werden, versäumter Unterrichtsstoff und Hausaufgaben werden nachgearbeitet und Sie überwachen dies.
  • Ehrlichkeit: Womit genau können Sie die Aufmerksamkeit Ihres Kindes wieder zurückgewinnen? Am besten, indem Sie Ihre eigenen Gefühle ausdrücken, zum Beispiel Ihren Ärger über das Verhalten des Kindes. Zum Beispiel: „Dass du heute wieder nicht in der Schule warst, obwohl du morgens aus dem Haus gegangen bist, hat mich geärgert. Ich erwarte von dir, dass wir dafür eine Lösung finden.“
  • Beziehungsbotschaften: Überlegen Sie sich, was Ihr Kind Ihnen damit sagen möchte, dass es nicht zur Schule geht. Fragen Sie auch direkt nach, vermeiden Sie jedoch das Wort „Warum“.
  • Zusammenarbeit und Zusammenhalt sind die einzige Möglichkeit, die Schülerinnen und Schüler wieder zum Schulbesuch zu bewegen. Dies gilt für beide Elternteile untereinander ebenso wie für die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus, Schule und möglicherweise weiteren Institutionen.
  • Ein Termin in der Schule gibt Ihnen Aufschluss darüber, wie es um Ihr Kind steht.

Den Dingen auf den Grund gehen

Sie sollten zunächst ein ernsthaftes Gespräch mit Ihrem Kind führen. Hier ist es ratsam, wenn beide Eltern sich dafür Zeit nehmen und mit dem Kind in einer ungestörten, ruhigen Atmosphäre sprechen. Die folgenden Fragen können Anhaltspunkte für das Gespräch bieten, am wichtigsten ist jedoch, dass Sie durch Zuhören herausfinden, was Ihr Kind gerade beschäftigt. Hierzu gehört auch die Regel, keine Warum-Fragen zu stellen, denn damit treiben Sie ein Kind eher in die Defensive. Es rechtfertigt sein Verhalten dann nur, anstatt wirklich davon zu erzählen, was es beschäftigt.

Nun die Fragen, die Ihnen im Gespräch mit Ihrem Kind helfen können

  • Fühlst du dich manchmal unwohl?
  • Gibt es etwas, worum du dir Sorgen machst?
  • Wie findest du deine Lehrer?
  • Wie kommst du mit deinen Mitschülern zurecht?
  • Gibt es in der Schule oder zu Hause etwas, was dich beunruhigt oder dir Angst macht?
  • Gibt es noch etwas Wichtiges, das ich wissen sollte?

Geben Sie auch Ihren eigenen Gefühlen Raum, z.B. dem Ärger über das Schulschwänzen oder der Sorge um das Glück Ihres Kindes.

Gespräch auf der Elternebene

Nutzen Sie bei der Ursachensuche für das Problem auch die Gelegenheit, sich Ihre private Situation noch einmal vor Augen zu führen.

  • Gibt es Spannungen innerhalb der Familie?
  • Haben Sie Schwierigkeiten in der Partnerschaft, die Ihr Kind möglicherweise belasten?
  • Ist die Familie durch schwerwiegende Probleme belastet, z.B. Erkrankung eines Elternteils, eine Migration oder finanzielle Schwierigkeiten?
  • Könnte auch die Art, wie Sie zur Zeit mit Ihrem Kind umgehen, einen Einfluss auf die Situation haben?
  • Bietet die gegenwärtige Situation der Familie bestimmte Vorteile? (Vergleiche das Wort von der Kehrseite der Medaille.)

Vorbereitung auf das Gespräch in der Schule

Die folgenden Fragen können Sie an den (Klassen-)Lehrer richten:

  • Wie sind die Leistungen meines Kindes?
  • Ist es in die Klassengemeinschaft integriert? (zur Problematik von Außenseitern vgl. hier)
  • Erscheint es pünktlich zum Unterricht?
  • Welche Vermutung haben Sie, worin die Schwierigkeiten liegen?
  • Wie können wir gemeinsam an einer Lösung des Problems arbeiten?

Der gemeinsame Plan

Durch die eben erwähnten Gespräche müssten Anhaltspunkte dafür vorhanden sein, ob es sich bei Ihrem Kind um Schulschwänzen, Schulangst oder Trennungsangst handelt. Liegt der Hinweis auf eine Angstproblematik vor, so sollten Sie auf jeden Fall die Hilfe eines Kinderarztes, Psychotherapeuten oder einer Erziehungsberatungsstelle hinzuziehen. Im Falle von Angst ist der tägliche Schulbesuch zwar auch sehr wichtig, er ist jedoch nicht so einfach zu gewährleisten, da das Kind wirklich leidet. Es sollte auch auf jeden Fall geklärt werden, ob möglicherweise Mobbing die Ursache für die Angst ist. Wenn Ihr Kind in der Klasse von den anderen schikaniert wird und sich nicht angemessen wehren kann, so ist es unerlässlich, dass Sie mit der Lehrkraft und gegebenenfalls auch mit der Schulleitung das Problem offen besprechen. Bei Mobbing nützt es nichts, wenn Sie Ihrem Kind gut zureden. Ein gemeinsames Gespräch der Opfer und Täter macht die ganze Sache nur noch schlimmer. Es ist in diesem Fall die Aufgabe der Schule, dem Mobbing mit einem Machteingriff ein Ende zu setzen. Möglicherweise ist sogar ein Schul- oder Klassenwechsel angezeigt.

Machen Sie sich klar, dass Sie mit den Lehrkräften gemeinsam eine Erziehungspartnerschaft bilden können. Nehmen Sie vorgeschlagene Hilfsangebote an. Ziehen Sie mit der Schule an einem Strang. Lassen Sie sich anrufen, egal wo, wenn Ihr Kind in der Schule fehlt. Vereinbaren Sie exakt, bis wann getroffene Absprachen gelten, und halten Sie Ihren Teil ein. Vereinbaren Sie einen weiteren Termin, um zu sehen, ob sich etwas verbessert hat. Wenn nicht, müssen Sie einen neuen Plan machen.

Der Plan könnte z.B. aus einem Vertrag mit den folgenden Worten bestehen.

„Anton geht jeden Morgen zur Schule. Er erklärt sich damit einverstanden, dass die Eltern ihn auch gegen seinen Willen zur Schule schicken. Kommt er nicht in der Schule an, so wendet sich die Lehrkraft umgehend an die Eltern, die ihn daraufhin zur Schule bringen. Weigert er sich und findet Ausflüchte, er sei krank usw., so kann er sich entscheiden, ob er zum Arzt oder zur Schule geht.“

Es sollte auch klare Absprachen darüber geben, wie der versäumte Lernstoff aufgeholt wird und wie sich der Schüler oder die Schülerin am besten wieder in den Unterricht integrieren kann.

Wie können Experten helfen?

Erscheint ein Schüler nach solchen Gesprächen unter Missachtung der Vereinbarungen trotzdem nicht in der Schule, so muss unbedingt geklärt werden, was die Ursache hierfür ist. Liegt es an der fehlenden Kontrolle durch die Eltern, so können sie mit Hilfe der Klassenlehrkraft, eventuell mit Unterstützung der Beratungslehrkraft oder des Schulpsychologen gemeinsam überlegen, wie sie die Kontrolle über ihr Kind zurückgewinnen. Gelingt dies im Gespräch nicht, kann die Konsultation von Experten sinnvoll sein (Erziehungsberatungsstelle, Erziehungsbeistände o. ä.).

Ergibt sich aber der Verdacht auf eine Angstproblematik (Angst vor bestimmten Schulfächern, Angst, die elterliche Wohnung zu verlassen) oder bleibt der Hintergrund der Schulvermeidung völlig unklar, so sollte ein Experte oder eine Expertin hinzugezogen werden, um eine angemessene Diagnose stellen zu können. Eine derartige Abklärung könnte beispielsweise ein Schulpsychologe oder eine Schulpsychologin vornehmen. Kommt ein Schüler deutlich erkennbar aus Angst nicht zur Schule, ist eine psychotherapeutische Beratung zu empfehlen.

Rechtliche Fragen

Es kann passieren, dass Sie von der Schule ein Schreiben bekommen, in dem Sie darauf hingewiesen werden, dass Sie Ihr Kind eine bestimmte Anzahl von Tagen nicht zur Schule geschickt haben. Kommen weitere Fehltage hinzu, kann nach der Verwarnung eine Anzeige beim Ordnungsamt erfolgen. Diese wird bei erwachsenen Schülern gegen diese selbst, bei jüngeren gegen die Eltern erstattet. Die Geldstrafe beträgt etwa 1.000 Euro. Sie kann in einigen Fällen, wenn kein Geld vorhanden ist, abgearbeitet werden. Auch wenn Sie mit der Schule gut zusammenarbeiten und sich mit den Lehrkräften Ihres Kindes eigentlich gut verstehen, kommt es möglicherweise zu einer Anzeige. Immerhin fehlt ein Schüler massiv im Unterricht und die Schule macht hiermit noch einmal die Dringlichkeit des Problems deutlich.

Wenn nichts geklappt hat

Wenn Sie schon länger an dem Problem arbeiten und mit den genannten Methoden keinen Erfolg hatten, hier noch einige Ideen zum Schluss:

  • Schulwechsel. Manchmal kann ein Schulwechsel entweder an eine andere Schule der gleichen Schulform oder auch an eine Schule mit niedrigeren oder höheren Anforderungen sinnvoll sein, um einen neuen Start zu ermöglichen.
  • Werk-Statt-Schule; Jugendwerkstatt. Alternative Angebote für Jugendliche ohne Schulabschluss sollten Sie in Ihrer Stadt erfragen. Werk-Statt-Schulen sind in solchen Fällen sinnvoll, wo davon ausgegangen werden kann, dass die Schülerin oder der Schüler bei einem anderen, eher praxisorientierten Unterrichtsangebot ein Mindestmaß an Motivation und Eigeninitiative mitbringt, einen Schulabschluss zu erreichen.
  • Internat. Eine Internatsbeschulung hat den Vorteil, dass das Streitthema Schule zwischen Eltern und Kind wegfällt, dass der Schulbesuch dort vor Ort geregelt wird und der Schüler aus der gewohnten Umgebung herauskommt. Sie ist dann sinnvoll, wenn die Kosten von den Eltern getragen werden können.
  • Wohngruppe. Sind die häuslichen Verhältnisse für den regelmäßigen Schulbesuch hinderlich, so ist der Umzug des Jugendlichen in eine betreute Wohngruppe zu überlegen, sofern dies Besserung verspricht. So können die Eltern zum Beispiel aufgrund einer schweren Krankheit damit überfordert sein, einen geregelten Tagesablauf sicherzustellen; dann ist der Jugendliche mit den Aufgaben innerhalb der Familie deutlich überfordert.

Literatur

  • Arbeiterwohlfahrt Hannover: Station Glashütte
  • Deutsches Jugendinstitut DJI: Praxisprojekte im Handlungsfeld von Schulmüdigkeit & Schulverweigerung
  • Dambach, K. E. (1998). Mobbing in der Schulklasse. München: Ernst Reinhardt Verlag.
  • Faller, K.; Kerntke, W.; Wackmann, M. (1996). Konflikte selber lösen. Ein Trainingshandbuch für Mediation und Konfliktmanagement in Schule und Jugendarbeit. Mülheim: Verlag an der Ruhr.
  • Thimm, Karlheinz: Null Bock auf Schule
  • Häring, H.G. (2001). Schulvermeidendes Verhalten bei Schülerinnen und Schülern. In H.G. Häring und W. Kowalczyk (Hrsg.), Schulpsychologie konkret. Einführung in Handlungsfelder und Methoden. S. 112-120. Neuwied: Luchterhand.
  • Haubner, W.; Uhle, R. (2003). Schulverweigerung. Maßnahmen und Handlungserfordernisse beim Zusammenspiel von Psychotherapie und Schulberatung. Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis, 35 (3), S. 567-580.
  • Plasse, G. (2004). „Schwänzen“: Eingreifen, nicht wegsehen! In der Reihe W. Kowalczyk und K. Ottich (Hrsg.), Erziehen: Handlungsrezepte für den Schulalltag in der Sekundarstufe. Berlin: Cornelsen, Scriptor.
  • Schmidt-Kob, A. (2003). Schulverweigerung. Ein Arbeitskreis entwickelt präventive Maßnahmen. Schulmanagement, 1, S. 31-32.
  • Wilmers, N.; Enzmann, D.; Schäfer, D. (2002). Jugendliche in Deutschland zur Jahrtausendwende: Gefährlich oder gefährdet? Ergebnisse der KFN-Schülerbefragung. Baden-Baden: Nomos.
  • Wilmers, N.; Greve, W. (2002). Schwänzen als Problem. Report Psychologie, 7, S. 404-413.

Autorin

Gertrud Plasse, ist Schulpsychologin bei der Landesschulbehörde Hannover.
Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Systemischen Familientherapie und der Fortbildung von Lehrkräften in Gesprächsführung.

Kontakt

Gertrud Plasse
Schulpsychologische Dezernentin
Niedersächsische Landesschulbehörde
Am Waterlooplatz 11
30169 Hannover

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