Ein Tag im Kinderhort Franziskus
Erstellt am 17. März 2003,
Sabine Remmele
In diesem Beitrag wird gezeigt, wie ein Tag im Hort gestaltet wird. Somit wird den Eltern veranschaulicht, welche pädagogischen Prinzipien den Alltag im Hort bestimmen.
11.30 Uhr – die Türen fliegen auf und die ersten Kinder kommen in den Hort.
“Hallo, ich bin´s, ich geh´ in den Garten!” – “He, weißt du was mir heute in der Schule passiert ist…” und “Wahnsinn, der spinnt total…”
Das sind einige Gesprächsfetzen, welche bei der Begrüßung auf uns einstürmen und dann geht´s los mit dem Hortalltag im Kinderhort Franziskus in Weilheim. 68 Kinder werden hier in drei Gruppen von je einer Erzieherin und Kinderpflegerin betreut. Ein Sozialpädagoge arbeitet gruppenübergreifend im Hort. Für das leibliche Wohl ist gut gesorgt, eine Köchin kocht täglich frisches Essen in unserer kleinen Küche.
Manche Kinder führt der erste Weg auch gleich dorthin und dort wird dann erst einmal geschaut, ob es etwas Leckeres aus Inges Kochtopf gibt. Vielleicht kann man ja auch gleich noch was probieren, oder Inge noch ein bisschen helfen? Die Küche ist ein zentraler Ort in unserem Haus, wie auch daheim. Und wer kennt das nicht? Bei einem Fest trifft sich irgendwann auch immer alles in der Küche und ist sie noch so klein.
Die Kinder riechen schon beim Reinkommen in den Kinderhort, was es heute gibt, den Speiseplan erstellen sie selbst. So ist er abwechslungsreich und vielseitig, denn Kinder haben unterschiedliche Lieblingsspeisen. Und manches Essen schmeckt nur bei Inge so richtig gut.
Nun ist auch schon Zeit mit den Hausaufgaben zu beginnen oder einfach nur in der Hängematte zu entspannen, – die Seele baumeln zu lassen. Die Zeit bis zum Mittagessen nutzen die Kinder, um Ihren Bedürfnissen nach zu kommen. Manche toben sich erst mal richtig aus, da gibt es den Bewegungsraum im Keller. Andere gehen in den Garten und wieder andere brauchen jemanden der ihnen zuhört, damit sie loswerden können, welche Erlebnisse am Vormittag auf sie eingestürmt sind.
Diese “Begrüßungszeit” spielt eine wichtige Rolle. Die Kinder benötigen dringend Ansprechpartner, Bezugspersonen die jetzt einfach nur “da sind” , zuhören, mitspielen.
Konflikte aus der Schule müssen noch geklärt, Ärger muss abgelassen werden. Stimmungen der Kinder können von den Bezugspersonen erfasst werden, wichtig für den weiteren Tagesablauf.
13.00 Uhr – Mittagessen
Der Tisch ist gedeckt, das Büfett eröffnet. Die Kinder holen sich das Essen selbst, für jeden ist etwas dabei. Vegetarisch als Auswahlgericht ist selbstverständlich bei Fleischgerichten.
Beim Essen wird erzählt, Informationen ausgetauscht und ein Nachschlag ist auch immer mit drin. Das Mittagessen wird gemeinsam eingenommen. Es ist der Zeitpunkt im Hort, an dem alle Kinder gemeinsam in einem Raum sind. Zeit für die Betreuerinnen, um den Tag mit den Kindern zu besprechen, damit die Kinder wissen, was läuft.
Im Anschluss an das Essen findet in regelmäßigen Abständen die Kinderkonferenz in den einzelnen Gruppen statt. Hier wird unter anderem mit den Kindern gemeinsam der Alltag geplant, Aktionen, Projekte, Ausflüge besprochen.
14.00 Uhr – Hausaufgabenzeit
Wer bis jetzt nicht die Hausaufgaben gemacht hat, muss nun ran! Im ganzen Haus ist es still, die Kinder ziehen sich in die Hausaufgabenzimmer zurück, die Betreuerinnen unterstützen die Kinder beim Lernen.
Eine anstrengende Zeit, aber auch das gehört zum Alltag eines Schulkindes dazu. Wir haben uns bewusst für feste Hausaufgabenzeiten entschieden, da wir damit den Kindern im Haus die größtmögliche Ruhe und die wenigste Ablenkung garantieren möchten.
In allen drei Gruppen rauchen nun die Köpfe, auch die der Betreuerinnen. Denn Hausaufgaben heißt für die Betreuerinnen ganz und gar für die Kinder da zu sein, zu helfen, wo es nötig ist, aber auch Zurückhaltung und Passivität, wenn es sein muss.
Kinder, welche einen besonderen Betreuungsbedarf haben sind in dieser Zeit beim sozialpädagogischen Fachdienst. Der kümmert sich um die “zappeligen” , langsameren oder unstrukturierten Kinder, welche die anderen Kinder in der großen Hausaufgabengruppe stören würden, und nicht zuletzt sich selbst daran hindern konzentriert zu arbeiten.
Nachschriften werden von den Kindern untereinander diktiert, Vokabeln abgefragt und Geschichte gelernt. Für jedes Kind wollen wir den richtigen Rahmen schaffen, damit es die Lernatmosphäre hat, welche es benötigt. Kontakt mit den Lehrern zu halten und die Eltern darüber zu informieren ist selbstverständlich. So wissen wir, wie die Kinder in der Schule zurechtkommen, in welchen Bereichen wir sie unterstützen können.
15.15 Uhr – “Brotzeit ist fertig!”
Wenn dieser Ruf durch das Haus schallt, dann heißt es – jetzt aber schnell fertig werden!
Die Hausaufgaben sind (fast) für alle vorbei. Ein paar vereinzelte Kinder brauchen länger, für sie ist aber auch noch Zeit, Raum und Unterstützung vorhanden, damit sie fertig werden können.
Ein leckeres Büffet mit Obst, Rohkost und manchen leckeren Resten vom Mittagessen ist für die Kinder vorbereitet.
Und ab nun geht es los, die Pflicht ist vorbei, es beginnt die schönere Zeit im Hort! Jetzt ist Zeit zum Spielen zum Entdecken zum Experimentieren zum Werken zum Töpfern… Freizeit ist angesagt.
Was tun Hortkinder am Nachmittag?
Das gleiche wie Kinder zuhause, das ist uns wichtig! Kinder sollen den Hort nicht als Ghetto erleben.
“Du Sabine, ich geh in die Stadt”
Kinder im Kinderhort Franziskus haben die Möglichkeit, den Kinderhort zu verlassen um in die Stadt zu gehen, ein Eis zu essen oder einfach auch nur zu bummeln. Das ist mit den Sorgeberechtigten abgesprochen. Ein Zeitpunkt wird abgesprochen, wann die Kinder wieder da zu sein haben.
Wir finden es wichtig, den Kindern diese Möglichkeit zu bieten, so können sie sich altersgemäß entwickeln und machen Erfahrungen, welche Kinder ohne Ganztagesbetreuung auch machen. Wir praktizieren dies seit 12 Jahren, noch nie ist etwas passiert oder gab es Unstimmigkeiten mit Eltern.
“Ich würde ganz gern morgen einen Freund mitbringen!”
Klar, auch das ist möglich im Kinderhort, wie auch zuhause. Beim Mittagessen ist immer noch Platz für Freunde der Hortkinder, nur einen Tag vorher möchten wir es gerne wissen.
Oft sind uns solche Freunde auch hängen geblieben – als neue Hortkinder, weil es ihnen bei uns so gut gefällt! Eine Möglichkeit neue” Kunden “zu gewinnen, ganz nebenher.
“Ich geh zum Töpfern!”
Für unsere Kinder haben wir offene, gruppenübergreifende Angebote entwickelt, für die sie sich nach Lust und Laune entscheiden können. Sie haben die Möglichkeit an unterschiedlichen Tagen zu töpfern, zu werken oder Fußball zu trainieren mit Erwachsenen, welche ihr Handwerk gut verstehen. Da bekommt man Tipps, entstehen wunderschöne Kunstwerke.
Wir haben festgestellt, dass es für manche Kinder sehr schwierig ist, sich für einen längeren Zeitraum für einen Arbeitskreis zu entscheiden oder an einem längeren Projekt teilzunehmen – für diese Kinder sind diese Angebote optimal.
Für andere Kinder gibt es länger andauernde Projekte. Die Nähwerkstatt, Theaterprojekte, Hell und Dunkel Experimente, Zirkus und das letzte Jahrhundert waren einige Projekte, welche wir über einen längeren Zeitraum durchgeführt haben.
“Mir ist soooo langweilig”
Gut! Denn Langeweile ist oft der beste Antrieb selbst aktiv zu werden und Neues zu entdecken. Wir sehen uns nicht als” Animateure “der Kinder am Nachmittag, damit die Kinder rund um die Uhr durch organisiert sind. Langeweile zu erleben ist ein seltenes Gut für manch eines unserer Kinder.
Kinder einfach auch nur da sein zu lassen, ohne Dauerberieselung durch ein durchgestrafftes Angebot im Hort kann wunderschöne Ergebnisse hervor zaubern.
Der Handy-Laden
Sie brauchen ein neues Handy? Dann kommen Sie zu uns, alle neuen Modelle mit einer super guten Beratung gab es in der Gruppe der wilden dreizehn. Klar dass es dann auch eine Bank geben musste, wo man das Geld bekam, damit man diese Handys auch kaufen konnte, die eröffnete in der Gruppe der Superstrolche ihre Pforten. Dort wurde getauscht und gehandelt und manch einer machte einen guten Deal bei der Assekuranz Superstrolche.
Dieser Handyladen lief über mehrere Monate hinweg in einer der drei Gruppen, mit immer neuen Modellen, Werbestrategien schwappte diese Idee auf die anderen beiden Gruppen über, Kinder waren Einkäufer, Verkäufer, Marketingexperten.
Das Mädchenrestaurant
Heute schon lecker gespeist? Dann nichts wie los in das Restaurant der Superstrolche. Eine liebevolle Speisekarte lädt zum lecker Schmausen ein, die Speisen werden frisch zubereitet in der” Küche “des Restaurants, der Bastelecke. Mit viel Kreativität entstehen dort Pizza, Espresso, Apelsaftschorle und Eis aus Papier und Pappe, von zwei manchmal drei Köchinnen, die auch Bedienung und Geschäftsführerin gleichzeitig sind. Gezahlt wird per Scheckkarte an der selbstgebastelten Kasse, aber ein Kredit ist auch schon mal drin. Ganz nebenher entstanden bei diesen Aktionen, die gänzlich alleine von den Kindern aus gingen, wahre Kunstwerke aus Pappe.
Taschen, Computer, Schulranzen, ein Flugplatz, das sind einige dieser” Langeweile- Produkte “, welche die Kinder durch viel Kreativität entstehen lassen.
Der Dominoday
Stundenlang beschäftigen sich unsere Kinder im Keller damit Stein um Stein aufzubauen und es dann nach mehreren Tagen harter Arbeit, vor großem Publikum umfallen zu lassen
Alles, was wir dazu beitrugen, war da zu sein, Langeweile zuzulassen und Materialien bereit zu stellen. Die Ergebnisse faszinieren uns immer wieder aufs Neue.
Autorin
Sabine Remmele, Erzieherin, Leitung eines dreigruppigen katholischen Kinderhortes in der Stadt Weilheim (Obb.)
Anschrift
Kinderhort Franziskus
Waisenhausstr. 1
82362 Weilheim
Homepage: www.kinderhort-franziskus.de (http://www NULL.kinderhort-franziskus NULL.de)
Mail: Kinderhort



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