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Zeitmanagement im Familienalltag

Erstellt am 6. September 2004, zuletzt geändert am 3. Februar 2010

Regina Hilsberg

“Jetzt beeil dich aber mal!” – wie oft am Tag sagen Sie diesen Satz? Schnell machen zu müssen, das ist ein Druck, dem wir alle ausgesetzt sind. “Effektivität steigern” ist das (angebliche) Zauberwort, mit dem Betriebe glauben, ihre Probleme lösen zu können. Dieses Bestreben unterwandert ganz klammheimlich unser gesellschaftliches Leben auch in Bereichen, in denen wir denken, dass es dort erst einmal nichts zu suchen hat.

Zum Beispiel in der Familie. Die Familie ist ja so etwas wie ein kleiner Betrieb, der funktionieren muss. Natürlich wollen wir uns in der Familie in erster Linie geborgen fühlen und bezeichnen sie als den Gegenpol zur “Arbeit”. Aber dieses Geborgenheitsgefühl deckt noch keinen Frühstückstisch und wäscht kein verschwitztes T-Shirt. Bei aller Liebe muss in der Familie eben doch eine Menge praktischer Alltag bewältigt werden.

Wie Sie das schaffen können und dabei noch ein erfreuliches Familienleben führen, dazu möchte ich Ihnen im Folgenden ein paar Tipps geben – ich habe sie alle in meiner sechsköpfigen Familie ausprobiert! Sie finden sie in den folgenden vier Abschnitten dieses Beitrags:

  1. Jetzt mach’ mal schnell! Über das unterschiedliche Zeitempfinden von Kindern und Erwachsenen
  2. Wie sieht’s bei dir denn wieder aus! Über den Ordnungssinn von Kindern und Jugendlichen
  3. Das machen wir jetzt zusammen! Über die Vielschichtigkeit von Familienzeit
  4. Erhalten – Verwalten – Gestalten. Planungshilfen für den Familienalltag

Jetzt mach’ mal schnell! Über das unterschiedliche Zeitempfinden von Kindern und Erwachsenen

Vermutlich haben Sie diesen Artikel angeklickt, weil Sie wie viele Ihrer Zeitgenossen immer wieder das Gefühl von Zeitknappheit haben. Aber womit “fühlen” wir eigentlich “Zeit”?

Für Licht, Geräusche, Oberflächen und Gewichte haben wir angeborene Wahrnehmungssinne: Augen, Ohren, Haut, Muskeln. Das Vergehen von Zeit können wir aber nicht spüren; wir haben kein Sinnesorgan dafür. Die innere Uhr, mit der wir abschätzen, wie die Zeit vergeht, bildet sich erst im Lauf der Kindheit.

Das funktioniert etwa so: Jeden Tag erlebt ein Kind, dass es morgens hell wird und abends wieder dunkel. Und parallel zu diesem Gang der Sonne merkt es, dass es eine bestimmte Menge Tätigkeiten ausführen kann, bis es dunkel wird. Die Länge des Tages wird also über die Gleichzeitigkeit der Sonnenbewegung und der darin eingepassten menschlichen Tätigkeit definiert. Nun hat man aus praktischen Gründen ein Gerät erfunden, das eine ebenso gleichförmige Aktion vollbringt wie die Sonne, aber auch bei Regenwetter sichtbar ist: die Uhr. Nun kann man sich selbst in seinen Aktionen mit diesem Zeiger vergleichen.

Kindern fällt das schwer. Denn ein Kind begreift erst frühestens im Schulalter, dass der Rest der Welt auch unabhängig von ihm seinen Gang geht – dass der Bus mit dem Abfahren eben nicht darauf wartet, bis es seine Schuhe zugebunden hat. Auch Geschwindigkeit kann ein Kind noch nicht einschätzen. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen und findet sogar seinen Niederschlag im Verkehrsrecht, das bei Unfällen mit Kindern immer dem Erwachsenen die Schuld gibt, auch wenn das Kind sich nicht vorschriftsmäßig verhalten hat.

Zu wissen, wie man in gleichzeitig und verschieden schnell ablaufende Aktionen seine eigenen Tätigkeiten “einpassen” kann – das ist eine große Kunst. Auch wir Erwachsenen beherrschen sie unterschiedlich gut. Es gibt Menschen, die mit ihrer Zeit stets gut zurechtkommen, und andere, die sich immer zu viel vornehmen und ständig zu spät kommen.

Beim Zeitmanagement in der Familie haben wir es nun mit einer Gruppe von Menschen zu tun, die sehr unterschiedlich entwickelte innere Uhren haben. Da gibt es vielleicht einen Elternteil, der immer pünktlich und planvoll handelt, einen, der eher spontan ist und vieles “auf den letzten Drücker” erledigt, ein Kleinkind, das jeden Morgen glaubt, die Welt bestünde nur aus seinem Müsliteller und dem Kakao, mit dem man so herrlich Kanäle durch die Haferflocken ziehen kann, einem Schulkind, dem morgens beim Ranzenpacken einfällt, dass es das Einmalsieben noch üben muss, weil es heute eine Mathearbeit schreibt, und einem Teenager, der abends um sieben fragt, ob Papa ihn mal kurz zu seinem Freund fährt, da steigt nämlich eine Fete mit eine paar Austauschschülern…

Was tun?

  • Fordern Sie Ihre kleinen Kinder nicht zur Eile auf. Möchten Sie, dass sie sich sputen, regen Sie sie eher zu einem kleinen Wettbewerb an: “Wer hat die Schuhe schneller an – du oder ich?” Dann haben sie den Vergleichsmaßstab für ihr Tempo “vor der Nase” und können sich auf einmal beeilen.
  • Wollen Sie Ihren Kindern Zeitvorgaben machen, geben Sie keine abstrakten Uhrzeiten an, sondern nennen Sie ihnen ein sinnlich wahrnehmbares Zeichen: “Wenn die Glocken läuten, kommst du nach Hause!”, “Wenn der Wecker klingelt, fängst du mit den Hausaufgaben an!”, “Wenn Papa nach Hause gekommen ist, bringst du bitte die Mülleimer raus!”
  • Erwarten Sie von Ihren Kindern keine langfristigen Planungen, die selbständig eingehalten werden sollen. Bauen Sie lieber freundliche Erinnerungen in Ihren Alltag ein. Solange Sie nicht schimpfen, weil das Kind nicht von selbst rechtzeitig an seine Pflichten gedacht hat, wird es Ihnen solche Erinnerungen nicht übel nehmen. Erst Jugendlichen kann und soll man selbständige “Zeitwachheit” zutrauen.
  • Werden Sie nicht ungehalten, wenn ein Kind über Spiel und Spaß die Zeit vergisst. Ist es Ihnen wichtig, dass es rechtzeitig sein Spiel beendet, bedenken Sie den Ratschlag mit den sinnlichen Zeitansagern!

Wie sieht’s bei dir denn wieder aus! Über den Ordnungssinn von Kinder und Jugendlichen

Es ist ein Dauerbrenner in fast allen Familien: das leidige Aufräumen. Kinder haben andere Ordnungsvorstellungen als Erwachsene – wenn sie denn überhaupt welche haben.

Kinder müssen, wenn sie auf die Welt kommen, zunächst einmal unendlich viel lernen. Sie müssen in ihrem kleinen Kopf speichern, wie die Welt aussieht: dass die Stühle am Tisch stehen, dass die Haustür nach draußen führt, dass das Essen auf den Teller gelegt wird, dass man durch das Telefon hindurch mit Oma sprechen kann, dass Löwenzahn in der Wiese wächst und dass es Wurst beim Fleischer gibt. Und und und

Kinder hinterfragen das alles nicht. Sie sammeln all diese Eindrücke, und so entsteht in ihrem Kopf ein buntes Bilderbuch der Welt.

Und nun kommen die Erwachsenen daher und behaupten, dass es in dieser Welt einen Bereich gibt, an dem sie herumräumen sollen, nämlich ihr Zimmer. Dabei ist ihr Geist in erster Linie darauf eingestellt, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Wenn die Socken neben dem aufgeklappten Bilderbuch auf der Erde herumfliegen, dann liegen sie gerade so da wie der dicke Stein, an dem sie auf ihrem Schulweg täglich vorbeikommen – den räumt schließlich auch keiner weg.

Aufräumen heißt, der Welt einen kleinen Bereich zu entreißen und selbst zu gestalten – und zwar nach Maßstäben, die man sich einmal ausgedacht hat und an denen man über lange Zeit festhält. Das fällt Kindern schwer. Sie gestalten zwar auch gerne kleine Lebensbereiche, aber das geschieht im Spiel. Spielend können Kinder wunderbare Ordnungen schaffen: Puppenwohnungen, unglaubliche Bauten aus Bauklötzen und Bauernhöfe auf dem Kinderzimmerteppich…

Aber diese Ordnungen in die abstrakte Grundordnung ihres Zimmers zurück zu verwandeln, bedeutet für Kinder eine Anstrengung der besonderen Art. Denn Aufräumen ist eigentlich ein geistiger Akt, auch wenn man körperlich von einer Ecke des Zimmers in die andere läuft und dabei Dinge von einem Ort zum anderen trägt. Aufräumen ist in erster Linie Kategorisierung von Gegenständen. Es geht nicht um das rote T-Shirt, die Barbie mit dem hellblauen Kleid, die Schranke von der Holzeisenbahn und den grünen Buntstift, sondern um Kleidung, Puppen, Eisenbahnzubehör und Malzeug. Diese zusammenfassenden Kategorien bilden sich im Kopf des Kindes viel langsamer, als uns Erwachsenen lieb ist. Selbst Teenager können noch völlig verzweifelt in ihrem mit Gegenständen übersäten Zimmer sitzen und nicht wissen, wie sie es anfangen sollen, das alles zu sortieren.

Die Eigenart von Kindern, im Gegensatz von Erwachsenen Unordnung leichter akzeptieren zu können, weil sie sie einfach als ein Stück Welt nehmen, das sie sich einprägen müssen, bedeutet aber nicht, dass ihnen Unordnung nichts ausmacht. Sie brauchen freie Räume, um ihre eigenen Spielräume aufbauen zu können – und ein solcher freier Raum ist ein aufgeräumtes Spielzimmer.

Was tun?

  • Helfen Sie Ihren Kindern beim Kategorisieren. Sorgen Sie dafür, dass jedes Spielzeug einen gut zugänglichen Platz hat und das Kind nicht jedes Mal nachdenken muss, wohin das Teil nun gehört, das es in der Hand hat.
  • Helfen Sie beim Aufräumen, indem Sie sagen: “Sammele jetzt alle Duplo-Steine auf und lege sie…” Ist das Kind damit fertig, kommt die nächste konkrete Anweisung: “Jetzt setz bitte alle Puppen auf die Kommode!” – und so weiter.
  • Machen Sie das abendliche Aufräumen zum Ritual. Kinder können jeden Abend die Bauklötze aufsammeln – weil sie das immer tun, nicht weil sie einsehen, dass es getan werden muss.
  • Rechnen Sie damit, dass Sie Ihren Kindern diese Hilfestellung bis ins Teenager-Alter geben müssen! Natürlich werden die Anweisungen für ein älteres Kind nicht ganz so konkret sein müssen wie für ein Vorschulkind, aber der Akt des Kategorisierens macht auch älteren Kindern noch Mühe.

Das machen wir jetzt zusammen! Über die Vielschichtigkeit von Familienzeit

Wenn Sie versuchen, gängige Zeitmanagement-Ratgeber auf Ihr Familienleben anzuwenden, werden Sie ganz schnell auf Schwierigkeiten stoßen. In diesen Ratgebern ist viel die Rede davon, dass Sie Prioritäten setzen müssen, dass Sie Arbeiten delegieren sollen, dass Sie sich nicht mit Privatem aufhalten sollen, dass Sie sich nicht ablenken lassen und nicht mehrere Dinge gleichzeitig tun sollen. Für den reibungslosen Ablauf betrieblicher Arbeit mag das alles stimmen – in der Familie kann gerade ein solches Verhalten aber die Hektik noch erhöhen.

Denn Familienleben funktioniert nicht mehr,

  • wenn Sie erst die Fenster putzen und dann erst Ihrem Kind das Playmobilmännchen hinter dem Sofa hervor holen (Prioritäten einhalten!).
  • wenn Sie das Badputzen an die Kinder delegieren und nach kurzer Zeit ein überschwemmungsträchtiges Seeräuberspiel unterbinden müssen (Delegieren!).
  • wenn Sie abwinken, wenn Ihr Kind mitten bei den Hausaufgaben in Tränen ausbricht, weil es Ärger mit der Freundin hatte, Sie aber Vokabeln abfragen wollen (Ausblenden von Privatem!).
  • wenn Sie nicht auf das “Muss mal!” Ihres Kleinen reagieren, weil Sie gerade einen Brief an die Versicherung schreiben (keine Ablenkung zulassen!).
  • und wenn Sie darauf bestehen, beim Bügeln nicht über die Lösung der Frage nachdenken zu wollen, wie viele Kilo Kartoffeln Bauer Huber verkaufen muss, um 150 EUR zu verdienen (nicht zwei Sachen auf einmal tun!).

Wir müssen im Familienleben etwas bewusst wiederbeleben (oder einfach nicht abschaffen!), was es in der ganzen Geschichte der Menschheit gegeben hat: die multifunktionale Nutzung von Zeit.

In vielen Erziehungsratgebern ist die Rede von “Qualitätszeit” im Gegensatz zu “Quantitätszeit”. Damit ist gemeint, dass Kinder mehr davon haben, wenn sie die Eltern wenige Stunden intensiv für sich haben, anstatt viele Stunden mit Eltern zu verbringen, die mit ganz anderem beschäftigt sind als mit ihren Kindern.

Das ist so wahr wie falsch. Wahr ist, dass es für Kinder nicht förderlich ist, wenn sie von den anwesenden Eltern einfach links liegen gelassen werden. Falsch ist aber die Annahme, dass Kinder es brauchen, ständig im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Eltern zu stehen.

Kinder lieben es, bei dem, was die Eltern tun, einfach dabei zu sein.

Ein Beispiel: Eine Mutter will am Freitagnachmittag nach der Arbeit unbedingt die Wohnung putzen, damit sie am Samstag mit den Kindern auf den Spielplatz gehen kann. Die Kinder stören dabei, sie tapsen durch den frisch gewischten Flur, stolpern über die Staubsaugerschnur, haben mitten auf dem Teppich, der gesaugt werden soll, eine Wohnung für die Barbies aufgebaut, verteilen das bereit gestellte Scheuerpulver in der Toilette und baden schließlich den Teddy im Putzeimer. Die Frau ist völlig entnervt und hält ihren Kindern immer wieder vor, dass sie doch jetzt nur schnell fertig werden will, damit sie morgen Zeit für sie hat. Ein bisschen übertrieben? Vielleicht. Aber Ähnliches haben Sie sicher schon erlebt.

Verwandeln wir das Szenario: “Heute machen wir die Wohnung sauber!” Die Mutter lässt die Sechsjährige den Wassereimer füllen und einen Spritzer Reiniger hineintun. Sie darf dann auch mal mit dem Wischer durch den Flur fahren. Der Dreijährige darf den Staubsauger an- und abstellen, und wenn er das etwas häufiger tut als es unbedingt nötig wäre, hat er doch seinen Spaß dabei – selbst wenn das Saugen für Sie etwas länger dauert. Die Barbiewohnung wird gemeinsam weggeräumt, und in all der Geschäftigkeit gibt es auch noch eine kleine Pause mit Tee und Keksen. Am Abend ist nicht alles fertig, am Samstag muss eben doch noch das Bad geputzt und die Bettwäsche gewechselt werden, das gibt noch einmal einen halben Tag Arbeit für das Team. Vielleicht muss der Spielplatzbesuch sogar gestrichen werden, weil sich für den Nachmittag die Oma angesagt hat – aber ist das wirklich ein Verlust? Die Kinder hatten ihren Spaß, sie haben etwas gelernt, sie hatten die ganze Zeit ihre Mutter um sich, konnten sich mit ihr unterhalten, sie etwas fragen, ein bisschen kuscheln. Ist das keine “Qualitätszeit”?

Mein Rat an Sie: Definieren Sie Hausarbeit einfach um von einer lästigen Sache, die schnell erledigt werden muss, zu einem gemeinsamen Erlebnis mit Ihren Kindern!

Natürlich kann man nicht jedes Putzen zu einem grandiosen “Event” aufblasen. Aber wenn Sie sich angewöhnen, das, was getan werden muss, gemeinsam zu tun und diese Zeit als gemeinsame Zeit zu verbuchen, haben Sie schon eine Menge Stress aus dem Alltag herausgenommen.

Erhalten – Verwalten – Gestalten. Planungshilfen für den Familienalltag

Die Eigenheiten von Kindern und Jugendlichen in Bezug auf Zeit und Ordnung in der Organisation des Alltags zu berücksichtigen, ist ein wichtiger Punkt. Aber auch durch geschickte Planung lässt sich eine Menge Stress abpuffern.

Die Familienarbeit besteht im Wesentlichen aus drei Bereichen:

  1. Es gibt die immer wiederkehrenden Arbeiten, die den Lebensraum der Familie erhalten: Putzen, Waschen, Einkaufen. Diese Arbeiten fallen in regelmäßigem Rhythmus an und müssen immer wieder gemacht werden.
  2. Dann müssen die verschiedenen Aktivitäten der Familienmitglieder koordiniert und auch die bürokratischen Grundlagen der Familie Ordnung gehalten werden – das fällt unter verwalten.
  3. Und dann gibt es die schönen Dinge des Familienlebens: Geburtstage, Ausflüge, neue Zimmereinrichtungen, Urlaubsreisen – sie wollen gestaltet werden.

Kaum einer von uns gehört zu den begnadeten Zeitgenossen, die all das aus dem Ärmel schütteln können. Darum biete ich Ihnen nun ein paar Hilfen an.

Erhalten

Der Monatsmanager

Für Arbeiten, die zyklisch wiederkehren, empfiehlt es sich, einen rotierenden Plan, einen “Monatsmanager” zu erstellen. Das kostet Sie einen Abend Nachdenken, entlastet Sie aber dann davon, täglich neu überlegen zu müssen, welche Arbeit am dringendsten ansteht. Besorgen Sie sich vier Stundenplanvordrucke, wie Schüler/innen sie verwenden, und dann gehen Sie so vor:

  • Zuerst schreiben Sie alle Arbeiten, die in Ihrem Haushalt immer wieder anfallen, auf jeweils einen kleinen Zettel: Flur putzen, Bad putzen, Bettwäsche wechseln, Einkaufen, Küche in Ordnung bringen, Straße fegen, Lampen abwischen, Kühlschrank sauber machen, Fenster putzen…
  • Nun sortieren Sie alle Aufgaben nach Häufigkeit, wie oft sie gemacht werden sollen. Täglich: Küche in Ordnung bringen, Essplatz saugen… Alle zwei Tage: Wohnzimmer saugen, Blumen gießen… Alle drei Tage oder zwei Mal pro Woche: Einkaufen, Treppe fegen… Einmal pro Woche: Bad putzen, Handtücher waschen, Straße fegen… Alle zwei Wochen: Bettwäsche wechseln… Alle drei Wochen: Computerplatz aufräumen und abstauben… Alle vier Wochen: Kühlschrank sauber machen… Das sind natürlich nur Beispiele. Sie wissen selber am besten, welche Arbeiten bei Ihnen anfallen und wie oft sie gemacht werden müssen.
  • Die Arbeiten, die täglich gemacht werden müssen, schreiben Sie auf ein einzelnes Blatt.
  • Nun legen Sie die vier Stundenpläne vor sich hin und schreiben zunächst die Arbeiten, die Sie alle zwei Tage machen wollen, mit Bleistift (wegen eventueller Änderungen) unter jeden Montag, Mittwoch und Freitag (oder Dienstag, Donnerstag und Samstag). Dann überlegen Sie, an welchen Tagen Sie das erledigen wollen, was nur alle drei Tage drankommen soll, dann das, was Sie einmal wöchentlich machen wollen, dann das vierzehntägig zu Erledigende, und schließlich das, was nur alle vier Wochen ansteht – das kommt nur auf einen Ihrer vier Stundenpläne. Sie werden dabei ein bisschen hin und her schieben müssen, bis Sie zu einer Arbeitsverteilung von etwa zwei bis vier Punkten pro Tag kommen. Wenn Sie schlau sind, lassen Sie einen Tag pro Woche ganz frei, das ist dann Ihr Tag für Einkaufsbummel und andere nette Unternehmungen.
  • Stecken Sie die Pläne in eine Klarsichthülle und hängen Sie sie irgendwo auf, wo jedes Familienmitglied, das an der Hausarbeit beteiligt ist, sie sehen kann. Haben Sie viel Platz, kommen alle Pläne untereinander; wer Platz sparen will, bringt den mit den täglichen Arbeiten oben an und die Wochenpläne mit einem Heftstreifen gestapelt darunter. Dann müssen Sie wöchentlich einmal den aktuellen Plan obenauf heften.
  • Sie können nun noch mit einem wasserlöslichen Folienstift markieren, wer welche Arbeit machen soll, oder Sie können damit auch abhaken, was erledigt ist – das wird dann nach vier Wochen mit einem feuchten Lappen wieder abgewischt.

Wenn Sie sich jetzt nach diesem Plan richten, werden Sie merken, dass Sie sich nicht mehr von den Arbeiten, die Sie täglich anstarren, geknechtet fühlen müssen, denn Sie wissen: Alles kommt an die Reihe – jedes zu seiner Zeit!

Verwalten

Der Kalender

Die unabdingbare “Verwaltungszentrale” einer Familie ist der Kalender, in den alle Familienmitglieder ihre Termine eintragen. Es gibt mittlerweile Familienplaner zu kaufen, bei denen für Eltern und Kinder je eine Spalte vorgesehen ist. Diese Planer sind sehr übersichtlich, haben aber den Nachteil, dass Kinder und Jugendliche dazu neigen, nur ihre Spalte zu beachten, und dabei übersehen, dass ihre Eltern vielleicht gleichzeitig einen Termin haben und nicht “Taxi fahren” können. Wir haben gute Erfahrungen mit einem ganz normalen Wochenübersichts-Kalender gemacht, bei denen lediglich vermerkt wird, wen der jeweilige Termin betrifft. Dabei ist schneller zu sehen, ob es Terminüberschneidungen gibt.

Der Essensplan

Sofern Ihre Familie nicht überwiegend in Kantinen versorgt wird, empfiehlt sich ein mindestens wochenweise festgelegter Essensplan. Sie wissen, was Sie einkaufen müssen, das tägliche Nachdenken entfällt – und wenn Sie die Kinder in die Planung einbeziehen, findet jeder mindestens einmal pro Woche etwas auf dem Teller, was ihm schmeckt, und ist ein wenig toleranter gegenüber weniger geliebten Speisen. Sie können den Plan auch auf vier Wochen festlegen und mit dem Monatsmanager koppeln; der Zeitraum ist lang genug, dass trotz der festgelegten Abfolge keine Langeweile aufkommt.

Der Einkaufsleitfaden

Die moderne Kopiertechnik macht es Ihnen möglich, sich ein äußerst praktisches Hilfsmittel für Ihre Einkaufsplanung herzustellen: ein kleines Ringbuch mit vorgefertigten Einkaufszetteln:

  • Listen Sie auf, welche Lebensmittel und Verbrauchsgegenstände in Ihrem Haushalt regelmäßig aufgefüllt werden müssen.
  • Legen Sie im DIN-A-6-Format nach Geschäften sortierte Listen an, in die Sie das eintragen, was Sie regelmäßig brauchen.
  • Diesen Zettel drucken Sie mehrfach aus oder kopieren ihn. Dann heften Sie den Stapel in ein kleines Ringbuch. Wenn Sie einkaufen gehen, reißen Sie den jeweils aktuellen heraus und nehmen ihn mit (Achten Sie bei dem Ringbuch auf normale Lochung – Sie können die Zettel sonst nicht selber zuschneiden!).

Wann immer Ihnen nun auffällt, dass etwas in Ihren Vorräten zu Ende geht, können Sie an der entsprechenden Stelle ein kleines Kreuzchen machen, oder Sie gehen, bevor Sie einkaufen, kurz Ihre Vorratsschränke anhand dieser Liste durch und markieren, was fehlt.

Das Pinnbrett

Wahrscheinlich haben Sie schon eines. Aber am besten hängen Sie zwei davon auf. An eines kommen die Urlaubspostkarten und Geburtsanzeigen aus der Bekanntschaft, an das andere so wichtige Dinge wie Schulstundenpläne der Kinder, Öffnungszeiten von Schwimmbad und Bibliothek, Busfahrpläne, ständig gewählte Telefonnummern, regelmäßige Trainingstermine des Sportvereins und Ähnliches. An diesem Brett bekommt auch jedes Familienmitglied ein Feld für Mitteilungszettel. Ein bisschen Pflege braucht ein solches Brett, wenn es nicht nach einem halben Jahr von längst überholten Memo-Zetteln überfüllt sein soll, aber vor allem die Rubrik mit den festen Zeiten wird Ihnen manches Herumsuchen und Rätseln ersparen.

Das Büro im Haus

Was einem Betrieb nützt, nützt auch Ihnen zu Hause: großzügige, gut beschriftete Ablagen – dann geht Ihnen kein wichtiger Brief verloren!

Gestalten

Planen Sie ein größeres Unternehmen, werden Sie sicher einen Zettel und einen Stift nehmen und aufschreiben, an was Sie dabei denken müssen. Dabei haben Sie wahrscheinlich schon bemerkt, dass einem menschlichen Kopf nicht immer alles komplett und in ordentlicher Reihenfolge einfällt. Sammeln Sie Ihre Ideen in einem solchen “Ideenbaum” wie unten abgebildet (in der Management-Fachsprache heißt das “Mind-Mapping”). So haben Sie immer die Chance, etwas einzufügen, wenn Ihnen zu einem Bereich noch etwas einfällt.

Mindmapping

Ist Ihr “Baum” dann vollständig, nehmen Sie ein paar Buntstifte und markieren

  • rot, was Sie machen wollen,
  • grün, wen Sie anrufen müssen,
  • braun, was schriftlich erledigt werden muss,
  • blau, was gekauft werden muss.

Nun falten Sie ein DIN-A-4-Blatt einmal längs und einmal quer und sammeln die vier verschiedenen Aktivitäten in jeweils einem Feld – und fertig ist der Aktionsplan!

Literaturhinweis

Noch mehr Planungshilfen und mehr Gedanken zum Thema “Zeit” in der Familie finden Sie in meinem Buch “Mehr Zeit für die Familie – Wie Sie den Alltag richtig organisieren”, erschienen in der Reihe “Mit Kindern leben” im Rowohlt Taschenbuch Verlag 1999.

Einen entsprechenden Abschnitt vor allem über Haushaltsorganisation in einer Familie mit einem Säugling gibt es in meinem Buch “Schwangerschaft, Geburt uns erstes Lebensjahr – ein Begleiter für werdende Eltern”, erschienen bei “Mit Kindern leben” im Rowohlt Taschenbuch Verlag 2000.

Adresse

Regina Hilsberg

Steinbreite 1

34346 Hann. Münden

Tel.: 05541/71529

Email: regina.hilsberg@web.de