Zeckenbisse sind gefährlich

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Sie kommen pünktlich mit dem Frühjahr und bleiben aktiv bis in den Herbst hinein: Zecken. Die kleinen Blutsauger leben im Gras, auf Sträuchern und im Unterholz und warten dort auf Spaziergänger, Sportler, Jäger und andere Naturfreunde. Beim Vorbeigehen heften sie sich an deren Kleidung und suchen nach einer unbedeckten Körperstelle. Zeckenstiche sind alles andere als ungefährlich, da sie Krankheitserreger beherbergen, die sie beim Blutsaugen übertragen.

Die häufigsten durch Zecken übertragbaren Infektionen in Europa sind Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose.

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Diese zeckenübertragene Virusinfektion ruft jedes Jahr etwa 300 Erkrankungen in Deutschland (davon etwa 130 Fälle pro Jahr in Bayern) hervor. Das Virus kann zu einer Hirnhautentzündung führen, eine Therapie existiert nicht.

Für FSME-Erkrankungen können aufgrund der seit dem Jahr 2001 bestehenden Meldepflicht genauere Aussagen zu Häufigkeit und Verteilung in Deutschland getroffen werden Bis zum Jahr 2004 wurden in Deutschland jährlich durchschnittlich ca. 300 FSME-Erkrankungen gemeldet, in den Jahren 2005 und 2006 ist die Zahl der gemeldeten Fälle in Deutschland und hier insbesondere in Bayern drastisch angestiegen. Seit dem Jahr 2007 ist die Zahl der Deutschland- und Bayern weit gemeldeten FSME-Fälle wieder auf das zuvor registrierte Niveau gesunken (S. Grafik):

Die Grafik zeigt den Verlauf der jährlichen gemeldeten FSME Fälle in Bayern und Deutschland vom Jahr 2001 bis 2010. (Auf der x-Achse sind die Jahre aufgetragen, auf der Y-Achse die Gesamtzahl der gemeldeten FSME Fälle. Eine Kurve zeigt die Fälle in Deutschland, eine Kurve die Fälle, die davon allein in Bayern gemeldet wurde. Die Kurve für Deutschland verläuft in den Jahren 2001 bis 2004 und 2007 bis 2010 im Bereich von ca. 300 Fällen, die bayerische im Bereich zwischen 100 und 130 Fällen. Ausnahme sind die Jahre 2005 und 2006, in denen sowohl die bayerische als auch deutsche Kurve deutlich höhere Fallzahlen aufweisen: Im Jahr 2005: Deutschland 432 Fälle, Bayern 212 Fälle. Im Jahr 2006: Deutschland 546 Fälle, Bayern 188 Fälle. Als Quelle ist Survstat und SurvNET mit Datenstand 28.03.2011 angegeben.

Risikogebiete für das Vorkommen FSME-übertragender Zecken

Die FSME tritt vorwiegend in bestimmten Endemiegebieten auf. Diese liegen in Süddeutschland (Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen) sowie in Teilen von Österreich und der Schweiz, in Skandinavien und Osteuropa. In Höhenlagen über 1000 Meter kommen meist keine Zecken vor.

Die aktuellen Risikogebiete für Bayern zeigt die folgende Karte (Quelle Robert-Koch-Institut, Berlin):

In FSME-Risikogebieten wird für Besucher und Bewohner wegen des erhöhten Erkrankungsrisikos die Impfung empfohlen, sofern sie sich beruflich oder in der Freizeit in der Natur aufhalten. In Bayern wurden aufgrund der gemeldeten Fälle zuletzt im Jahr 2008 drei neue Risikogebiete ausgewiesen. Insgesamt gelten derzeit 78 von 96 Kreisen in Bayern als Risikogebiet. (siehe Karte).

FSME: Krankheitsbild

Nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt zu einer Infektion. Nach erfolgter Infektion treten bei rund 30% der Infizierten Krankheitserscheinungen auf. Die Krankheit verläuft in zwei Phasen: Zunächst kommt es zu grippeähnlichen Symptomen mit mäßigem Fieber (in der Regel nicht über 38°C), Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindelgefühl. Nach einem fieberfreien Intervall von etwa einer Woche bis 20 Tagen entsteht bei ca. 10% der Patienten eine Meningoenzephalitis (Hirnhautentzündung) mit Fieber, Erbrechen, sog. meningealen Reizerscheinungen wie z.B.Nackensteifigkeit und starken Kopfschmerzen, vereinzeltem Auftreten von Stupor oder Koma. Bei älteren Patienten kann sich zusätzlich eine Myelitis entwickeln. In diesen Fällen besteht die Gefahr von bleibenden neurologischen Ausfällen, in der Regel in Form von Lähmungen, Anfallsleiden oder lange andauernden Kopfschmerzen. Diese Symptome können einige Monate bestehen. Häufig kommt es jedoch selbst nach schweren Verläufen zur völligen Heilung. Schwere Krankheitsverläufe werden fast nur bei Erwachsenen beobachtet. Bei etwa 1% derjenigen Erkrankten, bei denen eine Beteiligung des Nervensystems auftrat, führt die Erkrankung zum Tode.

Behandlung der FSME

Die FSME kann nicht ursächlich behandelt werden. Lediglich die Symptome können gelindert werden, z.B. durch Fieber- und Schmerzmittel. Spätschäden lassen sich dadurch nicht verhindern.

FSME-Impfung

Die Verhütung von FSME-Infektionen ist besonders wichtig, weil es keine wirksame Behandlungsmöglichkeit gibt. Empfohlene Abwehrmaßnahmen wie das Tragen langer Kleidung und Benutzen von Insektenabwehrmitteln mindern zwar das Risiko, bieten aber keinen sicheren Schutz. Die einzige zuverlässige Schutzmaßnahme ist die Impfung. Die FSME-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission für Personen empfohlen, die sich beruflich oder in ihrer Freizeit in FSME-Risikogebieten (S. Karte oben) aufhalten. Auch bei Auslandsreisen sollte man sich beim Arzt nach potentiellen FSME-Risikogebieten erkundigen. Die FSME-Schutzimpfung verhindert Erkrankungen an FSME, sicherer Schutz ist aber erst nach einer vollständigen Grundimmunisierung und bei rechtzeitigen Auffrischimpfungen gegeben. Das empfohlene Impfschema sollte beim behandelnden Arzt erfragt werden. Die Grundimmunisierung besteht in der Regel aus drei Impfungen, die über einen Zeitraum von einem Jahr verabreicht werden. Eine Auffrischung sollte dann je nach Impfstoff nach drei bis fünf Jahren erfolgen. Alternativ für Eilige kann die Grundimmunisierung auch innerhalb 21 Tagen durchgeführt werden, eine Auffrischimpfung ist dann allerdings früher als beim konventionellen Grundimmunisierungsschema nötig. Vor Reisen in Risikogebiete sollte man sich deshalb rechtzeitig an den Arzt wenden. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für Personen, die in Risikogebieten leben. Bei beruflicher Exposition ist der Arbeitgeber für die Kostenerstattung zuständig. Bei Urlaubsreisen sind die Kassen nicht verpflichtet, die Impfungen zu bezahlen. Privatkassen entscheiden frei über die Kostenübernahme.

Entfernung der Zecke

Auf jeden Fall gilt: Die Zecke so schnell wie möglich zu entfernen.Früher empfohlene Methoden wie das Betupfen der Zecke mit Öl, Klebstoff, Nagellack oder anderen Flüssigkeiten sollten nicht angewendet werden. Am besten entfernt man die Zecke mit einer spitzen, gut schließenden Pinzette, mit der man sie direkt über der Hautoberfläche packt und langsam herauszieht. Da mit der Dauer des Saugaktes das Infektionsrisiko steigt, sollte nicht lange gewartet werden sondern notfalls gleich an Ort und Stelle, z.B. im Wald, sofern kein Werkzeug vorhanden, die Zecke mit den Fingernägeln herausgezogen werden. Falls dabei noch Teile der Zecke in der Haut zurückbleiben, handelt es sich dabei lediglich um den Stechrüssel der Zecke, der von einem Arzt entfernt werden kann, um Entzündungen zu vermeiden.

Die Lyme-Borreliose (Lyme-Krankheit)

Überall in Deutschland muss man bei einem Zeckenstich auch mit einer Erkrankung an Lyme-Borreliose rechnen. Im Gegensatz zu FSME, einer Viruserkrankung, die nur in bestimmten Regionen auftritt, handelt es sich bei der Lyme-Borreliose um eine bakterielle Infektion (Borrelia burgdorferi, ein bewegliches, spiralförmig geformtes Bakterium), gegen die es keine Impfung gibt, die aber mit Antibiotika behandelbar ist.

Übertragung der Borreliose

Der Zeckenstich ist der Hauptübertragungsweg für den Erreger der Lyme-Borreliose. Die Wahrscheinlichkeit der Übertragung steigt mit der Dauer des Saugaktes an, weshalb Zecken grundsätzlich möglichst rasch entfernt werden sollten. Etwa 10% – 20% der Zecken tragen das Lyme-Borreliose-Bakterium in sich.

Krankheitsbild der Borreliose

Die Lyme-Borreliose wird in drei Stadien eingeteilt, wobei atypische Verläufe möglich sind. Das Frühstadium geht meistens mit einer ringförmig nach außen wandernden Hautrötung einher, die sich in der Regel innerhalb einiger Tage bis weniger Wochen nach dem Zeckenstich langsam ausbreitet. Unbehandelt kann auch nach Rückbildung dieser Rötung Wochen bis Monate später das Zweitstadium auftreten, in dem vor allem das Nervensystem betroffen ist. Neben schmerzhaften Nerven- und Hirnhautentzündungen kann es dabei zu Lähmungen, vorwiegend der Gesichtsnerven, kommen. Auch Herzmuskelentzündungen sind möglich. Im dritten Stadium, das normalerweise nach Monaten bis Jahren eintreten kann, werden vor allem die Gelenke befallen, insbesondere in Form von entzündlichen Schwellungen der Knie- und Sprunggelenke. Noch nach Jahren können auch Erkrankungen der Haut und des Nervensystems auftreten. Es wurden auch Krankheitszeichen beobachtet, die denen der Multiplen Sklerose (MS) ähnlich sind. Relativ häufig durchläuft die Zecken-Borreliose nicht die Reihenfolge der geschilderten Stadien. Die Infektionskrankheit kann in jedem Stadium erstmals auftreten.

Behandlung der Borreliose

Eine vorsorgliche Gabe von Antibiotika nach jedem Zeckenstich wird nicht empfohlen. Beim Auftreten eines oder mehrerer der oben genannten Krankheitsbilder sollte aber umgehend ein Arzt aufgesucht werden, damit dieser nach entsprechender Diagnostik und angepasst an das jeweilige Krankheitsstadium eine Behandlung mit Antibiotika einleitet.

Mehr zu diesem Thema

Nationales Referenzzentrum für Borrelien im LGL in Oberschleißheim

Biologische Arbeitsstoffe in der Land- und Forstwirtschaft – Infektionsgefährung durch Zeckenstiche

Mehr zu Lyme Borreliose

Autoren

  • Dr. Wolfgang Hautmann – Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
  • Dr. Sabine Ludwig – Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
  • Dr. Volker Fingerle – Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

 

Erstellt am 21. April 2011, zuletzt geändert am 28. Oktober 2011.

Dokument aktualisiert am: 29.03.2011