Milchzucker-Unverträglichkeit (Laktose-Intoleranz) – Für viele Menschen ein Problem

Dr. oec.troph. Eva-Maria Schröder
Emschroeder
 

Häufig klagen Menschen über unspezifische, wiederkehrende Bauchbeschwerden, Übelkeit, Blähungen und Durchfall. Die Beschwerden haben auf den ersten Blick keinen erkennbaren Auslöser – weder ein Magen-Darm-Infekt noch der Verzehr verdorbener Lebensmittel scheint die Ursache zu sein. In diesen Fällen sollte man auch eine Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsinhaltsstoffe als Auslöser für das Unwohlsein in Betracht ziehen, beispielsweise eine Milchzuckerunverträglichkeit, auch Laktose-Intoleranz, Laktosemalabsorption oder Laktasemangelsyndrom genannt.

Milch ist gesund, doch nicht jeder verträgt sie

Die Milchzucker-Unverträglichkeit ist weit verbreitet, viele Menschen wissen jedoch gar nicht, dass sie betroffen sind. Man schätzt, dass etwa 5 – 15 % der erwachsenen Deutschen Probleme mit der Verdauung von Milchzucker haben. Damit stehen wir Nordeuropäer sogar noch wesentlich besser da als beispielsweise unsere südlichen Nachbarn, wie z.B. die Italiener und Spanier. Weltweit wird geschätzt, dass etwa 75 % der Erwachsenen betroffenen sind. Ganz hart trifft es die Asiaten und Afrikaner, die im Erwachsenenalter nahezu alle keine Milch (mehr) vertragen können. Woran liegt das?

Der Milchzucker – Laktose – ist ein Disaccharid

Milchzucker (Laktose), das Kohlenhydrat der Milch, ist ein Disaccharid (Zweifachzucker), es setzt sich also aus zwei Zuckermolekülen zusammen: der Glukose und der Galaktose. Im Zuge der Verdauungsarbeit wird die Laktose normalerweise mit Hilfe des Enzyms Laktase in die beiden Einzelzucker gespalten. Diese Spaltung findet in der Bürstensaummembran des Dünndarmepithels statt. Die Spaltprodukte werden dann in die Mukosazelle aufgenommen und gelangen so ins Blut. Fehlt jedoch das Enzym Laktase ganz oder teilweise, dann gelangt der Milchzucker mehr oder weniger ungespalten in den Dickdarm, wo die dort angesiedelten Bakterien ihn zu Milch- und Essigsäure, Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan zersetzen. Die entstandenen Säuren verschieben den pH-Wert im Darm und üben einen starken osmotischen Druck aus, wodurch ein Wassereinstrom in den Darm erfolgt. Dies führt zu einer verstärkten Darmbewegung (Peristaltik) mit anschließendem wässerigem, schaumigem, sauer riechendem Durchfall (Diarrhoe). Die gleichzeitig entstandenen Gase führen zusätzlich zu Blähungen oder gar Krämpfen. Diese Beschwerden treten schon etwa 12 bis 30 Minuten nach dem Verzehr von Laktose oder laktosehaltigen Produkten auf, der Milchzucker wurde also „nicht vertragen“ bzw. „nicht toleriert“ (Laktose-Intoleranz). Die Unverträglichkeit kann häufig schon durch geringe Mengen Laktose ausgelöst werden, z. T. schon nach 5 g Laktose, das entspricht etwa 100 ml Kuhmilch.

Definition:

Laktoseintoleranz bedeutet eine Unverträglichkeit von Laktose (Milchzucker) durch eine verminderte oder fehlende Aktivität des milchzuckerspaltenden Enzyms Laktase in der Dünndarmschleimhaut.

Typische Beschwerden bei Milchzuckerunverträglichkeit

  • Völlegefüh
  • lLuftaufstoßen
  • Blähungen und Bauchgeräusche
  • Meteorismus
  • Koliken
  • Bauchschmerzen
  • Darmkrämpfe
  • Durchfall
  • Übelkeit bis zum Erbrechen
  • Migräneattacken
  • Kreislaufprobleme
  • Schwächeanfälle

Die Intensität der Beschwerden durch einen absoluten oder relativen Laktase-Mangel ist individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt. Manche Betroffene reagieren bereits nach Aufnahme geringer Laktosemengen (< 3 g pro Tag) mit Durchfällen und Magen-Darm-Beschwerden. Die Mehrzahl der Patienten ist jedoch unter einer laktosearmen Kost (8 – 10 g Laktose/Tag) symptomfrei. Zum Vergleich: Der gesunde Erwachsene nimmt täglich etwa 20 – 30 g Laktose mit einer vollwertigen Ernährung zu sich.

Ursachen für die Laktoseintoleranz

Laktose findet sich nur in der Milch von Menschen und Säugetieren sowie daraus hergestellten Produkten. Primär dient Milch ja zur Ernährung Neugeborener, die in der Regel auch über das entsprechende milchzuckerspaltende Enzym, die Laktase, verfügen (Ausnahme s.u.). Nach dem Abstillen bildet sich bei einem großen Teil der Weltbevölkerung die Laktaseaktivität zurück, wodurch es im späteren Leben zur Milchunverträglichkeit kommt. Nur von einem kleinen Teil der Weltbevölkerung, bevorzugt den Mittel- und Nordeuropäern (also uns!), kann – genetisch bedingt – auch in späteren Lebensjahren noch Laktase produziert und damit Milch vertragen werden. Dennoch leiden auch in Deutschland etwa 5 – 15 % der Erwachsenen an einer Laktoseintoleranz.

Drei Arten des Laktasemangels

Die nach dem Verzehr von Milch und Milchprodukten auftretenden Beschwerden durch den Mangel am Enzym Laktase können verschiedene Ursachen haben:

1. Primärer Laktasemangel:

angeborener Enzymdefekt, sehr selten‚ tritt bereits bei Säuglingen auf (Erbrechen, Durchfälle, Gedeihstörungen)

2. Sekundärer Laktasemangel:

Begleiterscheinung bei Dünndarmerkrankungen, wie z.B. Zöliakie, Morbus Crohn, nach Magen- und Darmoperationen sowie Gabe von Antibiotika oder Zytostatika (die Laktoseintoleranz kann sich nach erfolgreicher Behandlung der Grundkrankheit zurückbilden)

3. Erworbener Laktasemangel:

Tritt bei Menschen mit vorher normaler Laktoseverträglichkeit auf, die Ursache ist noch weitgehend unbekannt. Die Laktaseaktivität in der Dünndarmschleimhaut wird so niedrig, dass Milch oder milchzuckerhaltige Lebensmittel Beschwerden auslösen können. Dies ist die häufigste Art des Laktasemangels und auch bei uns weit verbreitet.

Diagnostik

Zur Diagnose einer Laktoseintoleranz wird heute am häufigsten ein H2-Atemtest durchgeführt, denn bei einer Milchzuckerunverträglichkeit kommt es zu einer vermehrten Abatmung von Wasserstoff (H2). Für den Test trinkt der Patient eine Lösung mit 50 g in Wasser gelöster Laktose. Der anschließend ausgeatmete Wasserstoff wird gas-chromatografisch über vier Stunden wiederholt gemessen, so dass man nicht nur eine qualitative, sondern auch eine quantitative Aussage über den Laktasemangel machen kann. Als Alternative bietet sich eine (beim Patienten weniger beliebte) Dünndarmbiopsie an, bei der in der entnommenen Gewebeprobe die Laktaseaktivität direkt bestimmt werden kann.

Behandlung – Was kann man tun?

Zur Vermeidung des Auftretens von Beschwerden beim Laktasemangel bieten sich drei Möglichkeiten an:

  • Diätetische Maßnahmen

  • Verzehr laktosefreier Spezial-Milch und -Milchprodukte

  • Einnahme von Enzympräparaten

1. Diätetische Maßnahmen

Je nach Schweregrad der Erkrankung kann eine Laktoseintoleranz durch eine laktosefreie bzw. laktosearme Diät erfolgreich behandelt werden. Bei der laktosefreien Kost dürfen pro Tag maximal 1 g und bei der laktosearmen Diät maximal 8 – 10 g Laktose aufgenommen werden. Durchschnittlich nimmt der gesunde Erwachsene täglich etwa 20 – 30 g Laktose überwiegend durch Milch und Milchprodukte auf. Bei einer laktosefreien bzw. laktosearmen Ernährung muss also in erster Linie auf diese Lebensmittel ganz oder teilweise verzichtet werden. Der Bedarf an Calcium muss jedoch über andere Lebensmittel bzw. eine Supplementierung gedeckt werden, um ein erhöhtes Osteoporoserisiko zu verhindern.

Abhängig vom Ausmaß der Laktoseunverträglichkeit ist auf milchzuckerhaltige Produkte also mehr oder weniger weitgehend zu verzichten, die individuelle Toleranzgrenze ist allerdings vorsichtig selbst auszutesten, da kleine Mengen doch oft toleriert werden. Zu beachten ist, dass Milcherzeugnisse z.T. sehr unterschiedlich hohe Laktosegehalte aufweisen (Tabelle 1). Zur Sicherung der Calciumversorgung (Osteoporoseprävention!) sollten deshalb nicht unbedingt kategorisch alle Milchprodukte vom Speiseplan gestrichen werden. So sind fermentierte Milchprodukte, z.B. Joghurt mit probiotischen Milchsäurebakterien, oft durchaus verträglich, da sie bereits eine gewisse Menge Laktase durch die Bakterien enthalten, die die Verdauung im Darm unterstützt.

Tabelle 1:

Laktosegehalt ausgewählter Lebensmittel

Lebensmittel

g Laktose/100g

 Frischmilch, H-Milch

 4,8 – 5,0

 Dickmilch

 3,7 – 5,3

 Frucht-Dickmilch

 3,2 – 4,4

 Joghurt

 3,7 – 5,6

 Joghurtzubereitungen 

 3,5 – 6,0

 Kefir

 3,5 – 6,0

 Buttermilch

 3,5 – 4,0

 Sahne, Rahm (süß, sauer)

 2,8 – 3,6

 Creme fraiche, Creme double 

 2,0 – 4,5

 Kaffeesahne (10-15% Fett)

 3,8 – 4,0

 Kondensmilch (4-10% Fett)

 9,3 - 12,5

 Butter 

 0,6 – 0,7

 Butterschmalz

                 0

 Milchpulver

38,0 – 51,5

 Molke, Molkegetränke

  2,0 – 5,2

Desserts, Fertigprodukte wie Pudding, Milchreis

  3,3 – 6,3

 Eiscreme

  5,1 – 6,9

 Sahneeis

  1,9

 Magerquark

  4,1

 Rahm- u. Doppelrahmfrischkäse

  3,4 – 4,0

 Quark (10 – 70% Fett i.Tr.)

  2,0 – 3,8

 Schichtkäse (10-50% Fett i.Tr.)

  2,9 – 3,8

 Hüttenkäse

  2,6

Frischkäsezubereitungen (10-70% Fett i.Tr.)

  2,0 – 3,8

 Schmelzkäse (10-70% Fett i.Tr.)

  2,8 – 6,3

 Kochkäse (0-45% Fett i. Tr.) 

  3,2 – 3,9

 Hart-, Schnitt- und Weichkäse

laktosefrei bzw. geringe Mengen

Quelle: Kasper: Ernährungsmedizin und Diätetik

Zur Calciumversorgung kann auch auf Schnitt- und Hartkäse zurückgegriffen werden, da diese praktisch laktosefrei sind. Wer Käse pur nicht mag, kann ihn zum Überbacken verwenden oder reichlich Parmesan über Pastagerichte streuen. Auch calciumreiche Mineralwässer und mit Calcium angereicherte Fruchtsäfte sind zur Bedarfsdeckung zu empfehlen. Broccoli, Grünkohl, Fenchel, grüne Bohnen etc. enthalten größere Mengen pflanzliches Calcium, genauso wie Vollkornprodukte.

Stark phosphathaltige Nahrungsmittel (Colagetränke, Schmelzkäse, Wurst) und stark oxalsäurehaltige Produkte (Rhabarber, Spinat, Rote Bete, Schokolade) sollten dagegen gemieden werden – beide wirken sich negativ auf den Calciumstatus aus. Grundsätzlich sollte eine abwechslungsreiche Mischkost mit reichlich Obst und Gemüse die Basis der Ernährung darstellen, denn Vitamin-C-reiche Nahrungsmittel verbessern zusätzlich die Calciumversorgung.

Bei unverpackten Lebensmitteln wie Backwaren, Fleisch- und Fischerzeugnissen, Feinkostsalaten usw. sollte man sich beim Händler erkundigen, ob dem Produkt Milch oder Milchzucker zugesetzt wurde. Die Zutatenliste bei verpackten Lebensmitteln gibt ebenfalls hierüber Auskunft, sie ist deshalb sorgfältig zu lesen. Denn aus technologischen Gründen wird bei der Lebensmittelherstellung zahlreichen Produkten Laktose zugesetzt (Tabelle 2). Auch Süßstofftabletten können als Trägersubstanz Laktose enthalten; da diese als Ausnahme nicht deklariert werden muss, lohnt sich in jedem Fall die Anfrage beim Hersteller. Auch viele Medikamente enthalten Laktose, darauf sollten Menschen mit einer Milchzuckerunverträglichkeit achten.

Tabelle 2:

Liste von Lebensmitteln, welche (möglicherweise) Laktose enthalten:

Süßwaren:

Schokolade, Sahne- und Karamelbonbons, Nougat, Nuß-Nougat-Creme, Pralinen, diverse Riegel, Eiscreme, Kaubonbons

Brot, Backwaren:

Knäckebrot, Kräcker, Kekse, Milchbrötchen, Kuchen, Backmischungen

nstant-Erzeugnisse:

Kartoffelpulver (z.B. für Püree, Knödel), Suppen, Soßen, Cremes

Fertiggerichte:

 Konserven, Tiefkühlgerichte, Fertigmenüs

Fleisch- und Wurstwaren, Fette:

Brühwürste, Leberwurst, Wurstkonserven, Margarine

Sonstige:

Süßstofftabletten, Kleietabletten, Müslimischungen, Medikamente, Kaffeeweißer, Salatsoßen, Cremeliköre

2. Laktosefreie Trinkmilch und laktosefreie Milchprodukte

Eine gute Nachricht für Betroffenen, die auf ihre geliebten Milch(produkte) nicht verzichten möchten: Der Lebensmittelindustrie ist es gelungen, Milch und einige Milchprodukte mit einem aufwändigen Verfahren nahezu laktosefrei in den Lebensmitteleinzelhandel zu bringen (z.B. Breisgaumilch und MinusL von OMIRA). Dabei wird die Spaltung des Milchzuckers, die normalerweise im Darm stattfindet und bei Laktasemangel nicht oder nur eingeschränkt funktioniert, technologisch vorweg genommen, so dass beispielsweise Trinkmilch nur noch weniger als 0,1 g Laktose pro 100 ml (analytisch nachweisbar) enthält, im Gegensatz zu 4,8 bis 5 g bei normaler Milch, also weniger als ein Fünfzigstel. Daneben gibt es inzwischen auch eine patientenfreundliche Palette mit laktosefreier Schokomilch, Schlagsahne und probiotischem Joghurt zu kaufen. Diese Produkte erleichtern das Kochen und Backen bei laktosearmer Ernährung und helfen auch, die Calciumversorgung zu sichern. Das ist insbesondere für Osteoporosepatienten hilfreich, die beim Ausweichen auf Sojaprodukte bei Laktoseintoleranz nicht mehr ausreichend mit Calcium versorgt werden. Zudem ermöglichen sie den Betroffenen, ohne Verzicht im Alltag eine vollwertige Ernährung zu praktizieren und das oft aufwändige „doppelte Kochen“ in der Familie zu reduzieren. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht also ein Gewinn.

3. Einnahme von Enzympräparaten

Laktasehaltige Enzympräparate und Verdauungshilfen gibt es rezeptfrei in der Apotheke. Das in ihnen enthaltene milchzuckerspaltende Enzym wird in der Regel aus Pilzen gewonnen. Diese Laktasepräparate können entweder der Milch oder dem Milchprodukt vor dem Verzehr in flüssiger Form zugesetzt oder als Tablette (z.B. Laluk plus von Strathmann AG oder Lactrase Kapseln von Pro Natura GmbH) zusammen mit dem laktosehaltigen Lebensmittel eingenommen werden. So wird dem Körper das fehlende Enzym künstlich vor jeder Mahlzeit zugeführt. Die Kosten für die Laktasepräparate werden von den Krankenkassen nicht übernommen.
 

Fazit

Die Laktose-Intoleranz ist eine spezifische, durch einen Enzymmangel hervorgerufene Nahrungsmittel-Unverträglichkeit, die nicht geheilt werden kann. Den typischen Beschwerden der Patienten kann jedoch durch eine gezielte, individuelle Umstellung der Ernährung begegnet werden. Menschen mit Laktoseintoleranz müssen nicht grundsätzlich auf den Verzehr von Milch und Milchprodukten verzichten. Die Patienten sollten selbst austesten, welche Mengen an Milch und Milchprodukten sie ohne Beschwerden vertragen. Im Lebensmitteleinzelhandel werden außerdem laktosefreie Trinkmilch sowie einige laktosefreie Milcherzeugnisse angeboten. Auch die Einnahme von laktasehaltigen Enzympräparaten ist eine Hilfe.
 

Autorin

  • Dr.oec.troph. Eva-Maria Schröder (M.P.H. postgrad.)

  • Ernährungs- und Gesundheitswissenschaftlerin, freie Journalistin

  • Leiterin des Ernährungs-Beratungs-Service in Tutzing

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Dr. oec.troph. Eva-Maria Schröder
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Erstellt am 4. Oktober 2005, zuletzt geändert am 30. März 2010.