Die Sonne hat auch Schattenseiten

Susanne Grohs-v. Reichenbach

Grohs-vonreichenbach Foto

 

 

 

Wenn die Sonne scheint, geht es uns gut. Besonders die Kinder zieht es nach draußen, sie wollen ungezwungen ihren Bewegungsdrang ausleben. Alle atmen auf, wenn nach den langen Wintermonaten die Frühlingssonne wärmt. Herrlich, so ein bisschen Sonne tanken!

Doch Vorsicht: Gerade jetzt hat unsere Haut nur geringen Eigenschutz und darf der UV-Strahlung nicht zu lange ausgesetzt werden. Was sollten Eltern zum Thema Sonnenschutz wissen? Oder braucht es diesen Punkt gar nicht in unserem täglichen “Pflichtenheft” ?

Warum sollen wir Kinder vor der Sonne schützen?

Genau gesagt geht es um den Schutz vor zu viel UV-Strahlung. Die ultraviolette Strahlung ist das unsichtbare, energiereiche Licht, das ein Teil der Sonnenstrahlung ist. Sie wird in UVA, UVB und UVC unterteilt. Unsere Haut ist der UVB- und UVA-Strahlung ausgesetzt. Die kurzwellige UVB-Strahlung ist das für den Menschen gefährlichste Spektrum.

Den größten Teil der UV-Strahlung schirmt der Ozongürtel ab, wobei die UVC-Strahlen gänzlich herausgefiltert werden. Messungen bestätigen jedoch, dass in den letzten 30 Jahren die Ozonkonzentration in höheren Luftschichten abgenommen hat. Der Ozongürtel ist auch in unseren Breiten dünner geworden, wodurch die UV-Strahlung an der Erdoberfläche intensiver wird. Dieser Trend wird sich wohl weiter verstärken, da die früher freigesetzten ozonzerstörenden Substanzen sehr lange in der Atmosphäre bestehen bleiben.

Unsere Kinder verbringen viel mehr Zeit im Freien als wir Erwachsene. Bis zum 18. Lebensjahr bekommen sie bereits 80 Prozent der UV-Strahlendosis ihres gesamten Lebens ab. Deshalb ist Sonnenschutz für Kinder besonders wichtig. Was kennzeichnet die Haut von Kindern?

  • Ihre Haut ist dünner als die der Erwachsenen. Die Fähigkeit, eine schützende Lichtschwiele vor Sonnenstrahlen zu bilden, muss sich erst im Laufe der Jahre entwickeln.
  • Sie kann nicht schnell genügend Pigmente (Melanin) produzieren, die als natürlicher Eigenschutz gelten.
  • Kinderhaut kann UV-Schäden nur ungenügend “reparieren” .

Welche Schäden können durch ungeschützten Sonnengenuss entstehen?

Man sagt: “Die Haut vergisst nichts!” Dieser Satz stammt von der Aktion der Bayerischen Staatsministerien “Sonne(n) mit Verstand … statt Sonnenbrand”. Sie weist auf akute Wirkungen und Spätwirkungen von UV-Strahlen hin. Akute Wirkungen sind Sonnenbrand und Bindehautentzündung. Als Spätwirkung wird die Entstehung von Hautkrebs genannt. Das Risiko, Schwarzen Hautkrebs (Malignes Melanom) zu entwickeln, wird durch wiederholte schwere Sonnenbrände, besonders in der Kindheit und frühen Jugend, erhöht. Die Entstehung von Nichtmelanomen-Hautkrebsen (Spinaliom und Basaliom) wird durch häufige UV-Strahlung gefördert. Eine andere Spätfolge ist die Photoalterung der Haut. Die häufige und übermäßige Sonnenbestrahlung – auch ohne Hautrötung – führt zu vorzeitiger Hautalterung. Auch der Graue Star zählt zu den Spätwirkungen. Diese Linsentrübung des Auges wird durch UV-Strahlen wesentlich beeinflusst und ausgelöst.

Entscheidend ist die Früherkennung von Hautschäden!

Es muss an dieser Stelle leider angesprochen werden: Die Erkrankungen an Hautkrebs nehmen nach Expertenangaben weltweit zu. Laut Pressebericht erkrankt in Bayern bereits jeder 100. Einwohner an Schwarzem Hautkrebs. Hauptursache für die Hauttumore ist ultraviolettes Licht beim Sonnenbaden ohne ausreichenden Schutz. Hier spielen auch Urlaube in südlichen Ländern eine große Rolle.

Sonnenbedingte Hautveränderungen und Hautkrebs bilden sich am häufigsten auf den so genannten Sonnenterrassen des Körpers. Diese sind Ohren, Nasen, Wangen, Unterlippe, Glatze, Schultern, Rücken, Handrücken, Gesäß und Fußrücken.

Falls Sie unklare Hautveränderungen bei sich oder Ihren Kindern feststellen, lassen Sie diese vom Facharzt prüfen. Wer sich für eine Selbstuntersuchung interessiert, findet eine wertvolle Anleitung beim Verein zur Bekämpfung von Hautkrebs e.V./ Universitätshautklinik Tübingen. Eine jährliche Untersuchung zur Früherkennung ist einfach und wird für die ganze Familie empfohlen. So lernen die Kinder, dass ihre Haut etwas Wertvolles ist.
 

Sonnenschutz für Kinder – das können Sie tun

Nachdem wir die Fakten kennen, fühlen wir Eltern uns nicht besonders ermutigt. Vielleicht sogar ein bisschen ratlos. Aber kennen wir das nicht auch schon von anderen Kinderthemen her? Die Auswahl geeigneter Nahrungsmittel, das richtige Maß des Medienkonsums oder die Verkehrserziehung sind bekannte Herausforderungen. Doch werden diese Problemstellungen in konkrete Einzelschritte zerlegt, kommen wir der Bewältigung näher. Also: Wie steht´s mit geeigneten Maßnahmen gegen die UV-Belastung?

Zum Schutz vor UV-Strahlung gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten:

  1. Weniger in der prallen Sonne aufhalten: Der beste Sonnenschutz ist Schatten und geeignete Kleidung. Bis zum vollendeten ersten Lebensjahr sollten wir unsere Kinder überhaupt nicht der direkten Sonne aussetzen. Hier gilt immer: bekleidet im Schatten lassen. Babys sollen auch nicht mit Sonnenschutzmitteln eingerieben werden, da diese die zarte Haut zu sehr belasten.Wichtig ist, in der Mittagszeit von 11 bis 15 Uhr direkte Sonneneinstrahlung für Kinder zu vermeiden. Schatten und Kleidung sind der beste Schutz in dieser Tageszeit. Bedenken Sie, dass auch bei bedecktem Himmel immerhin noch 50-80% der UV-Strahlung durchdringen. Eine Hilfe für die Tagesplanung kann sein, sich über den aktuellen UV-Index zu informieren. Der UV-Index ist ein Wert für die Intensität der UV-Strahlung und wird z.B. vom Deutschen Wetterdienst für verschiedene Regionen Deutschlands und Europas angegeben. Je höher der Wert, desto höher ist die UV-Belastung und umso eher droht ein Sonnenbrand. Ist der Wert niedrig, können Sie die Sonne länger genießen. Konkrete Werte nennt auch das Bundesamt für Strahlenschutz .
  2. Sonnenschutzcremes mit hohem Lichtschutzfaktor benutzen: Einmal entstandene UV-Schäden der Haut sind nur schwer wieder auszugleichen. Deshalb ist ausreichender Schutz wichtig. Dieser richtet sich nach dem Alter der Kinder, der Intensität der Sonneneinstrahlung und dem Hauttyp. Wichtig ist auch die Spielaktivität der Kinder: Wird z.B. draußen gebadet? Dann sollten Sie wasserfeste Produkte mit Schutz vor dem UVA- und UVB-Spektrum wählen. Der Lichtschutzfaktor kann zwischen 20 und 30 liegen. Und: Nach dem Abtrocknen neu eincremen. Als Faustregel nennt die Landeszentrale für Gesundheitsbildung in Bayern e.V.: “Je heller Haut, Haare und Augen der Kleinen gefärbt sind, desto empfindlicher reagieren sie auf UV-Strahlung.” Generell werden Lichtschutzcremes mit physikalisch wirkenden Schutzsubstanzen (z.B. Titandioxid) für Kinder empfohlen.Eine Rolle spielt auch, ob die Haut schon vorgebräunt ist oder nicht. Die Universitätshautklinik Tübingen nennt Richtwerte, wie lange wir zu Beginn in der Sonne bleiben können – diese variieren je nach Hauttyp von 10 bis 30 Minuten. Für die Wahl der Lichtschutzfaktoren für Kindersonnencremes empfehlen die Experten folgende Werte:Textilien mit UV-Schutz verwenden und geeignete Sonnenbrille aufsetzen: Sommerliche Kleidung aus hellen dünnen Stoffen schützt längst nicht so stark vor der UV-Strahlung wie angenommen wird. Dies gilt besonders, wenn die Textilien durchnässt sind. Dicht gewebte dunkle Stoffe halten die Sonne besser ab. Inzwischen gibt es von mehreren Herstellern Kleidung bzw. Schwimmanzüge mit eingebautem Sonnenschutzfaktor zu kaufen. Achten Sie hierbei auf den UV-Standard 801, der einen Test der Textilien auch unter Beanspruchung beinhaltet:
    • Ungebräunte Haut braucht ca. 20-30 für UVA und UVB,
    • vorgebräunte Haut kommt mit ca. 10-20 für UVA und UVB aus.

    Können wir also unsere Kinder entsprechend eingecremt unbedenklich in die Sonne schicken? Grundsätzlich lässt sich das wohl nicht bejahen. Denn, so die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention, Sonnenschutzmittel schützen laut einer Studie vor Sonnenbrand, aber nicht vor Hautkrebs. Deshalb sollten diese Produkte nicht zu dem Zweck genutzt werden, um den Aufenthalt in der Sonne beliebig zu verlängern (vgl. www.unserehaut.de).

  3. Ihre Kleinen bestehen auf das Tragen anderer Lieblingsteile? Sonnenschutz kommt auch aus der Waschmaschine! Von Frosch gibt es ein Waschmittel, dem ein UV-Absorber zugesetzt ist. Mit jeder Wäsche nimmt der Schutz gegen UV-A und UV-B Strahlen zu, bis er nach 10 Waschgängen Sonnenschutzfaktor (UPF) 30 erreicht. Es gilt als sinnvoll, auf diesem Wege die Gesamtbelastung durch UV-Strahlen zu senken. Die Augen schützen Schirmmützen bzw. Sonnenbrillen mit wirklich gutem UV-Filter am besten.

Wie passt konsequenter Schutz vor der Sonne zum Familienalltag?

Meine Antwort ganz spontan: Weniger gut! Oder mit Kompromissen, so wie bei vielen Dingen im Leben.

Die Situation kennt doch jeder: Endlich ist es mal so richtig schönes Badewetter – und dazu noch Wochenende, wo alle Zeit haben. Bis sich Groß und Klein eingecremt haben (!), sämtliche Schwimmhilfen und Verpflegung eingepackt wurden und der Weg zum kühlen Nass bewältigt ist, kann es ganz schnell 11 Uhr werden. Ja, und jetzt? Eigentlich ist plantschen, paddeln, schwimmen, in der Sonne ausruhen etc. nicht mehr um diese Uhrzeit erlaubt. Laut “Sonnenregeln” .

Was tun, wenn die Nachbarjungen im Sommer über Mittag auf dem Fußballplatz bolzen und der eigene Filius mit bettelndem Blick nach draußen drängt? Eigentlich muss er im Schatten bleiben, mindestens bis 15 Uhr.

Ich meine: Die Risiken der UV-Strahlung dürfen das Familienleben und den Bewegungsdrang von Heranwachsenden nicht in ein zu starres Korsett pressen. Die Mittagsstunden bekleidet im Schatten am See verbringen oder den Sohn mit Sonnencreme und T-Shirt mit Sonnenschutzfaktor zum Fußball lassen – eben Sonne(n) mit Verstand – scheinen mir hin und wieder vertretbar. Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, beraten Sie sich beim Facharzt, wie Sie in diesen Fällen entscheiden sollen.

Wie ziehen die Kinder eigentlich mit, wenn es um ihre Haut geht?

Unsere fast 10-jährige Erfahrung als Eltern hat mir gezeigt: Was Kinder konsequent als Regelverhalten anerzogen bekommen, funktioniert irgendwann automatisch. So wie eines Tages das Zähneputzen klappt, so wird auch der Sonnenhut zuverlässig aufgesetzt, wenn es nach draußen geht. Die Sonnencreme griffbereit im Bad aufbewahrt, erinnert an das morgendliche Eincremen, bevor die Kids angezogen sind.

Schwierig wird es, wenn die Gleichaltrigen auf Sonnenschutzcreme und Textilien verzichten – besonders, weil es “uncool” ist, eine Sonnenkappe zu tragen. In diesem Fall bleibe ich gnadenlos. Raus geht es nur eingecremt und mit Kopfbedeckung. Das wissen die Kinder.

Hier noch einige Tipps für den Erziehungsalltag:

  • Zeigen Sie Ihrem Nachwuchs nach einem langen Sonnentag die Hautrötungen, die bei vielen anderen Mitmenschen zu beobachten sind – das wirkt wenig beneidenswert.
  • Fragen Sie sich ehrlich, wie wichtig Ihnen selbst eine gesunde Haut ist. Eltern und Erzieherinnen sind wichtige Vorbilder.
  • Sprechen Sie dieses Thema in den Einrichtungen an, die Ihr Nachwuchs besucht. Denken Sie besonders an die Mittagsbetreuung der Grundschulen und klären Sie, inwieweit UV-Schutz dort bereits berücksichtigt wird.

Ihr Kind wird schnell merken, dass Sie dieses Thema ernst nehmen, und wird “mitziehen” . Bringen Sie ihm oder ihr bei, die Haut bewusst wahrzunehmen und für sie zu “sorgen” . Wenn Sie regelmäßig gemeinsam zur Vorsorgeuntersuchung zur Hautärztin oder zum Hautarzt gehen, kann sich diese Haltung ganz von selbst entwickeln.

Autorin

Susanne Grohs-v. Reichenbach erzieht mit ihrem Mann zwei Kinder. Neben ihrer Berufstätigkeit in einem großen deutschen Unternehmen engagiert sie sich seit langem ehrenamtlich für gesellschaftliche Zwecke. Sie veröffentlichte mehrere fachliche Beiträge.

E-Mail

Erstellt am 1. April 2003, zuletzt geändert am 5. November 2013