StartseiteBeratungImpressumInhaltsübersichtRechtliche Hinweise
Logo Bayrisches Staatsministerium Logo Ifp Logo Familienhandbuch
Startseite / Wissenschaftliche Beiträge / Artikel: Familienpolitik im internationalen Vergleich: von Europa lernen

Familienpolitik im internationalen Vergleich: von Europa lernen

Erstellt am 16. Januar 2003, zuletzt geändert am 2. März 2010

Birgit Fix

1. Einleitung

Nationale Politik im internationalen Vergleich zu betrachten, birgt immer Chancen und zugleich Risiken in sich. Die Bundesrepublik hat diese Erfahrung erst jüngst mit dem internationalen Schulleistungsvergleich PISA gemacht: Auf der eine Seite war da der Schock über das schlechte Abschneiden Deutschlands im internationalen Vergleich. Auf der anderen Seite hat die Veröffentlichung der Ergebnisse eine breite öffentliche Diskussion zum Reformbedarf unseres Bildungssystems angestoßen. In diesem Zusammenhang kam zunehmend auch eine familienpolitisch relevante Frage zur Sprache: die Rolle der Kleinkinderpädagogik. Ist die Einführung eines verbindlichen Curriculums bereits für die Kindergartenerziehung sinnvoll? Des Weiteren wird hinterfragt, ob unsere Erzieher und Erzieherinnen im Kindergartenbereich eine hinreichend solide pädagogische Bildung haben, um den Entwicklungsprozess der Heranwachsenden hinreichend unterstützen zu können.

Die gesellschaftliche Debatte konzentriert sich dabei weitgehend auf Ansätze zur Reformierung des Bildungssystems. Unterschätzt wird dabei, dass die Primärsozialisation nicht nur im Bildungssystem, sondern vor allem auch in der Familie stattfindet. Diese Tatsache macht es notwendig, sich Gedanken darüber zu machen, in welchem Ausmaß und in welcher Weise Familien durch den Staat bei der Erfüllung ihrer Erziehungsaufgaben unterstützt werden müssen. Ein Blick über die Grenzen zu den europäischen Nachbarländern kann helfen zu erkennen, welche Fördermöglichkeiten über das Bestehende hinaus auch in Deutschland die gesellschaftliche Stellung der Familien verbessern könnten.

Als Vorbilder werden immer wieder die skandinavischen Länder und Frankreich genannt, da dort ein familienfreundliches Gesellschaftsklima herrscht, das sich trotz hoher Frauenerwerbsbeteiligung in hohen Geburtenraten niederschlägt. Der vorliegende Beitrag will die Familienpolitik dieser Länder detaillierter beleuchten. Es soll zum einem untersucht werden, welche Freistellungsmöglichkeiten Eltern im Fall von Geburt oder Krankheit eines Kindes zur Verfügung stehen. Darüber hinaus soll gezeigt werden, welche Betreuungssysteme vorhanden sind, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können, und welche finanziellen Transferzahlungen den Familien zugute kommen.

2. Freistellungen von Eltern

Es zeigt sich, dass in allen drei untersuchten Ländern Freistellungsmöglichkeiten im Falle von Elternschaft und Krankheit des Kindes bestehen. Diese unterscheiden sich jedoch, wie Übersicht 1 zeigt, in Bezug auf die Dauer der Freistellung und die während dieser Zeit gezahlten Transferleistungen.

Übersicht 1: Freistellungsregelungen im Vergleich

Land Elternurlaub in Wochen Freistellung bei Krankheit des Kindes in Tagen pro Jahr
Finnland 17,5 W. Mutterschaftsurlaub + 26 W. Elternurlaub (43%-82% des Gehalts) + 112 W. (unbezahlt) 4 T. (Gehalt)
Frankreich 36 W. (238,74 EUR – 477,32 EUR ab dem 2. Kind) 120 T. (238,74 EUR – 477,32 EUR)
Schweden 52 W. (80 % des Gehalts) + 26 W. (unbezahlt) 60 T. (80 % des Gehalts)
Deutschland 14 W. Mutterschutz + 156 W. Elternurlaub (307 – 460 EUR einkommensabhängig) 10 T. (70 % des Gehalts)

Quelle: http://www.europa.eu.int/comm/employment_social/missoc/index_en.html (http://www NULL.europa NULL.eu NULL.int/comm/employment_social/missoc/index_en NULL.html)

2.1. Freistellungsmaßnahmen in Finnland

Im Falle der Geburt eines Kindes hat in Finnland die Mutter Anspruch auf Urlaub von 17,5 Wochen, wobei fünf Wochen vor der Geburt genommen werden müssen. Väter können in dieser Periode des Mutterschaftsurlaubs (äitiysvapaa) ebenfalls eine bezahlte Freistellung zwischen sechs und zwölf Tage beanspruchen. Im Anschluss an den Mutterschaftsurlaub kann ein sechsmonatiger Elternurlaub (vanhempainvapaa) genommen werden, wobei die Eltern seit 1978 wählen können, welcher Elternteil den Urlaub für eine bestimmte Zeit in Anspruch nehmen will. Während der Zeit, in der die Mutter den Elternurlaub nimmt, können Väter zudem sechs Tage Urlaub nehmen, um die Mutter bei der Erziehung unterstützen und gleichzeitig eine emotionale Beziehung zum Kind aufbauen zu können.

Je nach Einkommensverhältnissen erhält der Urlaubnehmer ein im Vergleich zu Deutschland deutlich höheres Elternschaftsgeld, das zwischen 43 und 82 Prozent des Gehalts variiert. Im Durchschnitt erhält man in Finnland 66 Prozent des Gehalts, das aus Mitteln der Krankenversicherung finanziert wird (vgl. Salmi/ Lammi-Taskula 2002, S. 87). Ebenso wie in Deutschland erhalten auch nichterwerbstätige Personen ein Erziehungsgeld, das in Finnland 10 EUR pro Tag beträgt.

Nach Beendigung des Urlaubs haben erwerbstätige Personen Anspruch auf Rückkehr auf den alten Arbeitsplatz. Sie können darüber hinaus aber auch eine unbezahlte Freistellung bis zum dritten Lebensjahr des Kindes in Anspruch nehmen. In diesem Fall erhalten sie einen Zuschuss für die häusliche Betreuung (siehe Teil 3.1.).

Im Fall der Krankheit eines Kindes besteht eine Freistellungsmöglichkeit. Diese ist mit vier Tagen allerdings deutlich kürzer als in Deutschland.

2.2. Freistellungsmaßnahmen in Frankreich

Auch in Frankreich kann ein Elternurlaub (congé parental d´education) bis zum Ende des dritten Lebensjahres des Kindes genommen werden. Während dieser Periode behält der Urlaubnehmer einen Rechtsanspruch auf seinen Arbeitsplatz.

Im Unterschied zu Deutschland und Finnland wird jedoch nach der Geburt des ersten Kindes kein Erziehungsgeld bezahlt. Erst ab dem zweiten Kind kann seit dem 1.1.2001 bezahlter Urlaub genommen werden. Der Erhalt von Erziehungsgeld ist dabei an die Verringerung der Arbeitszeit um 50 bis 80 Prozent gebunden. Je nach Reduktionszeit wird eine Transferzahlung zwischen 238,74 EUR und 477,32 EUR gewährt. Die Bindung der Geldleistung an die Kinderzahl korrespondiert dabei mit einem Familienpolitikverständnis, das davon ausgeht, dass finanzielle Transferzahlungen das Bevölkerungswachstum positiv beeinflussen.

Unabhängig von der Kinderzahl kann eine Freistellung von vier Monaten beansprucht werden, wenn die berufliche Tätigkeit aufgrund der Erkrankung eines Kindes eingeschränkt oder ganz aufgegeben wird. Die Beihilfe für die elterliche Anwesenheit (allocation de présence parentale) variiert dann je nach Arbeitszeitreduktion zwischen 238,74 EUR und 477,32 EUR. Damit sind die Freistellungsmöglichkeiten in Frankreich zeitlich zwar deutlich länger als in Deutschland. Die Bezahlung der Freistellung ist jedoch deutlich niedriger als in Deutschland, wo im Betreuungsfall 70 Prozent des Lohnes bezahlt wird.

2.3. Freistellungsregelungen in Schweden

Im Unterschied zu den vorgenannten Ländern sind die Freistellungsregelungen in Schweden deutlich generöser und mit weitreichenderen Zielsetzungen verbunden. So soll in Schweden nicht nur das Kindeswohl, sondern auch die Geschlechtergleichstellung gefördert werden. Dementsprechend wird auch mit Modellen experimentiert, welche die Erziehungsverantwortung beider Elternteile explizit betonen. Die schwedische Politik geht dabei davon aus, dass eine intensive Beziehung der Eltern zum neugeborenen Kind in den ersten Monaten von großer Bedeutung ist.

Seit 1974 haben daher beide Eltern Anspruch auf Erziehungsurlaub, wobei die Dauer von damals sechs Monaten auf heute ein Jahr bei 80 Prozent Vergütung verdoppelt wurde. Dabei sind seit 1995 feste Zeiten von jeweils einem Monat für die Mutter und den Vater vorgeschrieben, um so auch den Vätern einen Anreiz zu bieten, sich um die Erziehung der Kinder zu kümmern. Für die übrigen zehn Monate kann zwischen den Elternteilen gewählt werden, wer den Urlaub für eine bestimmte Zeit in Anspruch nehmen möchte.

Um die Bereitschaft von Vätern zu fördern, diesen Erziehungsurlaub anzutreten, wurde intensiv Öffentlichkeitsarbeit betrieben. Dennoch wurde die Entscheidung der schwedischen Regierung, einen Monat fest für die Väter zu reservieren, durchaus kontrovers diskutiert – obwohl die Einführung eines Rechtes auf Elternurlaub grundsätzlich breite gesellschaftliche Zustimmung fand.

Der einjährige Urlaub kann nicht nur ausschließlich nach der Geburt eines Kindes, sondern während der ersten acht Lebensjahre als Vollzeit- oder als Teilzeitfreistellung genommen werden. Auf diese Weise sollen auch Eltern von Adoptivkindern von der Regelung profitieren können. 84 Prozent aller Schweden nehmen den Urlaub jedoch im ersten Lebensjahr des Kindes (vgl. Haas/ Hwang 2002, S. 47). Dabei müssen Eltern, um einen Anspruch auf Erziehungsurlaub zu haben, nicht verheiratet sein. Die Erziehungszeiten werden in der Rentenversicherung angerechnet. Der Erziehungsurlaub kann darüber hinaus um weitere sechs Monate verlängert werden, allerdings ohne Vergütung.

Zudem ist eine Freistellung von 60 Tagen für jedes kranke Kind unter zwölf Jahren möglich, wobei 80 Prozent des Ausfallgehalts durch die lokalen Sozialkassen bezahlt werden. Zehn Tage dieses Urlaubs können vom Vater nach der Geburt des Kindes genommen werden, wenn die Mutter zu dieser Zeit im Krankenhaus ist. Zwei Tage davon können zudem genommen werden, um die Kinder in Kinderbetreuungszentren oder in die Schule zu begleiten.

3. Kinderbetreuung im Vergleich

Im Anschluss an den Erziehungsurlaub stellt sich für berufstätige Eltern die Frage, wer die außerfamiliale Erziehung der Kinder übernehmen soll. In den hier untersuchten Ländern werden dabei sowohl in Form als auch in Umfang unterschiedliche Möglichkeiten angeboten. Wie Abbildung 1 zeigt, ist die Betreuungsrate für Kleinkinder unter drei Jahren am höchsten in Schweden, gefolgt von Frankreich und Finnland. Deutschland kommt hingegen mit einer nur zehnprozentigen Quote eine Schlusslichtfunktion zu. Etwas besser schneidet Deutschland beim Vergleich der Versorgungsquote für die Altersgruppe drei Jahre bis Grundschulalter ab. Hier liegt es mit 78 Prozent nahezu mit Schweden gleich auf. Spitzenreiter ist Frankreich, wo nahezu alle Kinder einen Betreuungsplatz haben.

Versorgungsquoten

Quelle: OECD, Employment Outlook 2001, S. 144

Die Unterschiede in der Versorgungsquote lassen sich teilweise aus der unterschiedlichen rechtlichen Situation in den untersuchten Ländern erklären. Zwar gibt es in allen vier Ländern Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz. Allerdings unterscheiden sich die Regelungen in den Ländern bezüglich des zeitlichen Umfanges der Betreuung und der Altergruppen.

3.1. Kinderbetreuung in Finnland

Im Unterschied zu Deutschland, wo ein Kind gemäß § 24 Sozialgesetzbuch VIII erst ab dem dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenbesuch hat, wurde in Finnland der zunächst nur für Kinder der Altersgruppe null bis drei geltende individuelle Rechtsanspruch 1995 auf alle Kinder bis zum Schuleintrittsalter ausgeweitet. Eltern können dabei optional zwischen einem Platz in einer Kindertagesstätte (päiväkoti), der Betreuung durch eine Tagespflegeperson in einer Familientagesstätte (perhepäivähoito) oder durch einen Elternteil wählen (vgl. European Commission Network on Childcare and Other Measures 1996, S. 105). Dadurch soll jeder Familie die Möglichkeit gegeben werden, die für ihre Situation angemessene Betreuungsform zu wählen.

Wenn Eltern die Betreuung selbst übernehmen wollen, wird eine Familienbetreuungszulage in Höhe von 63 EUR pro Monat gezahlt, wenn der betreuende Elternteil im Rahmen eines steuerpflichtigen Arbeitsverhältnisses die Arbeitszeit auf weniger als 30 Stunden reduziert. Für die häusliche Kinderbetreuung, die z.B. durch Angehörige oder eine Tagesmutter erbracht wird, erhalten die Eltern im Rahmen der Kinderbetreuungshilfe (lasten kotihoiden tuki) einen Grundfreibetrag von 252 EUR, der bei Existenz eines zusätzlichen Geschwisters unter drei Jahren um 84 EUR bzw. bei Geschwistern zwischen drei und sechs Jahren um 50 EUR aufgestockt wird. Zusätzlich wird die private Betreuung von Kindern im Vorschulalter durch eine einkommensabhängige Zulage von maximal 168 EUR pro Monat bezuschusst (vgl. http://europa.eu.int/comm/employment_social/missoc2002/finland_de.pdf (http://europa NULL.eu NULL.int/comm/employment_social/missoc2002/finland_de NULL.pdf)).

Das Hauptbetreuungsangebot für Vorschulkinder in Finnland sind Kindertagesstätten, die überwiegend von den Kommunen getragen werden. Die Öffnungszeiten dieser Einrichtungen betragen mindestens 10 Stunden am Tag, wobei den Kindern in den Einrichtungen je nach Verweildauer Frühstück und warmes Mittagsessen angeboten wird. Die Betreuung erfolgt vor allem durch Erzieher, die über ein dreijähriges Universitätsstudium mit starker Praxisorientierung verfügen. Darüber hinaus arbeiten auch Heimerzieher mit einer dreijährigen Berufsausbildung in speziellen Ausbildungsstätten für soziale Berufe in derartigen Einrichtungen (vgl. Oberhuemer/ Ulich 1997, S. 112-115). Ein sehr günstiger Personalschlüssel von einer Betreuungsperson für vier Kinder unter drei Jahren bzw. sieben Kindern unter sieben Jahren ermöglicht dem praxisnah ausgebildeten Personal eine gezielte Einzel- oder Gruppenförderung der Kinder.

Auch in Familientagespflegeeinrichtungen ist die Betreuungsanzahl auf vier Kinder begrenzt. Im Unterschied zum Personal der Kinderbetreuungseinrichtungen sind die Tagesmütter jedoch nicht mehrjährig professionell ausgebildet, sondern müssen lediglich eine Grundausbildung von 250 Stunden durchlaufen. Allerdings werden sie fortlaufend von Fachkräften beaufsichtigt und angeleitet. In so genannten “offenen Kindertagesstätten” können sie zusammen mit interessierten Eltern an Vorträgen und Workshops zu erziehungsrelevanten Themen teilnehmen. Die Familientagespflege findet in der Regel im Haus der Tagesmutter oder des zu betreuenden Kindes statt. Darüber hinaus gibt es aber auch Zusammenschlüsse von Eltern, die sich eine Tagesmutter teilen. Dann findet die Betreuung entweder abwechselnd in den Häusern der Familien oder in kommunalen Räumlichkeiten statt. Obwohl auch in diesem Fall die örtliche Behörde die Gruppen berät und beaufsichtigt, ist aufgrund der schlechteren Ausbildung der Tagesmütter die Betreuungsqualität bedeutend schlechter als in Kindertagesstätten.

Am geringsten gesetzlich reglementiert ist in Finnland die außerschulische Erziehung von Kindern im Anschluss an den Ganztagesunterricht. Die Freizeitgestaltung findet vor allem in öffentlich bezuschussten Spielzentren statt, wobei die Eltern allerdings nur einen Elternbeitrag von 15 Prozent der Kosten zu tragen haben. Die Einrichtungen sind ebenfalls während der Sommerferien geöffnet, so dass Eltern auch in dieser Zeit ihre Kinder betreut wissen. Zudem bietet die lutherische Kirche für Kinder ab vier Jahren Spielgruppen an, in welchen die Kinder für einige Stunden pro Tag betreut werden. Dieses Angebot wird von 60 Prozent aller Kinder genutzt.

3.2. Kinderbetreuung in Frankreich

In Frankreich besteht im Unterschied zu Finnland kein Rechtsanspruch auf die außerfamiliale Erziehung von Kindern bis zum dritten Lebensjahr. Anstelle dessen wird die Erziehung von Vorschulkindern in erheblichem Maße politisch favorisiert. Die Vorschulerziehung stößt dabei auf breite gesellschaftliche Akzeptanz. Ein Grund dafür könnte die lange Tradition sein, auf welche die Vorschulerziehung in Frankreich zurückblicken kann. Bereits 1881 wurden die salles d´asile, die Vorläufer der heutigen Vorschulen (école maternelles), in das allgemeine Bildungssystem integriert. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist ihr Angebot aufgrund des Bevölkerungswachstums und der verstärkten Erwerbsbeteiligung von Frauen stark expandiert.

Wie Abbildung 1 zeigt, besuchen heute nahezu alle drei- bis sechsjährigen französischen Kinder diese Einrichtungen, in denen die sozialen, emotionalen und kognitiven Fähigkeiten der Kinder gefördert werden. Darüber hinaus lernen die Kinder im letzten Jahr der école maternelle bereits Lesen, Schreiben und Rechnen.

Die Einrichtungen sind während der Woche mit Ausnahme des Mittwochs, an dem meist nur halbtags betreut wird, von 8.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Davor und danach sowie in der Mittagspause werden die Kinder durch qualifiziertes Personal betreut. In der Regel handelt es sich dabei um Fachkräfte, die ein praxisnahes Lehrerhochschulstudium für den Vorschul- und Primarbereich haben. Sie werden in ihrer Arbeit durch Hilfskräfte unterstützt, die überwiegend eine paramedizinische, pädagogische oder heilpädagogische Ausbildung absolviert haben.

Problematisch ist dabei, dass die Kinder jedes Vorschuljahr durch eine andere Lehrerin betreut werden. Auf diese Weise steht den Kindern keine kontinuierliche Bezugsperson zur Seite, die sie durch das gesamte Vorschulzeitalter begleitet. Auch in Bezug auf die frühpädagogischen Praktiken geht Frankreich andere Wege als Deutschland. Die Hauptaktivitäten liegen auf der Arbeit mit der ganzen Gruppe und angeleitete Projektarbeiten (Oberhumer/ Ulich 1997, S. 123). Damit hat das französische Vorschulsystem einen deutlich stärkeren schulischen Charakter.

Eltern sehen es als wichtig an, Kinder in die Vorschuleinrichtungen zu schicken, denn Untersuchungen belegen, dass die Länge der Vorschulbesuchsdauer mit einer Verringerung der schulischen Wiederholungsrate korrespondiert (vgl. Plaisance 1998, S. 176). Es zeigte sich für Kinder aus allen gesellschaftlichen Schichten, dass eine kontinuierliche Vorschulerziehung deutliche Vorteile für ihre weitere schulische Laufbahn mit sich bringt.

Gerade wegen dieses bildungspolitischen Anspruchs der Vorschulen ist die Aufnahme von zweijährigen Kleinkindern in écoles maternelles umstritten. Ein Grund dafür ist, dass den Erzieherinnen in diesen Einrichtungen unterstellt wird, für die Arbeit mit dieser Altersgruppe nicht genügend ausgebildet zu sein (vgl. Oberhumer/ Ulich 1997, S. 120). Für die Altersgruppen zwei Monate bis drei Jahre werden daher Kollektivkrippen (crèches collectives) sowie Familienkrippen in der Trägerschaft von Kommunen, regionalen Familienfonds, Verbänden, Elterninitiativen und Firmen bevorzugt. Der Personalschlüssel in Kollektivkindergärten ist dabei nicht ganz so günstig wie in Finnland. Hier werden acht Kinder im lauffähigen Alter von einer Fachkraft betreut. Die Anstellung einer diplomierten Erzieherin ist erforderlich, wenn in der Einrichtung mehr als 40 Kinder betreut werden.

Weniger stark reguliert ist hingegen die Arbeit von Tagesmüttern. In Frankreich ist für derartige Tätigkeiten keine formale Ausbildung nötig. Registrierte Tagesmütter müssen sich lediglich einer medizinischen Untersuchung sowie einer Befragung durch Facharbeiter der Sozialarbeit unterziehen (vgl. Laville 1998, S. 18).

In den Kindergärten (jardins d´enfants), die allerdings aufgrund der Dominanz der Vorschulen einen quantitativ geringen Stellenwert haben, leiten diplomierte Erzieherinnen die Einrichtungen. Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren übersteigt allerdings trotz vermehrter Ausbauanstrengungen seit den 60er Jahren immer noch das Angebot. Dies ist besonders vor dem Hintergrund problematisch, dass der Elternurlaub deutlich schlechter als in den anderen untersuchten Ländern ausgebaut ist. Die beschränkten Öffnungszeiten in den konventionellen Krippen sind darüber hinaus nur schwer mit den üblichen Arbeitszeiten zu vereinbaren.

Diese Tatsache hatte zur Folge, dass Eltern seit Ende der 60er Jahre verstärkt die Initiative übernommen haben, neue Formen der Betreuung ins Leben zu rufen. Dementsprechend kam es zur Bildung so genannter Elterninitativ-Krippen (crèches parentales), in denen alternative Formen der Betreuung für Kleinkinder bereitgestellt werden. Die Einrichtungen basieren dabei stark auf der Mitarbeit der Eltern, die zusammen mit meist paramedizinischem Personal die Betreuung der Kleinkinder übernehmen. Diese Form der Betreuung ist seit 1981 offiziell anerkannt und wird öffentlich bezuschusst.

Mit der Förderung der Privatinitiative von Eltern wurde in Frankreich eine neue Ära der außerfamilialen Betreuung eingeläutet, die durch die Gesetzgebung der 90er Jahre auch eine neue Qualität bekommen hat. Seither können Eltern, die in ihrem Haushalt Arbeitsplätze für Betreuungspersonal schaffen, einen Steuergutschein erhalten. Dieses Gutscheinsystem wirkt sich allerdings nachteilig für Familien aus, die Kinder durch andere Dienstleistungsformen betreuen lassen und diese Kosten nicht geltend machen können.

Die fehlende Harmonisierung der steuerlichen Absetzbarkeit anderer Betreuungsformen hat in Frankreich zur Folge, dass Eltern keine wirklichen Wahlmöglichkeiten zwischen den verschiedenen Modellen haben. Anstelle dessen entsteht eine Situation, die der französische Soziologe Jean-Louis Laville folgendermaßen zusammenfasst: “Es ist paradox, dass die derzeitige Situation kollektive Formen von Kinderbetreuung bestraft, obwohl sie hinsichtlich Ausbildung und anerkanntem Status für das Personal mehr Sicherheit bieten als individuelle Kinderbetreuung” (vgl. Lavielle 1998, S. 19).

Die mit dieser Gesetzgebung geförderte Abkehr von der kollektiven Betreuung betrifft allerdings nur die Vorschulkindererziehung. Auch im Bereich der Schulkinderbetreuung geht Frankreich andere Wege. Im Unterschied zu Deutschland und Finnland existiert in Frankreich kein eigenständiges Hortsystem. Anstelle dessen besuchen die Kinder Ganztagsschulen, in denen vor und nach der Schulzeit flankierende Betreuungsangebote existieren. Die Betreuung erfolgt dabei durch Animateure (animateurs), die eine Kurzausbildung in Freizeitgestaltung haben, entweder auf dem Schulgelände oder in nahegelegenen Räumlichkeiten.

3.3. Kinderbetreuung in Schweden

Die öffentliche Betreuung von Kindern ist in Schweden ein wichtiges gesellschaftspolitisches Anliegen. Dabei wird großer Wert darauf gelegt, Angebote zur Verfügung zu stellen, welche die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern und zugleich das Kindeswohl in den Mittelpunkt der Erziehung stellen. Die Kommunen sind verpflichtet, für Kinder im Alter von eins bis zwölf Jahren einen Platz in einer Tageseinrichtung oder Familientagespflegestelle bereitzustellen. Diese Pflicht gilt allerdings nur, wenn die Eltern erwerbstätig sind oder studieren. Das hat zur Folge, dass Kinder im Falle der Arbeitslosigkeit ihrer Eltern häufig den Betreuungsplatz verlieren. Diese Handhabung entspricht den gesetzlichen Vorschriften von etwa 40 Prozent aller schwedischen Kommunen. Durch eine nationale Gesetzgebung, die eine gebührenfreie Vorschule vorsieht, soll die Benachteiligung von Kindern arbeitsloser Eltern in den kommenden Jahren jedoch beseitigt werden.

Das öffentlich finanzierte Betreuungsangebot ist in Schweden ähnlich wie in Finnland strukturiert. Es stehen 11 ½ Stunden lang geöffnete Kindertagesstätten (daghem), halbtags geöffnete Kindergärten (deltigsgrupper), offene Kinder- und Elterntreffs (õppen fõrskola) und Horte (fritidshem) zur Verfügung. Darüber hinaus besteht, wie in Finnland, ein öffentlich subventioniertes System der Familientagespflege (familjedaghem). In den ganztägig geöffneten Kindertagesstätten erhalten die Kinder ein warmes Mittagessen, welches durch hauswirtschaftliches Personal zubereitet wird. Die Eltern beteiligen sich an der Finanzierung mit Elternbeiträgen, die von Kommune zu Kommune variieren (vgl. European Commission Network on Childcare and Other Measures 1996, S. 114).

Die Personalstruktur der Einrichtungen ist ähnlich günstig wie in Finnland. Hier stehen drei Fachkräfte – meist zwei Vorschulpädagog/innen und ein/e Kinderpfleger/in – für 15 Kinder unter drei Jahren bzw. für ca. 20 Kinder in der Altergruppe drei bis Schulpflichtalter zur Verfügung. Das Personal in diesen öffentlichen Einrichtungen verfügt über eine dreijährige Hochschulausbildung, wobei die Ausbildung von Vorschulpädagogen weitgehend identisch mit derjenigen der Primarschullehrer ist. Praktika sind dabei fester Bestandteil der Studiengänge (vgl. Oberhuemer/ Ulich 1997, S. 255-260). Bei der Ausbildung wird in den letzten Jahren zudem großer Wert auf interkulturelle Erziehung gelegt.

Seit 1994 besteht am Stockholm Institut of Education sogar ein frühpädagogischer Studiengang in englischer Sprache (International Programme in Early Childhood Education). Der Studiengang ist sowohl für schwedische als auch für ausländische Studenten konzipiert und beinhaltet ein Praxisjahr im Ausland (vgl. http://www.ihs.se/eng/eng_index.htm (http://www NULL.ihs NULL.se/eng/eng_index NULL.htm)). Ziel ist es dabei, Frühpädagogikkenntnisse in einer internationalen Perspektive zu vermitteln.

Die verstärkten Investitionen in eine gute Ausbildung der Erzieher sowie ein günstiger Personalschlüssel bieten in Schweden gute Voraussetzungen für eine dauerhafte und intensive pädagogische Begleitung der Kinder. Allerdings haben in den letzten Jahren Einsparungen der Kommunen dazu geführt, dass die Gruppengrößen nach oben angehoben wurden. Die damit verbundene Veränderung der Qualität der Kinderbetreuung wurde kontrovers diskutiert, da in Schweden ganzheitliche Erziehungsansätze bevorzugt werden, welche die Fürsorge, das Wohlfühlen des Kindes in der Einrichtung, die erzieherische Begleitung sowie das spielerische Lernen betonen.

Seit August 1998 existiert ein eigener Lehrplan für Vorschulen, in welchem Ziele und Qualitätskriterien definiert sind. In diesem Curriculum werden auch gesellschaftliche Werte wie die Sorge und Rücksichtnahme gegenüber anderen Menschen, Solidarität, Gleichstellung und Toleranz definiert. Darüber hinaus wird ein besonderes Gewicht auf den Entwicklungs- und Lernprozess des Kindes sowie auf das Zusammenspiel von Vorschule, Schule und Freizeiteinrichtung gelegt. Das Personal der Einrichtung entscheidet aber selbst über die Arbeitsweisen und die Methodik, durch welche diese Zielsetzungen umgesetzt werden. Dabei wird großer Wert auf die Zusammenarbeit mit den Eltern gelegt. Täglicher Kontakt mit den Eltern, das Angebot zur Teilnahme an Aktivitäten, regelmäßige Elternabende und Gespräche über die Entwicklung des eigenen Kindes legen den Grundstein für eine intensive Zusammenarbeit (vgl. Schwedisches Institut 1999, S. 4). Diese Faktoren mögen dazu beitragen, dass der öffentlichen Erziehung von Kindern in Schweden nicht wie in Deutschland das Stigma der elterlichen Vernachlässigung (Rabenmütter und Rabenväter) anhängt.

Trotz des Vorhandenseins eines gut ausgebauten öffentlichen Betreuungsangebots übersteigt die Nachfrage nach Betreuungsplätzen die Angebotssituation. Dies hat Mitte der 80er Jahre zur Errichtung einer Vielzahl von Eltern- und Mitarbeiterkooperativen, gemeinnützigen Vereinen sowie Organisationen mit spezieller pädagogischer Ausrichtung wie beispielsweise nach Montessori oder Waldorf geführt, die ebenso wie die kommunalen Betreuungseinrichtungen öffentlich subventioniert werden. In diesen Einrichtungen, die wohn- und arbeitsortnah sind, wurde 1995 jedes achte schwedische Kind betreut (vgl. Pestoff 1998, S. 14). Die Betreuung erfolgt, ebenso wie in den kommunalen Einrichtungen, durch ausgebildetes Personal.

Anders sieht die Situation im Bereich der Familientagespflege aus. In diesem Zusammenhang mag es erstaunen, dass die Ausbildung von Tagesmüttern im Vergleich zu Finnland nicht gesetzlich geregelt ist. Die Kommunen bieten hier lediglich Einführungsseminare von 100 Stunden an, die von kommunal angestellten Tagesmüttern absolviert werden müssen. Eine mögliche Erklärung für die Diskrepanz in den Ansprüchen an das Erziehungspersonal von Kindertagesstätten könnte darin liegen, dass die Nutzung von Familientagesstätten in Schweden in den letzten Jahren rückläufig ist. Lediglich 12 Prozent aller Vorschulkinder besuchten 1998 derartige Einrichtungen, die vorwiegend in dünn besiedelten ländlichen Gemeinden verbreitet sind.

Neben dem Vorschulsystem wurde in Schweden im Unterschied zu Finnland und Deutschland bereits seit den 70er Jahren ein verstärktes Augenmerk auf den Ausbau der außerschulischen Betreuungssysteme gelegt. Die diesbezüglich verbreitetste Betreuungsform ist das Freizeitheim, das meist in die Schule integriert ist. Dies ist insbesondere deshalb von Vorteil, weil die Schulen in Schweden autonom die Länge des Schultages bestimmen. Der Schultag darf jedoch höchstens acht Stunden für ältere und sechs Stunden für jüngere Schüler dauern. Die Einrichtungen sind auch während der Schulferien geöffnet.

Die außerschulische Betreuung ist stärker als in Finnland reguliert und erfolgt nach einem integrierten Konzept von Erziehung, Bildung und Betreuung, das durch das Pädagogische Programm für Freizeiteinrichtungen in Schweden festgelegt ist. Schweden ist das einzige Land in der Europäischen Union, in dem seit 1977 eine spezielle Hochschulausbildung für das Personal von Horteinrichtungen besteht, so dass die Kinder durch gut ausgebildete Pädagogen betreut werden.

Trotz des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz bekommen allerdings viele Kinder in der Altersgruppe zwischen 10 und 12 Jahren keinen Hortplatz. Um das fehlende Hortangebot zu kompensieren, hat sich eine Reihe von Freizeitklubs gebildet, die durch die Kommunen oder durch Wohlfahrtsorganisationen getragen werden. Die Betreuung erfolgt hier in großen Gruppen durch qualifizierte Teilzeitkräfte.

4. Kindergeldzahlungen im Vergleich

Wie in den vorangegangenen Kapiteln gezeigt werden konnte, unterstützen die hier untersuchten Staaten die Freistellung von Eltern und die außerfamiliale Betreuung von Kindern in unterschiedlichem Maße auch finanziell. Am weitesten gehen dabei die skandinavischen Gesellschaften, die großen Wert auf ein gut ausgebautes öffentliches Kinderbetreuungssystem legen und gleichzeitig Freistellungsmaßnahmen nach der Geburt des Kindes anbieten.

Im Vergleich zu diesen beiden Ländern fällt auf, dass Deutschland relativ wenig Geld für die öffentliche Kinderbetreuung bereitstellt. Die öffentlichen Ausgaben für Dienstleistungen im Bereich Familienpolitik belaufen sich in Deutschland auf nur 0,80 Prozent des Bruttosozialproduktes, wohingegen in den anderen hier untersuchten Ländern die Werte zwischen 1,23 und 1,68 Prozent schwanken (siehe Übersicht 2). Auffällig ist für Deutschland ein im Vergleich zu den anderen Ländern großes Ungleichgewicht zwischen Geldtransferzahlungen und Dienstleistungsausgaben für familienpolitische Maßnahmen. Wie Übersicht 2 zeigt, wird in Deutschland prozentual mehr als doppelt so viel für Geldtransferleistungen als für Dienstleistungen ausgegeben.

Übersicht 2: Öffentliche Ausgaben für Familienpolitik als Prozent vom Bruttosozialprodukt nach Ländern im Jahr 1998

Land Geldtransferzahlungen Dienstleistungsausgaben Insgesamt
Finnland 1.92 1.44 3.36
Frankreich 1.46 1.23 2.69
Schweden 1.63 1.68 3.31
Deutschland 1.93 0.80 2.73

Quelle: OECD, Labour Market and Social Policy-Social Expenditure Statistics of OECD Member Countries

Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die Geldtransferzahlungen im Bereich des Kindergeldes deutlich höher als in den anderen Ländern sind. Wie Übersicht 3 zeigt, sind die Kindergeldsummen für die ersten drei Kinder in Deutschland am höchsten. Etwas weniger Kindergeld wird monatlich in Schweden und Finnland gezahlt. In Frankreich sind die Kindergeldleistungen im Vergleich zu den anderen hier untersuchten Ländern am niedrigsten. Für das erste Kind wird überhaupt kein Kindergeld gezahlt.

Übersicht 3: Kindergeldleistungen im Vergleich

Land Kindergeld und Zulagen
Finnland a) Kindergeld:

1. Kind: 90 EUR

2. Kind: 110 EUR

3. Kind: 131 EUR

4. Kind: 152 EUR

5. Kind +: 172 EUR

b) Alleinerziehendenzulage: 34 EUR

Frankreich a) Kindergeld:

1 Kind: keine Leistung

2 Kinder: 105 EUR

3 Kinder: 240 EUR

4 Kinder: 375 EUR

Altersgruppenzulage:

11-15 J.: 30 EUR

16-20 J.: 53 EUR

b) Familienzulage ab drei Kindern:

137 EUR (einkommensabhängig)

Schweden 1. Kind: 99 EUR

2. Kind: 99 EUR

3. Kind: 126 EUR

4. Kind: 179 EUR

5. Kind +: 198 EUR

Deutschland 1. Kind: 138 EUR

2. Kind: 138 EUR

3. Kind: 153 EUR

4. Kind: 179 EUR

Quelle: http://www.europa.eu.int/comm/employment_social/missoc/index_en.html (http://www NULL.europa NULL.eu NULL.int/comm/employment_social/missoc/index_en NULL.html)

Damit zeigt sich zusammenfassend, dass Deutschland in der Familienpolitik andere Prioritäten setzt als Finnland, Schweden und Frankreich. In Deutschland werden Geldtransferzahlungen an die Familien bevorzugt. Im Unterschied dazu wird deutlich weniger Geld in den Ausbau des Dienstleistungsangebotes für Familien investiert.

Die Vernachlässigung des Ausbaus der öffentlichen Betreuungssysteme in der Bundesrepublik hat gravierende Folgen: Zum einen wird damit versäumt, Investitionen in die Zukunft der Gesellschaft zu tätigen, nämlich in die Erziehung und Bildung unserer Kinder. Zum anderen wird dem erziehenden Elternteil versagt, sich am Erwerbsleben zu beteiligen. Damit entgeht den sozialen Sicherungssystemen für längere Perioden eine große Menge von Beitragszahlungen. Darüber hinaus verliert Deutschland wichtiges Humankapital, da die heutige Müttergeneration über immense Bildungskapazitäten verfügt. Es wird Zeit, auch in Deutschland die richtigen Weichen zu stellen.

Literatur

European Commission Network on Childcare and Other Measures to Reconcile Employment and Family Responsibilities (eds.) 1995: A Review of Services for Young Children in the European Union 1990-1995, Brussels (European Commission Directorate General V).

Haas, Linda/ Hwang, Philip 2002: Parental Leave in Sweden, in: Moos, Peter/ Deven Fred (eds.): Parental Leave: Progress or Pitfall? The Hague/ Brussels (NIDI/CBGS Publication): 45-68.

http://europa.eu.int/comm/employment_social/missoc2002/finland_de.pdf (http://europa NULL.eu NULL.int/comm/employment_social/missoc2002/finland_de NULL.pdf)

http://europa.eu.int/comm/employment_social/missoc2002/sweden_de.pdf (http://europa NULL.eu NULL.int/comm/employment_social/missoc2002/sweden_de NULL.pdf)

http://europa.eu.int/comm/employment_social/missoc2002/france_de.pdf (http://europa NULL.eu NULL.int/comm/employment_social/missoc2002/france_de NULL.pdf)

http://www.ihs.se/eng/eng_index.htm (http://www NULL.ihs NULL.se/eng/eng_index NULL.htm)

Laville, Jean Louis 1998: Dienstleistungen für Kinder in Frankreich, in: Diskurs, Heft 2: 17-19.

Oberhuemer, Pamela/ Ulich, Michaela (Hrsg.) 1997: Kinderbetreuung in Europa, Weinheim/ Basel (Beltz).

OECD (ed.) 2002: Employment Outlook 2001, Paris (OECD).

OECD (ed.) 2002: Labour Market and Social Policy-Social Expenditure Statistics of OECD Member Countries, Paris (OECD).

Pestoff, Victor Alexis (1998): Kooperative Kinderbetreuung in Schweden. Implikationen für den Wohlfahrtsstaat, in: Diskurs, Heft 2: 14-16.

Plaisance, Eric 1998: Die Vorschulerziehung und die Institutionen für Kleinkinder in Frankreich. Aktuelle Debatten und Qualitätsproblematik, in: Fthenakis, Wassilios und Textor, Martin R. (Hrsg.): Qualität der Kinderbetreuung. Konzepte, Forschungsergebnisse, internationaler Vergleich, Weinheim/ Basel (Beltz): 170-181.

Schwedisches Institut (Hrsg.), Tatsachen über Schweden. Kinderbetreuung in Schweden, Stockholm (http://www.si.se (http://www NULL.si NULL.se)).

Autorin

Dr. Birgit Fix ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung. Ihr Arbeitsschwerpunkt ist die vergleichende Familienpolitik- und Sozialstaatsanalyse in Europa.

Adresse

Dr. Birgit Fix
Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung
Universität Mannheim
L 7,1
68131 Mannheim

Tel.: 0621/181-2796

Email: Dr. Birgit Fix (Birgit NULL.Fix null@null mzes NULL.uni-mannheim NULL.de)

Website: http://www.mzes.uni-mannheim.de/projekte/iss/Homepage.html (http://www NULL.mzes NULL.uni-mannheim NULL.de/projekte/iss/Homepage NULL.html)