Qualitätsanforderungen für Elternkurse
Erstellt am 21. Juli 2003,
Yvonne von Wulfen
Alle Eltern wissen, dass Elternschaft sehr schön und beglückend, aber nicht immer einfach ist. Oft kann die Erziehung von Kindern auch anstrengend und frustrierend sein. Glückliche, gesunde und anpassungsfähige Kinder in einer liebevollen Umgebung großzuziehen, stellt für alle Eltern eine große Herausforderung dar, für die manchmal ein guter Rat hilfreich wäre. “Die richtige Erziehung” gibt es nicht. Eltern entscheiden, welche Werte, Fähigkeiten und Verhaltensweisen sie bei Ihrem Kind fördern möchten und wie sie auf das Verhalten Ihres Kindes reagieren.
Viele Fragen der Erziehung werden rege erforscht. Leider finden nicht alle wissenschaftlich belegten Erkenntnisse und Hilfen in der Erziehung den Weg bis in die Praxis.
Auf der andern Seite gibt es eine breite Palette an Erziehungsratgebern und Beratungsangeboten, die nicht in Bezug auf die Wirksamkeit und Umsetzbarkeit oder auch auf die Frage, wie zufrieden Eltern mit diesen Angeboten und Tipps sind, untersucht wurden. Gerade in einem so wichtigen Bereich wie der Aufgabe Kinder zu erziehen ist überprüfte Qualität von besonderer Bedeutung.
Kurse und Beratungen für Eltern sowie Erziehungsratgeber sollen Informationen anbieten und Eltern bei der Herausforderung, Kinder groß zu ziehen, unterstützen. Sie sollten daher die Informationen vermitteln, die wissenschaftlich belegt sind und die ihre Umsetzbarkeit im familiären Alltag unter Beweis gestellt haben.
Ein gutes Erziehungsprogramm sollte es Eltern gleichzeitig ermöglichen bzw. erleichtern, die erlernten theoretischen Überlegungen an ihre häusliche Praxis anzupassen. Das bedeutet, an den konkreten Situationen der Eltern zu arbeiten, viele Beispiele für die Anwendung der einzelnen Hinweise zu geben und die Umsetzung zu Hause z.B. im Rollenspiel vorzubereiten. Gleichzeitig empfiehlt es sich, dass Eltern die Gelegenheit haben, in der Umsetzung und im Ausprobieren einzelner Hinweise Unterstützung oder Beratung erhalten, in der sie für eventuell auftretende Fragen oder Schwierigkeiten Hilfen erhalten.
Beispiele für Programme, die derzeit wissenschaftlich begleitet und auf ihre Wirksamkeit untersucht werden, sind das Elterntraining innerhalb der Nürnberg-Erlanger Präventions- und Entwicklungsstudie der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Lösel, “Starke Eltern – starke Kinder” vom Deutschen Kinderschutzbund oder das Präventionsprogramm für expansives Problemverhalten (PEP) der Uni Köln spezifisch für Kinder mit ADHS.
Eltern sollten wissen, was sie erwartet, wenn sie darüber nachdenken, ob ein Elternkurs für sie das Richtige ist. Vielleicht können die folgenden Leitfragen dabei eine Hilfe sein.
Welcher Kurs ist der richtige?
Es gibt verschiedene Kursangebote, bei der Wahl eines Elternkurses sollten Sie darauf achten, dass es sich um einen anerkannten und wissenschaftlich begleiteten Kurs handelt. Fragen Sie Ihren Trainer/ Berater danach.
Wer führt den Kurs durch?
Es reicht nicht aus, dass man selber Kinder hat, um anderen Eltern Ratschläge bezüglich einer großen Bandbreite an Themen geben zu können. Nur eigens dafür ausgebildete und geprüfte Trainer sind in der Lage, Ihnen eine verständliche Wissensgrundlage über kindliches und erwachsenes Verhalten zu vermitteln und Ihnen zu helfen, Strategien für den Umgang mit Problemverhalten zu entwickeln.
Liefert der Kurs spezielle, praktische Ratschläge?
Eltern können nur dann fundierte Entscheidungen über die Erziehung ihrer Kinder treffen, wenn die Ratschläge, die sie erhalten, benutzerfreundlich, konkret und auf ihre eigene Situation anwendbar sind.
Haben die Eltern die Gelegenheit, die vermittelten Strategien zu üben?
Die Forschung hat gezeigt, dass das Üben von Strategien ein entscheidender Faktor für effektives Lernen ist. Nur zu reden, ohne etwas umzusetzen, wird Probleme nicht lösen und nicht die gewünschten Veränderungen herbeiführen. Hausaufgaben und Beobachtungsbögen übertragen den Inhalt des Elternkurses in die Familiensituation und bieten die Gelegenheit, Fertigkeiten umzusetzen.
Welche Möglichkeit der weiteren Betreuung besteht?
Manche Eltern beenden vielleicht den Kurs und haben trotzdem weiterhin Schwierigkeiten und sind daher auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. In diesem Falle sollte die Kursleitung auf weiterführende Beratungsangebote verweisen können.
Geht es um mehr, als nur “Problemverhalten” ?
Elternkurse haben das Ziel, die kindliche Entwicklung zu fördern und mit kindlichem Verhalten in einer konstruktiven nicht verletzenden Weise umzugehen. Sie beinhalten Ratschläge, wie man Kindern positive Fertigkeiten beibringt. Eltern lernen, wie sie die sozialen Kompetenzen ihres Kindes fördern können. Gerade diese Inhalte sind wichtig, um Schwierigkeiten vorbeugen zu können und eine gute und tragfähige Beziehung zum Kind aufzubauen.
Traue ich mich, über private Familienangelegenheiten zu sprechen?
Um optimal von einem Elternkurs zu profitieren, kann es notwendig sein, genau zu besprechen, wie Sie und Ihre Familie mit bestimmten Situationen umgehen. Manche Eltern fühlen sich dabei vielleicht unwohl. Die Entscheidung liegt bei Ihnen. Falls es Ihnen unangenehm sein sollte, über Ihre Situation in einer Gruppe zu sprechen, informieren Sie sich über die Möglichkeit einer Einzelberatung.
Erfüllt der Kurs meine persönlichen Bedürfnisse?
Wenn Sie den Kurs aufgrund eines speziellen Problems aufsuchen, sprechen Sie den Trainer bereits im Vorfeld an, um abzuklären, ob der Kurs das Richtige für Sie ist. In einigen Fällen ist eine intensivere Hilfe notwendig und angebracht.
Autorin
Dipl.-Psych. Yvonne von Wulfen
Triple P Deutschland
PAG Institut für Psychologie AG
Nordstr. 22
48147 Münster
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