Hausarbeit als Problem in Partnerschaften 

Dr. Elke Rohmann und Prof. Dr. Hans-Werner Bierhoff 

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Die Ungleichheit der Verteilung der Familienarbeit zwischen Mann und Frau in einer gemeinsamen Wohnung bei gleicher beruflicher Belastung ist ein empirisches Faktum. Frauen tragen mehr zur Hausarbeit bei als Männer, auch wenn die berufliche Belastung gleich ist. Dieses vielfach bestätigte Ergebnis widerspricht der vorherrschenden Gerechtigkeitsnorm der Gleichheit zwischen den Geschlechtern. Untersuchungen zeigen, dass die Person, die durch die Hausarbeit mehr belastet wird, häufig mit Problemen mit dem eigenen Stimmungsmanagement zu kämpfen hat und dass sich negative Auswirkungen auf die Zufriedenheit mit der Partnerschaft ergeben. Die negativen Folgen der Ungleichheit der Geschlechter in ihrem Beitrag zur Hausarbeit zeigen sich auch in einer Beeinträchtigung der beruflichen Karrierechancen von Frauen, da sie mit einer Doppelbelastung zu kämpfen haben. In der Prävention und Partnerberatung besteht ein viel versprechender Ansatz darin, Strategien zu entwickeln, die einen verbesserten Umgang mit dem Problem der Familienarbeit bei Paaren ermöglichen.

1. Einleitung

Wer putzt? Wer kocht? Wenn Partner, die in einer gemeinsamen Wohnung leben, danach gefragt werden, fällt ihre Antwort eindeutig aus, wie die Ergebnisse der Allbus-2000 Studie – einer repräsentativen sozialwissenschaftlichen Befragung – zeigen: überwiegend die Frau.

Im Folgenden verwenden wir den Begriff der Familienarbeit, um die Summe aus Haushaltsarbeit und Kinderbetreuung zu kennzeichnen. Studien zur Verteilung der Familienarbeit in Partnerschaften zeigen immer wieder das gleiche Ergebnismuster: Frauen verbringen sehr viel mehr Zeit mit der Ausführung alltäglicher Pflichten wie z.B. Bettenmachen, Einkaufen oder Waschen als Männer es tun. Aktuelle Daten der OECD, die auf die Frage bezogen sind, wie lange Frauen und Männer im Haushalt arbeiten, bestätigen dieses Muster sowohl in Deutschland als auch in anderen OECD-Ländern. Während die Ungleichheit in skandinavischen Ländern besonders gering ist, fällt sie in asiatischen Gesellschaften wie Indien besonders hoch aus. Das lässt vermuten, dass die Ungleichheit des Aufwands für die Familienarbeit kulturell beeinflusst wird.

Diese Ergebnisse, die mit unserer alltäglichen Lebenserfahrung übereinstimmen, deuten auf eine große Belastung der Frauen durch die Familienarbeit hin. Das mag für Partnerschaften, die aus einer “Nur-Hausfrau” und einem berufstätigen “Versorger” bestehen, verständlich erscheinen. Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Mehrbelastung durch Hausarbeit auf der Seite der Frau auch dann auftritt, wenn die Belastung der Partner durch Ausbildung oder Beruf gleich groß ist und wenn Mann und Frau den gleichen beruflichen Status aufweisen.

Damit wird das Thema der Ungleichverteilung der Familienarbeit zwischen Mann und Frau zu einem interessanten Thema für die Geschlechterforschung. Das umso mehr, als die Ungleichverteilung der Belastung durch die Familienarbeit zwischen Männern und Frauen dadurch in ihren psychologischen Folgen für die betroffenen Frauen verschärft wird, dass die Ausführung der traditionell weiblichen Tätigkeiten gesellschaftlich relativ gering geschätzt wird. Arbeit außerhalb der Wohnung im Beruf wird vielfach als bedeutsamer angesehen und erlebt. Diese Konstellation kann bei Frauen zur Unzufriedenheit mit der Partnerschaft, zu Depression und zu psychischer Erschöpfung führen. Allerdings gibt es auch, wie im Weiteren dargestellt wird, Gegentendenzen, die die dargestellte objektive Ungleichheit als subjektv akzeptabel erscheinen lassen.

2. Erklärungen für die Geschlechtsunterschiede im Engagement für die Hausarbeit

Wie lässt sich nun diese Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in der Verrichtung alltäglicher Pflichten erklären? Wir gehen im Folgenden auf Erklärungsansätze ein, die verständlich machen können, dass sich die Geschlechtsunterschiede im Engagement für die Hausarbeit auch dann finden, wenn die Partner nach Berufsengagement und Berufsstatus angeglichen sind. Vier Erklärungen sind zu nennen: Eine nachsichtige Beurteilung der Fairness im Haushalt durch die Frau, Akzeptanz der gesellschaftlich vorherrschenden Geschlechter-Ideologie, Selektivität der sozialen Vergleiche und subjektive Umbewertung des Sinngehalts der Hausarbeit. Jede dieser Erklärungen leistet einen spezifischen Beitrag zum Verständnis der sozialen Wirklichkeit von Mann und Frau im Alltag der Partnerschaft.

2.1 Nachsichtigkeit bei der Beurteilung der Fairness

Die große Ungleichheit bei der Bewältigung von Familienarbeit lässt sich nur schwer mit gängigen Vorstellungen von der Gleichheit der Geschlechter vereinbaren, die in den letzten zwei Jahrzehnten immer stärker favorisiert werden und zunehmend auf die Partnerschaft angewandt werden. Untersuchungen zeigen, dass viele Frauen die Ungleichverteilung nicht als ungerecht empfinden – auch dann nicht, wenn sich ihre für außerhäusliche Tätigkeiten (z.B. Berufstätigkeit oder Studium) aufgewendeten Arbeitszeiten nicht von denen ihres Partners unterscheiden. Zudem zeigen Studien, dass Frauen trotz ihrer Mehrbelastung genauso zufrieden mit der Aufteilung der Hausarbeit sind wie ihre Partner, wobei diese “paradoxe Zufriedenheit” auch dann gegeben ist, wenn sie den gleichen ökonomischen Status innehaben wie ihre Partner. Hier treffen wir auf das Phänomen, dass Frauen bei gleicher Berufsbelastung und gleichem beruflichem Status wie ihre Ehemänner in der Regel deutlich mehr Hausarbeit leisten, ohne sich besonders zu ärgern.

2.2 Ideologie der Geschlechter-Unterschiede

Viele Frauen nehmen trotz bestehender objektiver Ungleichverteilung der Hausarbeit keine Ungerechtigkeitsverletzungen wahr, weil gesellschaftliche Normen – die Ausdruck der Geschlechter-Ideologie sind – ihnen mehr “weibliche” Pflichten vorschreiben als Männern. Frauen lernen in ihrer Kindheit und Jugend, Arbeiten im Haushalt zu verrichten, während Männer lernen, dass Frauen sie verrichten. Das soziale Lernen, das durch die traditionelle soziale Realität der Familie bestimmt wird, schafft eine geschlechtsspezifische Rollenübernahme in diesem Bereich.

Das Thema der Verteilung der Familienarbeit ist durch eine dominante Ideologie der Geschlechtsunterschiede beeinflusst, die es der einzelnen Person schwer machen kann, sich davon zu befreien. Diese Ideologie wird durch gesellschaftliche Werte, Religion, Wissenschaft und Rechtsprechung unterstützt. In dieser Ideologie wird der Status quo der ungleichen Verteilung der Hausarbeit zwischen Mann und Frau gerechtfertigt. Ein Beispiel sind religiöse Indoktrinationen, die Frauen die untergeordnete Rolle gegenüber dem Mann zuweisen. Festhalten an althergebrachten Traditionen kann auch eine große Rolle spielen.

Die Ideologie der Geschlechtsunterschiede, die die Unterschiede zwischen Männern und Frauen übertreibt, dient als Rechtfertigung des großen Unterschieds in der Hausarbeit, die von Partnern erbracht wird, die in einer gemeinsamen Wohnung leben. Das auf platten Stereotypen aufgebaute Scheinargument lautet: Frauen sind von Natur aus besser befähigt und motiviert, die Hausarbeit zu erledigen. Die Auswirkungen dieser Stereotype reichen soweit, dass sich die Frau selbst als kompetenter für die Hausarbeiten betrachtet als den Partner (z.B.: “Er kann einfach keine Ordnung halten” , oder: “Er kann einfach nicht kochen”).

Auf solchen Argumenten aufbauend wird die Ungleichverteilung zulasten der Frau von vielen Frauen selbst gerechtfertigt. Ihr Empfinden dafür, was ihnen zusteht, ist verzerrt. Die männliche Zurückhaltung wird als verbrieftes Anrecht des Mannes aufgefasst, das gesellschaftlich legitimiert ist. Ob diese Legitimation besonders durch das Vorbild der Elternfamilie, durch religiöse Botschaften oder durch den de-facto-Zustand der Ungleichverteilung zustande kommt, unterliegt einer großen individuellen und kulturellen Variation.

Darüber hinaus finden sich auch Geschlechtsunterschiede in der Bedeutung des erhöhten Anteils der Frau bezogen auf Hausarbeit und Kinderbetreuung für die Bestimmung der Beziehungszufriedenheit. Betrachten wir die Verteilung der Familienarbeit, die empfundene Gerechtigkeit, die Beziehungskonflikte und die Beziehungszufriedenheit in einem gemeinsamen Bezugssystem. Diese Zusammenhänge unter diesen Merkmalen sind bei Frauen so gestaltet, dass mehr Aufwand für Hausarbeit und Kinderbetreuung mit weniger empfundener Gerechtigkeit, mehr Beziehungskonflikten und weniger Beziehungszufriedenheit zusammenhängen. Dieses Ergebnismuster entspricht der Erwartung, die sich aus den untersuchten Konzepten ableiten lässt: Wer übermäßig großen Aufwand hat, sollte das weniger gerecht finden, daraufhin mehr Konfliktpotenzial sehen und die Beziehungszufriedenheit verringern. In diesem Bezugssystem wirkt sich die empfundene Gerechtigkeit auch noch direkt auf die Beziehungszufriedenheit aus.

Bei Männern findet sich ein anderes Bild. Der Anteil der Hausarbeit und Kinderbetreuung der Frau hat nichts mit ihrem Gerechtigkeitsempfinden und ihrer Konfliktneigung zu tun. Statt dessen wird die Beziehungszufriedenheit größer eingeschätzt, wenn die Frau im Haushalt viel arbeitet und wenn wenig Beziehungskonflikte auftreten. Wenn der Mann entlastet wird und sich wenig wegen Beziehungsproblemen streitet, ist seine Beziehungszufriedenheit relativ hoch. Dieses Ergebnismuster des Mannes lässt sich als hedonistisch kennzeichnen. Er scheint das Thema Gerechtigkeit im Haushalt weitgehend auszuklammern. Diese Tendenz kann man generell von Personengruppen erwarten, die von der Ungleichverteilung profitieren.

2.3 Unterschiedliche Vergleiche rechtfertigen sowohl das Verhalten der Frauen als auch das der Männer

Für die Bestimmung des eigenen Anrechts ist der soziale Vergleich von großer Bedeutung. Denn er ermöglicht eine Bewertung des eigenen Status-quo im Vergleich zu anderen. Warum sind soziale Vergleiche in diesem Zusammenhang so wichtig? Wir wissen oft nicht, wie wir die soziale Realität bewerten sollen und müssen somit einen Bewertungsmaßstab entwickeln. Dazu verwenden wir soziale Vergleiche, um herauszufinden, ob unsere Einstellungen und Verhaltensweisen angemessen oder unangemessen sind. In diesem Zusammenhang ist eine wichtige Gesetzmäßigkeit zu beachten: Soziale Vergleiche erfolgen nicht beliebig, bezogen auf irgendeine Vergleichsperson, sondern sie werden nach Ähnlichkeit organisiert. Daher vergleichen sich Frauen häufig mit Frauen und Männer mit Männern, also selektiv nach Ähnlichkeit.

Ein besonders wichtiger Rechtfertigungsprozess der genannten Geschlechtsunterschiede beruht auf diesen selektiven sozialen Vergleichen: In Übereinstimmung mit der gesellschaftlichen Ideologie der Ungleichheit von Frauen und Männern finden soziale Vergleiche in der Regel auf der Basis des gemeinsamen Geschlechts statt. So neigen Frauen dazu, sich bezüglich ihres Anteils an der Familienarbeit eher mit anderen Frauen zu vergleichen (z.B. der Nachbarin) – und nicht mit ihrem Partner. Diese Selektivität hat einen rechtfertigenden Effekt: Obwohl sie Mehrarbeit leisten, können Frauen erschließen, dass sie doch ganz gut wegkommen (indem sie sich z.B. davon überzeugen, dass ihre Nachbarin sehr viel häufiger kocht), so dass sie relativ dazu ihre Zufriedenheit günstiger einschätzen. Das ist die Erklärung für das Zufriedenheitsparadox, das weiter oben genannt wurde.

Männer hingegen benutzen die Gruppe der Männer zum sozialen Vergleich. Da die Gruppe der Männer in Übereinstimmung mit einem “do nothing dad” – also einem Vater und Ehemann, der im Haushalt nicht viel tut – wahrgenommen werden, können sie durch die Selektivität des Vergleichs erschließen, dass sie selbst im Hinblick auf ihre Bereitschaft zur Familienarbeit ganz gut abschneiden (z.B. weil sie sich “immerhin” am Wochenende um ihre Kinder kümmern).

2.4 Subjektive Umbewertung des Sinngehalts der Hausarbeit

Eine weitere Rechtfertigungsstrategie für die ungleiche Verteilung der Familienarbeit unter Männern und Frauen – die besonders von Frauen angewendet wird – besteht darin, sich selbst davon zu überzeugen, dass die Familienarbeit ein Ausdruck von Liebe und Fürsorge in der Beziehung ist. Denn Frauen stufen traditionell die Wertigkeit ihrer Beziehung oft höher ein als Männer.

Wertschätzung von ihren Bezugspersonen für ihr Engagement im Haushalt ist Frauen außerdem oft wichtiger als die tatsächliche Aufteilung der Hausarbeit. Wertschätzung kann insofern als eine Form der Entschädigung für erlittene Nachteile verstanden werden. In verschiedenen Studien zeigten sich Zusammenhänge zwischen Wertschätzung der Familienarbeit durch den Partner und Gerechtigkeitserleben: Wer sich durch den Partner wertgeschätzt fühlt (z.B. für das hohe Engagement gelobt wird), empfindet die Verteilung der Familienarbeit auch eher als gerecht.

3. Auswirkungen der Mehrarbeit im Haushalt auf das eigene Wohlbefinden und die Beziehungszufriedenheit

Eine ungerechte Verteilung der Familienarbeit kann die Befindlichkeit und Beziehungszufriedenheit beeinträchtigen. Ungerechtigkeit bezüglich der Verrichtung verschiedener familiärer Rollen (Kochen, Hausarbeit, Ernährerrolle, Partnerrolle und Mutter- bzw. Vaterrolle) kann die Stimmung beeinträchtigen. So sind z.B. die Depressivitätswerte bei verheirateten Personen, die sich mehr in den familiären Rollen engagieren, höher als bei denjenigen, bei denen eine gerechtere Verteilung des Engagement in den familiären Rollen vorliegt. Insbesondere bei erwerbstätigen Frauen zeigt sich ein negativer Einfluss von Überbelastung in der Hausarbeit auf Depressivität: Sie leiden eher unter depressiven Verstimmungen als Frauen, die nicht so sehr mit der Doppelbelastung Beruf und Familie konfrontiert werden.

Andere Untersuchungen zeigen, dass bei Frauen mit zunehmender Belastung im Haushalt (in Relation zum Partner) die Zufriedenheit mit der Partnerschaft abnimmt; bei Männern hingegen mit ihrem zunehmendem Engagement im Haushalt die Zufriedenheit mit der Partnerschaft ansteigt. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass mit wachsendem Engagement der Männer im Haushalt und abnehmendem Engagement der Frauen (also mit einer größeren Angleichung des Engagements) die Beziehungszufriedenheit gesteigert werden könnte, da unter dieser Voraussetzung mehr Ausgewogenheit im Haushaltsbereich hergestellt würde. Zudem ärgern sich Personen, die den Löwenanteil der Familienarbeit verrichten, besonders viel in ihrer Partnerschaft.

Betrachtet man die Gleichstellung von Mann und Frau in verschiedenen Lebensbereichen, kommt man leicht zu der Schlussfolgerung, dass die heutigen Frauen zwar Fortschritte gemacht haben, was ihren Einfluss und ihre Karriere im beruflichen Bereich angeht, während analoge Fortschritte im häuslichen Bereich geringer ausfallen. Das große Problem, das mit dieser Entwicklung zusammenhängt, ist die wachsende Doppelbelastung der Frau, die mit ihrem Partner in einer gemeinsamen Wohnung lebt.

Die Doppelbelastung der Frau trägt wesentlich dazu bei, dass die beruflichen Chancen von Männern und Frauen ungleich verteilt sind. Das wird damit gerechtfertigt, dass der Mann die Rolle des Versorgers übernimmt (eine Rolle, die natürlich auch die Frau übernehmen könnte – gerade in einer Gesellschaft, in der die jungen Frauen im Durchschnitt hoch qualifiziert sind). Die gesellschaftliche Lösung, die angeboten wird, beinhaltet das Bild der Frau, die Berufsrolle, Mutterrolle und Rolle als Partnerin grandios miteinander verbindet – ein Stereotyp der Superfrau, dem nur wenige entsprechen können. Daher sind andere Lösungen zu bevorzugen, wie im folgenden Abschnitt erläutert wird.

4. Anwendung

Betrachtet man diese Ergebnisse und die damit verbundene Erkenntnis, dass Frauen unter der Doppelbelastung von Beruf und Familie besonders zu leiden haben, dann scheint es notwendig zu sein, die Frage der Verteilung von Familienarbeit auch in der Paarberatung und in der Prävention von Paarkonflikten zu berücksichtigen. Denn die Kommunikation über Unausgewogenheit der Pflichten in diesem Bereich und den damit verbundenen negativen Gefühlen scheint der erste Schritt für eine Veränderung zu sein, der sich dann meist positiv auf die Beziehungszufriedenheit auswirkt.

Aber natürlich kann eine Aussprache über Unfairness bei der Verteilung der Familienarbeit auch einfach im Gespräch mit dem Partner stattfinden, in dem jeder die Möglichkeit hat, seinen Standpunkt darzulegen. Um zu einer gerechteren Verteilung zu kommen und damit zu einer Entlastung der Frauen von der genannten Doppelbelastung, wäre es beispielsweise möglich, einen genauen Familienplan über die Verrichtung einzelner familiärerTätigkeiten zu erstellen: Dabei könnte es sich z.B. um einen Wochenplan handeln, in den eingetragen wird, wann jeder der Partner kocht, putzt, Betten macht usw. Zu erwägen wäre auch, dass beide Partner einen Kontrakt miteinander schließen, in dem festgelegt wird, welcher Ausgleich für die Nichteinhaltung des Plans vorgesehen ist, um langfristig die Fairness zu stabilisieren. Das könnte z.B. so aussehen, dass der säumige Partner eine zusätzliche Aufgabe übernimmt.

Zu beachten ist die geringere Sensibilität für Ungleichheit bei der Familienarbeit bei Männern im Vergleich mit Frauen. Daher bedarf es einer besonderen Aufklärung der Männer, die gerne eine Taktik des “alles soll so bleiben wie es ist” in diesem Bereich verwenden.

Das Thema der Familienarbeit ist ein zentrales Konfliktfeld in Partnerschaften, das zu lang andauernden Unstimmigkeiten in der Beziehung führen und dann auch zu ihrer Auflösung beitragen kann. In diesem Zusammenhang ist daran zu erinnern, dass die Mehrzahl der Scheidungen von den Frauen initiiert wird, deren Unzufriedenheit nicht zuletzt auch auf die Mehrbelastung durch die Familie im Vergleich zum Mann zurückgeht. Daher kann vermutet werden, dass mehr Fairness bei der Familienarbeit die Quote der Scheidungen und Trennungen verringern könnte.

Literatur

  • Freudenthaler, H.H. (2000). Gerechtigkeitspsychologische Aspekte der Arbeitsaufteilung im Haushalt. Frankfurt: Lang.
  • Mikula, G. (2013).. Gerechtigkeitspsychologische Aspekte der Aufteilung von Familienarbeit zwischen Frauen und Männern. In M. Gollwitzer, S. Lotz, T. Schlösser & B. Streicher (Hrsg.), Soziale Gerechtigkeit (pp. 55-75). Göttingen: Hogrefe.
  • Rohmann, E. (2000). Gerechtigkeitserleben und Erwartungserfüllung in Partnerschaften. Frankfurt: Lang.
  • Rohmann, E., Schmohr, M. & Bierhoff, H.W. (2002). Aufteilung der Hausarbeit, verletzte Erwartungen und Beziehungsqualität. Zeitschrift für Familienforschung, 14, 133-152.

Autor/in

PD Dr. Elke Rohmann
Ruhr-Universität Bochum
Fakultät für Psychologie – Sozialpsychologie
Universitätsstr. 150
44780 Bochum

Tel.: +49(0)23432-23747

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Prof. Dr. Hans Werner Bierhoff
Ruhr-Universität Bochum
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Erstellt am 14. März 2002, zuletzt geändert am 16. Dezember 2014