Die Schuldenfalle

Dr. Ulla Sebastian

Konsumschulden sind die größte finanzielle Falle der Nachkriegszeit. Zur Überschuldung führen sowohl soziale Umstände als auch Unerfahrenheit mit dem Kreditwesen und Konsumsucht. Ob jemand Schulden macht oder nicht, hängt stärker von Denk- und Verhaltensweisen ab als von Lebensnotwendigkeiten. Der Weg heraus aus den Schulden erfordert dementsprechend eine Veränderung von Lebenseinstellungen, Kontrolle über die Ausgaben und einen bewussten Umgang mit Kreditkarten.

Das Gefühl von Großzügigkeit und Freiheit

Kennen Sie dieses wunderbare Gefühl? Sie haben hart gearbeitet. Sie verdienen es, sich etwas zu gönnen und sich zu belohnen. Und da hängt dieser todschicke Designermantel und kostet als einmaliges Sonderangebot nur noch 1.500 Euro. Oder dieser Laptop, mit dem Sie schon länger liebäugeln, ist plötzlich um 30% herabgesetzt. Sie haben zwar schon einen Computer zu Hause stehen, aber was soll´s. Sie haben ja eine EC-Karte für Ihr Girokonto. Und wenn nicht mehr genug drauf ist, eine Kreditkarte. Sie gehen in den Laden und schwupps, der Mantel oder der Laptop gehört Ihnen.

Oder Sie schauen mal gerade ins Parterre des großen Elektrokaufhauses ´rein. Und da steht eine neue Waschmaschine – genau das, was Sie suchen, und dann noch bei so einer günstigen Ratenzahlung. Ihre Waschmaschine ist zwar auch erst drei Jahre alt, doch hat in der letzten Zeit die Trommel angefangen zu klappern, und wer weiß, ob es sich lohnt, so etwas zu reparieren. Wozu also der Aufwand, einen Monteur zu bestellen, wenn man doch eine neue Waschmaschine so günstig erstehen kann!

Kommen Ihnen diese Situationen vertraut vor? Gehören Sie zu den Menschen, die über Geld nicht nachdenken und nach dem Prinzip “Heute ist Heute!” leben? Was kümmert mich, was morgen ist! Halten Sie Menschen, die sparen, für Geizkragen, und sind Leute, die über ihre Ausgaben Buch führen, für Sie armselige Buchhalter? Wenn Sie zu den 0.05% der Menschen in Deutschland gehören, deren monatliches Einkommen über 50.000 Euro liegt, brauchen Sie sich um solche Ausgaben in der Tat keine Sorgen zu machen.

Gehören Sie aber zu den Menschen, die am Monatsende frustriert und verärgert feststellen, dass ihr gesamtes Einkommen entschwunden ist, und sich wundern, wo es geblieben ist, dann sind Sie nicht allein. Rund ein Drittel der deutschen Haushalte hat Konsumschulden, und diese Anzahl wächst.

Das Ausmaß der Verschuldung

Konsumschulden sind die größte finanzielle Falle. Mehr als drei Millionen Haushalte in Deutschland sind laut dem Überschuldungsreport
von 2013 überschuldet. Die Schulden für den Privatkonsum machten 2009 alleine 227 Mrd. Euro aus, bei einer durchschnittlichen Verschuldungsrate pro Haushalt von 34.700 Euro.

Die häufigste Kreditform ist der Ratenkredit. 2008 nahmen rund 2,8 Millionen Kreditnehmer einen neuen Ratenkredit auf. Kredite werden
vorwiegend für bauliche Maßnahmen und für die Anschaffung eines PKW in Anspruch genommen. Kurzfristige Liquiditätsengpässe werden durch Überziehungskredite (Dispo-Kredite) gedeckt.

Warum Schulden?

Zur Überschuldung führen sowohl soziale Umstände als auch Unerfahrenheit mit dem Kreditwesen und Konsumsucht. Unter den sozialen Umständen sind Arbeitslosigkeit und Schicksalsschläge wie Trennungen, Krankheiten und Unfälle die häufigste Ursache, gefolgt von einem dauerhaften Niedrigeinkommen und einem Missverhältnis zwischen Kredithöhe und Einkommen. Jeder fünfte ist konsumsüchtig.

Frauen verstricken sich leicht in “Schulden für andere” . Sie werten Beziehungen höher als finanzielle Verpflichtungen. Um den Partner zu unterstützen, übernehmen sie Bürgschaften oder Darlehensmitverpflichtungen für dessen Geschäft oder Unternehmen, ohne sich selbst genau darüber zu informieren, ob das Geschäft solvent ist. Wenn das Unternehmen sich nicht so entwickelt, wie von dem Mann erhofft, oder wenn die Beziehung auseinander geht, sehen sie sich plötzlich mit einem Schuldenberg konfrontiert, den sie nicht verursacht haben, für den sie aber (mit)verantwortlich sind. Gerade für Frauen ist es daher wichtig zu lernen, zwischen Beziehung und Finanzen klar zu trennen.

Der Wunsch nach sofortiger Bedürfnisbefriedigung

Ob Sie Schulden machen oder nicht, hängt stärker von Ihren Denk- und Verhaltensweisen ab als von Lebensnotwendigkeiten. Die meisten Menschen verschulden sich nicht, um lebensnotwendige Güter zu kaufen, sondern weil sie etwas sehen, das sie haben wollen, und sich nicht fragen, ob sie es wirklich brauchen.

Unser Körper und unser instinkthaftes Verhalten sind auf die unmittelbare, momentane Lustbefriedigung ausgerichtet und fragen nicht nach den langfristigen Kosten. Wir gehen spontan auf das zu, was uns Vergnügen verspricht, und vermeiden das, was uns Schmerz oder Unlust bereitet. Oft rationalisieren wir dieses instinkthafte Verhalten mit bestimmten Glaubenssätzen wie: “Man gönnt sich ja sonst nichts!” , “Schließlich habe ich das verdient!” , “Ich verdiene nur das Beste!” oder “Manchmal muss man über die Stränge schlagen!” .

Die Geschäfte nutzen diesen menschlichen Instinkt und bieten gegen Ratenzahlungen und Kleinkredite die unmittelbare Bedürfnisbefriedigung an. Auch wenn Sie schon verschuldet sind, sind diese Angebote verführerisch. Ihre Glaubenssätze unterstützen Ihren Instinkt und suggerieren Ihnen: “Nur noch das eine Mal!” oder “Man kann ja nicht alles im Auge behalten!” . Bevor Sie es merken, haben Sie einen Kreditantrag unterschrieben oder Ihre Kreditkarte erneut belastet.

Schuld und Verantwortung

Wenn Sie der Schuldenfalle bereits erlegen sind, überprüfen Sie Ihr Denken und Ihre Gewohnheiten. Wenn Sie beispielsweise einkaufen gehen, um aus einer schlechten Stimmung herauszukommen, setzen Sie sich hin und überlegen, was Ihnen sonst noch in solchen Situationen gut täte. Schreiben Sie Ihre Alternativen in Großbuchstaben auf ein Blatt Papier und hängen Sie es zu Hause an die Wand, oder legen Sie sich einen kleinen Merkzettel in Ihren Terminkalender.

In dem Wort Schulden steckt nicht zufällig das Wort “Schuld” . Wenn Sie sich verschuldet haben, ist es wichtig, zwischen Verantwortung und Schuld zu unterscheiden. Schuld steht in enger Verbindung mit dem Gefühl des Versagens und der Angst davor, wie es nun weitergehen soll. All diese Gefühle lähmen Sie, drücken Sie nieder und machen Sie handlungsunfähig.

Es hilft Ihnen in solch einer Situation auch nicht weiter, wenn Sie die Schuld auf andere schieben. Sie können der Konsumgesellschaft, der Werbung, den Geschäftemachern, den Banken, den Kreditinstituten oder der Steuer die Schuld an Ihrer Misere geben. Doch was würde Ihnen das nutzen? Gar nichts. Sie geben Ihre Macht ab an die äußeren Umstände und fühlen sich ihnen ausgeliefert.

Wenn Sie hingegen die Verantwortung (wohlgemerkt: nicht die Schuld!) dafür übernehmen, dass Sie sich in diese Situation hineingebracht haben, ziehen Sie damit die Kraft in sich zurück, diese Situation zu verändern. Verantwortung im ursprünglichen Sinne bezieht sich auf die Fähigkeit, auf Menschen, Situationen und Ereignisse angemessen zu reagieren. Das setzt voraus, dass Sie erkennen, was dem Moment angemessen ist, und die innere Freiheit haben, es zu tun. In diesem Verständnis hat Verantwortung viel mehr mit Wahlfreiheit zu tun als mit Schuld oder Versagen.

Vor- und Nachteile von Schulden

Wenn Sie die Verantwortung für Ihre momentane Situation übernehmen, können Sie sie als eine Chance begreifen und Ihrem Leben eine neue Richtung geben. Statt sich zu beklagen und das Mitleid der anderen herauszufordern, schauen Sie, welche Vorteile oder welches “Geschenk” die Schulden für Sie bereithalten. Dieses Geschenk ist auf den ersten Blick oft nicht ersichtlich. Ein Vorteil der Schulden kann beispielsweise sein, dass Sie in Ihrem Leben nichts zu verändern brauchen, weil es ja eh keinen Sinn hat, oder keine Verantwortung für die Gestaltung Ihres Lebens übernehmen müssen, weil Sie meinen: “Bei den Schulden kann ich sowieso nichts mehr machen” . Fragen Sie sich:

  • Welche Nachteile hat es für mich, wenn ich meine Schulden loswerde?
  • Welche Vorteile hat es für mich, wenn ich meine Schulden loswerde?
  • Welchen “Preis” muss ich dafür bezahlen?

Unter Preis verstehe ich einerseits das Aufgeben von Bequemlichkeiten, Glaubenssätzen und den Verzicht auf unmittelbare Bedürfnisbefriedigung, andererseits die Bereitschaft, neue Denk- und Verhaltensweisen einzuüben. Es liegt in Ihrer Verantwortung, ob Sie sich dieser Anstrengung unterziehen wollen oder nicht. Dabei ist nicht entscheidend, was Ihnen zugestoßen ist, sondern was Sie aus dem machen, was geschehen ist. Fragen Sie sich: “Bin ich bereit, diesen Preis zu zahlen?” Beantworten Sie die ehrlich. Halbherzige Versuche sind in solchen Situationen zum Scheitern verurteilt. Ihre alten Gewohnheiten haben Macht, und ohne eine klare Absicht, hinter der Sie voll stehen können, zieht diese Macht Sie in die alten Gewohnheiten zurück.

Schuldentilgung

Wenn Sie sich entschließen, Ihre Schulden abzubauen, wandeln Sie Ihren Dispositionskredit in einen normalen Kredit um. Die Gebühren dafür sind günstiger. Wenn Sie auch noch Kleinkredite in Geschäften eingegangen sind, überprüfen Sie die Gebühren und fassen Sie, so weit möglich, alle Kredite zu einem zusammen. So können Sie überschauen, in welchem Tempo Sie Ihre Schulden abbauen.

Legen Sie fest, wie viel Schulden Sie jeden Monat abtragen können. Verwenden Sie dafür nicht mehr als 50% des Geldes, das Sie dafür zur Verfügung haben. Beginnen Sie mit den anderen 50% ein Sparvermögen. Bei Konsumschulden erhalten Sie nach der Tilgung keinen Gegenwert. Von daher ist es sehr wichtig, dass Sie gleichzeitig mit dem Abbau der Schulden die gleiche Summe Geldes, die Sie zur Tilgung nutzen, für sich anlegen. Sie verlieren viel schneller die Lust zu zahlen, wenn Sie sich nur auf die Lasten Ihrer Vergangenheit beziehen, als wenn Sie gleichzeitig in die Zukunft investieren. Wenn Sie also im Monat 300 Euro erübrigen können, nutzen Sie 150 Euro zur Schuldentilgung und 150 Euro zum Sparen.

Wenn Sie Verpflichtungen gegenüber Gläubigern eingegangen sind, besprechen Sie mit Ihnen, in welchem Zeitraum und zu welchen Konditionen Sie Ihre Schulden zurückzahlen können. Ihre Gläubiger sind daran interessiert, ihr Geld zurückzubekommen, und in der Regel bereit, sich auf Sonderkonditionen einzulassen, wenn ihnen die Rückzahlung dadurch gewährleistet scheint.

Wenn Ihnen andere noch Geld schulden, sammeln Sie Ihre Außenstände ein. Bieten Sie Ratenzahlungen an, wenn Ihre Schuldner das gleiche Problem haben wie Sie.

Kümmern Sie sich nicht um das, was andere Leute sagen. Die stecken nicht in Ihrer Haut. Sie wissen, dass Ihr Wert als Mensch und Person nicht von Ihren Schulden abhängt. Sehen Sie Ihre Rückstände als einen wichtigen Hinweis darauf, dass Sie noch etwas im Umgang mit Geld zu lernen haben.

Beerdigen Sie nicht Ihre Träume. Menschen, die sich verschulden, tendieren dazu, sich auf ein Minimum einzurichten. Dahinter verbergen sich oft Schuldgefühle und der Glaube, da man versagt habe, dürfe man vom Leben nichts mehr erwarten. Ihre Sichtweise bestimmt, wie Sie mit den Schulden umgehen. Sie können sie als Bestätigung Ihres Unwertes sehen oder als eine Herausforderung, die Ihren Lebensmut und Ihre Kreativität anregt. Im Grunde haben Sie ja gar keine andere Chance, als jetzt Vollgas zu geben und alles daran zu setzen, um aus Ihrer misslichen Lage herauszukommen.

Schleifen Sie neue positive Gewohnheiten ein!

Umgang mit Rechnungen

Begleichen Sie Ihre Rechnungen zügig und mit Freude und Dankbarkeit. Denken Sie daran, welchen Wert Sie im Austausch für dieses Geld bekommen: die Wärme der Heizung, der Komfort der Elektrizität, die Pflege des Autos, die Reparatur Ihrer Gebrauchsgegenstände. Für all diese Dinge und mehr arbeiten andere Menschen, die Ihnen Ihre Waren und Dienstleistungen zur Verfügung stellen, um Ihnen Ihr Leben angenehmer zu gestalten. Schicken Sie diesen Menschen zusammen mit der Rechnung Ihre Anerkennung, Wertschätzung und Dankbarkeit. Sie werden überrascht sein, was an Sie zurückkommt.

Planen Sie Ihre Ausgaben

Notieren Sie alle Ausgaben, die Sie im letzten Jahr getätigt haben. Wenn Sie darüber nicht Buch geführt haben, gehen Sie Ihre Kontoauszüge, Rechnungen und Kreditkartenbelege durch. Legen Sie fest, wie viel Geld Sie zur Deckung Ihrer festen Kosten brauchen und was übrig bleibt, um Schulden abzutragen und Geld für zukünftige Projekte anzusparen.

Führen Sie über Ihre Ausgaben Buch

Schreiben Sie Ihre Ausgaben auf. Dazu empfiehlt sich immer noch das gute alte Haushaltsbuch, auch wenn es heutzutage aus der Mode gekommen ist. Wenn Sie gerne am Computer arbeiten, finden Sie auch eine dafür geeignete Software.

Viele Menschen verbinden mit dem genauen Aufschreiben Einschränkungen oder gar die Qual, jeden Cent umdrehen zu müssen. Dagegen suggeriert das Kleingeld in der Tasche und die EC-Karte im Portemonnaie das trügerische Gefühl der Freiheit, sich jeden Wunsch erfüllen zu können. Wenn Sie verschuldet sind, wissen Sie um diese Gefahr. Wenn Sie nicht Ihren Verstand einschalten und genau überprüfen, ob das Geld dahin fließt, wo Sie es gerne hätten, überlassen Sie sich der Herrschaft des Geldes und werden, ohne es zu merken, zu seinem Sklaven.

Das Notieren Ihrer Ausgaben hat einige nützliche Nebenwirkungen. Sie werden vermutlich feststellen, dass allein der Gedanke, Ihre Ausgaben zu notieren, Sie schon ein Stück weit aus der suggestiven Kauftrance heraushebt, in die moderne psychologische Werbemethoden uns tagtäglich versetzen. Statt impulsiv nach etwas zu greifen, das Ihr Blick zufällig streift, überlegen Sie, ob Sie diesen Gegenstand wirklich brauchen. Wenn Ihnen diese Frage beim Einkauf noch nicht kommt, fällt sie Ihnen spätestens beim Aufschreiben ein.

Sie können herausfinden, wie rasch Sie bereit sind, etwas wegzuwerfen, das nur einer kleinen Reparatur bedarf, um wieder funktionsfähig zu sein, und welcher Anstrengung Sie sich unterziehen müssen, um Ihre Gebrauchsgegenstände in gutem Zustand zu halten. Letzteres kostet Mühe, da unsere Gesellschaft eher zum Wegwerfen als zum Erhalten tendiert. Es ist gar nicht einfach, noch kundige Fachleute zu finden, die Reparaturarbeiten vornehmen, und selbst wenn, übersteigen die Kosten für die Reparaturen oft den Neupreis.

Sie werden feststellen, wie viele Ihrer Ausgaben durch Lebensnotwendigkeiten motiviert sind und welche anderen Bedürfnissen entspringen wie Frustration, Einsamkeit, mangelndem Selbstwert oder Seelentrost. Ihre innere, durch die Werbung wohltrainierte Stimme suggeriert Ihnen: “Kaufe, denn man gönnt sich ja sonst nichts” . Dummerweise trösten diese Einkäufe Sie nicht, sondern machen Sie nur ärmer.

Zahlen Sie bar

Eine andere wichtige neue Gewohnheit ist im Grunde eine alte: nämlich die Rückkehr zur traditionellen Barzahlung. Einkäufe per EC oder Kreditkarte scheinen problemloser und einfacher, sind aber sehr verführerisch und verleiten zu überflüssigen Ausgaben. Barzahlung hat den Vorteil, dass Sie das Geld wieder mit Händen berühren und greifen. Über diese sinnliche Erfahrung wird Ihnen bewusst, wofür Sie wie viel ausgeben. Der abstrakte Umgang mit Zahlen dagegen betäubt Ihre Wahrnehmung und stumpft Sie gegen den Schmerz ab, der mit Ausgaben einhergeht, die Ihnen im Nachhinein leid tun.

Die Kreditkartenfalle

Plastikkarten welcher Art auch immer fördern Impulskäufe, die Ihnen tagtäglich von der Werbung suggeriert werden. Bevor Sie es sich versehen, stehen Sie mit einem Wagen voller Waren an der Kasse, obwohl Sie doch nur von dem Rest Ihres Wochenetats die Sahne für den Kaffe holen wollten. Und da Sie eine Plastikkarte dabei haben, kann auch ein Blick in das leere Portemonnaie Sie nicht darauf aufmerksam machen, dass Sie Ihren Wochenetat bereits aufgebraucht haben und all diese Sachen gar nicht wirklich wollen.

Wer seine Alltagseinkäufe über Bargeld begleicht, stellt häufiger Sachen ins Regal zurück, die erst an der Kasse zu Bewusstsein kommen. Die Bezahlung über Bargeld bewahrt Ihnen ein Stück Freiheit. Das, was Sie bar bezahlen, unterliegt nur Ihrer Kontrolle. Alle Einkäufe, die Sie über eine Geldkarte oder durch Überweisungen tätigen, können dagegen zentral erfasst und zu einem Kauf- oder Verhaltensprofil verarbeitet werden. Damit geraten Sie in Gefahr, manipuliert, kontrolliert oder überwacht zu werden.

Wenn Sie ein ganzes Sammelsurium an Kreditkarten unterhalten, entscheiden Sie sich für die preisgünstigste, die Ihnen im Notfall aus der Klemme helfen kann, und vernichten Sie die anderen. Verwahren Sie Ihre Kreditkarte an einem sicheren Ort. Sie verhilft Ihnen bei Auslandsreisen zu Bargeld und gibt Ihnen, wenn nötig, genug zinsfreien Kredit, um sich Geldmittel für unerwartete Ausgaben zu beschaffen.

Im Inland genügt eine Girokarte für geschäftliche Transaktionen, bei der die Kosten direkt von Ihrem Girokonto abgebucht werden. Damit können Sie Flüge oder Bahnreisen buchen, ein Hotel bezahlen oder ein Auto mieten. Viele Reisegesellschaften oder Autovermietungen verlangen dafür Plastikgeld und gewähren dafür meist zusätzlichen Versicherungsschutz.

Wenn Sie Waren per Telefon oder Email gekauft haben, können Sie bei Bezahlung per Kreditkarte die Bestellung innerhalb von 30 Tagen stornieren. Außerdem schützt die Karte Sie in Notfällen davor, sich Geld leihen zu müssen. Für all diese nützlichen Funktionen reicht die normale EC-Karte, deren Gebühren erschwinglich sind.

Heben Sie für alle anderen Kosten, vor allem die Ihres täglichen Bedarfs, jede Woche den Betrag von Ihrem Konto ab, den Sie nach Ihrem Ausgabenplan festgelegt haben. Dazu hilft Ihnen die angesprochene Buchführung. Falls Sie sich noch nicht dazu entschließen konnten, Ihre Ausgaben regelmäßig aufzuschreiben, überschlagen Sie zumindest grob, was Sie pro Woche brauchen, und legen Sie diesen Betrag fest. Heben Sie nicht mehr ab als diesen Betrag. Wenn Sie etwas haben wollen, das über diesem Betrag liegt, sparen Sie dafür, bis Sie es sich im Rahmen Ihres Finanzplans leisten können. Für den Fall, dass Sie unerwartet mehr Bargeld brauchen, als Sie dabei haben, nehmen Sie einen größeren Geldschein mit, auf den Sie nur im Notfall zurückgreifen.

Gewinnen Sie die Kontrolle über Ihr Leben zurück

Schulden sind wie ein langsam wirkendes Gift, das die Lebensfreude, den Unternehmensgeist und die Liebe in Beziehungen nach und nach lähmt und abtötet. Manchmal lassen Arbeitslosigkeit und Schicksalsschläge wie Trennungen, Krankheiten und Unfälle keine andere Wahl, als kurzfristig Kredite aufzunehmen. Solche Schicksalsschläge sind Teil des Lebens. Sorgen Sie vor, indem Sie sich ein kleines Polster für solche Fälle zurücklegen.

Sie können auch kompetente Hilfe in Anspruch nehmen, wenn Sie in die Schuldenfalle hineingeraten sind. Finanzielle Fragen sind oft knifflig und für den Laien schwer durchschaubar. Es gibt fast in jeder Stadt Schuldnerberatungsstellen von verschiedenen sozialen Trägern, die Ihnen bei finanziellen Problemen helfen. Und es gibt Schuldnerselbsthilfegruppen, in denen Sie sich mit den dahinter liegenden Denkmustern und Gewohnheiten auseinandersetzen können. Entsprechende Adressen finden Sie im Internet unter http://www.forum-schuldnerberatung.de .

Weiterführende Literatur

  • Sebastian, Ulla (2001): Geld oder die Kunst, aus dem Vollen zu schöpfen. Walter 2001 (nur noch hier erhältlich)
  • Sebastian, Ulla (2011): Prinzip Lebensfreude. 4. Aufl. BoD
  • Heckenbach, Dieter (2001): Sekt statt Selters. Mehr Spaß mit weniger Geld. Societäts-Verlag
  • Menhard; Edigna (2002): Spaß beim Sparen. Taktik, Tipps und Tricks für Preissensible. Pearson Education

Autorin

Dr. Ulla Sebastian ist Psychologin, Therapeutin, Trainerin und Autorin.

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Erstellt am 23. August 2002, zuletzt geändert am 2. Juli 2015