Was macht einen guten Vater aus? Qualitäten von Väterlichkeit aus Eltern- und Kindersicht

Christina Luef

Luefchristina
 

Väter in Österreich haben durchwegs eine positive Beziehung zu ihren Kindern, die auch nach Trennung und Scheidung erhalten werden kann, so eine aktuelle Studie über positive Väterlichkeit. Zu den zentralen Aufgaben eines guten Vaters gehört heute neben der Übernahme von Verantwortung auch das Zeigen von Gefühlen. Alles Gewaltähnliche ist verpönt, dafür wird gemeinsam gespielt und herumgealbert und nebenbei die Welt erklärt. Die Rollen der Elternteile sind verschieden und damit auch Väterlichkeit und Mütterlichkeit. Mit dieser Feststellung treten die AutorInnen der Studie der “Gleichmacherei” der Geschlechterrollen entgegen. Erstellt wurde die Väterstudie vom Institut für psychosoziale Gesundheit Salzburg im Auftrag der Männerpolitischen Grundsatzabteilung des Österreichischen Sozialministeriums (BMSG). Bei der quantitativen Erhebung wurden 400 Väter in Österreich befragt, an der qualitativen Erhebung nahmen 25 Familien teil.

Eine positive Väterlichkeit beginnt bereits in der Zeit vor der Geburt. Förderlich sind, so zeigt die Studie über Väter, der beidseitige Kinderwunsch von Vater und Mutter sowie die Auseinandersetzung mit dem Kind vor einer Schwangerschaft. Verstärkt wird die väterliche Beziehung durch die gemeinsame Geburtsvorbereitung mit der Mutter und die Beteiligung des Vaters bei der Geburt. Die Wertschätzung des Kindes vor und nach der Geburt beeinflusst die Beziehungsqualität zum Kind positiv.

Was genau aber macht positive Väterlichkeit aus? Positive Väterlichkeit wird gleichgesetzt mit der Übernahme von Verantwortung, wobei die gefühlsmäßige Seite immer wichtiger wird. So genannte gute Väter “nehmen das Kind ernst, begegnen ihm mit Zuneigung, Offenheit und Verständnis und widmen ihm Zeit” . Sie wenden keine Gewalt an und verzichten auf das “unkontrollierte Ausleben ihrer Affekte” , wird in der Studie klargestellt. 72 % der befragten “guten Väter” sehen auch einen positiven Zusammenhang zwischen Väterlichkeit und männlicher Identität.

Aus der Sicht der “guten Väter” nehmen das Gespräch mit dem Kind, gemeinsame Spiele und Rituale, sportliche Aktivitäten, Wissensvermittlung und körperliche Begegnungen (Toben, Tollen, Kuscheln) einen wichtigen Stellenwert ein. Dem Lernen und der Wissensvermittlung durch den Vater wird auch von den Kindern große Bedeutung beigemessen. Dabei handelt es sich mehr um die Auseinandersetzung und das gemeinsame Erforschen neuer Wissensgebiete und weniger um die mit der Mutter geteilten schulischen Aufgaben.

Qualität bedeutet auch Zeit

Ein bis zwei Stunden täglich verbringen “gute Väter” mit ihren Kindern. Sind diese im Jugendalter, verkürzt sich die gemeinsame Zeit auf eine halbe Stunde. Am Wochenende nehmen sich Väter drei bis vier Stunden täglich Zeit für ihre Kinder. Die Untersuchung ergab auch, dass sich über die Hälfte der Kinder mehr Zeit mit dem Vater wünscht. Wichtiger als die gemeinsam verbrachte Zeit ist die Qualität der Beziehung, für deren Pflege allerdings wiederum Zeit aufgewendet werden muss.

Eine wichtige Funktion des Vaters ist es, dem Kind den Zugang zur Welt zu erleichtern: zuallererst durch die Förderung der motorischen Fähigkeiten und generellen Motivation und Ermunterung, später kommt die Förderung von Kenntnissen und Fähigkeiten sowie der Kontaktpflege zur Umwelt hinzu. Im Hauptschul- und Jugendalter ist die Förderung von Interessen und des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten eine wichtige “Weltöffnungsfunktion” des Vaters.

Die Erziehung aushandeln

“Gute Väter” sehen sich zu 80 % bei der Erziehung gleich engagiert wie die Mutter. Übereinstimmungen herrschen großteils bei Erziehungsfragen, der Haushaltsbeteiligung des Vaters, über die Gleichwertigkeit der Vater- und Mutterrolle sowie beim Kinderwunsch. Es zeigen sich aber unterschiedliche Schwerpunkte bei den Aktivitäten der Eltern mit ihren Kindern. Der Vater ist vor allem fürs Spielen, die Pflege sozialer Kontakte und für Alltagsrituale zuständig. Die mütterlichen Schwerpunkte sehen Väter in der Zubereitung der Mahlzeiten, bei der Wissensvermittlung und Lernhilfe. Es zeigt sich, dass dieselben Aufgaben wie z. B. Kommunikation, Sozialkontakte, Spielen von Vater und Mutter verschieden ausgeführt werden. Das wird auch von den befragten Kindern bestätigt.

Der kulturelle Wandel von männlich bestimmten (patrilinearen) zu geschlechtlich ausgewogenen (bilateralen) Verwandtschaftsbeziehungen zeigt sich auch im Aushandeln bzw. in der Aufteilung der Erziehungsaufgaben. 42 % der befragten Väter geben an, die Erziehungsaufgaben egalitär, also partnerschaftlich aufzuteilen, was ein wesentliches Kriterium positiver Väterlichkeit darstellt. Die eigenen Väter werden weniger zum Vorbild genommen als früher. Nur im ländlichen Raum scheint sich laut Befragung vermehrt eine traditionelle Aufgabenteilung zu halten. Die elterliche Aufgabenteilung sowie die Gewichtung zwischen Familie bzw. Kind(ern) und Erwerb müssen immer wieder hinterfragt und verändert werden, wird aus der Befragung ersichtlich.

Positive Väterlichkeit hilft bei Trennung und Scheidung

Trotz Trennung oder Scheidung ist es möglich, eine positive Väterlichkeit zu erhalten bzw. weiterzuentwickeln, ist ein weiteres Ergebnis der Studie. Der Kontakt getrennt lebender Väter zu ihren Kindern scheint intensiver zu sein, was vermutlich an der kurzen, aber gut genützten Besuchszeit liegt, in der die Beziehung gepflegt und gelebt wird. Anhand der erhobenen Daten wurden folgende Bedingungen zur Aufrechterhaltung einer positiven Vater-Kind-Beziehung bei Trennung bzw. Scheidung ausgearbeitet:

  • Vor der Trennung muss bereits eine tragfähige Beziehung bzw. Bindung zwischen Vater und Kind aufgebaut worden sein. Wichtig ist auch, dass die Vater-Kind-Beziehung von beiden Elternteilen als bedeutend für die Entwicklung des Kindes gesehen wird.
  • Während und nach der Trennung muss es beiden Elternteilen möglich sein, den Konflikt zum Partner bzw. zur Partnerin von der Beziehung zum Kind zu trennen. Eltern müssen Sorge tragen, dass der Konflikt nicht auf das Kind übertragen wird, und das Kind beispielsweise als Partnerersatz missbraucht wird.

Das Kind sollte zwischen den Lebenswelten von Vater und Mutter “hin- und herpendeln” können, ohne dadurch in Loyalitätskonflikte zu geraten. Die AutorInnen merken hier an, dass die gemeinsame Obsorge (Sorgerecht) eine gute Basis für dieses Vorhaben darstellen könnte.

Wie die Politik Eltern unterstützen kann

  • Männlicher und weiblicher Identität genügend Raum geben, ohne von der Grundforderung nach einer Gleichberechtigung in der Arbeitswelt oder nach gleicher Entlohnung bei gleicher Leistung abzuweichen
  • Gewünschte Flexibilität der Eltern unterstützen
  • Rahmenbedingungen für verschiedene Wege schaffen und um einen Einstellungswandel in der Gesellschaft herbeizuführen, damit grundsätzlich der Stellenwert des Zusammenlebens mit Kindern erhöht wird
  • Neben Väterkarenz (Elternzeit für Väter) auch flexible Lebensarbeitszeitmodelle, flexible Arbeitszeitgestaltung oder Heimarbeit bereitstellen, um der elterlichen Entwicklung zu genügen
  • Eine Brücke zwischen Familie, Gesellschaft und Arbeitswelt schlagen, damit Männer ihren väterlichen Bedürfnissen nachgehen können, ohne um den Arbeitsplatz fürchten zu müssen
  • Im Fall von Trennung und Scheidung die RichterInnen und AnwältInnen über die Bedeutung des Vaters für das Kind informieren

Literatur

Peter Ballnik, Elisabeth Martinetz, Ornella G. Ballnik:

"Lebenswelten Vater-Kind, positive Väterlichkeit und männliche Identität". Wien 2005

Die Publikation steht hier zum Download bereit.

Quelle

beziehungsweise 02/06 (Informationsdienst des Österreichischen Instituts für Familienforschung)

Abdruck mit freundlicher Genehmigung

Autorin

Mag. Christina Luef

Österreichisches Institut für Familienforschung (ÖIF)
Abteilung für Kommunikation & Information
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Tel.: +43-1/5351454-21

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Erstellt am 24. Februar 2006, zuletzt geändert am 03. Juni 2015