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Insgesamt wurden 126 Kinder, 128 Eltern und 119 Erzieher befragt. Prof. Dr. Gabriele Gloger-Tippelt und Dipl.-Psych. Karen Zweyer, Abteilung Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie des Erziehungswissenschaftlichen Instituts, stellten zusammen mit Klaus Kaselofski und Anneli Schniewind, beide vom Jugendamt der Stadt Düsseldorf (Abteilung Tageseinrichtungen für Kinder) die Untersuchungsergebnisse vor. Die soziale und emotionale Entwicklung der Kindergartenneulinge in den ersten zwei Wochen stand im Mittelpunkt der Studie. "Bisher wurde der Übergang von der Familie in den Kindergarten wenig erforscht, auch deshalb haben wir dieses Thema gewählt", so Karen Zweyer. Einflussfaktoren für eine leichte bzw. schwierige Eingewöhnungsphase sollten erkannt werden. Zweyer: "Es ist wichtig, diese Zeit so individuell und ideal wie möglich zu gestalten, um die Kinder optimal betreuen zu können." Dieser erste Einschnitt (Loslösung von der Familie, Trennung von der Mutter und beginnende Eigenständigkeit) wird für das Verhalten in der Gruppe und für die nächsten Bildungsschritte wie Einschulung und Übergang zur weiterführenden Schule prägend sein. Befragt wurden nur Zwei- bis Sechsjährige mit ausreichenden Deutschkenntnissen, zu 90 % Kinder deutscher Eltern. Repräsentativen Charakter hat demgegenüber die Verteilung des erreichten Bildungsabschlusses der Eltern. 70 Fragen zur neuen Gruppe, dem Ablauf der Eingewöhnungszeit (z.B. zeitliche Staffelung, Schnuppernachmittage etc.) und dem Selbstbild umfasste das Formular für Kinder. Von Erziehern wurden Eltern zu verschiedenen Variablen interviewt, z.B. Berufstätigkeit der Mutter, Erfahrung mit Fremdbetreuung und Vorhandensein von Geschwistern, anschließend in Fragebögen Sozialverhalten und Eigenschaften ihrer Kinder wie Schüchternheit, Impulsivität und Anpassungsfähigkeit an neue Situationen erhoben. Zusätzlich beobachteten die Erzieherinnen das Verhalten von Mutter und Kind, wenn die Kleinen morgens gebracht und später abgeholt wurden, oder wenn die Mutter länger im Kindergarten anwesend war. Prof. Gloger-Tippelt stellte die Ergebnisse vor: Allgemein beurteilten die meisten befragten Erzieher eine Eingewöhnungszeit im Jahr 2001 als eher unproblematisch und wenig anstrengend. Die meisten Kinder empfanden den Übergang von der Familie in den Kindergarten als einfach, einige jedoch auch als schwierig. Ca. ein Drittel der Kinder zeigte Probleme erst zeitlich verzögert. Obwohl die Eltern dem Kindergarteneintritt vorwiegend positiv entgegen gesehen hatten, fiel einigen die tatsächliche Trennung vom Kind nicht leicht. Rückblickend empfanden sie die Eingewöhnungsphase zumeist positiv, obwohl Trennungsängste der Mutter häufig stärker als beim Nachwuchs waren. Die Auswertung von Interviews und Befragungen ergab mehrere Einflussfaktoren. Bei Kindern, die bereits Erfahrung mit Fremdbetreuung hatten, z.B. zu einer Tagesmutter gingen, verlief die Eingewöhnung im Normalfall problemlos. Auch Kinder, die von ihren Eltern als anderen Kindern gegenüber hilfsbereit und unterstützend eingeschätzt wurden, und die sich selbst als von anderen Kindern akzeptiert sahen, zeigten nach Einschätzung der Erzieher eine eher problemlose Eingewöhnungszeit. Das Gleiche galt für Kinder, die sich der Wiederkehr der Mutter oder der Hauptbezugsperson sicher waren, da sie zu ihr eine vertrauensvolle Bindung aufgebaut hatten. Demgegenüber schienen folgende Merkmale keinen Einfluss auf den Verlauf der Eingewöhnung zu haben: Vorhandensein von Geschwisterkindern, Alter und Geschlecht des Kindes, Entfernung des Kindergartens zum Wohnort, Anzahl von Freunden und Erfahrung im Zusammensein mit anderen Kindern, Alter und Familienstand der Eltern sowie Berufstätigkeit der Mutter, Entwicklungsstand des Kindes, Eigenschaften wie Impulsivität, Schüchternheit oder Anpassungsfähigkeit an neue Situationen sowie Gruppengröße und Anzahl weiterer neuer Kinder in der Gruppe. Überrascht waren die Wissenschaftlerinnen davon, dass die Berufstätigkeit der Mutter offenbar keinen Einfluss auf die Eingewöhnung hat. Prof. Gloger-Tippelt: "Entscheidend ist die Beziehungsqualität, und zwar: wie die mit der Mutter verbrachte Zeit gestaltet wird. Das Kind braucht eine vorhersehbare Verlässlichkeit der Hauptbezugsperson Mutter oder Vater, an die es sich bei Krankheit, Belastung und in Stress-Situationen wenden kann. Auch so wird die Eingewöhnungsphase erleichtert." Unbedeutend waren ebenso der Entwicklungsstand der Kinder und die Geschwisterzahl, wo eher Einflussfaktoren vermutet worden wären. Es stellte sich heraus, dass hohe soziale Kompetenz der beste Schutzfaktor gegen Verhaltensabnormalitäten ist. Sind die Kinder emotional und sozial stabil, ist dies eine wichtige Voraussetzung für besseres Lernen. Weitere Informationen
Prof. Dr. Gabriele Gloger-Tippelt QuelleHeinrich-Heine-Universität Düsseldorf (Beate Lorenz) | ||
Letzte Änderung: 02.08.2004 10:01:30 |