ZUM TEXTHauptmenüHauptseiteFamilienhandbuch-Forum Stichwortsuche von A bis ZAktivitäten mit KindernAngebote/Hilfen Behinderung Elternschaft Ernährung Erziehungsbereiche Erziehungsfragen Familie und Beruf Familienbildung Familienforschung Familienpolitik Gesundheit Häufige Probleme Haushalt/Finanzen Jugendforschung Kindertagesbetreuung Kindheitsforschung Kindliche Entwicklung Leistungen für Familien Partnerschaft Rechtsfragen Schule Teil- und Stieffamilien Trennung/Scheidung VerschiedenesImpressumKontakt | ZUM MENÜBeratung durch die SchuleWerner H. Honal Schulberatung hilft Familien bei SchulfragenMütter und Väter von Schulkindern haben viele Fragen; sie suchen und suchen. Das reicht von Informationsfragen wie zum Beispiel "Wo ist die nächste Schule mit einem bilingualen Unterrichtsangebot?" bis zur Nothilfe "Wir sind ganz verzweifelt, unser Sohn ist in den Schulleistungen stark abgefallen und jetzt selbst gegen seine eigene Mutter äußerst aggressiv". Oft stecken selbst hinter scheinbar einfachen Fragen, wie zum Beispiel der nach dem nächstgelegenen Internat für die Realschule, komplexere Beratungsbedürfnisse. Eigentlich suchen die Eltern ein Internat, weil die Lern- und Arbeitstechniken unzureichend sind oder weil das Zusammenleben mit anderen Schülern ständig mit unlösbaren Konflikten belastet ist. Mit solchen Anliegen geht die Schulberatung auf verschiedenen Ebenen professionell um, hilft Familien über die Adresse hinaus weiter.Beratungsfelder der SchulberatungSchulberatung befasst sich, wie es der Name sagt, mit dem gesamten Feld der Schule. Das beginnt mit dem Übergang aus dem Kindergarten, dem richtigen Zeitpunkt der Einschulung, dem passenden Förderort, wenn sich bei der Einschulung in die Grundschule oder bei Lernstörungen ein besonderer Förderbedarf ergibt, und endet mit dem Übergang in Studium oder Beruf, wenn Schulen Wege suchen, dabei wirksam zu helfen.Schulberatung befasst sich mit der Wahl einer für das Kind geeigneten Schule, kennt das differenzierte Angebot der Profile innerhalb der einzelnen Schularten, aber auch die Durchlässigkeit zwischen den Schularten inklusive der Möglichkeiten, bei Rückkehr aus dem Ausland oder einem anderen Bundesland eine passende Schule zu finden. Schulberatung befasst sich mit der Frage, ob es sinnvoll ist, eine Jahrgangsstufe zu wiederholen oder eine Nachprüfung abzulegen, wie ein Kind optimal auf eine entsprechende Prüfung vorbereitet werden kann, aber auch damit, ob die Bewertung der Schulleistungen des Kindes allgemeinen Standards entspricht. Schulberatung befasst sich mit den Übergängen, zum Beispiel dem Übergang von der Grundschule in die Realschule und das Gymnasium, von dem qualifizierenden Hauptschulabschluss in eine Berufsfachschule oder in eine duale Berufsausbildung, von dem Realschulabschluss in eine Fachoberschule oder in eine Berufsausbildung, vom Gymnasium in ein Studium an der Universität oder der Fachhochschule oder in eine Berufsausbildung. Schulberatung hilft Kindern und Eltern bei Verhaltensauffälligkeiten und schulischen Konflikten, hilft die Lernvoraussetzungen zu klären, Schwächen und Störungen (z.B. Legasthenie, Dyskalkulie, Aufmerksamkeitsdefizite) zu diagnostizieren, Hilfsmöglichkeiten zu erörtern und einzuleiten. Schulberatung leistet selbst keine Therapie. Schulberatung arbeitet im Feld Schule und Lehrer, berät zum Beispiel die Lehrerkonferenz bei der inneren Schulreform der eigenen Schule, hilft Stärken und Schwächen einer Schule und ihr eigenes Profil zu finden. Kooperationspartner der SchulberatungSchulberatung setzt die spezifische Akzente auf die Beratung in der Schule für die Schulen, für Kinder, Jugendliche und Eltern (natürlich ebenfalls für junge Erwachsene, die zum Beispiel den Zweiten Bildungsweg ansteuern). Dieses Spezialwissen bringt sie auch in der Zusammenarbeit mit anderen Beratungsfachdiensten ein, zum Beispiel mit den Fachleuten der Erziehungsberatung, bei denen die Beratung der Kinder, Jugendlichen, Eltern und Familien im Vordergrund steht, mit der Berufsberatung, bei der es um den Übergang in eine Berufsausbildung oder eine Berufstätigkeit geht, mit der Studienberatung, bei der es um die bestmögliche Studienwahlvorbereitung und die Einmündung in den geeigneten Studiengang geht. An Knotenpunkten der Schulberatung, z.B. in Bayern an den staatlichen Schulberatungsstellen, gibt es weitere Kooperationsangebote: Dort können Schulen zum Beispiel abrufen, wer für eine Supervision in der Region in Betracht kommt oder wer als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut eine Legasthenie aus fachärztlicher Sicht diagnostizieren kann.Sind Ratschläge auch Schläge?Das Beratungsverständnis der Schulberatung geht weit über die reine Informationsvermittlung hinaus. Natürlich hat die Schulberatung Experten mit umfangreichem pädagogischem Fachwissen zum Schulsystem und zur psychischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Die ausgebildeten Mitarbeiter der Schulberatung - Schulpsychologen/innen und Beratungslehrkräfte - wissen aber auch, Informationen am richtigen Ort und in der richtigen Weise einzusetzen, damit Beratung nicht auf "Rat schlagen" oder "Tipps geben" verringert wird. Daher beraten sie so, dass die Ratsuchenden selbst tatsächlich in die Lage versetzt werden, mit dem nötigen Hintergrundwissen eine richtige Entscheidung für ihr Schulkind zu treffen. Bekanntlich wird dies durch "Tipps" deshalb nicht erreicht, da diese nicht offenlegen, welche Bedeutung und welche Quellen die einzelnen Informationen haben und welche komplexen Zusammenhänge bestehen. Die Beratungsfachkräfte der Schulberatung geben daher in der Regel auch keine schnellen Auskünfte, sondern versuchen, in einem Gespräch mit den Anfragenden bzw. den Ratsuchenden aufzuklären, unter welchen Bedingungen und für welches Ziel die Informationen - etwa zur Förderung eines Kindes - nachgefragt werden. Erst nach diesem "diagnostischen Umweg", der in konkreteren Fällen auch den Einsatz von Tests erforderlich macht, ergeben sich Stärken und Schwächen, Pro und Contra verschiedener Wege, welche die ratsuchenden Eltern oder Jugendlichen selbst abwägen können.In der Schulberatung gibt es vier Grundpositionen, die deren professionellem Beratungsverständnis entsprechen.
Wer hilft den Familien weiter?Jede Lehrkraft hat Beratung als DienstaufgabeNeben Unterrichten und Erziehen gehört Beraten zu den Aufgaben einer jeder Lehrkraft. Erste Anlaufstelle ist daher für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Väter und Mütter die einzelne Lehrkraft selbst. Damit gibt es sehr viele Berater in der Schule, leider oft ohne spezielle Ausbildung für diese Dienstaufgabe. Jede Lehrkraft bietet für die Beratung in der Schule eigene, in Rundschreiben ausgewiesene Sprechstunden an; dass sie "nah vor Ort" tätig ist hat den Vorteil der internen Sachkenntnisse, aber auch den Nachteil der schwerer einschätzbaren Unabhängigkeit. Da jeder Schulleiter, jede Schulleiterin Lehrkraft war und bleibt, leisten auch die Schulleitung und ihre Mitarbeiter/innen eine "erste Beratung". Allerdings taucht hier die Schwierigkeit auf, dass bei der Schulleitung Beratung und Entscheidung nicht leicht zu trennen sind, die Beratung damit eingeschränkt wird.Ausgebildete Beratungslehrkräfte für jede SchuleIn vielen Ländern, zum Beispiel in Bayern, gibt es darüber hinaus für jede Schule eine in der Regel ausgebildete (zumindest fortgebildete) Fachkraft für Schulberatung, die Beratungslehrkraft. Sie ist selbst Lehrkraft in der Regel an einer einzelnen Schule, bietet über die allgemeine Lehrersprechstunde hinaus eigene Sprechzeiten an, gibt Rundschreiben und Merkblätter heraus und ist über die Telefonnummer der Schule auch für Gesprächstermine zu gewinnen, die außerhalb der bekanntgegebenen Sprechzeiten liegen. Eltern lernen die Beratungslehrkräfte oft auch schon bei den nach den Schulordnungen vorgesehenen Elternversammlungen und Informationsveranstaltungen zur Wahl des schulischen Bildungswegs und zum Übertrittsverfahren kennen, da sie dabei mitwirken. Beratungslehrkräfte haben zum Beispiel in Bayern eine Ausbildung an der Universität, die sie befähigt, geeignete Formen der Gesprächsführung einzusetzen, die Komplexität von Lern- und Verhaltensschwierigkeiten zu erkennen, diagnostische Verfahren wie zum Beispiel Schulleistungstests durchzuführen, die Durchlässigkeit des Schulsystems den Ratsuchenden aufzuschließen, pädagogische Hilfen aufzubauen und mit anderen Fachleuten zusammen zu arbeiten.Ausgebildete Schulpsychologen/innen für mehrere SchulenEiner der Kooperationspartner der Beratungslehrkraft ist der regionale oder zentrale Schulpsychologe bzw. die Schulpsychologin, den/die Kinder und Eltern auch direkt erreichen können. Schulpsychologen/innen haben eine Doppelqualifikation als Lehrkraft und als fachwissenschaftlich ausgebildete Psycholog/innen (Staatsexamen oder Diplom). Sie haben die gleichen Aufgabenfelder wie die Beratungslehrkraft (Schullaufbahnberatung, Hilfe bei pädagogisch-psychologischen Problemen, Beratung von Schule und Lehrern, Übergänge in Studium und Beruf, Kooperation). Ihre Ausbildung befähigt sie aber zu einer tiefergehenden Diagnostik und zu pädagogisch-psychologischen Hilfen für die Bewältigung von Lern- und schulisch ausgelösten Lebenskrisen. Die Adressen der zuständigen Schulpsychologen/innen erfahren die Eltern an der eigenen Schule, die dazu in der Regel zu Schuljahresbeginn ein Informationsblatt mit den Beratungseinrichtungen herausgibt.Zentrale SchulberatungsstellenIn den meisten Ländern gibt es auch zentrale Stellen der Schulberatung. Sie sind - auch in den Schulferien - 40 Stunden in der Woche erreichbar. In Bayern zum Beispiel sind dies die so genannten staatlichen Schulberatungsstellen, die auch Auskunft geben können, wer vor Ort als Schulpsychologe Eltern, Kindern und Jugendlichen weiterhelfen kann. Diese staatlichen Schulberatungsstellen sind in den Bezirken angesiedelt, dem Kultusministerium zugeordnet und mit Beratungsfachkräften (Beratungslehrkräfte, Schulpsycholog/innen und weitere Mitarbeiter) aller Schularten (Grund-, Haupt- und Förderschulen, Realschulen, Gymnasien und berufliche Schulen) besetzt. Neben der Einzelberatung, die in schwierigen Fällen auch an diesen Stellen direkt möglich ist, geben die Schulberatungsstellen Informationen für die Öffentlichkeit weiter und klären - auch mittels der Medien - über die vielfältigen Möglichkeiten des Schulwesens auf. Sie betreuen in fachlicher Hinsicht die Beratungslehrkräfte und die Schulpsychologen im Bezirk. Dazu veranstalten sie Dienstbesprechungen und Fortbildungstage, verfassen Rundschreiben und betreiben Internet-Angebote, z.B. in Bayern die Homepage http://www.schulberatung.bayern.de. Als zentrale Stellen unterstützen sie die jeweils vorgesetzten Stellen bei der Aufsicht über die Schulberatung, stehen daher mit der Schulaufsicht ebenso in Verbindung wie mit wissenschaftlichen Einrichtungen (z.B. den Staatsinstituten und den einschlägigen Einrichtungen der Universitäten). Dabei geht es darum, neuere Erkenntnisse aus den Wissenschaften für die Beratung der konkreten einzelnen Familien vor Ort nutzbar zu machen.Verantwortung: Schulministerium und LandtagFür die Schulberatung tragen das Schulministerium und das Landesparlament die politische Verantwortung. Das Landesparlament verankert die Schulberatung im Schulgesetz (z.B. in Bayern in Art. 78 Abs. 3 des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen - BayEUG - ), gibt der Schulberatung besondere Aufträge (z.B. die Hilfe bei Legasthenie), beschließt die besoldungsmäßige Einstufung (z.B. als Beratungsrektor in der Schulberatung) und begrenzt durch den Haushalt für alle Schulen und den Haushalt der Schulberatungsstellen auch die verfügbare Zeit (z.B. über die Lehrerplanstellen mit so genannten Anrechnungsstunden), die Beratungsfachkräfte für Kinder und Eltern haben. Das Schulministerium (in Bayern z.B. das Staatsministerium für Unterricht und Kultus) erlässt die Richtlinien zur Schulberatung, beruft die Leiter/innen der zentralen Stellen der Schulberatung, stellt deren Haushalt auf, erstellt z.T. gemeinsam mit den zentralen Stellen der Schulberatung Schulinformationen auf Landesebene und regelt die Ausbildung und die Prüfungen zum Staatsexamen für die Beratungslehrkräfte und für Schulpsychologen/innen. Der verantwortliche Referent im Ministerium sorgt auch dafür, dass Schulberatung als Dienstleistung des Staates und der Kommunen in der gesamten Verwaltung beachtet wird (z.B. durch guten Informationsfluss) und von allen Bürgern - vor allem den Familien - leicht genützt werden kann.Ausbau der Internet-AngeboteDazu dienen vor allem Informationen im Internet, vom "Behördenwegweiser" (z.B. in Bayern http://www.baynet.de) über die Landesangebote der Schulministerien, die im "Deutschen Bildungsserver" zusammengestellt sind, bis hin zu den Homepages der Schulen (zu finden auch über die regionale Schulaufsicht und über http://www.schulweb.de), die verstärkt auf ihr örtliches Angebot zur Schulberatung hinweisen. Der "Deutsche Bildungsserver" ist v.a. im Ordner Schule (Schulwesen, Behörden/ Ämter/ Institute, Schulen, Beratung, Lehrpläne/ Richtlinien, Programme/ Projekte, Unterricht, Medien/ Ausstattung/ Administration, Kommunikation, Ferienkalender, Schüleraustausch/ Klassenfahrten, Bildungsserver) einschlägig. Er bietet auch den Sprung auf die Landesbildungsserver (z.B. in Bayern auf http://www.schule.bayern.de) Durch diese umfangreichen digitalen Informationen wird eine gute Grundlage für die dann meist noch notwendigen persönlichen Gespräche gelegt.AutorWerner H. Honal, Studiendirektor und Leiter der Staatlichen Schulberatungsstelle Obb.West; Lehrbeauftragter für Schulberatung an der Ludwig-Maximilians-Universität München; Herausgeber der Loseblattsammlungen: Handbuch der Schulberatung und: Handwörterbuch der Schulleitung; beide mvg-Verlag Landsberg/L. Adresse
Staatlicher Schulberater Obb.W. | ||
Letzte Änderung: 14.07.2004 10:24:29 |