ZUM TEXTHauptmenüHauptseiteFamilienhandbuch-Forum Stichwortsuche von A bis ZAktivitäten mit KindernAngebote/Hilfen Behinderung Elternschaft Ernährung Erziehungsbereiche Erziehungsfragen Familie und Beruf Familienbildung Familienforschung Familienpolitik Gesundheit Häufige Probleme Haushalt/Finanzen Jugendforschung Kindertagesbetreuung Kindheitsforschung Kindliche Entwicklung Leistungen für Familien Partnerschaft Rechtsfragen Schule Teil- und Stieffamilien Trennung/Scheidung VerschiedenesImpressumKontakt | ZUM MENÜFrühförderung für blinde und sehbehinderte KinderMarina Strothmann und Marlies Trantow Werden Eltern mit der Tatsache konfrontiert, dass ihr Kind ernste Probleme mit dem Sehen hat oder gar blind ist, fühlen sie sich zunächst meist völlig hilflos und überfordert: Was bedeutet eine massive Sehbehinderung oder Blindheit für den weiteren Lebensweg meines Kindes? Wird es einen normalen Kindergarten, eine normale Schule besuchen können? Wo gibt es Spezialeinrichtungen? Was für Hilfsmittel benötigt mein Kind? Kann man denn gar nichts tun? Was muss ich wissen, um richtig mit ihm umzugehen und und und. Neben vielen Fragen, die den praktischen Umgang mit dem Kind und seine Zukunft betreffen, ergeben sich aus diesem unvorhergesehenen Ereignis "Sehbehinderung" oder "Blindheit" auch eine Reihe von psychosozialen Problemen. Häufig durchleben Eltern am Anfang die qualvolle Zeit des Fragens nach dem "Warum", sie setzen sich Selbstvorwürfen aus oder treffen Schuldzuweisungen. Sie glauben, den gesunden Geschwisterkindern nicht mehr gerecht zu werden. Auch fühlen sie sich häufig alleingelassen und am Ende ihrer Kräfte. Spätestens jetzt ist professionelle Hilfe notwendig. Die Blindeninstitutsstiftung ist eine Einrichtung, die bayernweit und auch in Thüringen blinde und sehbehinderte Kinder umfassend schulisch betreut. Sie hat darüber hinaus in den genannten Bundesländern Frühfördereinrichtungen aufgebaut, die für sehbehinderte und blinde Kinder und ihre Familien im Rahmen einer regelmäßigen mobilen pädagogischen Hausfrühförderung Beratung und Unterstützung anbieten. Diese Frühfördermaßnahmen sind für die Familien kostenlos. Sie werden nach dem Bundessozialhilfegesetz finanziert. In der Regel werden die Familien in wöchentlichem Rhythmus von FrühförderInnen besucht, die für diese Aufgabe spezifisch qualifiziert sind. Es sind überwiegend HeilpädagogInnen, ErgotherapeutInnen oder ErzieherInnen mit einschlägigen Erfahrungen, die mit blinden- bzw. sehbehindertenpädagogischen Prinzipien vertraut sind und ihren Wissensstand über die besonderen Belange ihrer Klientel kontinuierlich in systematisch stattfindenden Fortbildungen erweitern. Sie arbeiten eng mit Fachdiensten zusammen, die in der Regel eine pädagogische, sonderpädagogische, sozialpädagogische oder psychologische Ausbildung haben und aus ihrem fachlichen Blickwinkel die Kinder und ihre Familien mitbetreuen. So führt die PsychologIn z.B. regelmäßig eine Entwicklungs- und/oder Wahrnehmungsdiagnostik bei den Kindern durch und kann auch jederzeit zu Beratungsgesprächen mit den Eltern oder zur Krisenintervention angefordert werden. Auch eine Orthoptistin steht den Familien zur regelmäßigen Überprüfung der Sehfunktionen der Kinder zur Verfügung. In wöchentlich stattfindenden Teambesprechungen ist ein regelmäßiger interdisziplinärer Austausch über die Kinder gewährleistet. Darüber hinaus finden Absprachen mit den vor Ort betreuenden Kinder- und Augenärzten und anderen medizinischen Berufsgruppen wie KrankengymnastInnen und LogopädInnen statt. Besucht das Kind in Wohnortnähe eine schulvorbereitende Einrichtung, so treffen sich FrühförderIn und BetreuerIn in regelmäßigen Abständen, um ihre Beobachtungen auszutauschen und weitere Förderschritte abzustimmen. Die Kinder werden von Geburt an bis zum Schuleintrittsalter betreut. Einige der Kinder haben neben ihrer Sehbeeinträchtigung bzw. Blindheit noch weitreichende andere Probleme - wie Körperbehinderungen oder schwere Mehrfachbehinderungen -, wieder andere sind hörsehbehindert oder taubblind. Allen diesen Kindern ist gemeinsam, dass sie in irgendeiner Weise eine Schädigung des Sehsystems erlitten haben. Je nach Ursache, Erscheinungsform und Ausmaß der Schädigung werden die Kinder nach individuellen Behandlungsplänen gefördert. Die Frühförderung hat den umfassenden Auftrag, das sehbehinderte bzw. blinde Kind in seiner gesamten Entwicklung zu unterstützen. Dies umfasst die Förderung von Bewegung, Sprache, Spiel und Wahrnehmung sowie die Förderung des noch vorhandenen Sehvermögens. Auf der Grundlage einer ausführlichen Entwicklungsdiagnostik und einer Diagnostik der visuellen Funktionen wird zusammen mit den Eltern entschieden, welche Hilfe das Kind in den unterschiedlichen Entwicklungsbereichen braucht. Die visuelle Förderung hat das Ziel, dem Kind das Sehen als bedeutungsvolles Mittel zur Eroberung der Welt bewusst zu machen. Die Seherfahrungen, die es dazu benötigt, kann das Kind in der Welt der Normalsichtigen nicht ohne weiteres machen. Die Dinge, die es zu sehen gibt, sind häufig nicht kontrastreich genug und weder in ihrer Struktur noch in ihrer Größe für das Kind gut wahrnehmbar. Die FrühförderIn versucht deshalb, die Welt für das Kind sichtbarer zu machen: Sie sorgt für angemessene Beleuchtung, leuchtende Farben, gut strukturierte Muster beim Spielzeug und in der Umgebung des Kindes. Dabei orientiert sie sich an dem Wissen über die Sehentwicklung und über die Funktionsweise des Sehsystems. Ziel aller Angebote ist, das Kind zum Hinschauen zu motivieren und ihm zu vermitteln, "Sehen lohnt sich für mich". Dies bedeutet zum einen, dass die Sehangebote kindgemäß gestaltet werden und zum anderen, daß die Seherfahrungen nicht auf die Fördersituation begrenzt bleiben, sondern in den Alltag des Kindes Eingang finden - das Kind lernt z.B. durch die optische Gestaltung, sein Spielzeug oder seinen Essplatz auch visuell wahrzunehmen. Die Förderung vollblinder Kinder zielt darauf ab, sie zu größtmöglicher Selbständigkeit und Mobilität zu führen. Das heißt zunächst, sie dabei zu unterstützen, sich durch Tasten und Hören zu orientieren und sich so angstfrei in ihrer Umgebung zu bewegen. Die Kinder lernen, sich auf ihre anderen Sinne zu verlassen, und erobern sich so ihre Lebenswelt. Darüber hinaus werden ihnen spielerisch erste Fertigkeiten vermittelt, die zum späteren Erwerb der Kulturtechniken notwendig sind, wie z.B. das Unterscheiden verschiedener Oberflächen durch Tasten. Die Frühförderung betreut auch Kinder, bei denen beide Fernsinne, also Hören und Sehen, beeinträchtigt sind. Diese hörsehbehinderten und taubblinden Kinder können von sich aus kaum Erfahrungen darin machen, dass und wie man mit anderen Personen in Beziehung treten kann. Vorrangiges Ziel ihrer Förderung ist deshalb vor allem der Aufbau von Kommunikation - auf welcher Ebene auch immer. Alle Förderschritte erfolgen in enger Abstimmung mit den Eltern. Sie bleiben zu jedem Zeitpunkt die bestimmenden Akteure des Geschehens. Ihre Zuneigung zu ihrem Kind und ihr Wissen um seine Bedürfnisse sind für die Arbeit der Frühförderung eine wichtige Grundlage, aus der heraus sinnvolle Anregungen für den Alltag erwachsen. Die Frühförderung steht den Eltern beratend zur Seite: sei es bei speziellen Erziehungsfragen oder bei Fragen zur allgemeinen Entwicklung des Kindes, sei es bei Fragen, die mit der Sehschädigung zusammenhängen, oder bei Fragen zu Kindergartenbesuch und weiterer Schullaufbahn. Ebenso erhalten die Eltern Auskunft über Möglichkeiten der Hilfsmittelversorgung und bei behindertenrechtlichen und finanziellen Fragen. Die Frühförderung vermittelt Kontakte zu anderen Familien und bietet - je nach Gegebenheiten der einzelnen Frühförderstellen - die Teilnahme an unterschiedlichen Veranstaltungen, z.B. an Schwimm- oder musiktherapeutischen Gruppen, an. Beratungs- und Informationsveranstaltungen für Kindergärten und schulvorbereitende Einrichtungen können auf Wunsch ebenfalls durchgeführt werden. AutorinnenBeide Autorinnen arbeiten seit vielen Jahren in der Frühförderung für blinde und sehbehinderte Kinder der Blindeninstitutsstiftung in München. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Entwicklungs- und Wahrnehmungsdiagnostik, Sensorische Integrationstherapie, Visuelle Stimulation bzw. Sehrestschulung, Team- und Einzel-Supervision. Adresse
Marina Strothmann, Dipl.-Psych., Psychotherapeutin | ||
Letzte Änderung: 18.12.2008 11:01:19 |