| ZUM TEXT | | Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP) ZUM MENÜJugendliche in der GroßstadtTanja Hoff & Reinhold Bergler Resümee
Die vorliegende Studie belegt, welche vielfältigen Risiken im Großstadtleben auch aus Sicht dort lebender Jugendlicher bestehen; die Nachteile und Risiken der Großstadt (z B. Kälte, Herzlosigkeit, oberflächliche soziale Kontakte, Anonymität, Kriminalität, Lärm usw.) erfahren dabei eine wesentlich stärkere emotionale, gefühlsgesättigte Bewertung als die wahrgenommenen Vorteile. Nicht zuletzt sind 63 Prozent der Jugendlichen - als Opfer, wohl aber auch zum Teil als Täter - bereits persönlich in Kontakt mit Gewalt und Kriminalität gekommen. Wesentlich für die Bewältigung der Großstadtrisiken erweisen sich Freunde und Cliquen, die Halt, Schutz und Geborgenheit bieten. Entgegen eines häufigen Vorurteils besitzen die befragten Jugendliche differenzierte Einstellungen zur Politik und zu Politikern; deren negative Wertung und die damit verbundene fehlende Identifikation mit dem politischen System weisen jedoch auf eine für die Politik selbst risikoreiche Entwicklung von Ablehnung und dann auch fehlender Beteiligung der Jugendlichen an der Politik hin. Potentiell risikobehaftete Entwicklungen zeigen sich aber auch in der Lebensstilorientierung der befragten Großstadtjugendlichen: Lediglich 27,4 Prozent der Jugendlichen sehen traditionelle und soziale Werte wie ein gutes Verhältnis zu den Eltern, Zufriedenheit, Erfolg, Leistungsmotivation, aktive Förderung der Gesundheit, soziales Engagement, Freiheit von Sucht usw. als zentral für ihre persönliche Lebensstilorientierung an. Die vielfältigen erlebten Risiken des Großstadtlebens, aber auch die Qualität der politischen und sozialen Einstellungen der befragten Großstadtjugendlichen fordern sowohl Politiker als auch Pädagogen, Psychologen, Mediziner wie auch die Eltern auf, sich Gedanken über ihre eigene Verantwortung und Funktion als Vorbild und Unterstützung der Jugendlichen zu machen. Ausgangslage
Das Thema "Jugendliche / Junge Leute" ist nicht erst in der Gegenwart und nicht nur in unserem Kulturkreis stets gleichbleibend aktuell sowohl in privaten als auch in öffentlichen Diskussionen. Durch Dramatisierung und Generalisierung von Negativfällen werden jedoch Fehlbeurteilungen und damit die Vorurteilsbildung gegenüber Jugendlichen erheblich gefördert. Nicht selten dient allerdings die so veröffentlichte Negativ-Meinung auch als Alibi für die nur allzu gern verdrängten eigenen Fehlverhaltensweisen von Eltern und Lehrern im Umgang mit ihren Kindern und Schülern. Neben allgemeinen Rahmenbedingungen und Risikofaktoren einer konfliktären kindlichen und jugendlichen Entwicklung (z. B. die Qualität der Eltern-Kind-Beziehungen, die demographische Situation von Kindern und Jugendlichen wie zunehmende Scheidungsraten oder konfliktreiche Elternbeziehungen, zunehmende Einzelkinder etc.) sind Jugendliche in der Großstadt unabhängig von individuellen und familiären Konfliktfeldern verstärkt einer Vielzahl zusätzlicher Risiken ausgesetzt. Eine ökologisch orientierte Sozialpsychologie hat in vielfältiger Hinsicht die Großstadt als Risikofaktor menschlicher Lebensqualität zu untersuchen. Dabei spielt der Begriff der Reizüberflutung eine zentrale Rolle. Milgram (1970) hat das System Großstadt unter systemtheoretischen Aspekten analysiert: An sich würde - so die Argumentation - die Anzahl, Dichte und Heterogenität der Reize, von denen ein Mensch in der Großstadt objektiv betroffen wird, zu einer Überlastung des Systems führen. Der Mensch schützt sich nun aber vor einer solchen Überbelastung durch die Entwicklung ganz bestimmter Adaptationsmechanismen wie z.B.
- Nichtbeachtung von Reizen niedriger Priorität
- Verkürzung der Zeit der Reizverarbeitung
- Delegation von Verantwortlichkeit auf Institutionen wie z.B. das Sozialamt.
Die Konkretisierung der Risikofaktoren in der Großstadt führt in den sozialwissenschaftlichen Analysen bisher zu folgendem zusammengefassten Ergebnis:
- Oberflächlichkeit / flüchtiger Charakter sozialer Beziehungen: Verlust der Gemeinschaft - Zustand sozialer Leere - Defizit an Geborgenheit.
- Beschränkung erlebter Verantwortlichkeit: Defizit an prosozialem Verhalten, Defizit an Höflichkeit und einfacher Sittlichkeit (z.B. kein Anbieten eines Sitzplatzes in der Straßen-/U-Bahn, keine Entschuldigung für Fehlverhalten) - Defizit an Hilfsbereitschaft.
- Anonymität: Distanzierung gegenüber Fremden - Verweigerung von Höflichkeit: "Neue Normen des Nicht-Engagements" - Entfremdung - Abkapselung des Einzelnen - Vereinsamung.
- Zunehmende Gruppenegoismen: Abgrenzung - Misstrauen - Bespitzelung ("Stasi-Syndrom") - Feindseligkeit - Juristische Auseinandersetzungen / Prozesse mit Mietern, Nachbarn.
- Fehlende soziale Kontrolle: Vernachlässigung - Verwahrlosung - Entwicklung von Aggressivität.
- Denaturierung: Verlust von Selbstverständlichkeiten: Man kennt sich nur in bestimmten Rollen, also nur segmentär: Der Mensch in seiner Ganzheit wird immer unzugänglicher.
- Kinderfeindlichkeit: Ablehnung von Familien mit Kindern: Soziale Intoleranz - Vernachlässigung von Kindern in der Gesellschaft
- Überreglementierung, Verbürokratisierung: Abbau der Fähigkeit zur Risikobewältigung - Abbau von Selbstverantwortlichkeit - Abbau von Vertrauen, Offenheit - Abbau von sozialer Toleranz - Behauptung des ICH in der Bürokratie - Maximierung von Vorurteilen

Wie in unserer Untersuchung gezeigt werden kann, nehmen auch Jugendliche diese Risikofaktoren im Großstadtleben wahr. Medizinern, Psychologen und Pädagogen, aber auch Eltern stellt sich hier die immer dringlichere Aufgabe, Möglichkeiten der Prävention zu finden und zu entwickeln. Wieweit dabei auch Heimtiere eine Bedeutung haben können, ist eine zunehmend diskutierte Frage und deshalb Gegenstand einer weiteren Untersuchung von uns (vgl. den Handbuchbeitrag Bergler & Hoff: "Wenn ein Hund für Jugendliche in der Großstadt zum Freund wird"). Aufgabenstellung
Unserer Untersuchung lag eine mehrfache Aufgabenstellung zugrunde:
- Analyse der Risikofaktoren jugendlicher Entwicklung in der Großstadt Berlin.
- Analyse der Erlebnis- und Beurteilungsmuster sozialer Bezugspersonen und Bezugsgruppen wie z.B. Eltern, Freunde/Clique, Schule, Beruf.
- Analyse der politischen Einstellungen, des Freizeitverhaltens, der Lebensstile, Lebenszufriedenheit, Stress- und Affektbelastung sowie der allgemeinen Stimmungslage.
Stichproben, Erhebungs- und Auswertungsmethoden
Der Repräsentativstudie liegt eine Stichprobe von 400 Jugendlichen im Alter von 11 bis 18 Jahren im Stadtgebiet von Berlin zugrunde. Berücksichtigt wurden 205 männliche und 195 weibliche Jugendliche; 239 sind Schüler, 120 berufstätig bzw. in der beruflichen Ausbildung und 41 Jugendliche sind arbeitslos. Die Auswertung der Daten erfolgte nach Häufigkeitsverteilungen, Mittelwertsvergleichen, Faktorenanalysen der Skalen, Clusteranalysen und Tests zur Prüfung von Gruppenunterschieden nach den Kriterien der praktischen Signifikanz (Signifikanzwert (sig.), Kontingenzkoeffizient CC bzw. eta 2). Ergebnisse
1. Das Erleben der Großstadt durch Großstadtjugendliche
Jugendliche erleben - so die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung - ihre Großstadt sehr ambivalent. Eher rational wahrgenommene Vorteile des Lebens in der Großstadt:| + |
Vielfalt und Abwechslungsreichtum |
| + | Unterhaltung "rund um die Uhr" |
| + | Vielzahl und Verschiedenartigkeit kultureller Angebote |
| + | Qualität der öffentlichen Verkehrsmittel |
| + | Unbegrenztheit der Einkaufsmöglichkeiten |
| + | Unbegrenztheit der Sport- und Kontaktmöglichkeiten |
| + | Vielzahl von Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsplatzangeboten |
Diesen subjektiven Vorteilen stehen stärker gefühlsgesättigte Nachteile und Risiken der Großstadt gegenüber: Sie werden von den Jugendlichen vielfach sehr anschaulich und auch differenziert beschrieben - sie sind in hohem Ausmaß davon selbst persönlich tangiert und betroffen. Einige wörtliche Aussagen vermögen dies zu veranschaulichen: | - | Kälte / Herzlosigkeit / Keine Hilfsbereitschaft: "... Stadtleute sind so kalt miteinander; in der U-Bahn gucken alle starr vor sich hin, wenn da jemand mit Herzinfarkt vom Sitz kippen würde, würden sie über ihn hinwegsteigen; wenn in der U-Bahn jemand angegriffen wird, schauen alle weg; neulich brauchte ein Blinder Hilfe, aber alle schauten weg, da bin ich hingegangen; ich habe mal in der U-Bahn nach einer Haltestelle gefragt, aber keiner hat geantwortet, obwohl sie voll besetzt war; alle hängen mit einer solchen Flappe durch die Gegend; wenn man morgens in die U-Bahn kommt, dann sitzen die alle so versteinert da oder klemmen sich hinter die Zeitung, da kommt kein Lächeln rüber ..." |
| - | Oberflächliche Freundschaften: "... ich kenne zwar viele Leute, habe aber nur zwei gute Freundinnen; der enge Kontakt ist gar nicht so erwünscht, man sagt: melde Dich mal wieder, aber wehe, Du meldest dich tatsächlich; meine Cousine auf dem Land hat viel längere und engere Freunde ..." |
| - | Durch die Größe der Stadt bedingte Anonymität, Isolation: "... wenn man zu Behörden muss, muss man Nummern ziehen und die Warteräume sind riesig groß, da wird einem die Anonymität so richtig bewusst; die Entfernungen sind so groß, da muss man eine Stunde fahren bis zu Freunden; man hat überhaupt keinen Kontakt zu den Leuten; jeder geht seinen eigenen Weg und kümmert sich gar nicht umeinander; nach der Schule laufen alle auseinander, jeder rennt für sich nach Hause; hier ist man sehr einsam, es ist alles anonymer; auf dem Dorf ist es besser, dort kennt jeder jeden; auf dem Land sind die Menschen miteinander vertrauter ..." |
| - | Verbrechen, Kriminalität, Drogen: "... ich gehe abends nach 21 Uhr nie alleine auf die Straße; Überfälle; selbst Waffen und Sprengstoff sind relativ leicht zu beschaffen; man kommt sehr schnell an Drogen, weil die Junkies auf der Straße rumliegen; wenn z.B. Skinheads kommen und ich laufe mit meiner Mutter durch die Stadt, habe ich Angst, weil meine Mutter Akzent spricht; dass einem in der Kneipe jemand schlägt; Schlägereien überhaupt ..." |
| - | Lärm: "... so laut ist es; ich kann nirgendwo hingehen, ohne dass im Hintergrund Lärm ist; die Stille fehlt mir manchmal ..." |
| - | Viele Autos, Verkehrschaos, Unfälle: "... starker Straßenverkehr; zu wenig Fahrradwege; Fahrradfahren ist sehr gefährlich ..." |
| - | Nervenaufreibende Hektik: "... alles ist so hektisch; Hektik, Unrast ..." |
| - | Abrutschen in schlechte Gesellschaft: "... dass man selbst in was hineingezogen wird; dass man da schnell in das reinschliddert; man kann leicht selbst abrutschen ..." |
| - | Wenig Natur: "... wenig Natur; wenig grün; zu viel Beton; man kann keine Ausflüge ins Grüne machen; man hat keine Natur vor der Tür ..." |
| - | Krankheiten: "... Aids; ansteckende Krankheiten; Allergien ..." |
| - | Sexuelle Belästigungen: "... sexuelle Belästigung; Vergewaltigung; als Mädchen kann man schlecht allein weggehen ..." |
| - | Überangebot an Freizeitveranstaltungen: "... es gibt so viele Freizeitaktivitäten, dass man davon erschlagen wird ..." |
| - | Rechtsradikalismus: "... die Neonazis wollen uns Autonome mit aller Macht beseitigen ..." |
| - | Konsumzwang: "... man gibt zu leicht Geld aus ..." |
| - | Wohnsituation: Wohnsilos: "... nur so Hochhäuser; Trabantenstädte; man hockt in den Wohnsilos so eng aufeinander, da muss man sich stärker abschotten ..." |
| - | Materielle Einstellung vieler Großstädter: "... da ist alles nur auf schnelle Kohle aus ..." |
Darüber hinaus erleben junge Menschen vielfach hautnah immer wieder Kriminalität, Drogenkonsum, frühen Zugang zu Alkohol und Zigaretten, Prostitution, Schule schwänzen, S-Bahn-Surfen, Graffiti sprühen, Aggressivität "rauslassen", Vergewaltigung u.ä. Nur 37 Prozent aller Jugendlichen in der qualitativen Pilotstudie hatten noch keinen persönlichen Kontakt mit Kriminalität oder Gewalt. An erlebten Gewaltsituationen werden sehr konkret beschrieben:
| * | Beobachtung von Schlägereien: "... habe erlebt, wie Fidschis die Zigaretten von einer Bande weggenommen wurden und verprügelt wurden; habe Prügelei zwischen Türken und Wessis erlebt; Glatzköpfe haben Vietnamesen Zigaretten weggenommen und Pistole an die Schläfe gehalten; Prügelei in der Disco zwischen Türken und dem Bruder meines Freundes, der ungerechtfertigt angegriffen wurde ..." |
| * | Persönliche Beinahe-Vergewaltigung / Sexuelle Belästigung: "... ich wurde schon dreimal sexuell belästigt; wurde schon einmal im Schwimmbad angegriffen und fast vergewaltigt, bin in der U-Bahn angegrapscht worden, habe ihm eine geklebt, dann hat er zurückgeschlagen und andere Leute haben mir geholfen; wer mich anfasst, kriegt eine gedonnert ..." |
| * | Gewalt in Verbindung mit Alkohol / Alkohol als Voraussetzung von Gewalt: "... da war auch ganz viel Alkohol im Spiel; meist in Kneipen und in Verbindung mit Alkohol oder Joints ..." |
| * | Bedrohung / versuchter Raub: "... auf dem Kudamm haben mich welche angesprochen, ob ich Geld habe, dann haben sie versucht, mich zusammenzuschlagen, bin aber abgehauen ..." |
| * | Klauen als Kavaliersdelikt: "... die Klauerei in der Schule; das Klauen in Kaufhäusern ist doch schon nur noch ein Kavaliersdelikt; es gibt bei uns Wetten, wer zuerst zehn Autos gefunden hat, die nicht verschlossen sind, die wir klauen können ..." |
| * | Persönliche Verwicklung in Schlägereien. | Die Vielfalt der berichteten Großstadtrisiken spiegelt die von den Jugendlichen selbst wahrgenommene Risikolastigkeit des persönlichen Lebensumfeldes eindrücklich wider; als besonders häufig vorkommende Gefahren werden von den befragten Jugendlichen aus Berlin mit hohen Nennungshäufigkeiten beschrieben:
| Stress, Hektik, Lärm | 92,0% |
| Kriminelles, aggressives Umfeld und Aggressionsbereitschaft | 89,8% |
| Umweltverschmutzung | 89,7% |
| Risiko des Abgleitens in die Kriminalität, den Drogenkonsum, Alkohol: Entwicklung sozialer Fehlverhaltensweisen | 87,0% |
| Arbeitslosigkeit | 85,9% |
| Anonymität, Einsamkeit und Verlassenheit der Menschen | 80,7% |
| Geringe zwischenmenschliche Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme | 75,8% |
| Geringere Hemmschwelle, um Verbotenes zu tun | 75,0% |
| Fehlende Naturverbundenheit | 71,8% |
| Fehlende Sensibilität gegenüber mitmenschlicher Not | 67,5% |
| Fehlende echte Freundschaften | 37,3% | 2. "Der Großstadtjugendliche"
In dem prototypischen Vorstellungsbild über den "Großstadtjugendlichen", wie es die Jugendlichen selbst beschreiben, spiegelt sich letztlich nochmals das subjektive Großstadterleben in seinen positiven wie auch negativen Wertigkeiten wider: Wie sehen Jugendliche den typischen Großstadtjugendlichen? (Mittelwert; Skala von 1 = "trifft weniger zu" bis 7 = "trifft zu"; N = 400)| Großstadtjugendliche liegen oft vorne, wenns drum geht, was "in" ist. | 5,7 |
| Bei Großstadtjugendlichen gibts häufiger Kriminalität. | 5,7 |
| Großstadtjugendliche kommen leichter mit Alkohol und Drogen in Kontakt. | 5,7 |
| Im Leben von Großstadtjugendlichen gibts ne Menge Action. | 5,5 |
| Großstadtjugendliche können leicht an schlechte Freunde geraten und deswegen zu kleinen Straftaten hingerissen werden. | 5,4 |
| Viele Großstadtjugendliche haben viele verschiedene Interessen. | 5,4 |
| Viele Jugendliche hier haben eine ganz schön große Schnauze und sind ganz schön eingebildet. | 5,3 |
| Jugendliche in der Großstadt sind oft gesellig und feiern gerne. | 5,3 |
| Viele Jugendliche hier ziehen sich fetzig an. | 5,2 |
| Die meisten Großstadtjugendlichen sind nicht so naturverbunden. | 5,2 |
| Die Jugendlichen hier sind oft ganz schön hektisch. | 5,1 |
| Großstadtjugendliche sind häufig ganz schön aggressiv, weil hier alles so anonym und unpersönlich ist. | 5,0 |
| Die Großstadtjugendlichen leben nicht so "hinter dem Mond" wie die meisten Jugendlichen auf dem Land. | 5,0 |
| Großstadtjugendliche sind häufig flexibler und finden sich schneller zurecht als Jugendliche vom Land. | 5,0 |
| In der Großstadt gibts ganz schön viele Null-Bock-Typen. | 4,8 |
| Großstadtjugendliche sind oft abgestumpfter und abgebrühter als Jugendliche vom Land, die bringt gar nichts mehr aus der Fassung. | 4,8 |
| Die Jugendlichen hier sind meistens nicht so naiv. | 4,8 |
| Viele Jugendliche in der Großstadt sind einfach lockerer, besser drauf. | 4,8 |
| Hier (Großstadt) sind alle extra cool. | 4,5 |
| Bei Großstadtjugendlichen gibts meistens weniger Zusammenhalt als auf dem Land. | 4,4 | Das Psychogramm des Großstadtjugendlichen aus Sicht von Jugendlichen ist demnach vielschichtig und in seiner Grundbewertung ambivalent: Es reicht von der Aktualität modischer Orientierung, Vielfalt der Interessen, Flexibilität des Verhaltens, Geselligkeit, Orientierungssicherheit bis hin - und dies mit einer größeren Bandbreite - zu vielschichtiger Selbstinszenierung, einem hektischen Verhaltensstil, Bereitschaft zu Aggression, Leistungsverweigerung, Drogen- und Alkoholkonsum, krimineller Gefährdung und Bereitschaft. Die Qualität der Wahrnehmung und des Erlebens der Großstadt ist weitgehend bei allen Jugendlichen gleich. Unabhängig davon, wieweit man davon selbst betroffen ist, existiert also gleichsam ein bewusst wahrgenommener Katalog von Großstadtrisiken bei den Jugendlichen. Wie man selbst dann mit diesen Risikofaktoren umgeht, ob man sie in irgendeiner Form bewältigen kann, ist eine Frage zusätzlicher Einflussfaktoren, auf die im Folgenden einzugehen sein wird. 3. Das soziale Umfeld der Großstadtjugendlichen: Jugendliche und ihre Freunde
Freunden kommt bei Jugendlichen generell ein hoher Stellenwert zu: 85 Prozent der Jugendlichen beurteilen den besten Freund / die beste Freundin als "absolut wichtig", lediglich 15 Prozent bewerten die besten Freunde als "nicht ganz so wichtig". Hinsichtlich der Wichtigkeit der Clique, also das häufige Treffen von bestimmten Bekannten und/oder Freunden gibt es im Vergleich mit dem Elternhaus durchaus Unterschiede: Etwa 55 Prozent der Jugendlichen bewerten ihre Clique im Vergleich zu den Eltern als "nicht ganz so wichtig". Wie bedeutsam letztlich die Freunde und Cliquen aber für die Jugendlichen sind, lässt sich am besten anhand ihrer eigenen Aussagen veranschaulichen: "... ohne Freunde ginge es nicht; sonst wäre ich ja ganz allein; ich habe niemand anders; die Clique ist mein ein und alles; ohne Freunde kann man nicht sein; ich wäre todunglücklich ohne Freunde; wenn man den festen Freund verlässt, hat man immer noch die Clique ...". Freunde und Cliquen sind für Jugendliche von zentraler Bedeutung: Sie vermitteln subjektiv gerade in der Großstadt Halt, Schutz und Geborgenheit. Bei jugendlichen Arbeitslosen (10,25 % der Gesamtstichprobe) ist die Clique von praktisch noch größerer Bedeutung, weil sie Mutlosigkeit, Vereinsamung und Verzweiflung zu verhindern vermag: "... die halten mich über Wasser, was die Stimmung betrifft; ohne die Freunde hätte ich das Gefühl, ich wäre tot; die sprechen mir Mut zu; die sind mein einziger Halt ...". 4. Großstadtjugendliche und Politik
Die Einstellung der Jugendlichen zu unserem Staatswesen ist absolut unbefriedigend und von einem deutlichen Identifikationsverlust und zunehmendem Disengagement geprägt, wobei sich Jugendliche in diesen Bewertungsmustern demographisch (also z. B. im Alter, Geschlecht, Schulart etc.) nicht unterscheiden: 62 Prozent der 400 Großstadtjugendlichen stimmen der Aussage "Ich finde unseren Staat so, wie er ist, nicht gut" zu, während lediglich 38 Prozent die derzeitige Politik und Staat positiv bewerten. Die Begründungen der vielfach affektiv vorgetragenen Kritik sind heterogener Natur: Positive Merkmale von Staat und Politik aus Sicht der Jugendlichen (N = 400):| # | Meinungsfreiheit
| 62 % |
| # | Hohes Ansehen Deutschlands in der Welt
| 53 % |
| # | Die deutsche Demokratie als beste Staatsform
| 46 % |
| # | Das soziale Netz als ausreichende Sicherheit
| 36 % |
| # | Zufriedenheit mit dem Lebensstandard
| 25 % | Negative Merkmale von Staat und Politik aus Sicht der Jugendlichen (N = 400)| ~ | Rechtsextremismus |
81 % |
| ~ | Bestechlichkeit der Politiker |
80 % |
| ~ | Egoismus der Politiker: Selbstbereicherung |
79 % |
| ~ | Politiker: Worte ohne Handlungsverwirklichung |
79 % |
| ~ | Zunahme der Klassenunterschiede |
77 % |
| ~ | Fehlende Akzeptanz der Jugendlichen in der Gesellschaft |
75 % |
| ~ | Rücksichtslosigkeit der Gesellschaft gegenüber Randgruppen |
67 % |
| ~ | Unverständnis gegenüber der Regierungspolitik |
66 % |
| ~ | Linksextremismus |
49 % |
| ~ | Deutschland als Gesellschaft der Verbote |
46 % |
| ~ | Affektive Ablehnung des Staatswesens |
27 % | Positive Aspekte wie Meinungsfreiheit oder die deutsche Demokratie als beste Staatsform finden zwar bei den befragten Großstadtjugendlichen Zustimmung, jedoch in einem weitaus eingeschränkteren Maße als dies bei wahrgenommenen negativen Aspekten der Politik und Politiker der Fall ist. Die Kritik der Jugendlichen richtet sich vor allem gegen rechtsradikale Gruppierungen und Einstellungen, an die deutschen Politiker, die aufgrund der wahrgenommenen Bestechlichkeit, Selbstbereicherung und fehlenden Handlungsverwirklichung ihrer Versprechen für die Jugendlichen weder glaubwürdig, vertrauenswürdig noch sympathisch und dann auch nicht vorbildhaft sind. Zudem werden im hohen Maße die soziale Gesellschaftsstruktur mit einer Zunahme von Klassenunterschieden und Rücksichtslosigkeit gegenüber gesellschaftlichen Randgruppen kritisiert. Entgegen eines häufigen Vorurteils weisen die befragten Jugendlichen differenzierte Einstellungen zur Politik und zu Politikern auf, bei denen jedoch die fehlende Identifikation mit dem politischen System Risikofaktoren der Ablehnung und dann auch fehlenden Beteiligung ("Politikmüdigkeit") darstellen. 5. Das Freizeitverhalten von Großstadtjugendlichen
Die Vielzahl möglicher Freizeitaktivitäten wird verständlicherweise von den Jugendlichen in unterschiedlichem Ausmaß wahrgenommen; angesichts vielfältiger Vorurteile über die "Jugend von heute" ist es aber nicht uninteressant, auf einige spezielle Ergebnisse hinzuweisen: - So berichten 58 Prozent der 400 Jugendlichen, dass sie immer auch einmal alten Menschen und 49 Prozent der Befragten immer einmal wieder bei kranken Menschen Hilfe leisten.
- Über 90 Prozent der Jugendlichen
- gehören keinem Fan-Club an.
- lehnen S-Bahn-Surfen ab.
- sind nicht in einem Musikverein, einem Chor, einem Heimatverein oder einer kirchlichen Jugendgruppe.
- Zwischen 60 und 90 Prozent der Jugendlichen
- sind keine "Graffiti-Künstler".
- besuchen keine politischen Veranstaltungen.
- programmieren keine Computer.
- sammeln keine Briefmarken, Bierfilze o.ä.
- sehen sich keine Sexfilme an.
- spielen kein Musikinstrument.
- 20 Prozent der Jugendlichen lesen überhaupt keine Bücher; Comics werden von 40 bzw. 42 Prozent der Jugendlichen ebenfalls nicht gelesen.
Die vorliegenden Ergebnisse sollten zur Nachdenklichkeit über jugendliches Verhalten anregen und hilfreich beim Abbau von Vorurteilen sein, dabei aber keine neuen Negativbilder über Jugendliche etablieren. Insbesondere sollten sich Eltern, Lehrer und Politiker angesichts der vorliegenden Ergebnisse einmal wieder Gedanken über ihre eigene Verantwortlichkeit unter dem Aspekt der Vorbildautorität machen. 6. Der Lebensstil von Großstadtjugendlichen
Jugendliche unterscheiden sich wesentlich danach, in welchem Ausmaß sie unterschiedliche Zielvorstellungen der eigenen Lebensqualität für sich persönlich als wesentlich, wichtig und zutreffend erachten. Diese Zielvorstellungen der eigenen Lebensqualität lassen sich psychologisch auf vier Dimensionen (Faktoren) abbilden: Faktorenanalyse: Gesamtgruppe der Jugendlichen (N = 400); Gesamtvarianzaufklärung = 41,1 Prozent; Angabe der Mittelwerte (Skala von 1 = "weniger wichtig" bis 7 = "eher wichtig")| Faktor I (VA: 22,8 %): Traditionelle Werte; Soziale Orientierung | Mittelwert |
| .70 | Mit meinen Eltern gut auszukommen | 5,7 |
| .68 | Zufriedenheit | 6,1 |
| .67 | Erfolg | 5,9 |
| .63 | Gesundheit | 6,4 |
| .62 | Keine anderen Leute zu belästigen | 4,9 |
| .61 | Anderen Leuten zu helfen, etwas Gutes zu tun | 5,2 |
| .61 | Wohlbefinden | 6,0 |
| .56 | Gemütlichkeit | 5,6 |
| .56 | Eine gute Kondition zu haben | 5,3 |
| .54 | Anregung, Aktivierung | 4,9 |
| .53 | Urlaub | 5,8 |
| .52 | In der Schule/Arbeit/Beruf gut zu sein | 5,5 |
| .50 | Freiheit von Abhängigkeit und Sucht | 5,6 |
| .46 | Saubere Umwelt | 5,7 |
| Faktor II (VA: 7,7 %): Freiheit und Genuss | |
| .66 | Freiheit | 6,3 |
| .66 | Zärtlichkeit | 5,6 |
| .65 | Spaß | 6,4 |
| .63 | Genuss | 5,7 |
| .56 | Liebe | 6,2 |
| .52 | Abwechslung | 5,8 |
| .51 | Sex | 5,1 |
| .45 | Selbstsicherheit | 6,0 |
| .44 | Nicht allein zu sein | 5,8 |
| .44 | Zusammensein mit anderen | 6,0 |
| .40 | Mich gegen meine Eltern durchzusetzen | 4,6 |
| Faktor III (VA: 6,8 %): Cool und erwachsen wirken; Konsumorientierung | |
| .71 | Mir immer die Sachen kaufen zu können, die gerade "in" sind | 4,2 |
| .67 | Cool auszusehen | 4,4 |
| .60 | Mir alles kaufen zu können, was ich will | 4,5 |
| .54 | Keine Schwächen zu zeigen | 4,6 |
| .51 | Älter, erwachsener zu wirken | 3,9 |
| .46 | Anders zu sein | 3,8 |
| .45 | Aggressiv zu sein | 2,4 |
| .43 | Gutes Aussehen | 5,3 |
| .43 | Abenteuer | 5,0 |
| .40 | Anerkennung in der Clique, bei Freunden | 5,5 |
| Faktor IV (VA: 3,8 %): Entspannung, Selbstbelohnung | |
| .53 | Entspannung, Beruhigung | 5,7 |
| .41 | Mich selbst für etwas zu belohnen | 4,2 | Anhand dieser Wert- und Zielorientierungen lassen sich die Jugendlichen mit Hilfe von Clusteranalysen zu Typen der Lebensstilorientierung zusammenfassen; Jugendliche des einen Clusters unterscheiden sich dabei maximal von Jugendlichen der anderen Cluster in ihren Vorstellungen, Orientierungen und Bewertungen der Lebensstildimensionen Traditionelle Werte / soziale Orientierung, Freiheit / Genuss, cool-erwachsene Selbstdarstellung / Konsumorientierung und Entspannung / Selbstbelohnung. In unserem Falle ergeben sich vier qualitativ deutlich voneinander unterscheidbare Typen, von denen zunächst der besseren Übersichtlichkeit wegen zwei zentrale Typen ausführlich charakterisiert werden sollen: Typ 1: Der Typ des sozial Integrierten (27,4 % der befragten Jugendlichen)
Jugendliche des ersten Typs besitzen eine ausgeprägte Orientierung an sozialen und traditionellen Werten; sie suchen Entspannung, Geborgenheit, aber auch Gemeinsamkeit und Zärtlichkeit; sie sind bzw. wollen sozial angepasst sein und finden auch auffällige Außenseiter weniger sympathisch. Besonders wichtig im Bereich traditioneller Werte sind ihnen Gesundheit, Freiheit von Abhängigkeit und Sucht, Zufriedenheit, Erfolg und Wohlbefinden. Die starke soziale Orientierung der Jugendlichen vom Typ 1 spiegelt sich in der großen Bedeutung des Zusammenseins mit anderen und in dem Wunsch, andere Menschen nicht zu belästigen, wider; sie legen großen Wert auf eine gute und intakte Beziehung zu ihren Eltern. Älter und erwachsener zu wirken, cool auszusehen und keine Schwächen zu zeigen, besitzt für die Jugendlichen dieses Typs keine ausgeprägte Bedeutung. Ein vorzeitiger Erwachsenenstatus wird von ihnen nicht angestrebt. Weiter kennzeichnend für diesen Jugendlichentyp ist der Wunsch, Spaß zu haben. Insgesamt liegt eine ausgeprägte Partnerschaftsorientierung vor: Liebe und Zärtlichkeit und das Bedürfnis, nicht allein zu sein, erhalten bei diesem ersten Lebensstiltyp die höchsten Wichtigkeiten im Vergleich zu allen anderen Gruppen. Typ 1 lässt sich demnach vor allem anhand seiner Orientierung an traditionellen Werten und seiner starken Partnerschaftsorientierung charakterisieren.
Typ 2: Der Typ des Coolen (33,4 % der befragten Jugendlichen)
Die Jugendlichen dieser Lebensstilgruppe zeigen durchgängig eine zum ersten Typ gegenläufige Orientierung. Die persönlichen Ziel- und Wunschvorstellungen der Lebensqualität sind zentral bestimmt von den Wünschen nach Konsum, Erwachsensein, Attraktivität, Abenteuer; man möchte keine Schwächen haben und sie noch weniger zeigen. Eine Orientierung an traditionellen Werten und sozialen Beziehungen liegt nur im geringen Maße vor. Der subjektiv gewünschte Lebensstil beinhaltet eine Reihe von Risikofaktoren: Vor allem Gesundheit und Freiheit von Abhängigkeit und Sucht erhalten im Vergleich zum ersten Typ sehr niedrige Bewertungen. Obwohl das Zusammensein mit anderen in dieser Gruppe ebenfalls sehr wichtig ist, besitzt der Wunsch, andere nicht zu belästigen, keine ausgeprägte Wichtigkeit. Ein kennzeichnendes Merkmal des zweiten Typs ist der - im Vergleich mit allen anderen Gruppen - stark ausgeprägte Wunsch, sich gegenüber den Eltern durchsetzen zu können; mit den Eltern gut auszukommen besitzt nur eine mittlere Wichtigkeit. Attraktiv und wichtig sind hingegen für Typ 1 das Bedürfnis, erwachsen zu wirken, cool auszusehen, keine Schwächen zu haben oder zu zeigen und die Anerkennung bei gleichaltrigen Freunden zu finden. In der zweiten Lebensstilgruppe sind somit Jugendliche zusammengefasst, für die ein vorzeitiger Erwachsenenstatus sehr erstrebenswert erscheint. Das Zeigen von typischen Verhaltensweisen Erwachsener dient möglicherweise auch dazu, Anerkennung von Freunden und Bekannten zu erhalten. Genuss und Spaß haben für die Jugendlichen dieser Gruppe ebenfalls eine zentrale Bedeutung. Die Beziehungsorientierung ist bei den Jugendlichen des Typs II nicht stark ausgeprägt: Liebe, Zärtlichkeit, Sex und das Bedürfnis, nicht alleine zu sein, erhalten nur mittlere Wichtigkeiten. So entsteht insgesamt das Bild von Jugendlichen, die traditionelle Werte eher ablehnen und eine niedrige Gesundheitsorientierung haben. Die Jugendlichen in dieser Gruppe bemühen sich, keine Schwächen zu zeigen und "cool" zu bleiben. Sie besitzen jedoch eine hohe Genussorientierung bei gleichzeitig fehlender zentraler Bedeutung von partnerschaftlichen Beziehungen.
Neben Typ 1 mit seiner ausgeprägten sozialen, traditionellen und partnerschaftlichen Orientierung und Typ 2 mit seiner ausgeprägten Konsum-, Selbstdarstellungs- und Genussorientierung lassen sich zwei weitere Typen der jugendlichen Lebensstilorientierung herausfiltern, die allerdings geringer ausgeprägte persönliche Zustimmung zu den verschiedenen Lebensstilwerten aufweisen: Typ 3: Der Typ des Freiheits- und Genussliebenden (26,2 % der befragten Jugendlichen): Für Typ 3 besitzen vor allem Freiheitsgefühle und Genuss zentralen Stellenwert im eigenen Lebensstil; traditionelle und soziale Werte ebenso wie Entspannung und Selbstbelohnung spielen hingegen für Typ 3 eine untergeordnete Rolle. Er neigt allerdings auch nicht zu einer coolen, erwachsenen Selbstdarstellung und Konsumorientierung.
Typ 4: Der entspannungs- und selbstbelohnungsorientierte Typ (13,0 % der befragten Jugendlichen): Typ 4 beurteilt vor allem Entspannung und Selbstbelohnung als zentral innerhalb seines Lebensstils und orientiert sich nur wenig an traditionellen, sozialen Werten, an der eigenen Selbstdarstellung oder an Konsum- und Genussmöglichkeiten.
7. Allgemeine Lebenszufriedenheit der Großstadtjugendlichen
Vor dem Hintergrund der bereits dargestellten Risikofaktoren der Großstadt gerade für Jugendliche in der Pubertät wurde unter anderem die allgemeine Lebenszufriedenheit miterhoben, die ein wesentlicher Indikator der emotionalen Befindlichkeit ist und daher auch das individuelle Verhalten in besonders ausgeprägtem Maße mitbestimmt. In der allgemeinen Lebenszufriedenheit, also der pauschalen Bewertung der erfreulichen und weniger erfreulichen Dinge des eigenen Lebens, überrascht der Befund, dass 25 Prozent aller Jugendlichen mit ihrem Leben nicht zufrieden sind. Die benannten Gründe dafür sind mannigfacher Art: - Schulstress
- Arbeitslosigkeit
- Langeweile
- Probleme und Konflikte mit den Eltern
- Verhaltensvorschriften der Eltern: Ausgehen usw.
- Antriebslosigkeit
- Fehlen wirklich guter und dauerhafter Freundschaften
- Minderwertigkeitsgefühle
- Fehlende Berufswahlmöglichkeiten
- Ungerechte Behandlung / Anforderungen von anderen
- Ausländerfeindlichkeit
- Keine bezahlbaren Wohnungen in Deutschland
- Geldmangel.
Autoren
Kontaktadresse der Autoren: Prof. Dr. Tanja Hoff
Prof. Dr. phil. Dipl.-Psych. Tanja Hoff, geb. 03.04.1970; Studium der Psychologie und Theoretischen Medizin 1994-2000 an der Universität Bonn, Promotion 2002; freiberuflich in der angewandten Sozialforschung, Kommunikations-, Gesundheits-, Genuss-, Eindrucks- und Ausdruckspsychologie; langjährige Berufserfahrung in der psychiatrischen Krankenpflege für Jugendliche und Erwachsene.
Adresse Prof. Dr. Tanja Hoff EFH Freiburg Bugginger Str. 38 79114 Freiburg
Univ.-Prof. (emeritus) Dr. phil. Reinhold Bergler geb. 24.01.1929; Studium der Psychologie, Pädagogik und Soziologie; Direktor des Psychologischen Instituts der Universität Bonn 1969 -1994; Forschungsschwerpunkte: Vorurteile und Verhalten, Unternehmenskultur und Führung, Identität und Image, Frau und Werbung, Psychologie des ersten Eindrucks, persönliches und öffentliches Hygiene- und Gesundheitsverhalten, Genuss und Gesundheit, Irrationalität und Risiko, präventive, rehabilitative, copädagogische und cotherapeutische Wirkung von Heimtieren
Internet: http://www.hoff-bergler.de | |