Helmut Lukesch
Einleitung: Subjektive Einschätzungen versus objektive Wirkungen des Gewaltmedienkonsums
Auf subjektiver Ebene, und viele Erzieher teilen diese Meinung, findet man häufig die Einschätzung, dass man selbst durch Medien wenig beeinflussbar ist; allenfalls glaubt man, dass es bei anderen Effekte in Bezug auf das Verhalten und Erleben aufgrund des Medienkonsums geben könnte, selbst sei man davon aber nicht betroffen. Dies ist ein gut dokumentierter Befund, der in der Medienforschung unter der Bezeichnung
Third Person Effect bekannt ist. Besonders stark tritt dieser
Third Person Effect bei dem Thema der Aggressivitätssteigerung und einer negativen Weltwahrnehmung aufgrund von Gewaltdarbietungen in den Medien auf (Hoffner et al., 2001). Diese auf subjektiver Ebene stattfindende Relativierung von Medien-Effekten scheint dadurch erklärlich zu sein, dass Menschen von sich ein positives Selbstbild aufrecht erhalten wollen; und dazu gehört auch, dass sie ihre Reaktionen auch in Bereichen zu kontrollieren glauben, wo sie dies nicht können.
Die Diskussion über die realen Wirkungen des gewalthaltigen Medienkonsums ist in Deutschland aber noch durch eine weitere Hypothek belastet: nämlich mit der Unwissenheit der Diskutanten, welche die breite empirische Befundlage zu dem Thema nicht kennen. So verwundert es, wenn etwa Michael Kunczcik (1995) verspricht, den "aktuellen Stand der Diskussion" zur Wirkung von Gewaltdarstellungen zu berichten, aber in seinem Beitrag eine völlige Gleichgültigkeit gegenüber dem Großteil der Forschungsliteratur und gerade der neueren Forschungsliteratur offenbart.
Für die eigentliche Behandlung des Themas soll im Folgenden mit empirisch abgesicherten Befunden argumentiert werden. Dabei werden zentral sog. Metaanalysen herangezogen, d.h. Studien, welche auf methodisch nachvollziehbarem Weg die Ergebnisse der vielfältigen einzelnen Untersuchungen zur empirischen Medienforschung zusammenfassen. Solche Arbeiten liegen nur aus dem anglo-amerikanischen Raum vor, und zwar sind es im wesentlichen folgende vier Studien, in denen etwa 400 Primäruntersuchungen verarbeitet sind, an denen etwa eine halbe Million Probanden beteiligt war.
Tabelle 1: Metaanalysen zur Wirkung von Mediengewalt
| Autor(en) | abgedeckter Zeitraum | Anzahl der einbezogenen Primärstudien oder Effekte | Anzahl der in den Primärstudien enthaltenen Versuchspersonen |
| (1) Andison (1977) | 1956 - 1976 | 67 | ca. 30.000 |
| (2) Hearold (1986) | 1929 - 1977 | 230 / 1.043 | ca. 100.000 |
| (3) Wood, Wang & Chachere (1991) | 1956 - 1988 | 23 | . |
| (4) Paik & Comstock (1994) | 1957 - 1990 | 217 / 1.142 | . |
Lexikon der populären Irrtümer über den Gewaltmedienkonsum
Im Folgenden sollen häufig in der Öffentlichkeit vorgetragene Argumente über die Auswirkungen von Mediengewalt unter diesem Stichwort aufgegriffen und auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden.
Lexikon der populären Irrtümer 1:
Die angebliche Inkonsistenz der Ergebnisse und die Uneinigkeit der Forscher
Jutta Röser meint etwa (2000, S. 16): "Inhaltlich sehe ich ... nur eine gesicherte Erkenntnis: Demnach ist "die wesentliche Konsistenz der Wirkungsforschung die Inkonsistenz ihrer Ergebnisse". Mit anderen Worten: Die Befunde lassen sich nicht zu einem Bild zusammenfügen." Was ist aber im Unterschied zu dieser Äußerung Tatsache?
Zieht man die angesprochenen Metaanalysen heran, so belegen nach der frühesten Studie von Andison (1977) 39,7% aller Untersuchungen über die Auswirkungen von Mediengewalt einen mittel bis stark positiven Zusammenhang in Richtung der Stimulationsthese, 37% einen schwach positiven; 19,2% der Studien weisen in Richtung einer Nullbeziehung und nur 4,1% deuten als schwach negative Ergebnisse in Richtung der Katharsisthese. Nach Hearold (1986) ist im Mittel ein bedeutsamer Gesamteffekt zwischen Fernsehgewalt und Aggressivität zu finden (z-Werte: .30) und Wood, Wang und Chachere (1991) berechnen einen mittelstarken Zusammenhang zwischen Gewaltdarbietung und aggressivem Verhalten (d = .27 bzw. .40); Paik und Comstock (1994) kommen zu einem ähnlich großen Gesamteffekt ( r = .32 bzw. d = .65).
Zusammenfassend findet sich also über alle Studien hinweg und ohne nach Filmarten oder Rezipientenmerkmalen zu differenzieren als Globaleffekt ein deutlicher Beleg für die aggressionssteigernde Wirkung des gewalthaltigen Medienkonsums. Eine Interpretation in Richtung der immer wieder beschworenen Katharsisthese lässt sich hingegen nicht belegen.
Lexikon der populären Irrtümer 2:
Die Wirkungen des Gewaltmedienkonsums sind nur schwach ausgeprägt.
Michael Kunczik meint (1995, S. 46): "Die Koeffizienten (zwischen dem Konsum von Fernsehgewalt und Gewaltindikatoren) variieren ungefähr zwischen 0,1 und 0,2 ... Allerdings ist darauf hinzuweisen, daß sich die Konvention durchgesetzt hat, Korrelationskoeffizienten, deren Stärke geringer als 0,2 sind, als unbedeutend und uninterpretierbar nicht weiter zu beachten." Ist dies tatsächlich so oder gibt es hierzu Gegenargumente?
Die Größe der Effekte des gewalthaltigen Medienkonsums auf Aggressivität sind - wie bereits referiert - um einiges höher als hier behauptet wird. Um ihre Stärke aber richtig einschätzen zu können, kann man sich in der Forschungsliteratur auf die Suche nach der Höhe des Zusammenhangs von Aggressivität mit anderen, für selbstverständlich für wirksam gehaltenen Prädiktoren machen. So gilt es als Allgemeinwissen, dass Alkohol eine enthemmende Wirkung besitzt, dass Männer sich in der Regel als aggressiver als Frauen geben oder dass mit absteigender Sozialschicht die Gewalttaten zunehmen. Wesentlich ist hier aber wieder die Frage, wie groß denn die mit diesen Einflussgrößen verbundenen Effekte sind. Was man findet (Wood, Wang & Chachere, 1991) sind Effektmaße (r) von .25 bis .61 für den Zusammenhang zwischen Aggressivität und Alkoholgenuss, von .22 bis .44 für Aggressivität und Geschlecht sowie von .18 bis .34 für Aggressivität und Sozialschicht.
Vergleicht man also diese Ergebnisse über die anderen Determinanten für gewalttätiges Verhalten mit den vorher genannten Befunden aus den Medienwirkungsstudien, so liegen die Effekte des Medienkonsums in einem durchaus vergleichbaren Bereich.
Diese Überlegungen kann man fortführen, indem man Ergebnisse aus Metaanalysen über die Wirksamkeit aus anderen Inhaltsbereichen heranzieht: Jeder Lehrer erhofft sich einen Leistungsschub in kleineren Klassen oder in der Bildungspolitik wird viel über die Vorteile des Lernens mit dem Computer behauptet und jeder Erzieher wird in seiner Ausbildung über die negativen Folgen des sog. Pygmalioneffektes aufgeklärt. Was sagt die Forschung hierzu? Der Effekt einer Reduktion der Klassengröße von 30 auf 15 Schüler auf die Schulleistung beträgt gerade .15 (Glass & Smith, 1979), der Vorteil des Lernens mit dem Computer vs. dem personalen Lehren auf das Wissen entspricht einer Effektgröße von .35 (Kulik, 1994) und der gut bekannte Pygmalioneffekt, also etwa die Wirkung der Leistungserwartungen von Lehrern auf die schulische Leistung der Schüler entspricht einer Effektgröße von .50 (Hearold, 1986). Also auch bei diesem Vergleich läßt sich nicht seriös behaupten, die Wirkungen des Gewaltmedienkonsums seien nur schwach ausgeprägt.
Lexikon der populären Irrtümer 3:
Gewaltwirkungen sind nur in engen Laborkontexten nachweisbar.
Michael Kunczik und Astrid Zipfel (1996, S. 431) schreiben in ihrem Beitrag "Gewalt und Fernsehen. Zum aktuellen Stand der Diskussion": "Ein weiteres wesentliches Problem der Gewalt-in-den-Medien-Forschung besteht darin, daß die Untersuchungen nach dem immer gleichen Strickmuster erfolgen. Noch immer werden in ungezählten Laborexperimenten die immer gleichen Fragestellungen leicht modifiziert und untersucht."
Auch hierzu lassen sich leicht Gegenargumente finden. In die Metaanalyse Wood et al. (1991) wurden nur Untersuchungen mit nicht-restringierten sozialen Situationen einbezogen, und diese belegen den stimulierenden Effekte des gewalthaltigen Medienkonsums in der gleichen Weise wie die Studien in Laborkontexten.
Einschlägig ist hier auch die berühmte Feldstudie von Williams et al. (1986). Hier wurden die Effekte der Einführung des Fernsehens in kanadischen Gemeinden in einer Längsschnittstudie über zwei Jahre hin untersucht, wobei sich eine sog. Notel-Gemeinde (also ein Ort ohne Möglichkeit eines Fernsehempfanges) in eine Unitel-Gemeinde verwandelt hatte, eine frühere Unitel-Gemeinde in eine Multitel-Gemeinde geworden war und natürlich noch eine weitere Multitel-Gemeinde einbezogen war. Auch hier wurde keine Laborstudie durchgeführt, sondern es wurden in der ganz normalen Alltagssituation aggressivitätssteigernde Effekte gefunden. Also, wer behauptet, solche Wirknachweise würden sich nur in Laborsituationen ergeben, kennt die Forschungslage nicht oder macht dezidiert falsche Aussagen.
Lexikon der populären Irrtümer 4:
Ökologisch valide Langzeitstudien über die Auswirkungen von Mediengewalt gibt es nicht.
Jan-Uwe Rogge (1995, S. 76) behauptet etwa: "Langzeituntersuchungen gab und gibt es nicht ...." Was ist hier als Gegenargument zu erwähnen?
Vor kurzem haben Johnson et al. (2002) Ergebnisse aus einer über einen Zeitraum von 17 Jahren angelegten und repräsentativen Studie über Zusammenhänge zwischen der Dauer des täglichen Fernsehkonsums und diversen aggressiven bzw. kriminellen Taten berichtet. Die längsschnittliche Datenanalyse bezog sich zum einen auf einen Zeitabstand zwischen dem 14. und 16. bzw. 22. Lebensjahr und zwischen dem 22. und 30. Lebensjahr. Bei den Auswertungen wurde der Einfluss von Drittmerkmalen berücksichtigt. Dabei ergaben sich in beiden Alterskohorten substantielle Beziehungen, z.T. mit beträchtlichen Steigerungsraten zwischen dem Ausmaß des Fernsehkonsums (1 Stunde täglich, 1 - 3, mehr als 3 Stunden täglich) und den Merkmalen des aggressiven bzw. kriminellen Verhaltens (Angriff oder körperlich ausgetragener Streit; Raub, Bedrohung oder Verwendung von Waffen, um ein Verbrechen zu begehen; beliebiger aggressiver Akt gegen Dritte). Diese Effekte bestanden unabhängig von der Tatsache, ob die Probanden bereits vorher gewalttätig oder nicht gewalttätig waren. In Bezug auf das Geschlecht waren in der ersten Untersuchungskohorte die Effekte des Ausmaßes an Fernsehen für männliche Teilnehmer deutlicher, in der zweiten Untersuchungskohorte waren sie aber für weibliche wesentlich stärker. D.h. man kann nicht davon ausgehen, dass Mädchen gegenüber diesem Einfluss geschützt wären.
Lexikon der populären Irrtümer 5:
Die Familie ist bedeutsamer als der Medieneinfluss; oder: nur wenn problematische Familienverhältnisse vorliegen, dann können sich Medieneinflüsse ergeben.
Kunczik (1995, S. 47) schreibt beispielsweise: "Von entscheidender Bedeutung hinsichtlich möglicher negativer Effekte von Mediengewalt auf Kinder ist aber die familiäre Situation. Kinder aus intakten Familien sind im Grunde sehr wenig gefährdet." Und weiter: "Es kann als gesichert angesehen werden, daß bestimmte Subgruppen durch Gewaltdarstellungen gefährdet sind, während Kinder und Jugendliche, die in einem "intakten" sozialen Umfeld (Familie) leben, nicht gefährdet zu sein scheinen." (a.a.O., S. 48)
Für die Entstehung von Gewaltbereitschaft und die Ausübung von Gewalt sind sicherlich eine Vielzahl an Lernbedingungen denkbar. So ist gesichert nachgewiesen, dass familiäre Gewalt, z.B. körperlicher Missbrauch, mit (späterer) Gewalttätigkeit der Opfer einher geht (Sternberg et al., 1993; Schwab-Stones et al., 1995). Die Familie hat auch bedeutsame protektive Wirkungen, vor allem die Überwachung der Kinder und Jugendlichen bzw. das elterliche Interesse an den Kindern scheint präventiv gegen die Entwicklung von Kriminalität und antisozialem Verhalten zu schützen (Friedrich & Flannery, 1995). Auch für den Einfluss erlebter Gewalt in der außerfamiliären Umgebung gibt es einige Belege (Attar et al., 1994), obwohl hier die Befundlage nicht gleichermaßen konsistent zu sein scheint (Cooley-Quille et al., 1995).
Wenn es um die Bewertung des Effektes des Medieneinflusses geht, so stellt sich die Frage, ob diese Lernbedingung noch eine zusätzliche Bedeutung zu den realen Gewaltmodellen und -erfahrungen haben kann. Und genau zu der oben angedeuteten Double-dose-Theorie (verkürzt gesagt: negative Medienwirkungen stellen sich nur dann ein, wenn es in der Familie Probleme gibt) gibt es aber Gegenargumente:
So wurde im Rahmen einer umfangreichen Untersuchung zur Gewalt unter Schülern (Tillmann et al., 1999) auch die Bedeutung des Medienkonsums einbezogen. Bei einer multiplen Analyse waren die Merkmale des Gewalt-, Horror- und Pornographiekonsums, der Eigenbesitz eines Videogerätes oder eines PC sowie die Überschreitung eines Sehverbots wesentliche Prädiktoren für Gewalttätigkeit. Erwähnenswert an dieser Studie ist, dass die multiplen Korrelationen mit .48 (für physische Gewalt) bzw. .43 für psychische Gewalt leicht über den Vorhersagen aufgrund von Merkmalen der Freundesgruppe (.45 bzw. .37, a.a.O., S. 182) und deutlich höher als die aufgrund der Merkmale des familiären Erziehungsklimas (.22 bzw. .21, a.a.O., S. 169) waren. Mit dieser Studie wird zum wiederholten Male die bedeutsame Beziehung zwischen Konsum gewalthaltiger Medien und der Ausübung von physischer und psychischer Gewalt nachgewiesen. Zudem wird diese Beziehung im Rahmen anderer Sozialisationsagenturen (Familie und Freundesgruppe) abgeklärt. Dabei kommt dem Werteklima in der Freundesgruppe (Befürwortung aggressiver Konfliktlösungen) eine besondere Bedeutung zu, auch der Umgang in der Familie (restriktiver Erziehungsstil) und die soziale Lage der Familie (Sozialschicht) sind für die Gewaltentstehung nicht unwesentlich. Zu beiden Einflussgrößen kommt aber der Konsum gewalthaltiger Medien als weiteres eigenständiges Moment hinzu, und dieses scheint dabei gewichtiger zu sein als die Einflüsse aus Freundeskreis und Familie.
Eine weitere große Studie zum Einfluss des Medienkonsums unter der Berücksichtigung familiärer Bedingungen und erfahrener Gewalt wurde von Singer et al. (1999) vorgenommen (mit 2.245 7- bis 15-jährigen Schülern unterschiedlichster sozialer Herkunft). Diese US-amerikanische Studie ist u.a. deswegen erwähnenswert, weil in diesem Land sehr viele Kinder und Jugendliche substanzielle Gewalterfahrungen machen und auch ausüben. Auch die aus dieser Studie zu ziehende Schlussfolgerung ist, dass die konsumierte fiktive Gewalt (hier erfasst über Fernsehzeit und den medialen Gewaltkonsum) eine zusätzliche und unabhängige Bedeutung im Vergleich zu den realen Gewalterfahrungen und den (in diesem Fall mangelnden) protektiven Einflüssen durch die Familie für die Genese von Gewalttätigkeiten besitzt. Es kann also keine Rede davon sein, dass Gewalt nur entstünde, wenn der Konsum gewalthaltiger Medien in einem gewaltbehafteten sozialen Milieu stattfindet.
Medienkonsum im Rahmen eines Gewaltmodells
Will man nun reale Gewalthandlungen erklären, so sind im Rahmen eines multikausal gedachten Erklärungsmodells drei Bereiche zu berücksichtigen (Grossman, 1999); und zumindest zu zwei Bereichen können die durch Medien vermittelten fiktionalen Erfahrungen wichtige Beiträge liefern:
(1)
Motivation ("will"): Gewalthaltige Medien stellen bestens geeignete Lernangebote dar, um die
Bereitschaft gewalttätig zu handeln zu erhöhen. Sie verstärken aggressive Dispositionen, indem sie Muster für einseitige Konfliktlösungen liefern, Rechtfertigungsstrategien für Gewalttaten anbieten und die Opfer dämonisieren statt Solidarisierung mit Schwächeren zu demonstrieren. Ideen der Fairness, der Empathie und weitere grundlegende humane und soziale Werte werden ausgeblendet. Selbstverständlich sind Medien wieder nicht die einzigen Lerngelegenheiten: Ein gewalttätiges Umfeld (Familie oder Peers) kann ähnliche Wirkungen nach sich ziehen. Bei länger andauernden Problemen sind zudem Phantasieprozesse von Bedeutung (z.B. Tagträume, in denen sich auch der "Schwache" ausmalt, wie er die "Bösen" erledigen kann). Reale und fiktionale Erfahrungen liefern das Spielmaterial für diese Prozesse.
(2)
Können ("skill"): Besonders durch sog. Killerspiele auf Computern oder im Laserdrom können
Tötungshandlungen trainiert und automatisiert werden. Aber natürlich: Auch ein reales Training kann die Kompetenz zu töten perfektionieren, auch wenn es wieder nicht ganz so einfach ist, in einen Schützenverein aufgenommen zu werden.
(3)
Gelegenheit ("opportunity"): Ein
Zugang zu entsprechenden Tatwerkzeugen (z.B. Schusswaffen) ist für eine konkrete Tat ebenso wichtig wie das Vorliegen entsprechender situationaler Umstände (das reicht von der enthemmenden Wirkung durch eine gewaltbereite Freundesgruppe oder aufgrund von Alkohol bis hin zu einem passenden Opfer, an dem man sich austoben kann). Durch Vermummung werden in der Tatsituation zusätzlich Hemmschwellen beseitigt - typisch dafür waren sowohl die Taten von Erfurt wie auch von Littleton.
In der Tat, es braucht keine neuen Studien mehr - der kausale Nachweis des Einflusses gewalthaltiger medialer Darstellungen auf jugendliche Rezipienten ist unter Einbezug vieler differenzierender Bedingungen geführt. Genauso wie in der medizinischen Forschung der Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Rauchen und der Entstehung von Lungenkrebs gut abgesichert ist und die Wissenschaft zu anderen Themen übergehen kann, so ist dies auch im Medienbereich zu sehen. Was bekanntlich wiederum nicht heißt, daß Lungenkrebs nur durch Rauchen entsteht - auch die Arbeit in einer Asbestmine soll nicht ganz risikofrei sein.
Literatur
Andison, F. S. (1976). TV violence and viewer aggression: A cumulation of study results 1956 - 1976. Public Opinion Quarterly, 41, 314-331.
Attar, B. K., Guerra, N. G. & Tolan, P. H. (1994). Neighborhood disadvantage, stressful life events, and adjustment in urban elementary school children. Journal of Clinical Psychology, 23, 391-400.
Cooley-Quille, M. R., Turner, S. M., Beidel, D. C. (1995). Emotional impact of children's exposure to community violence: a preliminary study. Journal of the American Academical Child and Adolescence Psychiatry, 34, 1362-1368.
Friedrich, A. & Flannery, D. (1995). The effects of ethnicity and acculturation on early adolescent delinquency. J Child Fam Stud, 4, 69-87.
Glass, G. V. & Smith, M. L. (1979). Meta-analysis of research on the relationship of class-size and achievement. Evaluation and Policy Analysis, 1, 1-16.
Grossman, D. (1999). Stop teaching our kids to kill. New York: Random House.
Johnson, J., Cohen, P., Smailes, E. M., Kasen, S. & Brook, J. S. (2002). Television viewing and aggressive behavior during adolescence and adulthood. Science, 295, 2468-2471.
Hearold, S. (1986). A systhesis of 1043 effects of television on social behavior. Public Communication and Behavior, 1, 65-133.
Hoffner, C., Plotkin, R. S., Buchanan, M., Anderson, J. D., Kamigaki, S. K., Hubbs, L. A., Kowalczyk, L., Silberg, K. & Pastorek, A. (2001). The third-person effect in perceptions of the influence of television violence. Journal of Communication, 51, 283-299.
Kulik, J. A. (1994). Meta-analytic studies of findings on computer-based instruction. In E. L. Baker & H. f. ONeill (Eds.), Technology assessment in education and training (pp. 9-33). Hillsdale, NJ: Erlbaum.
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Kunczik, M. & Zipfel, A. (1996). Gewalt und Fernsehen. Zum aktuellen Stand der Diskussion. Bildung und Erziehung, 4, 419-437.
Paik, H. & Comstock, G. (1994). The effects of television violence on antisocial behavior: a meta-analysis. Communication Research, 21, 516-546.
Röser, J. (2000). Fernsehgewalt im gesellschaftlichen Kontext. Eine Cultural Studies-Analyse über Medienaneignung in Dominanzverhältnissen. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag.
Rogge, J.-U. (1995). Die Faszination und die Bedeutung medialer Gewalt aus der Sicht von Heranwachsenden. In G. Kofler & G. Graf (Hrsg.), Sündenbock Fernsehen? Aktuelle Befunde zur Fernsehnutzung von Jugendlichen, zur Wirkung von Gewaltdarstellungen im Fernsehen und zur Jugendkriminalität (S. 55-80). Berlin: VISTAS.
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Tillmann, K.-J., Holler-Nowotzki, B., Holtappels, H. G., Meier, U. & Popp, U. (1999). Schülergewalt als Schulproblem. Verursachende Bedingungen, Erscheinungsformen und pädagogische Handlungsperspektiven. München: Juventa.
Williams, T. M. (Ed.). (1985). The impact of television. A natural experiment in three communities. Orlando: Academic Press.
Wood, W., Wong, F. Y. & Chachere, J. G. (1991). Effects of media violence on viewers aggression in unconstrained social interactions. Psychological Bulletin, 109, 371-383.
Autor
Prof. Dr. Helmut Lukesch
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