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In den Familien der Online-Kids sind die Eltern wichtige "Gate-Keeper", sowohl beim Zugang der Kids zum Web, als auch bei der Art der Nutzung. So findet die Internet-Nutzung der Kinder in den eigenen vier Wänden fast immer nur mit Zustimmung der Eltern statt (anders als bei Medien wie z.B. Fernsehen oder Spielkonsole), und die von den Eltern gewünschte "ernsthafte" Nutzung wird durch entsprechende Angebote wie gekaufte Software oder die Vorauswahl der Websites gefördert. Zudem ist die Nutzung durch die Kinder auch deswegen "vernünftiger", weil die Eltern als Vorbilder (wie bei allen anderen Medien auch) das Nutzungsverhalten der Kinder stark prägen - und diese Eltern gehen meistens sehr funktional mit dem Internet um. Die aktuelle Nutzerstruktur im Internet-Kindermarkt wird übrigens durch die Inhalte im Web reflektiert: das deutschsprachige Internet ist im Durchschnitt deutlich edukativer als jedes andere Medium. Auch deswegen ist übrigens bei den Eltern der Online-Kids das Pornographie- und Gewaltthema zur Zeit auch weitgehend aus der Diskussion verschwunden. Wer sein Kind ins Internet lässt, ist sich dieses Problems bewusst und kontrolliert entsprechend oder vertraut seinem Kind. Starkes Misstrauen gegenüber dem Medium findet man vor allem bei den Nicht-Nutzern. II. Was machen die Kinder im Netz?Die Nutzung des Internet durch Kinder ist wie bei allen anderen Kindermedien und -produkten stark abhängig vom Alter. Die Kinder entwickeln sich schnell weiter (z.B. bei ihrer Feinmotorik, der Fähigkeit zur Informationsverarbeitung, ihrer Medienkompetenz und Lesefähigkeit, den Interessen etc.) und jedes Alter muss im Grunde mit einem unterschiedlichen Produkt bedient werden - oder zumindest mit eigenen, altersspezifischen Inhalten. Sehr anschaulich wird dies z.B. im Zeitschriften-Markt. Die Kinder-Titel lassen sich jeweils klar einzelnen Altersgruppen zuordnen, die sie relativ trennscharf ansprechen.Eine Konsequenz daraus sind etwa bei Zeitschriften für Kinder im Vorschulalter sehr ähnliche Inhalte, die sich oft nur durch die Art und Qualität der Gestaltung unterscheiden. Diese Homogenität der Inhalte lässt sich gar nicht vermeiden, denn den Jüngsten kann noch nichts anderes geboten werden, weil sie noch nichts anderes nutzen können. Im Altersverlauf werden die Anforderungen an die Komplexität und Vielfalt der Inhalte dann aber sehr schnell größer und müssen entsprechend bedient werden. Diese grundlegenden Anforderungen, die Kinder an die Inhalte und die Gestaltung von Medien stellen, gelten auch für das Internet: Von sehr einfachen Inhalten hin zu mehr Komplexität. In der notwendigen Einfachheit gerade bei jüngeren Kindern liegt beispielsweise ein Problem für das Web: Wenn man z.B. vergleicht, was Internet und CD-ROM derzeit für Vorschulkinder leisten können, wird man sehr schnell feststellen, dass beide Medien exakt das Gleiche anbieten, sowohl im spielerischen als auch im edukativen Bereich. Die Komplexität und Aktualität, die das Internet bereitstellen kann, ist für Vorschulkinder nicht relevant. Da die Kinder selbst auch noch nicht aktiv danach fragen, gibt es derzeit für Eltern keine Argumente, Kinder im Vorschulalter ins (unsichere) Internet gehen zulassen, wenn es entsprechende (sichere) CD-ROMs gibt, die das Gleiche teilweise sogar in besserer Qualität anbieten. Die Anforderungen der Kinder werden dann wie gesagt zwar sehr schnell größer, doch auch für Kinder im Grundschalter werden lieber spezielle Lernprogramme gekauft. Dazu kommt, dass die Nutzung des PC zur Unterhaltung bei den 7-10jährigen insgesamt noch stark auf Offline-Games fokussiert ist, mit denen das Internet technisch noch nicht konkurrieren kann. So schlägt die Stunde des Internet im Grunde erst ab etwa 10 Jahren, was auch die aktuellen Nutzungszahlen belegen (Internetnutzung zu Hause: 8-9 Jahre: 11%; 10-12 Jahre: 35 %). Dann nämlich, wenn "Special-Interest"-Themen wichtig werden und die Kommunikationsfunktionen des Net (Chat, e-mail) genutzt werden. Die Hauptaktivitäten der Kids im Internet sind dann:
Das Internet bekommt von den Kindern also eine spezifische Kompetenz zugewiesen, die direkt auf seine technischen Möglichkeiten und Stärken zurückgeht. Durch die zweiseitige, individuelle Kommunikation kann es Funktionen einnehmen, die von den anderen Medien so nicht erfüllt werden können. Und so lange die Technik nicht besser wird, wird sich an diesen Kernfunktionen auch nichts ändern. Das für das Internet eingesetzte Zeitbudget wird aber wohl dennoch größer werden, da insbesondere bei der Informationsbeschaffung noch mehr über das Internet laufen wird. Aber: Alle Befürchtungen, Kinder würden durch das Internet soziale Kompetenz verlieren, sind absurd. Das Internet wird bei "normalen" Kindern nie andere Medien und vor allem nie den Kontakt mit anderen Kindern ersetzen. Wenn das so ist, liegt eine Verhaltensstörung vor, deren Ursache nicht beim Internet, sondern im sozialen Umfeld zu suchen ist, und entsprechend therapiert werden muss. Sicher ist aber, dass die aktuelle Nutzung der Kinder noch weit von dem entfernt liegt, was irgendwann möglich sein wird. Bis sich neue Technologien verbreiten, dauert es jedoch (derzeit surfen z.B. erst 45 % der Online-Kids mit ISDN), und sie werden - wenn sich die aktuelle Entwicklung fortsetzt - zunächst eher zu einer Verbreiterung der angesprochenen Kluft im Markt führen. Quelle
http://www.medientage-muenchen.de/archiv/pdf_2001/dammler_axel.pdf AutorAxel Dammler, geboren 1965 in Lemgo, hat Kommunikationswissenschaft studiert. Seit 1992 als Jugendforscher tätig. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Münchner Marktforschungsinstituts iconkids & youth für Kinder- und Jugendforschung. Adresse Rückertstr. 4 | ||
Letzte Änderung: 23.06.2004 13:53:04 |