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Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Scheidung und Trennung: Reaktionen der Kinder und der Schule

Wilfried Griebel und Rotraut Oberndorfer

Jährlich sind annähernd 100.000 Kinder in Deutschland von einer elterlichen Scheidung betroffen; 1,3 Millionen Kinder leben mit nur einem Elternteil zusammen. 8 % aller Familien sind Stieffamilien - wobei diese Schätzung von der Definition einer Stieffamilie abhängt.

Für die Kinder bedeutet dies, dass sie Übergänge von einer Familienform in eine andere bewältigen müssen, die mit weitgehenden Veränderungen in ihrem Leben verbunden sind. Erschwerend kommt hinzu, dass sich in der Scheidungssituation, aber auch im Falle einer Wiederheirat kindliche Bedürfnisse von den Bedürfnissen der Erwachsenen unterscheiden. Deshalb erscheinen den Kindern die Veränderungen, die sich durch die Trennung der Eltern ergeben, zunächst wenig wünschenswert. Kinder haben zudem entwicklungsbedingt andere Fähigkeiten als Erwachsene, das Geschehen angemessen zu erfassen und nur geringe Möglichkeiten, die Situation in ihrem Sinne zu beeinflussen. Die zunächst geringe Erwünschtheit der Veränderungen, die damit verbundenen Verluste und die kaum gegebenen Kontrollmöglichkeiten machen familiale Übergänge für Kinder zu belastenden Ereignissen .

Für die Eltern stellt die Trennung/Scheidung oftmals die Lösung ihrer Partnerprobleme dar und eröffnet neue Perspektiven der Lebensgestaltung. Die Kinder betrachten die Trennung ihrer Eltern selten als angemessene Lösung für die familialen Probleme. Sie sind an der Wiederherstellung eines befriedigenden Zusammenlebens in der Familie interessiert. Diese Hoffnung geben viele Kinder auch nach langer Trennung der Eltern nicht auf; dies muss als normale Reaktion von Kindern in dieser Situation aufgefasst werden (Griebel, 1996). Die elterliche Trennung bedeutet für die Kinder, dass der Elternteil, mit dem sie nicht mehr ständig zusammenleben, verringert für sie verfügbar ist. Außerdem ist nicht in jedem Falle mit der Trennung oder Scheidung das Ende der elterlichen Konflikte erreicht, und damit kann eine weitergehende Ausgrenzung eines Elternteils aus dem Gesichtsfeld des Kindes einhergehen. Auch im Zusammenleben mit dem anwesenden Elternteil ergeben sich Veränderungen. Das kann bedingt sein durch Aufnahme oder Erweiterung von Erwerbstätigkeit des Elternteils, der damit ebenfalls weniger verfügbar für das Kind sein kann. Ein neues Betreuungsarrangement kann für das Kind getroffen werden. Häufig muss mit der elterlichen Scheidung eine Verschlechterung der finanziellen Lage und der Wohnsituation hingenommen werden.

Die Scheidung ist ein Übergang in der familialen Entwicklung, der vielfältige Anpassungs- bzw. Bewältigungsleistungen erfordert (Fthenakis, 1995a). Viele Kinder in konfliktbelasteten Familien leiden (Amato, 1993; Neugebauer, 1988/89; Stolberg & Bush, 1985), aber nicht alle Konsequenzen aus der Scheidung sind negativ (Veevers, 1991; Walper & Schwarz, 1999). Im Artikel wird ein Überblick über den neuesten Stand der Forschung über Scheidung gegeben.

Den vollständigen Text dieses Fachbeitrags finden Sie einschließlich einer ausführlichen Literaturliste als PDF-Datei (221kB) unter

PDF Familienforschung: Scheidung und Trennung
Letzte Änderung: 01.02.2002 13:44:31Zum Seitenanfang