beschreibt die Phase im Leben von Eltern, wenn die Kinder "flügge" werden und den familiären Haushalt verlassen. Das "Leere Nest" ist somit bezeichnend für eine strukturelle Veränderung innerhalb einer Familie: Die räumliche Trennung von Eltern und Kind(-ern). Doch was passiert mit den Eltern, wenn das Nest plötzlich leer ist und die Familie zur Zweierbeziehung wird?
In der amerikanischen Familienforschung der 60er Jahre wurde die Phase des "Empty-Nest" vor allem in ihren psychischen Auswirkungen auf die Mütter untersucht. Depressionen, Schlafstörungen und Lebenskrisen nach dem Auszug der Kinder wurden unter dem Begriff des
gebündelt. Diese generell negativen Auswirkungen durch den Auszug der Kinder lassen sich jedoch durch neue Forschungen nicht mehr belegen (Papastefanou 1997). Der Auszug der Kinder ist zweifelsohne ein einschneidendes Erlebnis, welches zu Trauer und Trennungsschmerz führen kann. Jedoch ermöglicht der Auszug der Kinder den Eltern auch eine neue Lebensphase mit Freiräumen und Möglichkeiten zu einer individuellen und unabhängigen Lebensführung, wie im Folgenden ausgeführt wird.
7. Zusammenfassung
Der Begriff "Empty Nest" als Synonym für den Auszug der Kinder beinhaltet eine negative Assoziation. Ein leeres Nest ist nicht mehr warm, es ist verlassen und steht als Zeichen vergangener Nestwärme. Und natürlich sorgt der Auszug der Kinder bei den Eltern für Trauer. Ein Lebenskapitel ist zu Ende gegangen und die Kinder gehen eigene Wege. Wenn das Haus plötzlich leer ist, müssen Eltern sich an ihr neues Leben gewöhnen und ihre Paarbeziehung mit neuen Inhalten füllen und ihre Rollen neu definieren.
Eltern sollten sich bewusst halten, dass der Zeitpunkt des Auszuges kommen wird und einen natürlichen Prozess in der Entwicklung ihrer Kinder darstellt. Besonders für Frauen ist es wichtig neben den Aufgaben für Haushalt und Familie, individuelle Interessen zu pflegen oder den Weg in die Berufstätigkeit zu suchen. Wenn die eigene Identität allein über die Mutterrolle definiert wird, kann die Empty Nest Phase zu einer schweren Krise führen.
Paare können vorbeugen, in dem sie, sobald die Kinder groß genug sind, wieder eigene Unternehmungen in Angriff nehmen. Gemeinsame Zeit und Kommunikation fördert die Rolle des Paares neben der täglichen Verantwortung durch die Elternschaft. Zudem ist es für die Kinder in der Regel ein Kompliment, wenn die Eltern ihnen das Haus anvertrauen, um mal ganz alleine ins Theater oder Essen zu gehen. Eltern können so lernen, loszulassen und entspannte Zweisamkeit genießen.
Es ist ein Prozess des Lernens. Oft fällt es Eltern schwer zu glauben, dass ihre Kinder schon so "groß" sind. Die Zeit zwischen Pampers und dem Auszug ist im Rückblick schnell vergangen und nun kommt alles so plötzlich und scheint unwiederbringlich. Vieles hätten Eltern gerne besser gemacht oder sie spüren den Wunsch, ihren Kindern noch mehr "mit auf den Weg zu geben".
Doch der Auszug ist nur eine räumliche und keine familiäre Trennung. Die Kinder geben den Eltern in der Regel noch viele Möglichkeiten zur Unterstützung, für Gespräche und gemeinsame Aktivitäten. Wenn Eltern sich bewusst machen, dass sie nicht ihre Kinder verloren, sondern Zeit und Freiraum gewonnen haben, kann die postparentale Lebensphase eine schöne Aussicht für die Zukunft sein.
Literatur
Sozialwissenschaftliche Forschungsstelle der Universität Bamberg. Bamberger Ehepaar Panel. 1995
Papastenfanou, Christiane (1997): Auszug aus dem Elternhaus. Aufbruch und Ablösung im Erleben von Eltern und Kindern. Weinheim, München.
Dobrick, Barbara (1996): Abschied von Kindern. Loslassen und sich neu begegnen. München.
Vaskovics, L.A., Buba, H.P., Eggen, B. & Junge, M.(1990). Forschungsbericht zum Projekt "Familienabhängigkeit junger Erwachsener und ihre Folgen". Universität Bamberg.
Statistisches Bundesamt (2002) (Hrsg.): Datenreport 2002. Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland. In Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und dem Zentrum für Umfragen, Methoden und Analysen. Mannheim. Schriftenreihe. Bd.376. Bundeszentrale für politische Bildung. Bonn
Autorin
Bettina Levecke
Soziologin und Freie Journalistin
Bendingbostler Dorfstraße 4
27308 Kirchlinteln
Kontakt: bettinalevecke@das-weibernest.de
Internet: www.das-weibernest.de
Zeichnungen
Gaby Petersen Karikaturistin
Feldweg 23
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