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![]() Teenager von heuteWenn aus Kindern allmählich Erwachsene werden, ist das offene Gespräch und gegenseitiges Vertrauen die beste Prävention gegen unangenehme Überraschungen. Das gilt im Besonderen für die Sexualerziehung in der Pubertät.Teenager von heute wissen über Sexualität und Verhütung besser Bescheid denn je, das wird zumindest in einer Reihe von nationalen und internationalen Studien der vergangenen Jahre behauptet. Die Offenheit und der lockere Umgangston, in dem heute generell über Sex und Verhütung gesprochen wird, entmystifizieren zwar so manches Thema, das früher nur mit erhobenem Zeigefinger oder hinter vorgehaltener Hand angedeutet wurde. So wurden aber auch neue Probleme geschaffen. Sechs von zehn Deutschen führen die zahlreichen Teenager-Schwangerschaften darauf zurück, dass die Kinder heutzutage früher reif werden. Auch den Medien wird ein Teil der Schuld zugeschrieben, denn die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass zu viel Sex gezeigt wird, und ein Drittel der befragten Jugendlichen gibt sogar zu, zahlreiche Gelegenheiten zum Sex zu haben. Gerade weil für die jungen Menschen so vieles mühelos erreichbar ist, sind Erwachsene zusätzlich gefordert, hinsichtlich Sexualerziehung und Verhütung Wege aufzuzeigen, wie die Jugendlichen mit der neuen Situation in der Pubertät am besten umgehen sollen. Mit bewusster Verhütung kann man nicht nur erreichen, dass ungewollte und ungeplante Teenagerschwangerschaften nicht so häufig vorkommen. Gefragt ist auch ein gesteigertes Problembewusstsein hinsichtlich Geschlechtskrankheiten, ganz besonders im Zusammenhang mit der AIDS-Gefahr. Nicht jeder Jugendliche muss in der Pubertät zwangsläufig eine "Sturm-und-Drang-Phase" durchleben. Mit dem Herauswachsen aus der Kindheit entwickelt sich aber bei den meisten das zunehmende Bedürfnis, alles das auszuprobieren, "was sonst nur Erwachsene dürfen". Und wenn es darum geht von verbotenen Früchten zu naschen, ist es bekanntlich besonders schwer zu widerstehen. In dieser Hinsicht hat aber unsere Jugend nicht unbedingt andere Fragen als ihre Eltern oder Großeltern. "Bei Burschen in der beginnenden Pubertät treten sehr häufig Fragen zur Selbstbefriedigung auf", berichtet der Sozialpädagoge Olaf Kapella vom österreichischen Institut für Familienforschung aus seiner langjährigen Beratungspraxis. Fragen wie "Ist Selbstbefriedigung schädlich" oder "Wird man davon dumm", sind dabei, so Kapella keine Seltenheit. Mädchen hingegen hätten eher die Sorge, ob ein Frauenarzt sehen könnte, ob man sich selbst befriedigt hat. Erwartungen und ÄngsteUniv. Prof. Dr. Max Friedrich, Vorstand der Kinder und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Wien appelliert daher an Eltern und Pädagogen, den Kindern einen natürlichen, selbstbewussten Umgang mit ihrem eigenen Körper zu vermitteln und überholten Vorurteilen endlich Einhalt zu gebieten. "Die Veränderungen in der körperlichen und geistigen Entwicklung in der Pubertät verursachen nun einmal Unsicherheiten und Ängste bei den Betroffenen", so Friedrich, "Daher müssen diesbezügliche Fragen immer ernst genommen und mit dem Jugendlichen diskutiert werden." Nur so kann auch eine gute Voraussetzung für den Umgang mit dem anderen Geschlecht und die ersten sexuellen Kontakte geschaffen werden.In Deutschland ist Sexualunterricht die zweithäufigste Quelle sexueller Kenntnisse. Auch Tabu-Themen wie Prostitution, Pornographie oder Homosexualität werden nun häufiger im Gespräch mit Jugendlichen behandelt als noch wenige Jahre davor. Besonders auffällig ist die Einbeziehung des Themas "Sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch". Umso erstaunlicher ist es daher, dass es trotz dieser Bemühungen um das Wissen über grundlegende Kenntnisse recht schlecht bestellt ist. Selbst unter Jugendlichen mit sexueller Erfahrung und unter 17jährigen kann nur jeder zweite Junge und drei von vier Mädchen von sich behaupten, den Zeitpunkt der Empfängnis genau zu kennen. Etwa ein Drittel der befragten Jugendlichen, die den richtigen Zeitpunkt zu kennen meinen, liegen mit ihrer Antwort falsch. Ungeachtet dessen denken aber die meisten Jungen und Mädchen sehr früh an den Geschlechtsverkehr. Sie reden und träumen davon, oft lange, bevor er überhaupt stattgefunden hat. Das erzeugt große Erwartungen und verstärkt die Anspannung und unbewusste Ängste. Hoffnungen und Fantasien verwandeln sich leicht in Enttäuschung, wenn es dann zum ersten Erlebnis gekommen ist. Eltern können diese Bedürfnisse ihrer Kinder nicht immer beeinflussen, vor allem, wenn Gefühle im Spiel sind. In jedem Fall fördert aber eine offene Atmosphäre im Elternhaus die Kommunikation und schafft eine Vertrauensbasis. Für Mädchen ist meistens die Mutter oder die beste Freundin eine vertraute Ansprechpartnerin. Jungen orientieren sich eher - wenn überhaupt - an einem Freund. Rechtzeitig an Verhütungsmittel denkenAn den Einsatz und vor allem den richtigen Umgang mit Verhütungsmitteln, wie etwa Kondome oder die "Pille", kann nur immer wieder mit Nachdruck appelliert werden. Nach einem Untersuchungsergebnis des Berufsverbandes der Frauenärzte in München, benutzen 12% der Mädchen und 15% der Jungen beim "ersten Mal" keinerlei Verhütungsmittel. Und trotz zahlreicher AIDS-Kampagnen ist es bei den Jugendlichen noch nicht genug durchgedrungen, ein Kondom zum Schutz vor Aids und anderen Infektionskrankheiten zu verwenden. Mütter sollten sich daher auch nicht scheuen, ihren Töchtern "bei Bedarf" ein Kondom einzupacken und sie über dessen Verwendung aufzuklären, da Knaben erwiesenermaßen in erregter Situation selten bis gar nicht an die Verwendung eines Kondoms denken.Die daraus resultierende Konsequenz: 20 Prozent der Schwangerschaften entstehen im ersten Monat, 50 Prozent in den ersten sechs Monaten sexueller Aktivität, so eine Untersuchung der First Love Ambulanz im Wiener Krankenhaus Rudolfsstiftung. Erschreckend ist auch, dass sich die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche bei den unter 15-Jährigen seit 1996 geradezu verdoppelt hat, wie aus einer Untersuchungsreihe des Berufsverbandes der Frauenärzte hervorgeht. Ein "zu jung" gebe es in der gynäkologischen Praxis aber nicht, so der Leitspruch vieler Frauenärzte. Univ. Prof. Dr. Grünberger, Leiter der First Love Ambulanz in Wien: "Wir stehen jeder ratsuchenden Patientin zur Seite und dürfen dies auch dann tun, wenn die Eltern nichts davon erfahren." Die schlechte Nachricht: Entsprechende Beratung, wenn es dann doch zu einer Schwangerschaft gekommen ist, wird viel zu spät in Anspruch genommen. "Mädchen, die von ihrer Schwangerschaft erfahren, fühlen sich in der ersten Zeit stark verunsichert und allein gelassen", sagt Grünberger. Viele junge Mädchen verfallen dann auch oft in eine "Vogel-Strauß-Politik". Sie erstarren plötzlich in Hilflosigkeit, wissen keinen Rat und warten daher oft zu lange, um dann noch adäquate Hilfe zu bekommen. Doch eins vorweg: Weder ein Schwangerschaftsabbruch im Sinne der Fristenlösung, noch die vieldiskutierte "Pille danach" sind wirklich akzeptable Lösungsansätze. Moderne SexualerziehungAuch hier zeigt sich deutlich, wie oft nur Schlagwortdiskussionen geführt werden, anstatt kompetent aufzuklären. Einer Wiener Umfrage zufolge sollen 18 Prozent der jungen Mädchen im Alter zwischen 16 und 20 Jahren die "Pille danach" als Verhütungsmittel betrachten, das jedes Mal dann eingesetzt werden kann, wenn etwas "passiert" ist. Es genügt eben nicht, nur über das ethische Für und Wider der "Abtreibungspille" zu diskutieren. Eltern und auch Pädagogen sollten viel mehr dort ansetzen, wo es am natürlichsten ist: Bei der Anatomie des Körpers, der Wirkung der Hormone in Verhütungsmitteln, den Vorgängen bei der Befruchtung. Das versteht man unter moderner Sexualerziehung. Nur so führt man Jugendliche an das nötige Verantwortungsbewusstsein heran. Dem wird nun glücklicherweise auch von offizieller Seite immer mehr Rechnung getragen, sei es durch Gynnie-Ambulanzen in Krankenhäusern, Beratungsstellen "First Love" von der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung, die auch im Internet präsent sind, sowie Frauengesundheitszentren und Familienberatungsstellen.In den eigenen vier Wänden ist der Response im Allgemeinen weniger groß, wenn vom Thema Sex die Rede ist, vor allem wenn es im geschlossenen Familienkreis angesprochen wird. Daher ein Rat an alle Eltern pubertierender Kinder: Je ungezwungener der Umgang mit sexuellen Fragen stattfindet - und das kann durchaus auch einmal bei einem Spaziergang oder sogar "zwischen Tür und Angel" sein - desto selbstverständlicher wir es den heranwachsenden Teenies gelingen, eine verantwortungsbewusste Haltung ihrem Körper gegenüber und auch dem der anderen zu entwickeln. Weiterführende Informationen im Internetwww.firstlove.atwww.prokids-online.de www.herzensdinge.de Autorin
Sigrun Rux, Journalistin, Fachgebiete: Medizin und Psychologie | ||
Letzte Änderung: 25.11.2005 14:11:12 |