ZUM TEXTHauptmenüHauptseiteFamilienhandbuch-Forum Stichwortsuche von A bis ZAktivitäten mit KindernAngebote/Hilfen Behinderung Elternschaft Ernährung Erziehungsbereiche Erziehungsfragen Familie und Beruf Familienbildung Familienforschung Familienpolitik Gesundheit Häufige Probleme Haushalt/Finanzen Jugendforschung Kindertagesbetreuung Kindheitsforschung Kindliche Entwicklung Leistungen für Familien Partnerschaft Rechtsfragen Schule Teil- und Stieffamilien Trennung/Scheidung VerschiedenesImpressumKontakt | ZUM MENÜSchlappe Muskeln - krumme Haltung bei Kindern und was Eltern dagegen tun könnenDieter Breithecker ![]() Der Tagesablauf vieler Kinder ist gekennzeichnet von einer wachsenden Bewegungsarmut:
"Wer rastet der rostet", "Übung macht den Meister" "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr"Es ist einleuchtend, dass ein Kind, welches körperlich passiv ist, niemals ein Weltmeister in irgendeiner sportlichen Disziplin wird. Aber auch wenn diese hohen Ziele nicht angestrebt werden, so müssen wir davon ausgehen, dass dieses Kind hinsichtlich seiner Gesundheit und seines Wohlbefindens stark gefährdet ist. Kinder sind im Gegensatz zu den Erwachsenen Heranwachsende. Für dieses "Heranwachsen", also für die Reifungs- und Entwicklungsvorgänge, die für Haltung und Verhalten, für Wahrnehmung und Bewegung und für Denken und Gefühle verantwortlich sind, braucht das Kind Bewegung. Insbesondere die ersten 10 Lebensjahre sind hier sehr entscheidend (vgl. Beitrag: Bewegung braucht das Kind, damit es sich gesund und selbstbewusst entwickeln kann).Bewegungs - CheckInwieweit auch Ihr Kind von der Gefahr des Bewegungsmangels bedroht ist, können Sie anhand folgender Fragen leicht überprüfen:
Runder Rücken, krumme Haltung - kräftige "Muckis" braucht jederWir möchten doch alle, dass unsere Kinder "gerade wachsen", "groß werden" und "aufrecht durch das Leben gehen". Wir fürchten das Gegenteil davon: "Haltungsschäden", "schlappe Kinder", die sich "hängen lassen"."Muskeln", das ist doch nur etwas für Sportler, Bodybilder oder "Fitnessfreaks", so denken viele Menschen. Doch Vorsicht, Muskeln brauchen wir alle. Ohne Muskeln können wir unseren Körper nicht gegen die Schwerkraft aufrichten und halten - das Knochengerüst würde regelrecht zusammenklappen - sowie uns zielgerichtet bewegen. Außerdem schützen Muskeln unsere Knochen und Gelenke, wenn sie Belastungen, wie sie u. a. beim Springen oder Heben zum tragen kommen, auffangen bzw. abfedern müssen.
Die Lebensweise prägt ganz entscheidend die Qualität der Muskelkraft und damit auch die Entwicklung der KörperhaltungDie beiden Abbildungen zeigen deutlich die angesprochenen Qualitätsunterschiede. Während in der linken Abbildung ein sich wenig bewegendes Kind eine auffällige schlaffe Muskulatur ("Puddingmotorik") und damit auch auffällige Haltung erkennen lässt, macht die rechte Abbildung das Gegenteil deutlich. Das äußere Zeichen einer vielseitigen körperlichen Betätigung ist eine gut entwickelte Muskulatur. Sie formt den Körper, richtet ihn auf und ist Voraussetzung für eine harmonische Haltungsentwicklung.Kinder, die viel sitzen und sich wenig bewegen, haben schlaffe Muskeln und Haltungsschwächen. Knochen, Sehnen und Gelenke können sich bei diesen schlechten Voraussetzungen nur unzureichend entwickeln, so dass dauerhafte Schädigungen die unweigerliche Folge sind. Wir müssen uns immer den Begriff des "Heranwachsens" bewusst werden lassen. Auch die Knochen im Kindesalter sind noch weich und (ver-) formbar. Sie erhalten ihre endgültige Festigkeit erst mit Abschluss des Längenwachstums, mit etwa dem 18.-20. Lebensjahr. Wenn eine schwache Muskulatur die Haltung nicht gegen die Schwerkraft aufrichten kann und der Körper schlaff zusammensinkt, sind irreparable Verformungen der Knochen und Fehlstellungen der Gelenke (Fehlhaltungen) mit nachhaltigen gesundheitlichen Auswirkungen die zwangsläufige Folge. ![]() Die nebenstehende Abbildung zeigt die wichtigsten Muskelgruppen, die für eine aufrechte Haltung und harmonische Bewegungen notwendig sind. Damit sie sich ausgeglichen entwickeln können, müssen sie durch Bewegung ständig gekräftigt werden. Sie helfen Ihrem Kind, eine gute aufrechte Haltung einzunehmen und sich geschickt zu bewegen. Man unterscheidet folgende Haltungsschwächen: Rundrücken, Hohlrücken, Hohlrundrücken, FußschwächenAnhand der nachfolgenden Beschreibungen können Sie selbst nachvollziehen, welche Kinder bei welchen Tätigkeiten besonders gefährdet sind und welche grundlegenden körperlichen Tätigkeiten diesen Auffälligkeiten entgegenwirken. Bedenken Sie bitte immer: Rechtzeitig erkannte Schwächen sind im Zuge des Heranwachsens immer noch ausgleichbar, manifestierte Schäden allerdings nicht mehr!Schwache RückenmuskulaturBetrachten Sie Ihr Kind von der Seite. Steht oder sitzt es oft mit vornübergeneigtem Oberkörper und hängen die Schultern nach vorn, so kann ein Rundrücken vorliegen. Bei dieser Haltungsschwäche ist die Rückenmuskulatur zu schwach, um den Oberkörper aufrecht zu halten. Dies führt zu vorzeitigem Verschleiß der Wirbelsäule im Brustbereich und zu einer Einengung des Brustkorbes. Dadurch wird auch die Herz- und Lungenfunktion beeinträchtigt.![]() Klettern, Hängen, Hangeln, Ziehen, Schieben und Stützen kräftigen die Rücken- und Schultermuskulatur Ihres Kindes. Sie wirken einem Rundrücken entgegen. Schwache BauchmuskulaturBeobachten Sie bei Ihrem Kind im Stehen einen auffallend vorgewölbten Bauch und gleichzeitig ein Hohlkreuz, kann es sich um einen Hohlrücken handeln (bei Kindern im Vorschulalter ist dies noch eine normale Entwicklung, sie sollte aber spätestens mit dem 7. Lebensjahr ausgeglichen sein). Schwache Bauch- und Gesäßmuskeln verhindern, dass sich das Becken aufrichtet. Diese Haltungsschwäche kann zu einem vorzeitigen Wirbelsäulenverschleiß im Lendenbereich führen.Das Aufrollen des Oberkörpers aus der Rückenlage bei angewinkelten Beinen sowie das Auf- und Abwinden an Stangen und ähnlichen Klettergeräten sind wichtige Übungen, die die Bauchmuskulatur Ihres Kindes kräftigen. Zur Stärkung der Gesäßmuskulatur achten Sie darauf, dass ihr Kind viel läuft, Treppen steigt und viel Fahrrad fährt, statt Rolltreppen und andere Fortbewegungsmittel zu benutzen. Meist tritt im Zuge einer allgemeinen Muskelschwäche eine Kombination aus diesen beiden beschriebenen Rückenschwächen, die Haltungsschwäche "Hohl-Rundrücken" auf. Wenn Sie stärkere Auffälligkeiten vermuten, dann gehen Sie mit Ihrem Kind zum Arzt. Gerade die Beurteilung der Haltung und die Abgrenzung von Haltungsschwächen zu eventuell vorliegenden Haltungsschäden ist sehr schwierig. Die sich ständig wandelnde Gestalt des im Wachstum befindlichen Körpers erfordert hinsichtlich einer detaillierten Analyse eine große Erfahrung und den täglichen Vergleich. Äußere Haltung - innere HaltungNicht jede auffällige Rückenform ist immer auch eine Haltungsschwäche. Häufig drücken sich unterschiedliche Gefühlszustände in einer der beschriebenen Haltungsformen aus.Insbesondere Kinder äußern sehr unmittelbar ihre Stimmungen und das jeweilige Befinden auch in Ihrer Haltung. Die innere Haltung wird zur äußeren Haltung. Seelisches und Körperliches stehen miteinander in enger Wechselbeziehung. Innerseelische Gehalte wie Stimmungen, Gefühle und Affekte drängen nach außen und drücken sich in Haltung und Bewegung aus. Kinder hüpfen und tanzen häufig spontan, wenn sie sich freuen. ![]() Angst, Nervosität, Unlust, Leistungsdruck dagegen wirken belastend auf die Haltung. Diesen Kindern können wir mit haltungsfördernden Übungen allein nicht helfen. Hier ist erst einmal eine Analyse der psychischen Befindlichkeit erforderlich. Manchmal helfen bereits kleine Zuwendungen, Ermutigungen oder nur Verständnis. Die Schuhe schon wieder einseitig abgelaufen - damit die Füße nicht schlapp machenEin leistungsfähiger Fuß ist die Grundlage für den Haltungsaufbau und die Bewegungsleistung unserer Kinder. Der Fuß muss u. a. stützen, halten, tasten, greifen und federn. Die Hände werden tagtäglich in sehr differenzierter Art und Weise beansprucht. Kein anderes Körperteil wird aber so vernachlässigt wie die Füße. Sie sind ganz unten am Körperende und meistens im Schuhwerk versteckt.Der Fuß, ein Symbol für Lebenstüchtigkeit. "Auf großem Fuß leben", "gut zu Fuß sein", "so weit die Füße tragen". Unsere Standfestigkeit und jede unserer Bewegungsleistungen beruhen mehr oder weniger auf der Funktionsfähigkeit unserer Füße. Jede Einschränkung dieser Fähigkeit behindert uns. Von der Geburt aus ist der Fuß für seine Aufgabe als Stütz- und Bewegungsorgan hervorragend ausgestattet und wird nur durch absolute Ignoranz in seiner Leistung beeinträchtigt. Leistungsgeschwächte Füße aber sind verantwortlich für viele Haltungs- und Bewegungsprobleme. Erste äußerliche Anzeichen für nicht leistungsfähig entwickelte Füße sind einseitig abgelaufenes Schuhwerk. Wie wichtig dieses Beobachtungsmerkmal ist, zeigt uns folgender Vergleich: Jeder Autofahrer weiß, dass ein einseitig abgelaufener Autoreifen Rückschluss auf eine verstellte Spur gibt. Damit die Fahrsicherheit und der Fahrkomfort wieder hergestellt werden kann, muss er umgehend eine Spezialwerkstatt aufsuchen, die ihm die Spur wieder einstellt. Ähnlich wie bei der Haltung des Rumpfes, so macht der kindliche Fuß und die Beine im Laufe der Entwicklung bis etwa zum 8. Lebensjahr vielfältige Wandlungen durch, die man kennen muss, um nicht einzelne Durchgangsetappen als krankhaft anzusehen. Nach dem 8. Lebensjahr sollte allerdings eine gerade Beinachse beim Kind zu beobachten sein. Anhand folgender Kriterien können Sie selbst erkennen, ob eine mögliche Haltungsschwäche der Füße vorliegt:
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![]() Stellen Sie bei Ihrem Kind o. g. Kriterien fest, dann sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Er erläutert Ihnen die vorhandene Symptomatik und wird gegebenenfalls eine stützende Einlage verordnen. Bitte bedenken Sie aber, dass die Einlage die Ursache - zu schwache Fußmuskulatur - nicht behebt. Die Einlage korrigiert nur passiv die Knickposition der Ferse und stützt das Fußlängsgewölbe im tragenden Teil. Gezielte Aktivitäten auf der Grundlage folgender Beschreibungen sind noch viel wichtiger. Achten Sie darauf, dass sich Ihr Kind so oft wie möglich barfuss bewegt. Auf weichem Untergrund, wie Rasen oder Sand macht es besonders Spaß. Mit den Füßen greifen, die Füße strecken und beugen sowie elastisches Hüpfen und Springen können das Entstehen von Fußschwächen verhindern. Für eine gesunde Fußentwicklung sind auch die Schuhe ganz wichtig. Sie sollten nicht steif, nicht zu groß und nicht zu eng sein. Informationen hierzu erhalten Sie auch im Schuhgeschäft. AutorDr. Dieter Breithecker, Sport- und Bewegungswissenschaftler, Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e. V. Autor und Mitautor zahlreicher Veröffentlichungen und Videoproduktionen. Referententätigkeit bei Kongressen und Lehrveranstaltungen zu diesen Arbeitsschwerpunkten:
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Dr. Dieter Breithecker | ||||
Letzte Änderung: 28.12.2007 13:05:33 |