ZUM TEXTHauptmenüHauptseiteFamilienhandbuch-Forum Stichwortsuche von A bis ZAktivitäten mit KindernAngebote/Hilfen Behinderung Elternschaft Ernährung Erziehungsbereiche Erziehungsfragen Familie und Beruf Familienbildung Familienforschung Familienpolitik Gesundheit Häufige Probleme Haushalt/Finanzen Jugendforschung Kindertagesbetreuung Kindheitsforschung Kindliche Entwicklung Leistungen für Familien Partnerschaft Rechtsfragen Schule Teil- und Stieffamilien Trennung/Scheidung VerschiedenesImpressumKontakt | ZUM MENÜKann ein Hund Kinder trösten, wenn sich Eltern scheiden lassen?DER POSITIVE EINFLUSS EINES HUNDES AUF KINDER IN SCHEIDUNGSKRISEN AUS MÜTTERSICHT UND DIE SPEZIFISCHE KIND-HUND-BEZIEHUNG AUS KINDERSICHTTanja Hoff und Reinhold Bergler Die Aktualität des Themas ist mehrfach begründet:
Aufgabenstellung der UntersuchungThemen unserer Untersuchung waren:
Methode der UntersuchungIn persönlichen Interviews wurden mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens befragt:
Die beiden Müttergruppen unterschieden sich nicht in ihren demographischen Merkmalen (Alter, Ausbildung, Berufstätigkeit, Einkommen). In der Untersuchung nachgewiesene Unterschiede können damit nicht soziodemographisch begründet sein. Ergebnisse der Untersuchung1. Die Situation der Mütter und der Kinder im ScheidungskonfliktDie Kinder sind in der Scheidungsphase kontinuierlich den vielfältigen affektiven Belastungen einer gestörten Familie von mindestens ein bis zwei Jahren ausgesetzt.Man muss wissen, in welcher Atmosphäre Kinder in Scheidungskrisen zu leben gezwungen sind, um dann auch die Situationen und Erlebnislagen zu erkennen, in denen ein Hund möglicherweise eine wesentliche Entlastungs- und damit co-therapeutische Funktion übernehmen kann. Kinder erleben ihre Mütter überwiegend in einer Situation, die von Verzweiflung, Verunsicherung und Orientierungsverlust geprägt ist. Diese psychologische Destabilisierung der Mütter ist gleichzeitig immer auch ein Prozess der Destabilisierung der Kinder. Die faktorenanalytisch ermittelten Erlebnisdimensionen der Mütter im Scheidungskonflikt sind: Faktor I: Verlust der Lebensfreude und des Selbstwertes: Resignation, Depression, Destruktion Faktor II: Hilflosigkeit und Ohnmacht Faktor III: Ängste, Einsamkeit, Sorge um das Kind Faktor IV: Gefühle der Erleichterung und Unabhängigkeit Mütter unterscheiden sich allerdings nach dem Ausmaß, in dem sie von solchen Erlebnislagen betroffen sind. Die durch Clusteranalysen gewonnene Typologie der Mütter in Scheidungskrisen belegt, dass der Großteil der Mütter (79,8% = Typ 1 und 2) unfähig ist, die Krise aktiv zu bewältigen: Ängste und Depression sind die allgegenwärtigen Alltagsstressoren: Typ 1 (41,6%): Intensive Ängste; psychosomatische Symptome Typ 2 (38,2%): Depression durch unzureichende Verarbeitung der Krise Typ 3 (8,8%): Tiefe Enttäuschung, aber aktive Handlungsorientierung Typ 4 (11,4%): Erleben von Erleichterung und Unabhängigkeit Was bedeutet dies alles für den Großteil der Kinder?
2. Die Risikofaktoren der kindlichen Entwicklung in der ScheidungskriseMütter erleben die Scheidungsphase als Entwicklungskrise ihrer Kinder. Die Dokumentation der Beobachtung des eigenen Kindes in unserer Untersuchung zeigt vielfältige Verhaltensstörungen und psychosomatische Beschwerden. Das Erleben und Verhalten des Kindes während der Scheidung wird von Müttern unter sechs Aspekten wahrgenommen:Faktor I: Aggressives Verhalten Faktor II: Psychosomatische Beschwerden, Unselbständigkeit Faktor III: Verlustängste, Albträume Faktor IV: Verstärkte Mutterbindung Faktor V: Versuch, Trennung rückgängig zu machen Faktor VI: Verleugnung. Ein Vergleich der Ergebnisse der Verhaltensbeobachtung von Müttern mit einem Hund und solchen ohne einen Hund belegt zusätzlich allerdings eine Reihe signifikanter Unterschiede. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse eines Vergleichs zwischen Scheidungskindern mit und ohne Hund ergibt die folgenden spezifischen Befunde: ![]() Scheidungskinder ohne einen Hund in der Restfamilie zeigen aus der Sicht ihrer Mütter also verstärkt:
Scheidungskinder mit einem Hund zeigen aus der Sicht ihrer Mütter demgegenüber verstärkt:
Kinder mit einem Hund zeigen durch ihre erhöhte Sensibilität, ihre Ängste, ihre verstärkte Mutterbindung, aber auch ihre Stimmungslabilität und Krankheitsanfälligkeit ein auch für die Mütter verständliches Verhalten; es ist unmittelbar vergleichbar mit dem eigenen Erleben und Verhalten. Die Entwicklung sozial destruktiver und potentiell pathologischer Verhaltensweisen tritt signifikant weniger auf. Nicht zuletzt wird dies durch den intensiven Bezug zum eigenen Hund verhindert: Der Hund als Grundlage für die Entwicklung einer neuen sozialen Sicherheit, Zuwendung und Hilfe bei der Stimmungsstabilisierung. 3. Die spezifische Qualität der Kind-Hund-Beziehung in der Scheidungskrise: Ergebnisse der Befragung der KinderDie Qualität der Beziehung zwischen Hund und Kind besitzt in der Scheidungskrise eine im Vergleich zu Normalfamilien wesentlich höhere Intensität und Wertigkeit. In den wörtlichen Aussagen der Kinder kommen die Gefühle des Kindes gegenüber dem Hund besonders anschaulich zum Ausdruck:![]() Die Aussagen der Kinder belegen in anschaulicher Form die zentrale präventive, pädagogische und auch co-therapeutische Bedeutung eines Hundes in der Scheidungskrise. Die Ergebnisse der Befragung der Kinder lassen sich zu einem Beziehungsprofil zusammenfassen: Für die von uns befragten Scheidungskinder war ihr Hund in der elterlichen Scheidungskrise nach eigenen Aussagen also
Zudem sind 74 Prozent aller Mütter - unabhängig davon, ob sich in der Familie ein Hund befindet oder nicht - von der präventiven und co-therapeutischen Wirkung von Heimtieren für Kinder in Scheidungskrisen überzeugt. Nur 9,5 Prozent können sich gewisse Belastungen durch ein Heimtier vorstellen. Die von Müttern mit Hund erlebten bzw. von Müttern ohne Hund erwarteten therapeutischen Wirkungen eines Hundes auf Scheidungskinder sind vielfältiger Natur, wobei sich signifikante Unterschiede auf Seiten der Mütter zwischen den beobachteten und den vermuteten Wirkungen nicht feststellen lassen. Was begründet nun die co-therapeutische Wirkung eines Hundes in der Scheidungskrise? Es sind drei Faktoren, die das Wirkungsspektrum charakterisieren: ![]() Die Ergebnisse zeigen, dass in der Scheidungskrise und der anschließenden Phase des schmerzhaften Erlebens einer verlassenen Familie ein Hund dem Kind all jene Bedürfnisse und Gefühle zu befriedigen vermag, die von der Mutter nur noch beschränkt oder überhaupt nicht erfüllt werden können. Der Hund vermag aber auch eine co-therapeutische Wirkung auf Seiten der Mütter auszuüben: Die intensive positive Kind-Hund-Beziehung ist eine Entlastung für das eigene schlechte Gewissen gegenüber dem Kind und den Ängsten um die mögliche Schädigung des Kindes durch die Scheidung. Dies begründen Mütter mit einem Hund mit einer Reihe von Beobachtungen: Mit dem Anstieg des elterlichen Konfliktniveaus - so die Mütter:
ZusammenfassungDie Studie belegt eindeutig die vielfältigen positiven präventiven und co-therapeutischen Effekte eines Hundes für Kinder in der konfliktären Scheidungskrise. Und dies sowohl aus Mütter- wie aus Kindersicht. Diese positiven Effekte liegen in einem spezifischen psychologischen Leistungsprofil eines Hundes begründet:
Autoren
Univ.-Prof. (emeritus) Dr. phil. Reinhold Bergler, geb. 24.01.1929; | ||
Letzte Änderung: 31.01.2006 11:46:00 |