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Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Let's talk English!

Sigrun Rux       Sigrun Rux


Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr - trifft zwar bei Fremdsprachen nicht unbedingt zu, dennoch gilt als erwiesen: je früher eine Fremdsprache erlernt wird, desto besser und tiefer wird sie verankert. Außerdem lernen Kinder eine Fremdsprache in diesem Alter mit so viel Spaß und Begeisterung, dass das "Lernen" fast nebenher geschieht.

Ganzheitliches Fremdsprachenlernen

"Sleep my little baby, sleep...", flötet es aus dem Kinderzimmer, als ich nachsehen will, ob meine vierjährige Tochter ihr Bett endlich von den zahllosen Stofftieren befreit hat, damit sie selbst darin Platz zum Schlafen findet. Doch zuerst muss noch Platz für die Lieblingspuppe und den kleinen Stofftiger gemacht werden, denn diesen beiden Favoriten muss zuerst noch ein kleines Liedchen auf Englisch vorgesungen werden, bevor ich meine Gute-Nacht-Geschichte erzählen darf. Solche Erlebnisse haben wir jetzt immer öfter, wenn meine Tochter aus dem Englisch-Unterricht von "Anny?s English Ranch" nach Hause kommt, den eine sehr engagierte US-Amerikanerin nach der Helen-Doron-Methode für Kinder im Kindergarten - und Vorschulalter veranstaltet. Die Linguistin Helen Doron, die in Linz lebt, hat eine aufsehenerregende Methode entwickelt, mit der bereits Kleinkinder ab dem ersten Lebensjahr einfach und spielerisch akzentfreies Englisch lernen.

Die Sprache wird ganzheitlich vermittelt, genauso natürlich wie ein Baby seine Muttersprache erlernt. Nach diesem Prinzip arbeiten übrigens auch viele andere moderne Sprachpädagogen und Linguisten. Die Kinder hören im Kurs nur die Fremdsprache, wobei das nicht unbedingt Englisch sein muss. Dieses Sprachbad, in das die Kinder eintauchen, sorgt dafür, dass ganz schnell ein Gehör für die fremde Sprache entwickelt wird und die Laute genau nachgeahmt werden können. Außerdem entfallen die typischen Hin-und-Her- Übersetzungsfehler zwischen Mutter- und Fremdsprache. Die Kinder überlegen nicht: Was heißt zum Beispiel gelb auf Englisch, sondern sie assoziieren sofort, wenn sie die Farbe im Englischkurs sehen: "This is yellow". Schon nach wenigen Wochen überraschen die Kinder ihre Eltern mit ersten englischen, französischen oder schwedischen Wörtern und Sätzen. Hier wird ein wichtiger Grundstein für spätere Fremdsprachenarbeit gelegt und es wird gezeigt wie viel Spaß heute ein moderner Fremdsprachenunterricht für Kinder machen kann.

Nützen Sie das Potential Ihrer Kinder!

Wenn Kinder auf die Welt kommen, haben sie ein unvorstellbar großes Entwicklungspotential. Sie könnten ohne weiteres alle Sprachen lernen! Sei es russisch, chinesisch oder deutsch, es kommt lediglich darauf an, wo die Kinder aufwachsen. In manchen Ländern wie zum Beispiel in den Beneluxstaaten lernen die Kinder von Anfang an zwei Sprachen. Leider bleibt dieses Potential oft ungenutzt. Einerseits ist das Fehlen von Reizen dafür verantwortlich, dass die Kinder ihren Fremdsprachenwortschatz nicht aus dem Vollen schöpfen können, aber auch die Erziehung spielt eine wesentliche Rolle: "Das Kind lernt zu 80 Prozent durch Nachahmen und nur zu 20 Prozent über das, was es gesagt bekommt", berichtet die Linguistin Helen Doron, "für die Praxis bedeutet das, Kinder lernen eine Sprache am besten, wenn sie die fremdsprachlichen Ausdrücke täglich hören".

Ein Kindergarten - oder Vorschulkind ist noch zu unreif für das Lernen, in dem Sinne, wie es von älteren Kindern erwartet wird. Es braucht einen ursprünglicheren Zugang zu einer fremden Sprache. Anstelle des Erlernens der Sprache muss es dem Kind ermöglicht werden, diese ganzheitlich zu begreifen, und zwar in derselben kindgerechten Art und Weise wie das Begreifen in allen anderen Bereichen der Entwicklung funktioniert.

Was das einfache Erlernen einer Sprache betrifft, zeigen bereits Kleinkinder ein erstaunliches Geschick. Eltern können das bestätigen: Wie von selbst entstehen aus dem ersten Gebrabbel des Babys erste Worte, und schon bald die ersten Sätze. Das Fantastische daran ist, dass auch Fremdsprachen nach dem gleichen Prinzip erlernt werden können. Forschungen haben nämlich gezeigt, dass bis zum Alter von sechs Jahren, das Gehirn noch äußerst flexibel ist. Und das Gehirn spielerisch damit fertig wird, die Strukturen auch für mehrere Sprachen gleichzeitig anzulegen - sofern ihm das richtige Umfeld geboten wird. Basierend auf dieser Erkenntnis haben nun Sprachpädagogen und Linguisten verschiedene Programme entwickelt, die es Kindern zwischen 0 und 14 Jahren ermöglichen, Englisch (aber auch Französisch , Russisch oder Japanisch usw.) gleichsam wie eine zweite Muttersprache zu erlernen.

Der Trick besteht darin, die Kinder schon möglichst früh in ein fremdsprachiges Umfeld einzugliedern, in dem sie sich spielerisch die "zweite Sprache" aneignen können und zwar von Anfang an akzentfrei. Freude, Spiel und Spaß bilden die Hauptelemente des durchdachten Konzepts, bei dem die Kinder in Kleinstgruppen - im Idealfall 4-8 Teilnehmer - unter Anleitung eines Native Speakers Bekanntschaft machen. Der Unterricht findet ausschließlich in der Fremdsprache statt, selbst wenn diese den Kleinkindern noch völlig fremd ist.

Das Spracherlebnis ist wichtig

Was mir an der Methode, die unsere "Anny" praktiziert, so gefällt, ist der positive Eindruck, den sie von der - in diesem Falle - englischen Sprache und auch von ihrem Land vermittelt. Einmal erzählt sie von Cowboys und Indianern, die im Wilden Westen ihr Unwesen trieben, ein anderes Mal bastelt sie gemeinsam mit den Kindern Halloween-Masken oder feiert ein Kürbisfest. Um den Kindern am Anfang die Scheu zu nehmen, verwendet sie einen kleinen Waschbären, "Ricky Racoon", der herumgereicht wird, gestreichelt werden darf und sogar sprechen kann.

Auch Englischgruppen in Kindergärten veranstalten landestypische Feste oder bereiten alljährliche Sommerfeste oder Weihnachtsfeiern vor. Auch Projektarbeiten im Kindergarten (z.B. zum Thema Garten) werden mit englischen Wörtern und Wendungen begleitet, damit der aktuelle Bezug zur Kindergartenarbeit gegeben ist.

Für jede Altersgruppe gibt es spezielle Lernunterlagen wie Arbeitsmappen und Audiokassetten. Damit das Gelernte zu Hause gefestigt werden kann, ist es wichtig diese Kassetten täglich anzuhören, wobei eine Hintergrundberieselung, etwa beim Spielen oder Autofahren, völlig ausreichend ist.

Der Vorteil: die Lieder und Ausdrücke sind jederzeit greifbar und das ist ja auch der Sinn dieser Methode. "Eine Fremdsprache sollte nicht nur über den Kopf sondern über alle Sinne und mit viel Action und genügend Abwechslung über den ganzen Körper aufgenommen werden", ist Helen Doron überzeugt: "Das ist das Geheimrezept der Frühförderung".

Autorin

Sigrun Rux, Journalistin, Fachgebiete: Medizin und Psychologie

Mail: Sigrun Rux







Letzte Änderung: 28.12.2007 13:07:15Zum Seitenanfang