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Vertrauen und glauben lernenDas Wichtigste, was das Kind in den ersten Lebenswochen nach und nach erlernt, ist, dass es einfach vertrauen muss. Wenn Sie als Mutter oder Vater zuverlässig für das Kind sorgen, dann hat es eine Chance, ein ganz ausgeprägtes Vertrauen zu entwickeln. Es hat die Kraft, sein Vertrauen gegen seine Angst zu stemmen.Sein Vertrauen stärken Sie, wenn Sie als Eltern in der Versorgung des Kindes nicht einfach "funktionieren", sondern mit ihm auch außerhalb des Mutterleibes das fortsetzen, was es schon aus dem Bauch kennt: Sie sprechen, singen, bewegen sich, wiegen ihr Kind und teilen mit ihm Ihre Empfindungen. Wenn Sie auch während der Schwangerschaft gebetet und beim Besuch des Gottesdienstes gesungen und sich bewegt haben, dann nehmen Sie Ihr Kind in Ihr Gebet mit und in die Kirche als einen Ort, der ihm vertraut ist und in dem Vertrautes geschieht. In der Fremdelphase um den siebten bis neunten Lebensmonat wird deutlich erfahrbar, was Ihr Kind schon gelernt hat. Was so lästig für die Eltern ist, das ist ein notwendiger großer Entwicklungsschritt für das Kind: Es erkennt die Vertrauenswürdigkeit seiner Vertrauensperson. Sie ist sein Ein und Alles, anderen traut es - noch - nicht. Wenn sich im Anschluss daran das Vertrauen-Müssen verwandelt und das Kind spürt: Ich darf vertrauen, dann ist das Schwierigste geschafft. Das Kind hat dann das so genannte "Urvertrauen" erlernt: Mein Leben ist behütet, auch wenn alles dagegen zu sprechen scheint. Mit gut einem Jahr kommt dieses Vertrauen dann sogar in Hochstimmung: Das Kind hat die Kraft, Vertrauen zu wagen auch über einen aktuellen Missstand hinaus. Etwas Wunderschönes in dieser Phase ist das "Kuckuck-Spiel", das die Kinder entdecken. Sie lernen dabei: Auch wenn Mama oder Papa für kurze Zeit hinter einem Tuch oder Tisch verschwindet, ist sie oder er nicht wirklich weg. Übrigens erfahren Kinder dabei auch die Grundlagen für ihr Vertrauen auf Gott: Er ist da, auch wenn er nicht sichtbar ist. Vertrauenspersonen sind nicht allmächtigDie Schauspielerin Hannelore Elsner beschreibt das Vertrauen-Müssen im Buch "Freundinnen" von Ute Karen Seggelke. Sie sagt über sich selbst als kleinem Mädchen: "Ich sehe die ganze Angst und ich sehe dieses Nicht-bei-sich-Sein und dieses Angewiesensein auf die Zuwendung und Kritik der anderen." Hannelore Elsner (die übrigens in diesem Buch erzählt, dass sie keine Freundin hat) zieht daraus die eigenartige Konsequenz: "Ich [?] habe gemerkt, dass ich immer wieder zu mir zurückkommen muss."Was ein Anspruch - und wie unerfüllbar! Wer immer wieder nur zu sich selbst zurückkommen muss, misstraut allen übrigen. Wer nur sich selbst vertraut, überfordert sich ständig. Das Kind muss und darf Ihnen vertrauen. Sie werden alles tun, sein Vertrauen nicht zu enttäuschen. Und manchmal sagen Sie auch beruhigend: "Mama ist ja da", um auch sich selbst zu bestärken, dass Sie das Sicherheitsbedürfnis des Kindes beantworten können. Sie sagen es wohl kaum, um das Kind glauben zu machen, Sie könnten wirklich alle Schwierigkeiten in den Griff bekommen. Sie sagen es, weil Sie Gott als Ihrem starken Partner an Ihrer Seite vertrauen, nicht aber, weil Sie an seine Stelle treten möchten. Das Kind behält dennoch bis zur Pubertät das Vertrauen in Papa und Mama, das sagen kann: Die werden schon richten, was ich nicht schaffe. Darum kommen Kinder gerne Schutz suchen zu ihren Eltern zurück. Doch schon das Kleinkind hat eine Ahnung davon, dass Erziehende keine absolute Sicherheit geben können. Damit kann es leichter umgehen, wenn Sie ihm vermitteln, dass auch Sie sich jemandem anvertrauen. So lernt es Gott als Ihr Gegenüber und Miteinander kennen. Beispielhaft dafür, wie das reifere Kleinkind reagiert, wenn sein Vertrauen erschüttert wird, war der 11. September 2001. Kinder im Kindergartenalter hatten tief sitzende Ängste, als sie von den einstürzenden Hochhäusern in New York erfuhren und zum Teil auch die Bilder sahen. Häuser haben nicht einzustürzen, erst recht sollen sie nicht durch böse Menschen zum Einsturz gebracht werden. "Kann unser Haus auch einstürzen?", "Kommen die Bösen auch zu uns?" - Kinderfragen zeigen, dass sie sich der Brüchigkeit ihrer Lebenswelt bewusst sind. Ein Kind, das vertrauen gelernt hat, hält es aus, sich damit auseinanderzusetzen. Das Gespräch schon mit dem Kleinkind ist wichtig - es soll ja nicht blind vertrauen, sondern ein Grundvertrauen in das Leben durchtragen können, während es heranwächst. Wie Sie das Vertrauen Ihres Kindes stärken
Glauben vertraut der ErfahrungAbsolute Sicherheit geben kann niemand. Auch der Religion gelingt dies nicht. Gläubiges Vertrauen lehnen manche Menschen als "Vertröstung" ab. Noch angesichts des Untergangs ein wackeres Lächeln einzufordern hat mit vertrauendem Glauben nichts zu tun. Die Ermutigung, auch angesichts akuter Hindernisse Vertrauen zu wagen, spricht dagegen die Sprache der christlich-jüdischen Religion. In der Bibel gibt es davon Erzählungen zuhauf: Auf Gottes Wort hin klopft Mose in der Dürre der Wüste auf einen Felsen und Wasser fließt heraus. David nimmt als Kleiner den Kampf gegen den kräftigen Goliat auf und gewinnt. Auf Jesu Anruf hin geht Petrus über das Wasser. Die Jüngerinnen und Jünger spüren nach Jesu Tod ein Brausen, das ihr Haus erfüllt; sie deuten es als Zeichen Jesu Christi und wagen sich mit ihrer doch so abwegig scheinenden Botschaft auf die Straße. Und mit allem Schlechten, was passiert, vertrauen sich die Gläubigen immer noch vertrauend Gott an: Davon erzählt das ganze Buch der Psalmen.Glauben, also das Vertrauen im religiösen Sinne, ist eine Vertrauensfrage. Der Glaube baut auf die Erfahrungszeugnisse der Glaubenden, die vorher geglaubt haben. Auf Menschen, die noch als Erwachsene sagen können: Mein Leben ist behütet, auch wenn alles dagegen zu sprechen scheint. Lassen Sie das Ihr Kind spüren: Du darfst mir vertrauen. Ich vertraue auch dir, weil ich dir das Leben zutraue. Wenn es schwer wird, mir und der Welt zu trauen, dann mache ich dir ein Angebot. Ich zeige dir, wie ich Gott vertraue. Literatur
Barbara Sichtermann, Leben mit einem Neugeborenen. Ein Buch über das erste halbe Jahr, Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt/Main, Neuauflage 2001 AutorinAngela M. T. Reinders, Jahrgang 1965, Dipl.-Theologin, Redakteurin beim Bergmoser + Höller Verlag AG, Aachen Anschrift
Angela M. T. Reinders | |||||||||||||||||
Letzte Änderung: 18.04.2007 15:15:59 |