| ZUM TEXT | | Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP) ZUM MENÜErnährungserziehungGudrun Donig Ernährungserziehung ist so individuell wie die Erziehung in allen anderen Bereichen; es gibt auch hier keine "Patentrezepte". Allerdings können einige Regeln den Zugang zu einem gesundheitsorientierten Ernährungsstil erleichtern:
- Die wirkungsvollste Erziehung ist Ihr eigenes Ernährungsverhalten, denn Sie sind die wichtigsten Vorbilder für Ihre Kinder! Was Sie gerne und oft essen und trinken, hat gute Chancen, auch von Ihren Kindern akzeptiert zu werden. Was Sie nicht mögen, lehnen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Ihre Kinder ab. Ein reichhaltiges Angebot nährstoffreicher Lebensmittel am Familientisch sollte deshalb selbstverständlich sein.
- Es ist ganz normal, wenn Kinder bestimmte Speisen ablehnen. Auch Sie mögen nicht alles. Problematisch wird es erst, wenn Kinder eine wichtige Lebensmittelgruppe (z. B. Gemüse) vollständig ablehnen oder ihren Hunger überwiegend außerhalb der Hauptmahlzeiten stillen. So weit sollte man es gar nicht erst kommen lassen! Beachten Sie deshalb: Kinder dürfen essen, sie müssen nicht essen. Kein Kind wird freiwillig Hunger leiden. Machen Sie sich deshalb keine Sorgen, wenn Ihr Liebling wieder einmal "isst wie ein Spatz". Das Kind holt es wieder nach.
- Da Kinder noch ein anderes Geschmacksempfinden als Erwachsene haben, lehnen viele Kinder Lebensmittel mit ausgeprägtem Eigengeschmack ab, z. B. Lauch oder Kohlgemüse. Die meisten Kinder bevorzugen Lebensmittel mit eher mildem und neutralem Geschmack. Deshalb sind z. B. Nudeln, Gelbe Rüben oder Gurke bei fast allen Kindern beliebt.
- Der Esstisch darf nicht zum "Kampfplatz" werden. Beim Streit ums Essen steht das Kind immer im Mittelpunkt, und die Eltern wenden ihm ihre ungeteilte Aufmerksamkeit zu. Der Streit ums Essen wird deshalb leicht zum "Dauerbrenner" in der Familie. So können Sie ihm vorbeugen: Berücksichtigen Sie bei der Lebensmittelauswahl die Vorlieben und den Geschmack Ihrer Kinder, aber lassen Sie sich nicht von ihnen diktieren, was Sie auf den Tisch bringen dürfen. Nicht die Vorlieben Ihrer Kinder bestimmen, was es gibt, sondern Ihr Wissen um eine gesunde und bedarfsgerechte Ernährung. Ihr Kind darf entscheiden, was und wie viel es von diesem Angebot isst. Damit es nicht hungern muss, wenn es einmal gar nichts mag, darf es immer soviel Brot essen wie es möchte.
- Kinder empfinden Essen oft als lästige Unterbrechung ihres Spiels. Sie spüren momentan keinen Appetit, bekommen jedoch recht bald nach der Familienmahlzeit Hunger. Dem sollten Sie konsequent vorbeugen:
Bestehen Sie darauf, dass Ihr Kind sich bei den Mahlzeiten wenigstens für 10 Minuten mit an den Tisch setzt. Meist kommt dann auch der Appetit.
- Nehmen Sie die Mahlzeiten so oft wie möglich gemeinsam am Familientisch ein. Ein fester Mahlzeitenrhythmus ist hilfreich.
Wenn das Kind trotzdem einmal wenig oder nichts gegessen hat, sollte es bis zur nächsten Mahlzeit nicht hungern müssen. Ein Stück Brot, Obst oder Gemüse oder ein Glas Milch zwischendurch sind angemessen. Die nährstoffreichen Lebensmittel der Hauptmahlzeit sollten keinesfalls durch Süßigkeiten oder Snackprodukte ersetzt werden. Die Zwischenmahlzeit darf nicht so attraktiv sein, dass es sich für das Kind "lohnt", bei der Hauptmahlzeit nichts zu essen.
- Der Teller muss nicht leergegessen werden. Wenn bei Ihrem Kind "die Augen oft größer sind als der Magen", lassen Sie es nur kleine Portionen nehmen und lieber öfter nachfassen.
- Viele Lebensmittel lassen sich so anbieten, dass sie für Kinder attraktiver werden. Hier ist Ihr Einfallsreichtum gefragt:
Manche Kinder mögen z. B. Gemüse nur roh und Salat nur ohne Marinade. Dieser Vorliebe kann man ohne zusätzlichen Zeitaufwand entgegenkommen. Kleine Formen und bunte Farben sprechen Kinder an: Gemüse als leckere Soße oder einmal mit Förmchen ausgestochen schmeckt auch vielen "Gemüsemuffeln". Gemüse schmeckt als "Fingerfood" mit einem Quarkdip oder als Dekoration auf einem belegten Brot. Es lässt sich geraspelt oder püriert in Aufläufen, Suppen und Soßen "verstecken".
- Kinder, die z. B. Milch nicht gern trinken, akzeptieren häufig Milchmixgetränke. Joghurt, Pudding oder Früchtequark sind oft beliebte Nachspeisen oder Zwischenmahlzeiten; es darf ruhig auch mal ein Milchspeiseeis sein. Milch lässt sich außerdem in Suppen, Soßen, Brei (z. B. Grießbrei, Kartoffelbrei) und Aufläufen (z. B. Reisauflauf) verarbeiten. Auch mit Käse überbackene Speisen mögen viele Kinder gern. Ebenso lassen sich bei den anderen Lebensmittelgruppen viele Möglichkeiten finden, sie durch entsprechende Auswahl oder Zubereitung den Kindern schmackhaft zu machen.
- Wenn Ihr Kind etwas probieren soll: Lassen Sie zu, dass es nur eine winzige Menge versucht. Wenn es dann mehr möchte: kein Lob, denn Essen ist keine Leistung, und Kinder sollten sich nicht angewöhnen, für das Essen durch Worte oder kleine Geschenke belohnt zu werden. Wenn Ihr Kind die Speise weiterhin ablehnt: Akzeptieren Sie auch das ohne Diskussion. Bieten Sie die Speise bei anderer Gelegenheit beiläufig wieder an. Der Geschmack ändert sich bei Kindern oft schnell.
- Ermöglichen Sie Ihrem Kind möglichst vielfältige Erfahrungen mit Grundnahrungsmitteln: Kinder sind wissbegierig und lernen gern. Nehmen Sie Ihr Kind zum Einkauf mit und erklären Sie ihm, woher die Lebensmittel kommen. Wenn Sie einen Garten haben, lassen Sie Ihr Kind z. B. bewusst erleben, wie ein Radieschen wächst, oder lassen Sie es die Kräuter für den Salat ernten. Lassen Sie Ihr Kind oft in der Küche "mithelfen". Auf diese Weise lernt es, den Wert einer selbst zubereiteten Mahlzeit aus frischen Zutaten zu schätzen.
- Essen ist kein Erziehungsmittel! Setzen Sie es weder als Trostpflaster noch als Lob ein. Bestrafen Sie auch nicht durch Essensentzug: Ein Kind, das vom Hauptgericht nichts mag, sollte trotzdem von der Nachspeise bekommen - allerdings keine Extraportion!
- Wenn Ihr Kind trotz allem eine wichtige Lebensmittelgruppe, z. B. Gemüse, komplett ablehnt oder wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Kind alles Notwendige bekommt, sprechen Sie mit dem Kinderarzt oder einer Ernährungsberaterin darüber.
- Gemeinsame Mahlzeiten sind wertvolle Familienzeit. Kinder und Eltern sollten sie in angenehmer Atmosphäre erleben. Die Kinder erfahren so, dass Essen und Trinken zum Wohlbefinden beitragen und schätzen das Essen als wichtigen Bestandteil des täglichen Lebens, für den man auch Zeit und Überlegung investiert. Wenn Kinder eine gesunde Ernährung in positiver Atmosphäre kennen lernen, ist die Chance am größten, dass sie dies akzeptieren und für ihr späteres Leben übernehmen.
Anmerkung
Dieser Artikel ist ein Beitrag der staatlichen Ernährungsberatung.
Über das Angebot vor Ort in Ihrem Landkreis (z. B. Info-Blätter, Vorträge und Praxisveranstaltungen) informiert Sie z.B. in Bayern die Staatliche Beratungsstelle für Ernährung und Hauswirtschaft am Amt für Landwirtschaft und Ernährung. Autorin
Gudrun Donig Landratsamt Fürth Gesundheitsamt - Ernährungsberatung Stresemannplatz 11 90763 Fürth
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