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![]() Im Kindergarten steht Teamarbeit auf dem Programm: Die Kinder sollen gemeinsam ein Bild mit Fingerfarben malen. Mit hochroten Wangen beugen sie sich über die große „Leinwand“, die auf dem Tisch ausgebreitet liegt, die kleinen Hände sind eifrig im Einsatz. Nur Lukas steht abseits. Er will partout nicht mitmachen. Erst als ihn die Erzieherin zum dritten Mal auffordert, taucht er widerwillig eine Fingerspitze in den Farbtopf. Doch schon nach zwei Strichen wischt er sich den Finger ab. Dann geht er zum Händewaschen und weigert sich beharrlich weiterzumalen. Die anderen Kinder sehen ihn vorwurfsvoll an: „Spielverderber!“ Was die Kinder nicht wissen können, die Erzieherin aber schon seit einiger Zeit ahnt: Lukas hat Wahrnehmungsstörungen. Rund 15 Prozent aller Kinder sind davon betroffen. Bei vielen dauert es allerdings Jahre, bis ihre Schwierigkeiten, wenn überhaupt, endlich erkannt werden. Denn es ist nicht leicht, solche Störungen richtig einzuordnen, da sie sich auf höchst unterschiedliche Weise äußern können: Das eine Kind ist launisch und reizbar, das andere ungeschickt in praktischen Alltagsanforderungen, das dritte ängstlich und unnahbar, das vierte unkonzentriert und leicht ablenkbar. Doch anstatt die wahren Ursachen zu sehen, wird den betroffenen Kindern oft nur Widerspenstigkeit oder Faulheit und den Eltern schlechte Erziehung vorgeworfen. Ein echtes Dilemma. Eltern und Erzieher sollten daher aufmerksam sein und die Entwicklung jedes Kindes genau beobachten. Dazu ist es wichtig zu wissen: Wie sieht eine gesunde Wahrnehmungsentwicklung aus? Woran erkennt man Wahrnehmungsstörungen? Und vor allem: Was kann man tun, um einem betroffenen Kind rechtzeitig zu helfen? Was ist Wahrnehmung?Wahrnehmung ist die Aufnahme von Reizen durch die Sinnesorgane und ihre Verarbeitung im Gehirn. Die sieben Sinne (Sinnesorgane) sind:
Woran man Wahrnehmungsstörungen erkenntGanz allgemein äußern sich Wahrnehmungsstörungen durch verschiedenste Merkmale – hier nur einige Beispiele:
Bei Verdacht auf Wahrnehmungsstörungen sollten Eltern ihr Kind ärztlich untersuchen lassen. Am besten wenden sie sich an ihren Kinderarzt oder einen Neurologen, der ihnen die ärztliche Verordnung für eine gegebenenfalls anstehende Therapie ausstellen kann (zum Beispiel Ergotherapie oder Krankengymnastik). Außerdem sollten Eltern regelmäßig Gespräche mit den Erzieherinnen im Kindergarten führen. Denn oftmals äußern sich Wahrnehmungsstörungen dort ganz anders als zu Hause. Bei einer Störung der Hörwahrnehmung beispielsweise spielt die Geräuschkulisse im Kindergarten eine wichtige Rolle. Das betroffene Kind ist ab einem gewissen Lärmpegel nicht mehr in der Lage, gezielte Informationen aufzunehmen, da es die Hintergrundgeräusche nicht ausblenden kann. Die Folge: Es versteht Gesagtes nicht und kann daher nicht angemessen reagieren. Zu Hause ist das meistens anders. Dort hat man weder den Lärmpegel einer großen Gruppe noch muss man ihn über eine gewisse Distanz, wie zum Beispiel einen großen Gruppenraum, hinweg übertönen, sondern kann das Kind direkt ansprechen. So fallen einem die Verständnisschwierigkeiten des Kindes weniger auf. Kinder spielerisch fördernWas können Eltern – neben einer professionellen Förderung – selber tun, um die Wahrnehmung ihres Kindes gezielt zu fördern und seine gesunde Entwicklung zu unterstützen?Als erste Möglichkeit bietet sich die Mitarbeit im ganz normalen Alltag an. Anstatt dem Kind jeden Handgriff abzunehmen, sollten die Eltern es bewusst zu kleinen Tätigkeiten im Haushalt heranziehen: Den Tisch decken, einen Teig anrühren, Socken sortieren, den Fußboden kehren – all das sind Aufgaben, bei denen schon die Kleinsten mithelfen können und die ihnen das schöne Gefühl vermitteln, etwas Wertvolles zu leisten. Ganz nebenbei werden Wahrnehmung und Geschicklichkeit in vielfältiger Weise trainiert. Es gibt außerdem einige praktische Geräte und Gegenstände, die für eine gezielte Wahrnehmungsförderung sehr hilfreich sein können – zum Beispiel Trampolin und Hängematte, die den Haut- und Gleichgewichtssinn anregen, oder Kirschsteinsäckchen und Fußmassageroller, die die Körperwahrnehmung verbessern. Am meisten Spaß aber versprechen kreative Förderspiele, die alle Sinne anregen und nicht nur kleine, sondern auch größere Kinder zum Mitmachen motivieren. Hier einige Beispiele:
Neben diesen gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, ein Kind – oder auch mehrere Kinder gemeinsam – mit Spaß zu fördern. Zum Beispiel mit schönen alten Kinderspielen: Abzählverse und Klatschspiele, die jeder Erwachsene aus seiner Kindheit kennt, regen die Sprache und das Rhythmusgefühl an. Gruppenspiele wie „Ochs am Berg“, Kästchenhüpfen und Schleuderball fördern die Körperkoordination, das Reaktionsvermögen und das soziale Miteinander. Das Buch zum Thema
Rita Steininger Literatur
Ayres, Jean. Bausteine der kindlichen Entwicklung. Springer-Verlag, 2002 (5. Aufl.) Autorin
Rita Steininger ist freie Lektorin, Journalistin und Autorin und Mutter von zwei Kindern. Sie hat u.a. Ratgeberbeiträge und Sachbücher zu Themen aus den Bereichen Gesundheit, Psychologie und Familie veröffentlicht. | ||
Letzte Änderung: 11.08.2005 13:49:53 |