Hauptmenü

Hauptseite
Familienhandbuch-
Forum

Stichwortsuche

von A bis Z

Aktivitäten mit Kindern
Angebote/Hilfen
Behinderung
Elternschaft
Ernährung
Erziehungsbereiche
Erziehungsfragen
Familie und Beruf
Familienbildung
Familienforschung
Familienpolitik
Gesundheit
Häufige Probleme
Haushalt/Finanzen
Jugendforschung
Kindertagesbetreuung
Kindheitsforschung
Kindliche Entwicklung
Leistungen für Familien
Partnerschaft
Rechtsfragen
Schule
Teil- und Stieffamilien
Trennung/Scheidung

Verschiedenes

Impressum
Kontakt
Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Internet

Beate Krafft-Schöning      Foto: Beate Schöning


Kinder und Jugendliche werden heute, sowohl über die Werbung als auch in den Schulen dazu animiert, sich über das Internet zu informieren, beziehungsweise das Netz kennen zulernen und zu nutzen. Das neue Medium gehört selbstverständlich ins Klassenzimmer und möglichst auch nach Hause. Eltern, die dem Internetgebrauch ihrer Sprösslinge skeptisch gegenüber stehen, grenzen sich schnell aus. Ebenso ergeht es Lehranstalten, die nicht mit der entsprechenden Ausrüstung aufwarten können oder wollen.

Das Internet genießt den Ruf, die Kommunikationsfähigkeit seiner Nutzer zu optimieren. Kaum ein anderes Medium bietet den Vorteil, schnell gute Informationen beschaffen zu können - ein weiteres Argument pro Internet. Gute Werbung oder Tatsache? Eine Frage, die gestellt werden muss, wenn es darum geht einmal den tatsächlichen pädagogischen Wert des Internets für die zukunftsorientierte und persönliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu beleuchten.

Wie nutzen Kinder und Jugendliche das Internet?

Wenn man Kinder und Jugendliche danach befragt, wo sie wann zu welchem Zweck das Internet besuchen, lauten die häufigsten Antworten: Chatten, Musik runterladen, unterschiedliche Homepages anschauen oder auch etwas für die Hausaufgaben heraussuchen. Hinsichtlich der Chats befragt, besuchen Kinder und Jugendliche neben den speziell für ihre unterschiedlichen Altersklassen eingerichteten Angeboten oft die Chats und Seiten, die beispielsweise von Fernsehsendern zu bestimmten Serien oder anderen Programminhalten ins Netz gestellt wurden. Oder aber sie nutzen das jeweilige Chatangebot freier Anbieter oder des Providers, bei dem sie eingebucht sind. Die wenigstens Kinder und Jugendliche surfen in moderierten oder sogenannten bewachten Chats!

Danach befragt, welche Homepages sie besuchen, die nichts mit der Schule, oder grundsätzlich unter die Rubrik "Wissen" einzuordnen sind, ist festzustellen, dass Kinder und Jugendliche oftmals versuchen auf "verbotene Seiten" zuzugreifen, beziehungsweise diese auch gezielt ansteuern und anschauen. Sehr interessant sind hier unter anderem Seiten aus den Pornobereichen, Gewalt- und Leichenbilder oder auch rechtsradikale Inhalte. Für Hausaufgaben klicken Jungen und Mädchen meist von den Lehrern vorgegebene Seiten an oder versuchen ihr Glück bei den gängigen Suchmaschinen.

Je älter Kinder werden, desto geringer ist oft die Kontrolle im Elternhaus. Bei jüngeren Kindern nehmen sich Eltern manchmal noch die Zeit mit ihrem Nachwuchs ins Internet zu gehen. Ab einem Alter von zehn Jahren findet man jedoch vermehrt Kinder, die oft oder immer alleine surfen und die auch keinen technischen Kontrollen unterliegen (Filterprogramme). Eher selten berichten Kinder und Jugendliche davon, dass ihre Eltern sogenannte Filtersoftware oder auch Zeitkontrollen installiert haben. Manche Eltern nutzen zum altersgerechten Schutz ihrer Kinder auch die von den Providern angebotenen Kindersicherungen.

Wem begegnen Kinder und Jugendliche im Netz?

Was Kindern und Jugendlichen täglich im Netz begegnet und was sie sich so anschauen, ohne dass Eltern oder auch Lehrer in der Schule etwas davon mitbekommen, scheint nicht unbedingt zur Unterstützung einer sinnvollen Entwicklung geeignet. So treffen Jungen und Mädchen in den bekannten Kinder- und Jugendchats täglich tausendfach Menschen, die aus ganz bestimmten Gründen mit ihnen sprechen möchten. Nämlich, um ihre sexuellen Neigungen an ihnen auszuleben. Sie treffen auf die, die im Netz mit Koks und "H" (Heroin) dealen. Sie finden sich unter denen wieder, die lieber heute als morgen Selbstmord begehen möchten oder auch unter denen, die jemanden zum "Schlachten" suchen. Kultanhänger unterschiedlicher Couleur finden sich, wie Rechtsradikale oder auch Sekten. So weit zu den Chats.

Bezüglich der Seiten, die Kinder und Jugendliche so aus Interesse ansteuern muss man ebenfalls nach den positiven Effekten für die Entwicklung fragen. Neben den bekannten rechtsradikalen Inhalten, finden wir hier frei zugängliche Pornos, Leichenbilder aus Kriegsgebieten, Bilder von Ermordeten, Verstümmelten aus internen Polizeiberichten. Die Seite mit den letztgenannten Inhalten wird übrigens bereits unter Grundschülern gehandelt.

Kritische Fragen an Eltern und Lehrer!

Eltern und Lehrer schauen dem "bunten" Treiben bis heute meist lustlos zu. Erstens fühlen sich viele zu alt, sich noch für das neue Medium zu interessieren. Zweitens sind sie oft völlig überfordert, wenn es darum geht, mit Kindern und Jugendlichen über die negativen Seiten zu sprechen - sie zu warnen, weil sie gar keine Ahnung von der Sache haben. Und drittens ist es nicht besonders "hip" dem Internet kritisch gegenüber zu stehen. Bald könnte man manches Mal den Eindruck haben, als interessierte sich niemand wirklich oder anders gesagt: Eltern und Lehrer schauen bewusst weg. Ein herber Vorwurf denen gegenüber, die sich es zur Aufgabe gemacht haben, Kinder und Jugendliche zu erziehen, zu schützen, zu lehren...?

Könnte man denken oder aber eine passendere Frage stellen: Welche Eltern, meinen Sie, würden der Tochter oder dem Sohn erlauben, eine Party zu besuchen auf der Cannabis geraucht wird? Welche Eltern würden ihr Kind nachts nackt in einen Park schicken, von dem jeder weiss, dass dort Pädosexuelle ihrer Neigung nachgehen? Wahrscheinlich niemand... Die gleichen Fragen auf das Internet übertragen - und nur wenige Mütter, Väter und Lehrer könnten diese Frage überhaupt beantworten, weil sie nichts wissen von dem, was hier so los ist. Die gleiche Frage auf das Internet übertragen und von Kindern und Jugendlichen beantwortet würde wahrscheinlich zu großem Entsetzen führen. Denn alle die, die ihre Kinder täglich tausendfach fröhlich in Chats und auf irgendwelchen "interessanten" Pages wähnen, all jene könnten ihre Kinder auch nachts in den Pädo-Park schicken oder sie gleich zuhause Cannabis rauchen lassen.

Manchem mögen diese Beispiele etwas krass erscheinen, doch wer bereit ist, sich mit der Realität auseinander zusetzen, wird eventuell überrascht sein. Wann waren Sie als Eltern mal mit ihren Kindern im Netz? Kennen Sie die Kontakte ihrer Kinder im Netz? Was wissen Sie oder ihre Kinder von den Chatfreunden? Welche Angaben der Chatfreunde wurden von Ihnen oder ihren Kindern überprüft? Wie oft und wie lange ist ihr Kind täglich oder wöchentlich im Netz? Was macht es da und wo? Welche Kontrollmaßnahmen oder auch Abmachungen haben Sie mit ihren Kindern für die Nutzung des Internets getroffen? Kennen Sie das Zugangspasswort Ihres Kindes?

Für die Schulen: Erlauben Sie Kindern und Jugendlichen in der Schule zu chatten? Welche Art Nutzungsbedingungen haben sie mit den Kindern vereinbart? Sind die Eltern darüber informiert worden, dass die Kinder dort im Netz surfen und was sie dort genau lernen? Haben die Eltern ihr Einverständnis gegeben? Wie sieht es mit der rechtlichen Seite aus? Sind Sie firm in Sachen Jugendschutz und Internet? Haben Sie die Schüler über die "Schattenseiten im Netz aufgeklärt? Wie sieht es mit der Betreuung ihrer Schüler während des Internetunterrichts aus. Haben Sie alles unter Kontrolle? Wer betreut Ihr Netzwerk? Sind Sie selber fit im Internet? Haben Sie eine Filtersoftware in Ihrem Netzwerk installiert und wird dieses regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht?

Sehr, sehr viele Fragen... es wäre sehr schön, wenn auch nur ein paar davon durch Eltern und Lehrer zukünftig beantwortet werden könnten.

Schutz vor dem Internet

Was kann getan werden, um Kinder und Jugendliche - ganz allgemein gedacht - vor den negativen Inhalten aus dem Netz zu schützen? Erst einmal muss die Frage nach Sinn und Zweck des Internets in der Jugendarbeit gestellt werden dürfen. Nach zehn Jahren World Wide Web muss darüber nachgedacht werden, wie viel Internet ein Kind für seine Entwicklung tatsächlich benötigt. Sachlich, jedoch kritisch muss sich mit den unterschiedlichen Inhalten aus dem Netz befasst werden. Es muss klar definiert werden, wo die Vor- und Nachteile liegen und erst danach sollte eine Entscheidung darüber gefällt werden, ob und was man Kindern und Jugendlichen als "wertvoll" vermitteln will. Bundesweit ist bisher nicht geregelt, was Schulen überhaupt genau für Inhalte aus dem Netz, wie sie den Umgang mit dem Netz lehren sollen. Überall wird nach bestem Wissen der jeweiligen Lehrkörper gehandelt - überall wird das Internet irgendwie vermittelt... Es muss außerdem darüber nachgedacht werden, ab wann das Internet als Lehrinstrument sinnvoll erscheint. Insbesondere Grundschulen sollten ihre Schüler nicht an ein Medium heranführen, dass für ihre Schüler kaum beherrschbar ist und sie zudem weit überfordert.

Einfache Tipps für Erziehungsberechtigte

Am wichtigsten ist es sicher, sich selbst bewusst zu machen, dass man im Internet in eine völlig irreale Welt "abtauchen" kann. Am ehesten geschieht das in Chats oder den hierzu bekannten Nebengesprächen (Messenger, ICQ, Telegramme, Flüsterboxen). Keine Angaben anderer können überprüft werden, versandte Bilder müssen nicht den Gesprächspartner darstellen... alles kann erlogen sein. Im Netz kann jeder in jede Rolle schlüpfen, die jedoch nichts mit der Realität gemein hat. Wichtig ist es, das eigene Bewusstsein auf diese Tatsache einzustellen. Die Kinder und Jugendlichen, die heute in die Chatwelt "abtauchen" werden immer jünger, sind oft sehr arglos und zumeist sehr risikobereit.

Eltern sollten sich die Mühe machen, mit ihren Kindern über die Kontakte im Netz zu sprechen. Sie sollten, auch bei älteren Kindern versuchen, im Gespräch mit ihnen zu bleiben, mal mit zu chatten oder auch über die Freunde aus dem Netz Fragen zu stellen. Passwörter müssen Eltern bekannt sein. Kinder und Jugendliche scheuen sich oft mit Erwachsenen über ihre Probleme im Netz zu reden - aus unterschiedlichen Gründen. Erwachsene sind oft auch denkbar schlechte Gesprächspartner, weil sie vom Netz und den Chats keine Ahnung haben und das Thema Missbrauch für ihren persönlichen Bereich weit von sich schieben. Unvorstellbar scheint es manchem, dass sein Kind im geschützten Raum des Elternhauses sexuell missbraucht werden könnte. Aus diesem Grund ist es notwendig, sich mit der Thematik auseinander zu setzen, bevor man mit Kindern darüber ins Gespräch geht. Das Problem des Chat-Missbrauchs und der Wahrnehmung einer vermeintlich sicheren Chatwelt öffnet Tätern Tür und Tor und verhindert im Gegenzug, dass Mädchen und Jungen von sich aus über "die Probleme" im Netz reden. Anbei ein paar grundsätzliche Regeln für Kinder, Jugendliche und Erwachsene:

NetKids-Pocket-Chatguide

Gebe niemals deinen Namen, deine Adresse, deine Handynummer oder andere persönliche Daten im Internet über dich heraus

Gebe dir selbst einen Namen ("screen") im Chat / Internet der keine Rückschlüsse auf dein Alter, Geschlecht etc. zulässt. Also nenne dich lieber "fake0815" als "susi12w"/"jonas13m"

Überlege dir gut, wem du ein Bild von dir zusendest und versende in keinem Fall Strandfotos oder Bilder, auf denen auch andere zu sehen sind

Denke immer daran, dass alles was du in einen Chatraum schreibst von allen anderen Teilnehmern mitgelesen werden kann

Verlasse einen Chatraum oder ein Zweiergespräch (ICQ, Messenger) wenn du "ein dummes Gefühl" bekommst

Lasse dich von niemandem aus dem Internet bedrohen oder zu Dingen hinreißen, die du im normalen Leben niemals tun würdest

Gehe niemals alleine und ohne, dass eine erwachsene Person davon weiß, zu Treffen mit Leuten, die du nur aus dem Netz kennst

Fülle in keinem Fall Fragebögen aus, die du von Leuten aus dem Netz zugesandt bekommen hast

Sei vorsichtig, wenn du von jemandem auf eine Homepage eingeladen wirst. Nicht selten installiert sich beim "Betreten" der Page ein teurer Dialer.

Deine Kontodaten gehen im Netz ebenfalls niemanden etwas an. Gebe sie niemals heraus.

Spreche bitte eine erwachsene Vertrauensperson an, wenn du im Internet bedroht wurdest, dir jemand etwas zugesandt hat, was dir unangenehm ist oder du dich in einer Netz-Situation einfach "schlecht" gefühlt hast. Es ist sehr wichtig, dass du über Netzprobleme nicht nur mit den Freunden redest, sondern auch mit Erwachsenen Kontakt aufnimmst.

Hinterlege deine Passwörter für Chats, Internetzugang etc. bei einer erwachsenen Vertrauensperson.

Autorin

Beate Krafft-Schöning, Journalistin. Sie recherchiert seit knapp drei Jahren zum Themenkomplex "Kinder und Internet". Da bisher keine Kinderschutzorganisation sich speziell um den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Internet kümmert, gründete sie den Verein NetKids - Verein für den Jugendschutz im Internet.

Seit mehr als zwei Jahren hält Krafft-Schöning Vorträge zum Themenkomplex. Sie veröffentlichte neben Artikeln eine Film-Dokumentation speziell zu dieser Problematik. In Arbeit ist zurzeit eine Dokumentation für Kinder und Jugendliche. "NetFriends" wird Mitte September 2003 fertiggestellt sein. Der Film soll vor allen Dingen in Schulen für Lehrer den Einstieg ins Thema erleichtern und Jugendlichen die Gefahren aufzeigen.

Bereits lange bevor Krafft-Schöning sich mit dem Thema "Kinder und Internet" befasste, schrieb sie für unterschiedliche Tageszeitungen insbesondere "Kinderthemen".

Email: initiativnetkids@aol.com


Weitere Informationen unter www.kindersindtabu.de



Letzte Änderung: 10.07.2007 16:26:11Zum Seitenanfang