ZUM TEXTHauptmenüHauptseiteFamilienhandbuch-Forum Stichwortsuche von A bis ZAktivitäten mit KindernAngebote/Hilfen Behinderung Elternschaft Ernährung Erziehungsbereiche Erziehungsfragen Familie und Beruf Familienbildung Familienforschung Familienpolitik Gesundheit Häufige Probleme Haushalt/Finanzen Jugendforschung Kindertagesbetreuung Kindheitsforschung Kindliche Entwicklung Leistungen für Familien Partnerschaft Rechtsfragen Schule Teil- und Stieffamilien Trennung/Scheidung VerschiedenesImpressumKontakt | ZUM MENÜKreativität der KinderPaul Suer Einst wurde Christoph Kolumbus, der "Entdecker von Amerika" von seinen Gegnern scharf angegriffen. "Amerika zu entdecken" so sagten sie, "ist doch nichts besonderes, das hätte doch jeder gekonnt." Christoph Kolumbus war ein kluger Mann. Statt zu antworten, ließ er sich ein gekochtes Ei bringen und bat seine Kritiker dieses auf die Spitze zu stellen. Wie sie es auch drehten und wendeten: Es gelang niemandem. Darauf nahm Kolumbus das Ei, schlug die Spitze platt und das Ei stand. "Ich habe nichts davon gesagt, dass das Ei heil bleiben muss" antwortete Kolumbus den verblüfften Kritikern. Und genau das ist es, was kreative Menschen auszeichnet. Sie lassen sich nicht vorschreiben, wie sie zu denken haben. Denn kreativ sein heißt seine eigenen Wege zu gehen. Wir neigen dazu, Kreativität als etwas Mystisches anzusehen, die nur bei so genialen Köpfen wie Mozart, Einstein oder eben Kolumbus vorkommt. Aber eigentlich ist das falsch. Kreative Menschen denken und fühlen nur anders. Sie denken sozusagen quer. Viele kreative Menschen haben sich ein Stück ihrer Kindheit erhalten. Sie lassen ihren Fantasien freien Lauf und wollen sich nicht in Denk-Schablonen pressen lassen. Selbstbewusst und optimistisch, wie sie sind, lassen sie sich auch durch Fehlschläge kaum entmutigen. Und das ist etwas, was sie mit Kindern gemeinsam haben. Wenn Kinder geboren werden, wissen sie nicht, wie die Welt beschaffen ist. Sie müssen sie erst erforschen, ihre Gefahren erkennen und Grenzen erleben. Dadurch reifen sie und lernen, sich in einer komplizierten Welt zurecht zu finden. Darum dient das Spiel und der Bewegungsdrang unserer Kinder keinem Selbstzweck. Kreatives Denken und Fühlen ist für sie lebenswichtig. Kreativität lässt sich nicht lernenViele Menschen glauben, dass Kinder entweder kreativ sind oder sie sind es nicht. Doch die Welt ist nicht schwarz-weiß. Denn wir dürfen nicht übersehen, dass das kindliche Hirn bereits im Babyalter erheblich geformt werden kann. Die neuere Hirnforschung lehrt uns, dass wir die Vernetzung und Ausbildung der Nervenzellen durch ausreichende Anregungen deutlich verbessern können. Und je mehr Nervenzellen sich im Gehirn ausbilden und vernetzen, umso flüssiger fließen die Gedanken und Fantasien. Deswegen tun wir als Eltern gut daran, wenn wir unseren Kindern schon früh genügend bunte Farben, Klänge und Gerüche anbieten.Von überragender Bedeutung für die kindliche Fantasie ist jedoch das "begreifende" Lernen. Lassen Sie Ihr Kind deshalb so viel wie möglich selber ausprobieren. Vertrauen Sie ihm, wenn es gerade versucht, einen Kuchen zu backen, den Videorecorder zu programmieren oder den Fahrradreifen aufzupumpen. Im allgemeinen kann nicht viel kaputtgehen, wenn Sie Ihrem Kind erklären, wie was geht. Vor allem aber ist die Erfahrung, etwas selbst getan und begriffen zu haben, für Kinder eine wichtige Erfahrung. Lernfreude und LernfrustDie meisten Kinder haben ein riesiges Interesse daran, die Welt um sie herum zu erfahren. Die Neugierde im positiven Sinne ist ihnen sozusagen in die Wiege gelegt worden. Mit großer Begeisterung stürzen sie sich auf irgendwelche Aufgaben und Herausforderungen. Es ist eine Freude ihnen zuzusehen, wie sie spielerisch herrliche Bilder malen, virtuos auf einem Instrument spielen oder akrobatische Übungen vollführen. Als Eltern ahnen wir manchmal nicht, wie wichtig wir dabei für unsere Kinder sind. Durch unser Zutun können wir sie erheblich motivieren, aber auch tief entmutigen.Wir alle kennen die Erfahrung des "Aha-Erlebnisses". Es tritt immer dann auf, wenn sich eine lange gehegte Ahnung plötzlich bestätigt. Lassen Sie mich als Beispiel auf das Ei zurückkommen: Wussten sie schon, dass das "Abschrecken" keinen Einfluss darauf hat, ob das Ei leichter abzupellen ist? Und doch ist es sinnvoll, weil dadurch der Kochvorgang abrupt beendet wird. Denn sonst würde das Ei noch leise vor sich hinschmoren und wir wundern uns, dass unser Fünfminuten-Ei steinhart ist. Bei so einem "Aha-Erlebnis" stellt sich ein spontanes und vor allem lustvolles Empfinden ein. Und genau wegen solcher spontaner Erkenntnissprünge, die bei Kindern viel öfter als bei Erwachsnen vorkommen, macht ihnen das Lernen so viel Spaß. Es gibt aber auch Kinder, die sich wenig zutrauen und sich für dumm halten. Manche von ihnen sind überzeugt, dass sie nicht singen, malen oder tanzen können oder fragen sich bei jeder Aufgabe, warum sie dies oder das tun sollten. Häufig sind es sogenannte "kopfgesteuerte" Kinder, die vor lauter Selbstkritik an ihren Fähigkeiten zweifeln. Sie fühlen sich blockiert und stehen manchmal ängstlich und einsam zwischen den lebhaft rumtobenden Kindern auf dem Spielplatz oder im Kindergarten. Gerade für sie ist es wichtig, ihre inneren Blockaden aufzugeben. Wenn sie ein solches Verhalten auch bei Ihrem Kind beobachten, scheuen Sie sich nicht, frühzeitig fachlichen Rat in Anspruch zu nehmen. Kreativität als ProblemlösungEs gibt noch einen weiteren guten Grund, die schöpferischen Energien unser Kinder zu fördern. Lesen Sie hier von der Geschichte der vierjährigen Marie aus Osnabrück: Marie war ihrem Vater im dichten Gedränge des Flohmarktes ausgebüchst. Ihr Vater hatte ihr Süßigkeiten gekauft, die sie mit ihrem Bruder teilen sollte. Doch das wollte sie nicht. Also war sie kurzerhand in der Menge untergetaucht. Als die Tüte leer war, kam die Reue. Und mit ihr die Sorge, dass sie ihren Vater nicht wiederfindet. Da sie ein ausgesprochen einfallsreiches Kind ist, hat sie alle infrage kommenden Möglichkeiten gelassen "abgecheckt": Weinen, die Leute ansprechen, nach dem Vater rufen, auf eine Mauer klettern und noch vieles mehr. Doch keine der Lösungen erschien ihr ausreichend zuverlässig.Und was tut das selbstbewusste kleine Mädchen? Sie wählt die einfachste, aber auch sicherste Lösung, um ihren Papi und den Bruder wiederzufinden. Sie geht einfach zum Parkplatz, wo das Auto steht. "Denn dahin muss er ja auf jeden Fall zurückkommen," spricht sie zu sich. Als der Vater nach verzweifelter Suche schließlich zum Auto kommt, muss er sich zu seiner Sorge auch noch die Vorwürfe der Vierjährigen anhören: "Wo bist du denn solange geblieben, Papi?" Was können wir daraus lernen? - Kinder, die ohne Scheu in einer schwierigen Lage alle infrage kommenden Möglichkeiten durchdenken, haben gute Aussichten sich aus der Lage zu befreien. Solche Kinder haben ein großes Selbstvertrauen. Statt ängstlich auf Hilfe von außen zu hoffen, nehmen sie ihr Schicksal aktiv in die Hand. Ist Ihr Kind ein Genie?"Das ist ja alles schön und gut," werden Sie vielleicht sagen, "doch wie kann ich erreichen, dass auch mein Kind vor Fantasie sprudelt und mit Begeisterung die Welt begreift?" - Nun, um es gleich vorwegzunehmen: Dass Ihr Kind die Anlagen von Mozart, Goethe oder Einstein hat, ist eher unwahrscheinlich. Und ob sich aus diesen Anlagen später eine geniale Persönlichkeit entwickelt, steht wohl auch in den Sternen.Denn die Intelligenz - ob angeboren oder erworben - spielt eine äußerst geringe Rolle. Es gibt sogar Untersuchungen, nach denen die Intelligenz der Kreativität eher hinderlich ist. Und umgekehrt. Nehmen wir zum Beispiel Herrn Einstein, den vielleicht genialsten Denker der Neuzeit. Wussten Sie, dass Einstein erst im Alter von vier Jahren zu sprechen gelernt hat, dass er auch später noch links und rechts verwechselte und deutlich Merkmale eines Legasthenikers aufwies? Oder dass er ein miserabler Student war und die Professoren nicht viel von ihm hielten? Und doch war es so. Das vielleicht als Trost für die Eltern, die glauben, dass sie ein dummes oder unbegabtes Kind haben. Es gibt keine unbegabten Kinder. Jedes Kind ist anders und jedes hat seine besonderen Stärken, aber auch Schwächen. Ob sich die Begabungen unserer Kinder entwickeln oder aber ob sie verkümmern, hängt ganz wesentlich von uns Erwachsenen ab. Sind Kinder wie ein leeres Buch?Bevor ich Ihnen konkrete Anregungen zur Förderung Ihrer Kinder gebe, möchte ich die bisherigen Gedanken so zusammenfassen:
Um die Kinder in ihrer Entfaltung zu fördern, gibt es einige einfache Regeln, die wenig Arbeit machen und gut in den Alltag zu integrieren sind. Einige hatte ich bereits angedeutet. Dazu zählt aber auch, dass wir uns als Eltern kreativ zeigen. Wie das geht, erfahren Sie im nächsten Abschnitt. Kreative ElternEltern sind Vorbilder. Kinder lernen, indem sie ihre Eltern nachahmen. Diese Fähigkeit können wir gut nutzen, indem wir uns selbst kreativ verhalten. Wir mögen uns vielleicht etwas lächerlich vorkommen, wenn wir in die kindliche Erlebniswelt eintauchen. Doch setzen Sie sich über die spöttischen Bemerkungen von Nachbarn oder "kopfgesteuerten" Freunden hinweg. Doch die Mühe lohnt sich. Denn kreative und begeisterungsfähige Kinder sind eine Bereicherung, die auch uns Eltern glücklich machen können.Was halten Sie z.B. von folgenden Anregungen, sozusagen als Einladung ins "kreative Chaos":
Kreative Kinder fördernAll das, was wir Eltern für unsere Vorbildrolle brauchen, gilt natürlich auch für die Kinder. Aber noch einiges mehr sollten Sie bei der Förderung Ihrer Kinder berücksichtigen. Vor allem bedürfen unsere Kinder einer Haltung, die ihr Selbstvertrauen fördert.Deswegen sollten wir dem Kind gegenüber folgende Haltung einnehmen:
AutorPaul Suer, Magister-Examen, Pädagoge, Soziologe und Familientherapeut, beruflich im Bereich Rehabilitation von Suchtkranken, verheiratet, drei Kinder, zwei Hunde, eine Schildkröte, zwei Meerschweinchen. Adresse
Paul Suer Veröffentlichungen des Autors
So schlafen alle Kinder besser / Südwest Verlag 1998 | ||
Letzte Änderung: 19.10.2005 10:58:39 |