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Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Wenn Väter zu Fremden werden...

Mechtild Gödde


Einleitung

Auch wenn Eltern nicht - oder nicht mehr - zusammenleben, sollte das Kind zu beiden Eltern Kontakt haben - so schreibt es z.B. das UN-Abkommen zu den Rechten von Kindern aus dem Jahre 1989 fest. Auch die deutsche Gesetzgebung stellt das Recht des Kindes auf Kontakt zu beiden Eltern unter ihren besonderen Schutz. Der Staat hält viele Hilfen bereit (z.B. durch Beratungsangebote in Jugendämtern, Erziehungsberatungsstellen oder spezialisierten Trennungs- und Scheidungsberatungsstellen), damit dieses Recht des Kindes auch unter schwierigen Umständen verwirklicht werden kann.

Doch es gibt eine nicht unerhebliche Anzahl von Kindern, die keinen oder nur seltenen und unregelmäßigen Kontakt zum außerhalb lebenden Elternteil haben. Schätzungen zufolge liegt diese Zahl zwischen 40 und 60%. Wenn im Titel dieses Beitrags nur von Vätern gesprochen wird, wird damit der Tatsache Rechnung getragen, dass fast immer die Vater-Kind-Beziehung von einem Kontaktabbruch betroffen ist. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die meisten Kinder nach einer elterlichen Trennung bei der Mutter leben. Internationale Studien zeigen aber auch, dass es Müttern eher gelingt, den Kontakt zu ihren Kindern zu halten, wenn sie nicht mehr mit ihnen zusammen wohnen.

Wie verläuft die Entwicklung von Familienbeziehungen, bei der ein Elternteil immer stärker ausgegrenzt und schließlich "zum Fremden" für das Kind wird? Zwei Hauptgründe lassen sich unterscheiden, die in extrem konflikthaften Fällen meistens zusammentreffen und sich wechselseitig beeinflussen:
  1. In einer schwierigen Nachtrennungssituation ziehen sich manche Eltern (innerlich und/oder äußerlich) zurück, und es gelingt ihnen nicht, den Bedürfnissen des Kindes in dieser Situation gerecht zu werden. Hier ist ein Rückzug aus der Elternrolle zu beobachten.
  2. Das Kind steht in einem starken Loyalitätskonflikt zwischen zwei Eltern, die sich gegenseitig bekämpfen und das Kind in die Auseinandersetzung einbeziehen, in der Folge kommt es zum Rückzug des Kindes.

Rückzug aus der Elternrolle

Manche Eltern sind in der Zeit der Neuorientierung nach einer Trennung durch ihre eigenen Probleme extrem belastet. Zu den oft jahrelangen Schwierigkeiten, die dem Entschluss zum Abschied aus der Partnerschaft in der Regel vorausgehen, kommen zunächst neue Aufgaben und Probleme: die konkrete Vorbereitung und Abwicklung der räumlichen Trennung, Fortsetzung der Ehestreitigkeiten auch in der Zeit danach, finanzielle bzw. berufliche Belastungen, begleitende oder auch schon vorausgegangene psychische Probleme, eventuell neue Partnerschaften etc.

Manche Menschen - vor allem diejenigen, die über wenig Unterstützung von außen verfügen - leiden unter diesen Schwierigkeiten so sehr, dass es ihnen nur unzureichend gelingt, die Kontakte zu ihren Kindern in dieser Zeit regelmäßig zu pflegen und sie so zu gestalten, dass sie für die Kinder positiv verlaufen. So kann es dazu kommen, dass die Kinder mit den Sorgen und Problemen des Erwachsenen konfrontiert werden, aber für die Fragen und Nöte der Kinder oder auch für ihren Wunsch nach einem unbefangenen und unbelasteten Kontakt mit dem Vater nicht genügend Raum bleibt. Häufig kommt es in der Folge - durchaus auch ausgehend vom Vater - zu einer Abnahme der Kontakthäufigkeit, was schließlich zu einem völligen Abbruch des Kontakts führen kann.

Dieser Rückzug aus der Elternrolle wird begünstigt, wenn Mütter den Vater bei der Reorganisation des eigenen Lebens als "Störenfried" empfinden. Dies ist vor allem dann zu beobachten, wenn ein neuer Partner da ist, mit dem eine "bessere" Familie gegründet werden soll. Der Wunsch nach einem möglichst vollständigen Bruch mit der Vergangenheit kann dazu führen, dass die Unterstützung der Beziehung der Kinder zum leiblichen Vater zur lästigen Pflicht wird. Auch hier ist ein Rückzug aus der Elternrolle zu beobachten, in dem Sinne, dass die Mütter dazu neigen, die emotionalen Bedürfnisse ihrer Kinder zu übersehen und sich hauptsächlich mit der Verwirklichung ihrer eigenen Vorstellungen beschäftigen.

In einigen Fällen, in denen es später zu einem Kontaktabbruch kommt, gibt es aber auch - manchmal im Anschluss an einen Rückzug in der ersten akuten Trennungsphase - schon direkt nach der Trennung eine fast gegenläufige Entwicklung. Diese Väter beschäftigen sich plötzlich viel intensiver und gezielter mit ihren Kindern, als sie das in der Zeit vor der Trennung getan haben. Sie entdecken ihre Vaterrolle neu, nehmen Verantwortungen wahr, die bisher an die Mutter delegiert waren. Sie kümmern sich z.B. mehr um die schulische Entwicklung der Kinder und machen viele Freizeitunternehmungen mit ihnen.


Rückzug des Kindes

Nicht immer führt diese aus der Sicht des Kindes zunächst positive Veränderung des väterlichen Verhaltens aber zu einer längerfristig günstigen Normalisierung und Stabilisierung der Beziehungen. Vielmehr kann es auch sein, dass das Kind auf diese Weise verstärkt in die elterlichen Auseinandersetzungen nach der Trennung einbezogen wird. Plötzlich ist es mit zwei konkurrierenden Lebenswelten konfrontiert - es geht dann auch darum, wer der "bessere" Elternteil ist, wer dem Kind mehr bietet, es besser versteht, besser auf seine Bedürfnisse eingehen kann. Immer häufiger und extremer werden die (häufig gegenseitigen) Vorwürfe der Eltern, der oder die andere kümmere sich nicht angemessen um das Kind - wobei von extremer Verwöhnung bis hin zu Vernachlässigung und dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs alle möglichen Spielarten der gegenseitigen Beschuldigung auftauchen.

In einem solchen Szenario elterlicher Rivalität werden für die Kinder, die in der Regel zu beiden Eltern eine enge Beziehung haben, die Besuche beim außerhalb lebenden Elternteil scheinbar zu einer Belastung. Dies gilt umso mehr, wenn die Eltern die Kinder mit ihren eigenen Problemen belasten. Bezeichnenderweise drückt sich die allgemeine Belastung der Kinder jedoch vor allem in den Übergangssituationen aus (vor dem Besuch oder nach der Rückkehr) - und nicht in der Zeit, in der sie beim anderen Elternteil sind. Es sind also vermutlich in erster Linie nicht die Erfahrungen, die die Kinder mit den Eltern selbst machen, sondern die Unvereinbarkeit der beiden Lebenswelten sowie die gegenseitige Abneigung und das Misstrauen, das die Kinder spüren und das es ihnen so schwer macht, unterschiedliche Erfahrungen und Lebenswelten zu integrieren.

Die Belastungen der Kinder werden entsprechend häufig zunächst vom sorgeberechtigten Elternteil registriert. Meistens sind sie mit ihm vertrauter und drücken deshalb ihm gegenüber auch eher Ärger, Belastung und Traurigkeit aus. Die Kinder spüren aber sehr genau, wenn das Verhältnis der Eltern stark von Rivalität und Misstrauen geprägt ist und thematisieren häufig vor allem die Aspekte, die zur negativen Einstellung der Mutter oder des Vaters gegenüber dem anderen Elternteil "passen". So tragen sie selbst dazu bei, dass auch bei den Eltern die Bereitschaft, den jeweils anderen allein für die Belastung des Kindes verantwortlich zu machen, erhöht wird.

Wenn das Konfliktniveau zwischen den Eltern auf diese Weise zunimmt und für die Kinder unerträglich wird, versuchen sie schließlich, ihren inneren Druck zu bewältigen, indem sie sich immer deutlicher gegen einen Elternteil aussprechen und den Kontakt mit ihm schließlich ganz verweigern. Bezeichnenderweise gibt es häufig vor dieser endgültigen Ausgrenzung eines Elternteils eine Phase, während der die Kinder sehr stark hin- und hergerissen sind und sich jeweils beim einen Elternteil ganz entschieden gegen den anderen aussprechen und umgekehrt. Da zwischen den Eltern aber meistens "Funkstille" wenn nicht offene Feindseligkeit herrscht, kommt es entweder gar nicht zu einem Austausch der Information oder aber diese wird in dem bereits verfestigten Klima von gegenseitigem Misstrauen als taktisches Vorgehen oder Lüge verworfen.


Einfache Erklärungen und radikale Lösungen

Diese beiden stark schematisierten Verläufe (Rückzug aus der Elternrolle, Rückzug des Kindes) vermischen sich häufig in den schwerwiegenden und dramatischen Fällen von scheinbar plötzlichem Kontaktabbruch. In diesem Zusammenhang wird neuerdings gerne vom sogenannten "parental alienation syndrome", abgekürzt "PAS" gesprochen. Dieser Erklärungsansatz geht von der klinischen Beobachtung aus, dass in Fällen hartnäckiger kindlicher Kontaktverweigerung eine extrem enge Bindung dieses Kindes an einen entfremdenden Elternteil (in der Regel die Mutter) vorhanden ist. Diese habe ihr Kind - zum Teil unbewusst - dahingehend beeinflusst ("programmiert"), dass es den von ihr selbst mit Hass verfolgten Elternteil ablehne. Zur Ausgrenzung des Vaters leiste das Kind dann einen eigenständigen Beitrag, indem es sich quasi selbst verpflichte, eigene Erfahrungen mit ihm zu einer Ablehnungskampagne aufzubauschen, nicht zuletzt, um (unbewusst) die Mutter vor dem Verdacht der "Gehirnwäsche" zu schützen.

In der deutschen Diskussion häufig vereinfachend zitiert und in den USA zunehmend in der Fachwelt kontrovers diskutiert, plädiert der amerikanische Kinderpsychiater Richard A. Gardner, der den Begriff des PAS geprägt hat, bei schweren Fällen zu Radikallösungen zu greifen: bis hin zu Gefängnisstrafe für den "programmierenden" Elternteil und der Herausnahme des Kindes aus der Familie sowie der Platzierung beim bis dahin ausgegrenzten Elternteil bzw. vorläufige Unterbringung des Kindes in einem Heim oder bei Verwandten.


Ein differenzierter Erklärungs- und Lösungsansatz

Diesen radikalen und vordergründigen "Lösungen", deren Auswirkungen auf die Psyche des Kindes nicht abzuschätzen sind, werden differenziertere und aufwändigere therapeutische Vorgehensweisen entgegengesetzt. Neuere Forschungsansätze aus den USA, vertreten durch die beiden Sozialwissenschaftlerinnen und Familientherapeutinnen Janet R. Johnston und Joan B. Kelly, plädieren inzwischen für eine konsequent systemische Sichtweise. Sie verweisen auf die Komplexität der Familiendynamik und belegen anhand einer umfangreichen klinischen Praxis, dass beide Elternteile und häufig auch die erweiterte Familie dazu beitragen, wenn es zu einem Kontaktabbruch mit dem Vater kommt. Dabei ist auch begrifflich zwischen den Fällen zu unterscheiden, in denen der Kontaktabbruch auf eine sehr schwache und instabile Bindung zwischen Vater und Kind zurückzuführen ist, und denjenigen, in denen eine starke Ambivalenz der kindlichen Gefühle durch Kontaktabbruch (scheinbar) gelöst wird.

Die Verantwortlichkeit für die Zerrissenheit der kindlichen Gefühlslage wird bei beiden Eltern (und ihren Familien) gesehen. Während beim sorgeberechtigten Elternteil eine ausgeprägte Tendenz zu beobachten ist, das Kind mit der eigenen Befindlichkeit und speziell auch der eigenen ablehnenden Haltung gegenüber dem anderen Elternteil zu konfrontieren, gilt dies für den außerhalb lebenden Elternteil in vielen Fällen nicht minder. Bei beiden Eltern sind auch häufig mangelnde elterliche Kompetenzen zu beobachten - nicht selten verknüpft mit tiefer liegenden Störungen von Persönlichkeitsmerkmalen -, die wichtig für die Gestaltung von Beziehungen sind. So gelingt es häufig beiden Eltern nicht, sich dem Kind emotional angemessen zuzuwenden; sie neigen dazu, die kindlichen Bedürfnisse zu leugnen und die eigenen Wünsche (insbesondere denjenigen, vom Kind verstanden und getröstet zu werden) in den Vordergrund zu stellen. Darüber hinaus sind sie in der Regel nicht in der Lage, den anderen Elternteil in seiner Bedeutung für das Kind angemessen und differenziert zu würdigen.

Das Kind lebt, solange es zu beiden Eltern Kontakt hält, in widersprüchlichen Welten, in denen es ständig mit Widersprüchen kämpfen muss: Es kann nicht gleichzeitig beide Eltern lieben, wenn ihm derjenige, bei dem es sich gerade aufhält, direkt oder indirekt vermittelt, dass der andere Elternteil (den das Kind ja in der Regel auch liebt) nicht liebenswert ist. Schon relativ harmlose Bemerkungen wie "Wir können uns das jetzt nicht mehr leisten, aber der Papa kann dir das bestimmt kaufen, der hat ja schließlich auch genügend Geld, mit seiner neuen Freundin dauernd in Urlaub zu fahren" legen die Schlussfolgerung nahe, dass der Vater für die in vielen Familien nach der Trennung tatsächlich schwierigere Gesamtsituation allein verantwortlich ist. Sie machen es dem Kind schwer, seine eigenen, in der Regel durchaus guten Erfahrungen mit dem Vater mit diesem negativen Bild in Übereinstimmung zu bringen. Dies gilt umso mehr, wenn es den Müttern nicht gelingt, positive Verhaltensweisen beim Vater anzuerkennen, und sie daran festhalten, dass dieser sich schließlich auch vor der Trennung kaum um sein Kind gekümmert habe und sich nicht wirklich geändert haben könne.

Längerfristig wird es auf diese Weise dem Kind unmöglich gemacht, zu beiden Eltern eine enge Beziehung zu haben, ohne dadurch in so genannte Loyalitätskonflikte zu geraten ("Wenn ich dem Papa sage oder zeige, dass ich ihn lieb habe, enttäusche ich die Mama, denn die mag den Papa überhaupt nicht mehr" und häufig auch umgekehrt). Besonders schwierig wird es dann, wenn Kinder sich widersprechende Botschaften empfangen: "Ich will deinen Vater nicht mehr sehen, weil er mir sehr wehgetan hat (nicht ausgesprochen, aber "zwischen den Zeilen": dieser Schuft), aber selbstverständlich kannst du zu ihm (diesem Schuft) gehen, wenn du das möchtest". Derartige Doppelbotschaften sind von Kindern auf Dauer sehr schwer auszuhalten.

Die sich anbietende Lösungsmöglichkeit bei fortgesetzter elterlicher Missachtung der kindlichen Bedürfnisse besteht in der beschriebenen Kontaktverweigerung. Dabei werden häufig tatsächliche Enttäuschungen, die das Kind in der fernen oder nahen Vergangenheit mit dem plötzlich abgelehnten Elternteil erlebt hat, von ihm sehr stark betont und verzerrt dargestellt werden ("Wenn ich Papa besucht habe, hat er immer nur mit seiner neuen Freundin geschmust und sich nie um mich gekümmert").

In dieser Situation muss auf allen Ebenen des Familiensystems interveniert werden, damit das Kind aus einer inneren Not befreit wird, die es nur vordergründig durch die Ablehnung eines Elternteils lösen kann. Im therapeutische Rahmen werden ihm der Ausdruck dieser inneren Not sowie eine differenzierte Sichtweise beider Eltern und der eigenen Beziehung zu ihnen ermöglicht. Dabei geht es durchaus auch um reale Enttäuschungen, die stattgefunden haben, und um die Erkenntnis, dass möglicherweise beide Eltern das Kind mit ihren eigenen Problemen belastet und überfordert haben. Entsprechend muss auch den Eltern - zum Teil in sehr umfangreicher Beratungsarbeit - vermittelt werden, welche Bedürfnisse ihr Kind hat, wie sie diesen gerecht werden können und weshalb es notwendig ist, dem anderen Elternteil in seiner Beziehung zum Kind Wertschätzung zu zeigen.

Länger- und langfristige professionelle Hilfe ist in den Fällen vonnöten, in denen bei den Eltern schwerere Beeinträchtigungen der Persönlichkeit vorliegen, die es ihnen nicht ermöglichen, zu einer kindgerechten Haltung zu gelangen. In diesen Fällen kann dann auch der - zeitweilige - Abbruch des Kontakts zu einem Elternteil die den Umständen entsprechende beste Lösung sein - aber nicht als "freie" Entscheidung des Kindes, sondern im Ergebnis einer sorgfältigen Diagnostik und Beratung der ganzen Familie.


Was können Eltern (vorbeugend) tun?

Was können Mütter und Väter tun, damit nicht einer von ihnen zum "Fremden" für das Kind wird und es damit einen Teil seiner Herkunft und seiner Identität leugnen muss? Zunächst einmal sollten sie sich bemühen - auch wenn das im Einzelfall sehr schwer fallen kann - zu trennen (1) zwischen den eigenen Enttäuschungen, die ihnen vom ehemaligen Partner zugefügt wurden und möglicherweise noch werden, und (2) den Erfahrungen, die das Kind mit ihm macht. Im Interesse des Kindes und auch, wenn es verständlichen eigenen Abgrenzungsbemühungen entgegenläuft, sollten sie den anderen soweit wie möglich in der Ausübung seiner Elternrolle unterstützen. Einen wichtigen Beitrag leisten sie schon dadurch, dass sie selbst negative Äußerungen vermeiden sowie enttäuschende Erfahrungen des Kindes nicht von vorneherein verstärken und diese als "Aufhänger" für eigene Klagelieder nutzen.

Und auch wenn das Kind negative Erfahrungen mit den Eltern machen musste (es z.B. immer wieder unpünktlich abgeholt wurde, versprochene Geschenke nicht gemacht wurden etc.), so sind diese Erfahrungen doch ein Teil seiner Realität und Geschichte. Es sollte die Chance bekommen, sich ihnen in der Auseinandersetzung mit dem Elternteil zu stellen und auch neue (korrigierende) Erfahrungen machen zu können. Unter Umständen muss dies in vor den elterlichen Streitigkeiten geschützten Räumen geschehen, zum Beispiel im Rahmen von begleitetem Umgang.

Sollte allerdings die Beziehung zum Vater oder zur Mutter durch traumatisierende Erfahrungen belastet sein (z.B. bei sexuellem Missbrauch), so muss sehr genau abgewogen werden, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Rahmen eine Begegnung möglich ist und dem Interesse des Kindes entspricht.

Für alle Eltern gilt, dass sie immer wieder - auch dann, wenn die Familiensituation sehr schwierig ist und festgefahren scheint - kritisch überprüfen sollten, ob sie in ihrer eigenen Beziehung zum Kind dessen emotionalen Bedürfnissen gerecht werden. Sie sollten auch dann, wenn sie selbst in einer schwierigen Phase stecken, nicht der Versuchung nachgeben, das Kind zum Bündnispartner oder "Tröster" zu machen. Darüber hinaus sollten sie immer wieder und im Namen ihres Kindes versuchen, ihren Beitrag zur Entschärfung des elterlichen Konflikts zu leisten.


Literatur

Johnston, Janet R. (2001). Rethinking parental alienation and redesigning parent-child access services for children who resist visitation or refuse visitation. http://www.familienhandbuch.de/cms/Trennung_Johnston-PAS.pdf, Abruf am 14.04.2002.


Autorin

Mechtild Gödde, Diplom-Psychologin, war bis Herbst 2003 am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München beschäftigt.


Adresse

Mechtild Gödde
Liebigstraße 12
D - 80538 München
Tel.: 089/224993
Email: mechtild.goedde@tiscali.de



Letzte Änderung: 17.06.2008 14:46:48Zum Seitenanfang