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Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Was ist Eltern-Entfremdung bzw. PAS?

Quelle: www.entfremdet.de von PAS-Eltern e.V. und Väteraufbruch für Kinder e.V.


Der amerikanische Kinderpsychiater R. A. Gardner definiert Elternentfremdung als eine Störung des Kindesalters, die sich in einer Ablehnungshaltung des Kindes gegenüber einem Elternteil äußert, die in keiner Weise gerechtfertigt ist. Diese Haltung entsteht aus dem Zusammenwirken von Indoktrinierung durch einen programmierenden Elternteil und dem eigenen Beitrag des Kindes zur Verunglimpfung des zum Feindbild gewordenen anderen Elternteils.

Elternentfremdung bedeutet die kompromisslose Zuwendung eines Kindes zu einem, - dem guten, geliebten - Elternteil und die ebenso kompromisslose Abwendung vom anderen - dem bösen, gehassten - Elternteil im Kontext von Sorge- und Umgangsrechtskonflikten der Eltern.

Das Konzept „Parental Alienation Syndrome“ (PAS) wird durch drei Elemente definiert:
  • Ablehnung oder Verunglimpfung eines Elternteils, die das Ausmaß einer Kampagne erreichen, d. h. andauernd und nicht nur als gelegentliche Episode.

  • Die feindselige Ablehnungshaltung ist irrational, d.h. die Entfremdung ist keine angemessene Reaktion auf das Verhalten des abgelehnten Elternteils und beruht nicht auf tatsächlich gemachten negativen Erfahrungen mit dem zurückgewiesenen Elternteil.

  • Sie ist Teilresultat des Einflusses des entfremdenden Elternteils.

Ursache und Erklärung für Elternentfremdung:

Der tragischste Effekt, den eine Scheidung für ein Kind haben kann, ist der Verlust eines Elternteils. Elterntrennung bedeutet für das Kind, einen Vater und eine Mutter zu haben, die sich nicht mehr lieben. Die meisten Kinder geraten dadurch in einen Loyalitätskonflikt: Dürfen sie weiterhin beide Eltern lieben? Manchmal können es Eltern nicht ertragen, den früheren Partner weiterhin sehen zu müssen und verschwinden aus dem Leben ihres Kindes. Oder das Kind ist zwischen die Fronten geraten und weigert sich, den zweiten Elternteil zu besuchen. Nicht selten versucht der "bevorzugte" Elternteil, den anderen aus dem Leben des Kindes auszugrenzen. Das Kind wiederum spaltet seine Eltern in einen geliebten (guten) und einen angeblich gehassten (schlechten, bösen) Elternteil auf.

Zur Entwicklung eines Elternentfremdung-Syndroms kommt es, wenn der Loyalitätskonflikt des Kindes von Eltern bewusst oder unbewusst dazu benutzt wird, das Kind so zu beeinflussen, dass es den anderen Elternteil ablehnt und die Beziehung zu ihm zerstört wird. Obwohl vorher eine normale Eltern-Kind-Beziehung bestanden hat, verweigert das Kind Kontakte mit dem anderen Elternteil.

Bei der Entwicklung des Elternentfremdung-Syndroms spielt Angst eine große Rolle. Der betreuende Elternteil manipuliert das Kind aus Angst, es an den anderen zu verlieren. Deshalb wird versucht, Exklusivität in der Beziehung zum Kind herzustellen: „Das Kind braucht mich am meisten/ist ausschließlich auf mich angewiesen.“ Es wird nicht wahrgenommen, dass das Kind für seine psychische Gesundheit auch auf die innere Verbundenheit mit dem Elternteil angewiesen ist, mit dem es nicht mehr zusammenlebt.

Das Mittel, das dazu benutzt wird, die eigene Beziehung zum Kind zu stärken, ist die Abwertung und Ablehnung des anderen Elternteils als Person: „Er/sie ist verantwortungslos, ein Versager, Lügner, Betrüger.“ Und als Vater/Mutter: „Er/sie sorgt nicht gut für dich/versteht dich nicht/passt nicht gut auf dich auf.“ Dadurch wird dem Kind vermittelt, der andere sei kein verantwortungsbewusster Elternteil und dieser könne nicht kompetent mit ihm umgehen. Wenn das Kind über tolle Erlebnisse mit dem anderen Elternteil berichtet, wertet der manipulierende Elternteil sie als trivial, unbedeutend oder gefährlich ab. Auf diese Weise erfährt das Kind: Eine gute Zeit mit dem anderen Elternteil zu haben ist unloyal oder gefährlich.

Auch beim Kind ist Angst ein wesentlicher Faktor für das Entstehen des Syndroms. Es ist die Angst vor Beziehungsverlust und darf deshalb nicht als "Liebe" missverstanden werden. Dem Kind fehlt die Freiheit, auch den abgelehnten Elternteil lieben zu dürfen. Damit wird dem Kind die Grundvoraussetzung für die eigene gesunde Persönlichkeitsentwicklung entzogen. Der Verlust der zweiten Elternbeziehung hat Einschränkungen in der Identitäts- und Selbstwertentwicklung sowie in der Bindungs-, Beziehungs- und Leistungsfähigkeit zur Folge.

Die Bemühungen des abgelehnten Elternteils, Kontakt zum Kind zu halten, indem er mit ihm telefoniert, seine Versuche, das Kind zu Besuchen bei ihm zu motivieren, Absprachen zu treffen, wann sich beide wieder sehen, werden als Störungen im neuen Familienleben bezeichnet und sind unerwünscht. Der andere Elternteil wird zum "Unruhestifter" und "Störenfried". Er ist es, der die Entwicklung der "neuen" Familie stört und wird für ihre Probleme verantwortlich gemacht: Alles wäre gut, wenn nur der Vater/die Mutter uns in Ruhe ließe.

Entfremdete Kinder nehmen an, wenn sie sich nicht verhalten wie der manipulierende Elternteil und den anderen Elternteil ebenso ablehnen wie dieser, dann riskieren sie, selbst abgelehnt zu werden. Sie machen die Erfahrung, dass ihre Liebe zum abgelehnten Elternteil und ihre Sehnsucht, von diesem geliebt zu werden "falsch" sind und übernehmen mit der Zeit die Bewertungen und Beurteilungen des manipulierenden Elternteils.

Studien zeichnen ein relativ klares Bild von den Faktoren, die als Verstärker auf den Prozess der kindlichen Entfremdung wirken:
  • eine hochgradig konfliktgeladene Scheidung,
  • gegnerschaftliche Scheidungsverfahren und gegnerschaftlich orientierte professionelle Scheidungsbegleiter,
  • tief erlebte narzisstische Verletzung mit anhaltender Vergeltungswut beim "verlassenen" Elternteil,
  • ausgeprägt negative und polarisierende Ansichten des entfremdenden Elternteils,
  • Triangulierung (Auslagerung eines Konflikts aus einer Zweierbeziehung auf einen Dritten) des Kindes im intensiven ehelichen Konflikt vor der Trennung,
  • Verlassenheitsgefühle des Kindes gegenüber dem zurückgewiesenen Elternteil,
  • Wiederheirat, die zu ausgeprägter Feindseligkeit führt.
Professor Gardner beschreibt acht hauptsächliche Manifestationen beim Elternentfremdung-Syndrom. Diese können in Stärke und Ausprägung variieren. Nicht jedes Kind zeigt alle angeführten Symptome. Es wird zwischen schwacher, mittelstarker und hochgradiger Form des Syndroms unterschieden.

  1. Zurückweisungs- und Verunglimpfungskampagne:
Frühere, schöne Erlebnisse mit dem abgelehnten Elternteil werden fast vollständig ausgeblendet. Der abgelehnte Elternteil wird ohne große Verlegenheit und Schuldgefühle abgewertet, als böse und gefährlich beschrieben, sozusagen zur "Unperson" gemacht.

  • Absurde Rationalisierungen:
  • Die Kinder produzieren für ihre feindselige Haltung irrationale und absurde Rechtfertigungen, die in keinem realen Zusammenhang mit tatsächlichen Erfahrungen stehen. Alltägliche Ereignisse werden zur Begründung herangezogen. "Er hat oft so laut gekaut" oder "Sie hat mich nicht warm genug angezogen", "Sie will immer, dass wir sagen, wozu wir Lust haben" u. ä.

  • Fehlen von normaler Ambivalenz:
  • Beziehungen zwischen Menschen sind immer ambivalent. An einem Menschen gefällt mir dieses, jenes aber nicht. Bei entfremdeten Kindern ist ein Elternteil nur gut, der andere nur böse.

  • Reflexartige Parteinahme für den programmierenden Elternteil:
  • Bei Familienanhörungen wird reflexartig, ohne Zögern und ohne jeden Zweifel für den betreuenden Elternteil Partei ergriffen, oft noch bevor dieser überhaupt etwas gesagt hat.

  • Ausweitung der Feindseligkeit auf die gesamte Familie und das Umfeld des zurückgewiesenen Elternteils
  • Das Phänomen der "eigenen Meinung" und des "eigenen Willens":
  • Der "eigene Wille" und die "eigene Meinung" des Kindes wird vom betreuenden Elternteil besonders hervorgehoben. Entfremdete Kinder wissen schon mit drei oder vier Jahren, dass alles was sie sagen, ihre eigene Meinung ist. Die programmierenden Eltern zeigen sich besonders stolz darauf, wie unabhängig und mutig ihre Kinder sich trauen zu sagen, was sie denken. Oft werden die Kinder aufgefordert, auf jeden Fall "die Wahrheit" zu sagen. Die erwartete Antwort kommt dann auch mit Sicherheit, denn kein Kind kann die Enttäuschung des betreuenden Elternteils riskieren, von dem es ja abhängig ist.

  • Abwesenheit von Schuldgefühlen über die Grausamkeit gegenüber dem entfremdeten Elternteil:
  • Die betroffenen Kinder haben keine Schuldgefühle. Sie unterstellen, der abgelehnte Elternteil sei gefühlskalt, leide nicht unter dem Kontaktverlust zu seinem Kind und es geschehe ihm nur recht, keinen Kontakt mehr zu haben. Gleichzeitig werden finanzielle Forderungen und Ansprüche ohne Skrupel angemeldet, die Kinder empfinden dies "als ihr gutes Recht".

  • Übernahme "geborgter Szenarien":
  • Betroffene Kinder schildern teilweise groteske Szenarien und Vorwürfe, die sie von den betreuenden Erwachsenen gehört und übernommen, aber nicht mit dem anderen Elternteil selbst erlebt und erfahren haben. Meist genügt die Nachfrage "Was meinst du damit?", um festzustellen, dass das Kind gar nicht weiß, wovon es spricht.
    Wer in schwierigen Fällen trotz entsprechender Aufklärung absolut nicht zur Kooperation bereit oder in der Lage ist, kapituliert, handelt zum Schaden des Kindes, denn die Traumatisierung durch den erzwungenen Verlust einer Elternbeziehung ist tiefgreifend und reicht bis weit ins Erwachsenenalter hinein. In einem Kind durch Programmierung und Manipulation ein Elternentfremdung-Syndrom zu erzeugen, ist in Anbetracht der daraus resultierenden schweren Persönlichkeitsschäden kein "Kavaliersdelikt".


    Literatur

    Gardner, Richard A.: The Parental Alienation Syndrome, Creative Therapeutics, Cresskill, New Jersey 1992.

    Klenner, Wolfgang: Rituale der Umgangsverweigerung bei getrennt lebenden oder geschiedenen Eltern, FamRZ 12/95, 1530 (1535)

    Fischer, Wera: Das Parental Alienation Syndrome (PAS) und die Interessensvertretung des Kindes, Nachrichtendienst des Deutschen Vereins, Heft 10 (S. 306-310) und 11 (S. 343-348) 1998

    O.-Kodjoe, Ursula und Koeppel, Peter: The Parental Alienation Syndrome (PAS), Der Amtsvormund, 1998

    von Boch-Galhau, Wilfrid:, Das Parental Alienation Syndrom, Wiesbaden 1999.


    Weitere Infos

    http://pas-eltern.de/pas/

    http://www.vafk.de (s. Themen/Wissenschaft/PAS)

    http://www.entfremdet.de


    Quelle

    www.entfremdet.de von PAS-Eltern e.V. und Väteraufbruch für Kinder e.V.

    Abdruck mit freundlicher Genehmigung



    Letzte Änderung: 21.04.2008 08:18:20Zum Seitenanfang