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Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Was machen Finnlands Schulen anders - vielleicht besser?

Rainer Domisch      Rainer Domisch


Schulen bewegen sich im Vergleich zu anderen Einrichtungen einer Gesellschaft relativ langsam. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass man sich besonders mit den Langzeitwirkungen der Lernkultur beschäftigt, welche die nachfolgenden Generationen nicht nur in ihrem Wissen sondern in ihrer Einstellung zum Leben, zu den eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten, zu den Mitmenschen und zur Welt prägt.

Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse der ersten Pisa-Studie im Dezember 2001 richtete sich das Augenmerk der Weltöffentlichkeit auf finnische Schulen und dazu noch verstärkt nach der Veröffentlichung der zweiten Studie im Dezember 2004.

In Finnland hat man in den 60-er Jahren mehrere Jahre gründlich darüber nachgedacht, welche Bedeutung Schule, Schulbildung und die Organisation des Schulwesens für die Menschen und die finnische Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten haben.

Die Weichenstellung für die Reformen während der letzten Jahrzehnte wird in folgender Übersicht deutlich:

Die wichtigsten schulpolitischen Entscheidungen in Finnland in den letzten Jahrzehnten

  • 1964 - 1968
    Beratungen im finnischen Parlament über eine Schulform, die mehr Chancengleichheit garantiert als das bisher bestehende gegliederte Schulsystem. Breite parlamentarische Mehrheit für ein integriertes Schulwesen.
  • 1972 - 1977
    Einführung der Gemeinschaftsschule (peruskoulu). Alle Schüler eines Schülerjahrganges besuchen zwischen der Klassenstufe 1 und 9 dieselbe Schulart. Übertragung der Schulträgerschaft auf die Kommunen.
  • ab 1980
    Tiefgreifende Lehrplanreform, Einführung der klassenlosen gymnasialen Oberstufe, Abschaffung der Niveaukurse in den Klassen 1 - 9 der peruskoulu
  • ab 1990
    Weitere Lehrplanreformen
    Abschaffung der Schulinspektion
    Stärkung der Verantwortlichkeit der Kommunen und Schulen
    Einführung der schulischen Evaluation
    Öffnung der Schulen für die Informationsgesellschaft

    Landesweite Fortbildungs- und Schulprojekte
    • Fremdsprachenvielfalt
    • Mathematik- und Naturwissenschaften
    • Förderung der Lesekompetenz
    • Virtuelle Schule

Wie sieht der schulische Lebensweg in Finnland aus?

Schon vor der Geburt kümmert man sich um das Wohlergehen von Kind und Mutter in der Beratungsstation, die es in jeder Kommune gibt. Und bereits ab dem ersten Lebensjahr werden Kinder in einer Kindertagesstätte oder in einer Familienpflege betreut, da über 80 Prozent der Frauen berufstätig sind. Im Alter von 6 Jahren besuchen 98 Prozent der Kinder die Vorschule, die in den meisten Fällen in die Kindertagesstätte integriert ist, aber auch Teil der Grundstufe der neunjährigen Gemeinschaftsschule sein kann. Die Arbeit in der Vorschule richtet sich nach landesweiten Standards, auf deren Grundlage die Kindergartenlehrerinnen ihre eigenen Arbeits- und Lehrpläne gestalten. In der Vorschule besuchen die Kinder bereits ihre künftige Schule und auch die Vorschullehrerinnen treffen sich mit den Grundschullehrern.

Von Klasse 1 - 9 besuchen alle Kinder und Jugendliche dieselbe Schulart, haben dieselben Fächer und darüber hinaus stehen den Schulen noch etwa 20 Prozent der Unterrichtszeit zur Verfügung für ihre eigenen Profile innerhalb der gemeinsamen Stundentafel:

Stundentafel der Gesamtschule

Zu dem Personal der Schule für alle (Peruskoulu Klassenstufe 1 - 9) gehören im Rahmen der Schülerfürsorge, die sich mindestens einmal pro Woche trifft, folgende Personen:

Sämtliche Beschlüsse von Sondermaßnahmen können nur mit dem Einverständnis der Eltern umgesetzt werden.

Wichtige Einrichtungen:
  • Sozialräume
  • Mensen für das gemeinsame kostenlose Mittagessen
  • Bibliotheken
  • Gepflegtes und sauberes äußeres Umfeld

Nach dem 9. Schuljahr besuchen 55 Prozent jedes Schülerjahrganges das Gymnasium, das auf drei Jahre angelegt ist. 35 Prozent besuchen die berufliche Ausbildung.

Die Stundentafel des Gymnasiums, das man mit dem Zentralabitur nach 2 oder spätestens nach drei Lernjahren absolvieren muss:

Stundentafel des Gymnasiums

Die Rolle des Lehrers in finnischen Schulen

Die Lernumgebung im Bereich Lehrer-Schüler-Verhältnis wird in Finnland ganz besonders unter folgenden Gesichtspunkten gesehen:

  • der Lehrer zeigt sein Interesse für jeden einzelnen Schüler

  • der Lehrer gibt Schülern die Möglichkeit, ihre Meinungen zu äußern

  • der Lehrer unterstützt Schüler bei ihrer Arbeit

  • der Lehrer unterrichtet so lange, bis die Schüler den Stoff verstehen

  • der Lehrer unternimmt große Anstrengungen, um Schülern zu helfen

  • der Lehrer hilft Schülern bei ihren Lernprozessen

Autor

Rainer Domisch
Opetusneuvos/Counsellor of Education
Opetushallitus/Zentralamt für Unterrichtswesen


Adresse

Hakaniemenkatu 2, PL 380
FIN-00531 Helsinki
E-mail: rainer.domisch@oph.fi
Tel. +358-(0)9-774 772 94
Fax: +358-(0)9-773 773 35
Internet: deutschsprachige Seite für Kinder und Jugendliche
www.finnland-kids.de
PISA-Netzwerkschulen in Finnland
www.pisa-schuleninfinnland.net/



Letzte Änderung: 03.02.2006 11:24:34Zum Seitenanfang