ZUM TEXTHauptmenüHauptseiteFamilienhandbuch-Forum Stichwortsuche von A bis ZAktivitäten mit KindernAngebote/Hilfen Behinderung Elternschaft Ernährung Erziehungsbereiche Erziehungsfragen Familie und Beruf Familienbildung Familienforschung Familienpolitik Gesundheit Häufige Probleme Haushalt/Finanzen Jugendforschung Kindertagesbetreuung Kindheitsforschung Kindliche Entwicklung Leistungen für Familien Partnerschaft Rechtsfragen Schule Teil- und Stieffamilien Trennung/Scheidung VerschiedenesImpressumKontakt | ZUM MENÜKinder aus Alleinerzieher- oder Stieffamilien haben es in der Schule schwererÖsterreichisches Institut für Familienforschung Kinder aus alternativen Familienformen wie Alleinerzieher- oder Stieffamilien schneiden in der Schule schlechter ab als Kinder aus traditionellen Familien. Die Gründe dafür sind das Sozialmilieu der Familie, Familienereignisse und deren Bewältigung sowie die Erwartung der Lehrpersonen und ihr Urteil. So wird beispielsweise ein unproblematisch wirkendes Kind als ein erfolgreicheres Kind gewertet. Das deutsche Schulsystem in Form von Halbtagsschulen benachteiligt Kinder aus alternativen Familien, deren materielle Existenz von der Erwerbstätigkeit der allein erziehenden Person abhängig ist. Das Verhältnis von Familie und Schule hat sich zu Ungunsten der Kinder verschoben, erklärt die Studienautorin Elisabeth Schlemmer, Erziehungswissenschaftlerin an der Pädagogischen Hochschule Weingarten. An ihrer Untersuchung über den Zusammenhang von Familienform und Schulerfolg haben sich insgesamt 110 bayerische Grundschulen sowie allgemein bildende Schulen beteiligt. Die Erhebung erfolgte in zwei Wellen 1996 und 1998, das Alter der SchülerInnen lag zwischen acht und zwölf Jahren. Die soziale Herkunft ist ein ausschlaggebender Faktor für die Chancengleichheit bei der Bildung, belegen verschiedene Quellen wie auch die PISA-Studie 2000. Elisabeth Schlemmer erbringt in ihrer Analyse den Nachweis, dass soziale Ungleichheit mit der Familienform im Zusammenhang steht und folglich auch mit dem Schulerfolg. Etwa 80 % der Kinder im Alter bis 12 Jahre wachsen in Deutschland bei beiden leiblichen und verheirateten Eltern auf, 20 % in so genannten alternativen Familien, die vom traditionellen Generationsgefüge abweichen. Die Untersuchung an bayerischen Schulen zeigt, dass Kinder aus alternativen Familien mit 25 % in Hauptschulen stärker vertreten sind als in Gymnasien mit 16 %. Auch an Förderschulen ist die Anzahl der Kinder aus alternativen Familienformen vergleichsweise höher. Hier sind mehr Buben betroffen, in Hauptschulen und Gymnasien sind mehr Mädchen aus alternativen Familien als Buben benachteiligt. Familienform als LeistungsträgerDie Familienform spielt eine Rolle, wenn sie Träger eines bestimmten Bildungsmilieus ist. In alternativen Familien ist das Bildungsniveau allein erziehender Mütter zwar durchschnittlich höher als in anderen Familienformen, insgesamt aber ist das Niveau in alternativen Familien im Durchschnitt geringer als in traditionellen Familien. Der "Bildungsverlust" des abwesenden leiblichen Vaters schmälert die Bedeutung des Bildungsstatus der Mutter.Aber auch Familienereignisse wie Trennung, Scheidung oder Tod eines Elternteils wirken sich auf die Schulleistungen der Kinder aus. Die Bewältigung dieser Ereignisse und das Einstellen auf eine neue Partnerschaft der Eltern oder die Gründung einer neuen Familie durch Zusammenziehen oder Heirat erfordert den Aufbau neuer Kompetenzen. Die Überforderung der Kinder führt dazu, dass sie von Eltern und LehrerInnen als verhaltensauffällig bewertet werden. Wie schnell und gut die Bewältigung von derartigen Familienereignissen erfolgt, hängt auch vom Umgang der Eltern mit der Situation ab. Die Benotung steht im Zusammenhang mit dem Verhalten der SchülerInnen und deren Wahrnehmung durch die LehrerInnen. Soziale Kompetenz ist in der Schule ein Selektionskriterium. Die Untersuchung zeigt, dass die Gleichbehandlung der Kinder unterschiedlicher Familienformen schon gegeben ist, aber das Lehrerurteil gegenüber Kindern aus alternativen Familien vergleichsweise schlechter ausfällt. Halbtagsschule vs.VollerwerbDie Familie wird als Ort für Gefühle gesehen, die Schule als Ort der Vernunft. Ziel dieser Aufteilung ist die Sozialisation, die Einordnung der Kinder in die Gesellschaft. Die Arbeitsteilung zwischen Familie und Halbtagsschule erfordert zumindest eine "teiltraditionelle" eheliche Familie, in der der Vater Haupternährer der Familie und die Mutter Zuverdienerin ist.Durch die zunehmende Erwerbstätigkeit der Mütter lässt sich folgender Trend erkennen: Der Großteil der Mütter kehrt mit Schulbeginn der Kinder nach der Erziehungspause zwar in die Erwerbstätigkeit zurück, ist dann aber meist Teilzeit erwerbstätig und versorgt die Kinder nach der Schule am Nachmittag selbst. Die Erwerbstätigkeit von Müttern liegt generell bei 60 %, bei alternativen Familien (Alleinerzieher- oder Stieffamilien) bei etwa 75 bis 90 %, davon sind 40 % vollerwerbstätig. Frankreich, wo die Ganztagsschule traditionell ist, hat eine höhere Geburtenrate bei einem höheren Anteil von kontinuierlicher Vollzeiterwerbstätigkeit bei Müttern zu verzeichnen. "Die halbtätige Organisation des Bildungswesens in Deutschland lässt Beruf und Familie schwer vereinbaren", hält die Autorin fest. Neue Balance zwischen Familie und SchuleKinder aus alternativen Familien sind die “Verlierer” des Schulsystems, verdeutlicht die vorliegende Studie. Sie besuchen weniger häufig das Gymnasium und sind vermehrt in Förderschulen vertreten. Ihr durch Familienereignisse ausgelöstes problematisches sozialemotionales Verhalten wird zur Selektionsfalle.Für einen guten Schulerfolg müssen sowohl soziale als auch zeitliche Ressourcen gegeben sein. Eine neue Balance zwischen Familie und Schule ist erforderlich, ausgerichtet am gesellschaftlichen Wandel. Dies wäre in Form einer Ganztagsschule vorstellbar, so Elisabeth Schlemmer. Abschließend stellt sie folgende schulische und familiale Handlungsperspektiven vor:
LiteraturElisabeth Schlemmer: Familienbiografien und Schulkarrieren von Kindern. Theorie und Empirie.VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2004. ISBN 3-531-14443-X Quellebeziehungsweise. Informationsdienst des Österreichischen Instituts für Familienforschung Nr. 23/04 Kontakt
Prof. Dr. Elisabeth Schlemmer Professur für Allgemeine Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Weingarten | ||
Letzte Änderung: 18.11.2005 13:57:09 |