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Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Die Realschule

Rimma Kanevski     Rimma Kanevski


Die Realschule - eine weiterführende Schulart im deutschen Schulsystem

Wann können die Kinder eine Realschule besuchen?

Welchen Bildungsauftrag hat die Realschule?

Was zeichnet den Unterricht an der Realschule besonders aus?

Welche Fächer werden an der Realschule unterrichtet?

Ist ein späterer Wechsel der Schulart möglich?

Das Schulleben


"Unser Kind hat die Grundschule bald hinter sich. Was kommt nun?"

Diese und ähnliche Fragen stellen sich alle Eltern spätestens nachdem sie eine "Empfehlung für den Besuch einer weiterführenden Schule" von der Grundschule ihres Kindes erhalten haben.

Die Eltern stehen jetzt vor einer Entscheidung, die das Leben des Kindes in den nächsten Jahren, aber vielleicht auch ein Leben lang bestimmen wird. Die Empfehlung der Grundschule soll ihnen lediglich helfen, diese Entscheidung zu treffen, indem sie ihnen eine Orientierung bietet. Die Eltern haben das Recht, über den Besuch des Kindes einer weiterführenden Schule zu entscheiden. Weicht jedoch die Entscheidung der Eltern von der Empfehlung der Grundschule ab, so kann in einigen Ländern, wie z. B. Baden-Württemberg, Bremen und Thüringen, die Aufnahme des Kindes in die weiterführende Schule von einer Prüfung abhängig gemacht werden. In anderen Ländern, wie z. B. Nordrhein-Westfallen, Schleswig-Holstein ist ein Beratungsgespräch durch die weiterführende Schule verpflichtend (Vgl. Schulgesetze der Länder auf www.kmk.org).

Viele Eltern sehen sich von dieser Aufgabe überfordert. Kein Wunder, da bekannt ist, dass Deutschland eines der kompliziertesten Schulsysteme in Europa hat und die meisten Eltern nur diejenige Schulart kennen, die sie selbst besucht haben. Einen Überblick über das deutsche Schulsystem gibt die Abbildung 1.
Grundstruktur des Bildungswesens in der Bundesrepublik Deutschland
Abbildung 1: Grundstruktur des Bildungswesens in der Bundesrepublik Deutschland (Quelle: KMK)


Die Realschule - eine weiterführende Schulart im deutschen Schulsystem

Das deutsche Schulsystem ist inzwischen nicht nur unter Wissenschaftlern umstritten, weil es einen sehr hohen Grad an sozialer Auslese trifft und nicht immer optimale Förderung und Forderung der Schüler bietet (für die es eigentlich aufgebaut wurde) (vgl. v. Saldern 2002). Obwohl die Schulgesetze der Länder die Übergänge zwischen verschiedenen Schularten ermöglichen, gestalten diese sich in der Praxis als kompliziert (ebd.) und abhängig von einigen frühzeitigen Entscheidungen der Eltern (z. B. Wahl der 2. Fremdsprache) und der Schulen (rechtzeitige Überweisung in die angemessene Schulart). Solange aber politische Entscheidungen, die auf die Lösung des Problems zielen, noch nicht reif sind, ist es für Eltern besonders wichtig, sich über alle Schularten zu informieren, um deren jeweilige Vorzüge optimal zum Wohle des Kindes zu nutzen.

Obwohl viele Entscheidungen über das Schulsystem auf Bundesebene durch die Kultusministerkonferenz koordiniert werden, hat jedes Bundesland bei der Ausgestaltung seines Schulsystems ein hohes Maß an Eigenständigkeit.

Ein Mittlerer Schulabschluss kann inzwischen in allen Bundesländern an verschiedenen Schulformen erworben werden.
Absolventen mit Mittlerem Abschluss nach Schulart
Abbildung 2: Absolventen mit Mittlerem Abschluss nach Schularten (Quelle: Stat. Bundesamt; Darstellung nach v. Saldern & Paulsen 2002)

Die meisten Abschlüsse werden an der Realschule erworben (vgl. Abb.2), aber auch am Gymnasium und an der Gesamtschule kann nach der 10. Klasse der Mittlere Schulabschluss erworben werden. Auch die Hauptschule bietet in zahlreichen Bundesländern besonders guten Absolventen ein freiwilliges 10. Schuljahr an, in dem der Mittlere Schulabschluss erworben werden kann.

In diesem Beitrag wird die Schulform Realschule vorgestellt - die Schulart, die sich nicht umsonst der größten Beliebtheit unter Eltern und Schülern in allen Bundesländern erfreuen darf: "Das Schuljahr 1999/2000 beendeten 373.142 Schüler mit einem Realschulabschluss/Mittleren Abschluss. Davon waren 212.478 Realschüler" (v. Saldern & Paulsen 2002, 119). Neben der Hauptschule, Gesamtschule und dem Gymnasium gehört die Realschule zum Sekundarbereich I.

Im Folgenden wird
  • der Bildungsauftrag der Realschule im Verhältnis zu anderen Schularten (Hauptschule, Gesamtschule und Gymnasium)vorgestellt
  • die praktische Umsetzung des Bildungsauftrages in den Stundentafeln erörtert
  • die Vielfalt der Fächer und Unterrichtsformen in der Realschule dargestellt.
Außerdem werden die Optionen für die weiteren Bildungswege nach dem Erwerb des Mittleren Schulabschlusses dargelegt.


Wann können die Kinder eine Realschule besuchen?

In den Bundesländern gibt es z. T. sehr unterschiedliche Regelungen für die beiden ersten Klassen der Sekundarstufe (5. und 6. Klasse). In Berlin und Brandenburg sind sie ein Teil der 6-jährigen Grundschule. Die Realschule fängt somit erst ab der Klasse 8 an. In anderen Bundesländern bilden die Klassen 5 und 6 die s. g. Orientierungs- oder Förderstufe einer weiterführenden Schule. Die Orientierungsstufe ist dort der jeweiligen Schulart zugeordnet. In Bremen gibt es eine schulartunabhängige Orientierungsstufe. Von der eigentlichen Realschule kann man dort ab der Klasse 7 sprechen. In Bayern wird seit 1992 neben einer vierstufigen eine sechsstufige Realschule (ab Klasse 5) aufgebaut. Niedersachsen löste 2004 die Orientierungsstufe auf, dort besuchen die Kinder eine Realschule ebenfalls ab der Klasse 5.


Welchen Bildungsauftrag hat die Realschule?

Ziele und Anspruch der Realschule

Der besondere Auftrag der Realschule ist die Vermittlung einer erweiterten Allgemeinbildung, welche die Schülerinnen und Schüler "…entsprechend ihren Leistungen und Neigungen durch Schwerpunktbildung befähigt, nach Maßgabe der Abschlüsse ihren Bildungsweg in berufs- und studienqualifizierenden Bildungsgängen fortzusetzen" (Vereinbarung über Schularten und Bildungsgänge im Sekundarbereich I, Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 03.12.1993 i. d. F. vom 27.09.1996). Diese Formulierung wird in den Schulgesetzen aller Bundesländer in einer ähnlichen Form übernommen.

Das Bayerische Schulgesetz zum Beispiel beschreibt die Zielgruppe der Realschule. Eine Realschule ist demnach die "Schule für Kinder und Jugendliche, die aufgeschlossen […] sowohl für praktisches Tun als auch für theoretische Überlegungen [sind], die geistig beweglich sind, über grundlegende sprachliche Fertigkeiten verfügen und Fantasie und Kreativität zeigen." (Bayer. Lehrplan für die sechsstufige Realschule, 2001).

Damit wird eine Relation zu anderen Schularten, wie Hauptschule und Gymnasium, klar gestellt: die Realschule
  • bietet eine Option zur Weiterbildung in studienqualifizierenden Bildungsgängen wie Fachoberschule und Fachgymnasium, die den Zugang zum Studium an einer Fachhochschule ermöglichen und/oder in der gymnasialen Oberstufe, die zu einem Studium an der Universität berechtigt.
Außerdem
  • ermöglicht sie den Übergang in die berufliche Bildung an Berufsfachschulen, Fachschulen, Fachakademien und an der Berufsoberschule.


Bildungs- und Erziehungsschwerpunkte an der Realschule

Erweiterte Allgemeinbildung umfasst
  • Vermittlung eines soliden Grundwissens und
  • Vermittlung und Förderung grundlegender Kompetenzen und Einstellungen.

Was kann man sich unter grundlegenden Kompetenzen und Einstellungen vorstellen?
Der Bayerische Lehrplan für die sechsstufige Realschule zum Beispiel versteht unter grundlegenden Kompetenzen und Einstellungen Arbeitstugenden wie
  • Pünktlichkeit und Ordentlichkeit
  • Ausdauer
  • Eigeninitiative
  • Entscheidungsfähigkeit
  • Flexibilität
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Konzentrationsvermögen
  • Kreativität
  • Lernfähigkeit und Lernwilligkeit
  • Selbständigkeit
  • systematisches Vorgehen
  • Verantwortungsbewusstsein, -bereitschaft und -fähigkeit
  • Zuverlässigkeit. (ebd.)

Mit ihrem besonderen Auftrag soll die Realschule dem Anspruch der Durchlässigkeit des Bildungssystems gerecht werden. Man muss allerdings anmerken, dass der Zugang zur allgemeinen Hochschulbildung für besonders fähige Absolventen der Realschule durch Umwege verlängert oder wegen veränderten Lebensumständen gar unmöglich werden könnte (v. Saldern 2002). Diesen Umstand sollten die Eltern ebenso wie die Vorzüge der Realschule bei der Auswahl der Schulart in ihre Überlegungen einbeziehen.


Was zeichnet den Unterricht an der Realschule besonders aus?

Merkmale des Unterrichts

Der gesamte Unterricht in den Realschulen soll der Erfüllung der Bildungs- und Erziehungsaufgaben dienen. Der Unterricht geht von den Entwicklungsbedingungen der Schüler aus. Er knüpft im Allgemeinen an die Lebens- und Erfahrungswelt, an Kenntnisse, Fertigkeiten und Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler an. Seine Merkmale sind:
  • Anschaulichkeit
  • Methodenvielfalt
  • Verbindung von Theorie und Praxis und
  • Wechsel der Aktions- und Sozialformen.

Der Unterricht soll die Schüler Schritt für Schritt vom konkreten zum abstrakten Denken anleiten.

Unterrichtsmethoden

Die Realschule zeichnet sich besonders durch ihre heterogene Schülerschaft aus, wie die Ergebnisse der PISA-Studie eindrucksvoll ausgezeigt haben (vgl. Deutsches PISA-Konsortium 2001).
Die Realschule reagiert darauf mit einer Vielfalt von Unterrichtsmethoden, die zu einer inneren Differenzierung beitragen sollen. Diese Entwicklung wird auch seitens der Kultusministerien unterstützt.
Schüleraktivierende Arbeitsformen wie
  • Projektunterricht
  • Gruppenarbeit
  • Experimente
  • Freiarbeit
  • Stationenlernen
  • Rollenspiele und
  • Erkundungsgänge
sollen laut einiger Erlasse der Kultusministerien in der Realschule ebenso praktiziert werden, wie lehrerzentrierte Arbeitsformen. Diese Arbeitsformen sollen insbesondere die Sozial- und Lernfähigkeit der Schüler fördern. Außerdem sollen sie die Schüler zu mehr Selbständigkeit anleiten.

Viele Schulen versuchen bereits, eine gesunde Mischung aus verschiedenen Arbeitsformen anzubieten. Obwohl diesbezüglich an der Realschule in den letzten Jahren viel getan wurde, haben sich diese Veränderungen des Unterrichts noch nicht überall durchgesetzt, die häufigste Form bleibt noch Frontalunterricht (vgl. Bohl 2000). Die Schulen, die schüleraktivierende Arbeitsformen verwenden, erteilen in der Regel gern Auskunft darüber. Oft wird über solche Aktivitäten auf der Internetseite der Schule, die sich Eltern nach Möglichkeit anschauen sollten, berichtet. Wenn sie also eine Realschule für Ihr Kind suchen, informieren Sie sich auch über die Unterrichtsformen, die an der Schule Ihrer Wahl praktiziert werden.


Welche Fächer werden an der Realschule in welchen Umfang unterrichtet?

Die Schule hat sich in den letzten Jahren verändert, sodass viele Eltern mit der Schule ihrer Kinder andere Erfahrungen machen werden als mit ihrer eigenen Schule.

In allen Bundesländern gibt es zum einen s. g. Pflichtfächer, zum anderen s. g. Wahlpflichtfächer und Wahlfächer, mit denen beabsichtigt wird, den besonderen Interessen und Begabungen der Schüler entgegenzukommen.

Pflichtfächer

Ein verpflichtender Kernbereich von Fächern in der Realschule dient der allgemeinen Grundbildung. Zu den Kernfächern der Realschule gehören, wie auch in anderen Schulformen, Mathematik, Deutsch und die erste Fremdsprache, in der Regel Englisch.

Teilweise finden sich in den Stundentafeln noch traditionelle Einzelfächer wie Erdkunde, Geschichte, Sozialkunde, Physik, Chemie usw., wie viele Eltern es aus ihrer eigenen Kindheit kennen. Inzwischen hat sich aber in vielen Bundesländern ein Trend zu s. g. integrierten Fächern eingestellt. Dazu gehören
  • Gesellschafswissenschaften - eine Zusammensetzungen aus Erdkunde, Geschichte, Sozialkunde, Rechtserziehung, Wirtschaft, Politik und Geografie
  • Naturwissenschaften - eine Zusammensetzungen aus Physik, Chemie, Biologie und in einigen Bundesländern auch Astronomie
  • Arbeitslehre - Zusammensetzungen aus Arbeit, Wirtschaft, Technik, Informatik.

Die konkrete Ausgestaltung dieser Fächer ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Der Arbeitslehre und Berufsorientierung wird in allen Bundesländern eine wichtige Bedeutung beigemessen. Diese Fächer haben die Aufgabe, Kinder und Jugendliche auf die Arbeits- und Berufswelt vorzubereiten und den Berufswahlprozess zu unterstützen. Auch ein Berufspraktikum in der 9. Klasse trägt dazu bei. Das Praktikum wird von den meisten Schülern begeistert aufgenommen und bietet ihnen zahlreiche Möglichkeiten, wichtige Erfahrungen zu sammeln und eventuell erste Berufsorientierung zu bekommen.

Zu den Pflichtfächern gehört außerdem der Weltanschauungsunterricht, der in einer pluralistischen Gesellschaft wie der Bundesrepublik die Kinder und Jugendlichen dazu befähigen soll, eigene Werte und Normen zu erarbeiten. Neben konfessionsgebundenen Fächern wie katholische und evangelische Religion, werden konfessionsfreie Fächer zur Wahl angeboten. Dazu gehören je nach Bundesland Werte und Normen, Philosophie, Ethik oder andere Angebote. Der Umfang dieser Fächer umfasst in der Regel 2 Wochenstunden.

Ästhetische Bildung wird in den Pflichtfächern Kunst und Musik, sowie den Wahlpflichtfächern Gestaltung, Chor, Orchester, Textiles Gestalten/Werken vermittelt. In einigen Bundesländern wird sogar Darstellendes Spiel als Wahlpflichtfach angeboten.

In allen Bundesländern ist das Fach Sport mit 2 Wochenstunden vertreten, das in vielen Ländern auch zusätzlich als Wahlpflichtfach angeboten wird.

Wahlpflichtfächer

Mit dem Wahlpflichtunterricht ab der Klassenstufe 7 wird beabsichtigt, den Schülern die Herausbildung eines eigenen Profils zu ermöglichen, sowie zusätzlich die individuelle Lernmotivation zu steigern. Dazu tragen auch die Angebote im Wahlbereich bei. Einige Wahlpflichtfächer wurden bereits oben erwähnt. Als 2. Fremdsprache wird an den meisten Schulen Französisch angeboten.

Eine Neuentwicklung, die viele Eltern aus ihrer eigenen Kindheit vielleicht noch nicht kennen sind fächerübergreifende Wahlpflichtangebote: Haushalt und Ernährung in Bayern, Mensch und Umwelt, Natur und Technik in Baden-Württemberg, Darstellendes Spiel in Hessen, Sozialpädagogik in Rheinland-Pfalz und viele andere Fächer.

An der Realschule ist der Unterricht überwiegend im Klassenverband vorgesehen. Der Bildungsauftrag der Realschule wird in den Stundentafeln umgesetzt. Insgesamt beträgt die Wochenstundenzahl der Fächer und Lernbereiche im Pflicht- und Wahlpflichtunterricht 30 Wochenstunden (Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland (KMK/BMBF) http://www.kmk.org/dossier/dossierinhalt.htm, vom 27.05.02.).

Laut Vereinbarung über Schularten und Bildungsgänge im Sekundarbereich I (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 3.12.1993 i. d. F. vom 27.09.1996) soll die Wochenstundenzahl für den Durchgang der Jahrgangsstufen 5 bis 10 insgesamt in der Regel
  • in Deutsch 22 Stunden
  • in Mathematik 22 Stunden
  • in der 1. Fremdsprache 16 Stunden
  • in den Gesellschaftswissenschaften 16 Stunden und
  • in den Naturwissenschaften 16 Stunden
betragen.

Die Stundentafeln der einzelnen Bundesländer orientieren sich an diesen Angaben, obgleich sie auch eine große Vielfalt in der Aufteilung der Stunden über die Jahre hinweg zeigen. Es deutet sich eine Tendenz zur Liberalisierung des Bildungswesens an, die sich dadurch äußert, dass bereits mehrere Bundesländer einzelnen Schulen die Freiheit einräumen, einen Schwerpunkt zu bilden. Die Schulen können die Entscheidung über die Verteilung der Wochenstunden selbständig nach ihren Gegebenheiten so treffen, dass sie einen Schwerpunkt bilden und außerdem ihre Lehrkräfte optimal einsetzen können.


Ist ein späterer Wechsel der Schulart möglich?

Grundsätzlich ist der Wechsel der Schulart auf Antrag der Erziehungsberechtigten
  • nur bis zum Beginn der 9. Klasse und
  • in der Regel nur zum Beginn eines Schulhalbjahres möglich.

Die Klassenkonferenz (= Versetzungskonferenz) der abgebenden Schule entscheidet über die Eignung für die gewünschte Schulform und darüber, in welcher Klasse die Schullaufbahn fortgesetzt wird.

Für den Wechsel zu einer höherqualifizierenden Schulart (von der Realschule zum Gymnasium) müssen zwei Bedingungen erfüllt werden:
  1. Die Klassenkonferenz muss aufgrund des bisherigen Leistungsbildes der Ansicht sein, dass in der anderen Schulform eine erfolgreiche Mitarbeit erwartet werden kann.
  2. Der Schüler /die Schülerin muss ab Klasse 7 Unterricht in einer 2. Fremdsprache gehabt haben (vgl. Schulgesetze der Länder).

Abbildung 3 zeigt, dass die theoretische Durchlässigkeit des Bildungssystems in der Praxis leider nicht gewährleistet wird: "Es ist offensichtlich, dass "höhere" Schulen nach unten abgeben, aber kaum Schüler von unten aufnehmen (die 10,7% in der 7. Klasse rühren her von der 4-jährigen Realschule in Bayern)" (v. Saldern 2002, 298).
Durchlässigkeit 200/2002 für 5. bis 10. Klassenstufe in Prozent
Abbildung 3: Durchlässigkeit 2000/2001 (für 5.-10. Klassenstufe; in Prozent; ohne Sonderschule) (Stat. Bundesamt; nach v. Saldern 2002, 298)

Wenn also die Eltern ihrem Kind die Option zum späteren Besuch eines Gymnasiums offen halten möchten, muss die zweite Fremdsprache bereits in Klasse 7 gewählt werden. Falls Sie später der Meinung sind, dass das Kind an der Realschule unterfordert ist und an das Gymnasium wechseln könnte, sollten Sie die Klassenlehrerin/den Klassenlehrer des Kindes darauf ansprechen und sich beraten lassen.


Das Schulleben

Die Schule ist ein Ort, an dem die Kinder eine erhebliche Zeit ihres Lebens verbringen. Sie ist deswegen nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Lebensraum. Viele Schulen nehmen das inzwischen wahr und versuchen diesen Lebensraum so angenehm wie möglich zu gestalten. Ein Beispiel dafür ist eine persönliche Gestaltung der Räume und Arbeitsbereiche, besondere Spiel-, Sport- und Kommunikationsangebote. Zum Schulleben gehören Arbeitsgemeinschaften, Austauschprogramme, Projekte, Konzerte und andere Veranstaltungen. Gute Schulen öffnen sich nach außen und halten Kontakte zu den Sportvereinen und kulturellen Organisationen.


Schlusswort

Die Eltern sollten also jede Gelegenheit nutzen, einen Einblick in das Leben der Schule zu bekommen, die sie vielleicht jetzt schon für ihr Kind ausgesucht haben. Gehen Sie mit dem Kind zum "Tag der offenen Tür", besuchen Sie mit ihm Schulfeste und andere Veranstaltungen der Schule, vergleichen Sie Angebote verschiedener Schulen, sprechen Sie mit den Eltern, deren Kinder diese Schule besuchen, besonders mit denen, die sich in der Schule engagieren. Nur so können Sie und Ihr Kind herausfinden, ob eine Schule tatsächlich zu Ihrem Kind passt.


Literatur

Bekanntmachung der Neufassung des Schleswig-Holsteinischen Schulgesetzes (Schulgesetz SchulG) vom 2. August 1990 Gl.-Nr.: 223-9 Fundstelle GVOBl. Schl.-H. 1990 S Landesverordnung über Aufnahme, Aufsteigen nach Klassenstufen und Abschlusse an den Gesamtschulen (VO GS). Vom 22.Februar 1993 Gl.-Nr.: 223-9-108. Fundstelle: NBl. SChl.-H. 1993 S. 75. 451,
http://www.schleswig-holstein.de/landsh/mbwfk/schulen/schulen_02.html, 5.04.02

Bohl, T. Unterrichtsmethoden in der Realschule. Bad Heilbrunn: Klinkhardt. 2000

Brandenburgisches Schulgesetz. Vom 12. April 1996

Deutsches PISA-Konsortium (hrsg.): PISA 2000. Basiskompetenzen von Schülerinnen uns Schülern im internationalen Vergleich. Opladen 2001.

Die Arbeit in der Realschule (Niedersachsen), Erl.d.MK v.09.04.1991 - GültL 175/25 - SVBI. 5/91, S.173

Erstes Gesetz zur Ordnung des Schulwesens in NRW, vom 8. April 1952, zuletzt geändert durch das Gesetz vom 15. Juni 1999, http//www.musketierprojekt99.de /Musketierprojekt/Schulrecht/Schulrecht.htm, v. 06.08.02

Gesetz Nr. 812 zur Ordnung des Schulwesens im Saarland (Schulordnungsgesetz: SchoG), vom 5. Mai 1965, in der Fassung der Bekanntmachung vom 21. August 1996 (Amtsbl. S. 846, ber. 1997 S. 147), zuletzt geändert durch das Gesetz vom 22. November 2000 (Amtsbl. S. 2034).

Hamburger Schulgesetz vom 16. April 1997

Hessisches Schulgesetz vom 17. Juni 1992 (GVBl. I S. 233), zuletzt geändert durch das Erste Gesetz zur Qualitätssicherung in hessischen Schulen vom 30. Juni 1999 (GVBl. I S. 354), http://www.kultusministeriumhessen.de/, v. 24.05.02

Kanevski, R. und v. Saldern, M.: Bildungsauftrag und Stundentafeln. In Saldern, M.- v. Bildungsgang Realschule. Hohengehren: Schneider. 2002. 271-287

Landesgesetz über die Schulen in Rheinland-Pfalz vom 6. November 1974 (GVBI. S.487) zuletzt geändert durch Gesetz vom 12.Februar 1997 (GVB1.s.53; Amtsbl. s. 329)

Lehrplan für die sechsstufige Realschule, genehmigt mit Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus vom 15. Juni 2001, Nr. V/1-S 6410-5/28432, München, August 2001, www.realschule.bayern.de, v. 6.06.02

Lehrplan für die vierstufige Realschule, http://www.isb.bayern.de/bf/isbl/lps/rs/lpsrs.htm, v. 7.05.02

Saldern, M. v. Bildungsgang Realschule. Hohengehren: Schneider. 2002

Saldern, M. v. & Paulsen, A. Organisation und Struktur des Bildungsganges Realschule. In Saldern, M. v. Bildungsgang Realschule. Hohengehren: Schneider. 2002. 105-143

Schulgesetz für das Land Mecklenburg-Vorpommern (vom 15. Mai 1996, Stand Februar 2000), http://www.svz.de/forum/schulgesetz/gesetz.html, v. 21.05.02

Schulgesetz für den Freistaat Sachsen (vom 1. August 1991, Amtsblatt des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus 17/1994, zuletzt geändert durch Art. 1 des G vom 29. Juni 1998 (SächsGVBl. 11/1998 S. 271, 20. Juli)

Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt in der Fassung vom 27. August 1996, http://www.mk.sachsen-anhalt.de, vom 21.05.02

Schulordnung für die Realschulen in Bayern (Realschulordnung - RSO), vom 16.06.1983 (GVBI. S. 557), zuletzt geändert durch Verordnung vom 03.06.1997 (GVBI. S. 218)

Thüringer Schulgesetz vom 6. August 1993 (GVBl. S. 445), zuletzt geändert durch Gesetz vom 24. Oktober 2001 (GVBl. S. 274) http://www.thüringen.de/tkm/hauptseiten/grup_schulwesen/schulart/regel.htm, v. 21.05.02


Autorin

Dipl.-Phys., Cand.-phil. Rimma Kanevski ist derzeit als Planungsassistentin am Fernstudienzentrum der Universität Lüneburg und im Diplomstudiengang Erziehungswissenschaften tätig.
Sie hat nach ihrem Erststudium der Physik an der Universität Rostov am Don (Russland) (1983-1988) ihr Zweitstudium für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschule an der Universität Lüneburg mit dem 1. Staatsexamen 2001 abgeschlossen. Zurzeit promoviert sie in Pädagogik bei Prof. Dr. Matthias v. Saldern, Universität Lüneburg.
Ihre Lehr- und Forschungsgebiete sind Bildungsforschung, Schulentwicklungsforschung und Netzwerkforschung.
2001-2002 war sie als Projektbearbeiterin im Projekt "Bildungsgang Realschule" tätig. Die Projektergebnisse wurden in dem gleichnamigen Sammelband veröffentlicht (Saldern, M. v. Bildungsgang Realschule. Hohengehren: Schneider 2002).


Adresse

Universität Lüneburg
Fernstudienzentrum
Scharnhorststr. 1
21335 Lüneburg

Tel.: 04131-78-1432

E-Mail: kanevski@uni-lueneburg.de

Internet: http://www.uni-lueneburg.de/ass




Letzte Änderung: 22.12.2004 08:34:26Zum Seitenanfang