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Vom SortierenMit der Einschulung beginnt der Ernst des Lebens. Während sich die Schulanfänger noch an der Zuckertüte erfreuen, haben viele Eltern bereits den Schulabschluss ihrer Kinder vor Augen. Für das erste Klassenfoto sortiert die Lehrerin ihre neuen Schüler nach der Größe, vier Jahre später wird nach Leistung sortiert.Der Übergang in die weiterführenden Schulen ist von dem Gedanken bestimmt, die Möglichkeiten des Bildungssystems gemäß den Fähigkeiten und Neigungen der Schülerin, des Schülers optimal zu nutzen. Dieser Artikel dient als Orientierungs- und Entscheidungshilfe bei der Auswahl des zukünftigen Bildungsweges. Um Ihnen und Ihrem Kind diese Entscheidung zu erleichtern, bedarf es unterschiedlicher Informationen. Zum einen benötigen Sie Auskunft darüber, welche unterschiedlichen Wege und Möglichkeiten unser Bildungssystem bereitstellt. Die Information über die möglichen Bildungswege allein bietet jedoch noch keine hinreichende Entscheidungsgrundlage. Schüler und Eltern wollen auch wissen, welche Aussichten bestehen, einen bestimmten Bildungsweg erfolgreich zu absolvieren; sie möchten Hinweise über die Voraussetzungen eines zukünftigen Schulerfolgs in ihr Nachdenken einbeziehen. Die Entscheidung ist oft aber nicht so einfach. Was ist das Beste für das Kind? Manchmal gehen die Ansichten in der Familie auseinander, manchmal schätzen Eltern und Lehrkräfte die Möglichkeiten eines Kindes unterschiedlich ein und auch die Schülerinnen und Schüler haben ihre eigene Meinung. Eine kompetente Schullaufbahn-Beratung ist also für Eltern wie für Schülerinnen und Schüler unverzichtbar. Erwartungen, Wünsche und HoffnungenEltern machen sich ein Bild von ihrem KindDie Eltern sehen ihr Kind in einer besonderen Art und Weise. Sie haben bestimmte Vorstellungen von seiner Leistungsfähigkeit und entwickeln Wünsche und Erwartungen, wie der Weg ihres Kindes aussehen sollte. Wenn Eltern an ihr Kind denken,
Auch die Lehrer machen sich ein BildIm Vergleich mit den Eltern setzen die Pädagogen andere Akzente und nehmen andere Haltungen ein. Sie
Der ÜbergangAm Ende der Grundschule müssen sich die Schülerinnen und Schüler von ihren bisherigen Lehrern und von vielen ihrer Mitschüler trennen, um einen Neuanfang zu suchen. Neue soziale Netze müssen geknüpft, alte Verhaltensmuster überprüft und Lerngewohnheiten revidiert werden.Damit verbinden sich Hoffnungen und Ängste, die die Schüler mit ihren Eltern teilen. Das hat bereits vor Jahrzehnten die Kultusministerkonferenz bewogen, Gestaltungshinweise für den Übergang von einer Schulart in die andere zu geben. Ihre Aktualität ist erstaunlich. Hier ein Auszug: "[...] Der Übergang von einer Schulart in die andere ist für die Entwicklung des jungen Menschen von so weittragender Bedeutung, dass er mit aller Behutsamkeit und Sorgfalt vorbereitet und vollzogen werden muss. Die Entscheidung darüber, ob ein Kind eine andere Schulart besuchen soll, darf nicht ausschließlich durch das Ergebnis einer Prüfung von wenigen Stunden oder Tagen bestimmt sein, sie kann auch nicht der abgebenden oder weiterführenden Schule allein überlassen werden. Das Verfahren muss sich vielmehr über einen längeren Zeitraum erstrecken, der den Lehrern hinreichende Gelegenheit zur Beobachtung des Kindes und zur Beratung der Eltern gibt. [...] Für die verschiedenen Arten von Übergängen gelten einheitlich folgende Grundsätze: 1. Jedem Kind muss - ohne Rücksicht auf Stand und Vermögen der Eltern - der Bildungsweg offenstehen, der seiner Bildungsfähigkeit entspricht. 2. Abgebende und weiterführende Schulen wirken bei der Entscheidung zusammen. Das Verfahren muss bei beiden von dem Willen zu verständnisvoller und fruchtbarer Zusammenarbeit getragen sein. 3. Für die Entscheidung über die Aufnahme eines Kindes in eine weiterführende Schule sind die für eine erfolgreiche Bildungsarbeit unentbehrlichen Kenntnisse und Fertigkeiten festzustellen; es sind aber auch Eignung, Neigung und Wille des Kindes zu geistiger Arbeit insgesamt zu werten. 4. In dem Verfahren werden die Erkenntnisse der Pädagogik und Psychologie berücksichtigt. Auf jede schematische und mechanische Gestaltung des Verfahrens ist zu verzichten. 5. Da sich die geistige Entwicklung des Kindes in verschiedenen Phasen von unterschiedlicher Dauer vollzieht, kann der Übergang nicht bei jedem Kind zum gleichen Zeitpunkt erfolgen, er muss vielmehr auf verschiedenen Altersstufen möglich sein. Ein verfrühter Übertritt ist zu vermeiden. [...]" Hilfen für die EntscheidungsfindungIn vielen Fällen ist die Entscheidung für eine bestimmte Schulart kein Problem; die Leistungen und das Arbeitsverhalten des Kindes, die Empfehlung der Grundschule, der Wunsch von Eltern und Kind - alles passt zusammen. Aber es gibt doch zahlreiche Fälle, in denen ein wirklicher Entscheidungsprozess mit Abwägen von Vor- und Nachteilen, Chancen und Risiken notwendig ist.Informationen über das SchulsystemÖffentliche SchulenAngemessene Entscheidungen können nur informierte Eltern treffen. Es muss geklärt werden, welche Schulen zur Verfügung stehen, welche Schulen in Frage kommen und in welchen Punkten sich diese Schulen voneinander unterscheiden. Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Gesamtschule, das sind Schularten, die meist überall gewählt werden können, vor Ort oder in erreichbarer Nähe.Die Hauptschuleist ursprünglich für den Großteil aller Schülerinnen und Schüler etabliert worden. Sie vermittelt ihren Schülerinnen und Schülern eine grundlegende allgemeine Bildung und bereitet auf die Berufswelt vor. Offene Unterrichtsmethoden und praxisbezogene Projektarbeit werden deshalb bevorzugt. Der Abschluss macht den Weg frei für eine Ausbildung im Handwerk, im Gewerbe oder in der Technik; er erfolgt je nach Bundesland am Ende der Klasse neun oder zehn. Die Hauptschule nimmt auch Realschüler und Gymnasiasten auf, die nicht versetzt wurden und ihre bisherige Schule verlassen müssen, weil sie die Möglichkeit des Wiederholens bereits ausgeschöpft haben. Wer eine Hauptschule besucht, ist eher handwerklich begabt und hat einen Notendurchschnitt, der unterhalb von "befriedigend" liegt. An der Hauptschule können alle Abschlüsse der Sekundarstufe I erworben werden:
Zum realen Profil dieser Schule:
Die Realschulevermittelt ihren Schülerinnen und Schülern eine erweiterte allgemeine Bildung, die sie befähigt, ihren Bildungsweg in berufs- und studienqualifizierenden Bildungsgängen fortzusetzen. Besucht wird sie von eher praktisch begabten Schülerinnen und Schülern. Die hier stärker ausgeprägte Führung und Anleitung durch die Lehrkräfte spiegelt sich im methodischen Verfahren des Frontalunterrichts wider. Ab der siebten Klasse kann eine zweite Fremdsprache gewählt werden. Wird das Leistungsniveau der Realschule nicht erreicht, erfolgt der Wechsel zur Hauptschule. Realschulen werden vor allem von "praktisch-technisch" orientierten Kindern besucht. Auch die Realschule bietet die eben genannten drei Abschlüsse der Sekundarstufe I an, vorrangig führt sie - bei erfolgreichem Abschluss der Klasse 10 - zum Sekundarabschluss I, bei gutem Zensurendurchschnitt zum Erweiterten Sekundarabschluss I.Zum realen Profil dieser Schule:
Das Gymnasiumvermittelt seinen Schülerinnen und Schülern eine vertiefte allgemeine Bildung, die sie befähigt, nach dem Abschluss im Sekundarbereich II (11. bis 13. Jahrgang) ihren Bildungsweg an einer Hochschule, aber auch in berufsqualifizierenden Bildungsgängen fortzusetzen. Zur Absicherung der allgemeinen Studierfähigkeit werden in diesem Bildungsgang entsprechende Anforderungen erhoben: deutlich ausgeprägter Lernwille, methodische Gewandtheit, abstraktes Denken, vielfältige Begabung, Kreativität, Bereitschaft und Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit anderen. Die "inneren Verhältnisse" an den Gymnasien sind für Eltern häufig besonders attraktiv: soziale Probleme treten weniger häufig auf, krasse Lernverweigerungen sind seltener, Gewalt und Kleinkriminalität ist kaum anzutreffen. Im Methodischen spielt nach wie vor der Frontalunterricht eine gewichtige Rolle, daneben treten aber zunehmend schülerorientierte Verfahren hinzu, z.B. die Erarbeitung in Form von Projektunterricht. Eine zweite Fremdsprache gehört ab Klasse sieben dazu, eine gewünschte dritte ab Klasse neun.Nicht versetzte Schülerinnen und Schüler, die die Möglichkeit des Wiederholens bereits ausgeschöpft haben, wechseln zur Realschule oder zur Hauptschule über. Den Abschluss bildet das Abitur (die allgemeine Hochschulreife), das zum Studium berechtigt. Etwa ein Drittel der Kinder besucht nach der Grundschule bzw. nach der Orientierungsstufe ("Förderstufe") ein Gymnasium. Diese Schülerinnen und Schüler sollten einen Notendurchschnitt von mindestens 2,5 oder eine entsprechende Empfehlung der Grundschule bzw. Orientierungsstufe haben. Im Gymnasium können ebenfalls die bisher genannten Abschlüsse erworben werden. Mit der Versetzung in die Jahrgangsstufe 11 erwerben die Schülerinnen und Schüler den Sekundarabschluss I (Fachoberschulreife). Voraussetzung dafür sind mindestens ausreichende Leistungen in allen Fächern. Wer das Gymnasium mit diesem Abschluss verlässt, kann in einen vollzeitschulischen beruflichen Bildungsgang der Sekundarstufe II (Berufskolleg) oder in ein Berufsausbildungsverhältnis (Lehre) eintreten. Mit der Abiturprüfung wird die allgemeine Hochschulreife erworben, die nicht nur zu einem Studium an einer Hochschule berechtigt, sondern zugleich den Weg in eine berufliche Ausbildung außerhalb der Hochschule eröffnet. Mit der Versetzung in die Jahrgangsstufe 12 wird in Verbindung mit dem Nachweis einer abgeschlossenen mindestens zweijährigen Berufsausbildung die Fachhochschulreife zuerkannt. Dies gilt auch beim Verlassen des Gymnasiums nach der zwölften Jahrgangsstufe, wenn eine abgeschlossene Berufsausbildung nachgewiesen oder ein einjähriges gelenktes Praktikum absolviert wird. Zum realen Profil dieser Schule:
Die in den siebziger Jahren eingeführten Gesamtschulen sollen für mehr Chancengleichheit sorgen. Statt die Schüler auf die verschiedenen Schularten zu verteilen, werden sie unter einem Dach unterrichtet. Je nach ihren individuellen Fähigkeiten nehmen sie an unterschiedlichen Kursen teil. In der Gesamtschule können alle Abschlüsse und Berechtigungen erworben werden, die von der Hauptschule, der Realschule und dem Gymnasium vergeben werden. Das flexible Kurssystem der Gesamtschule möchte Kindern unterschiedlicher Begabungsrichtungen und Fertigkeiten gerecht werden. Es berücksichtigt deshalb in besonderem Maße individuelle Stärken, Schwächen, Neigungen. Zum Standard der Gesamtschule gehören aus diesem Grund Unterrichtsmethoden wie Projektarbeit und Wochenplanarbeit. Alle Abschlüsse des dreigliedrigen Schulsystems (siehe die vorigen Abschnitte) können auch hier erworben werden (Voraussetzung: angeschlossene gymnasiale Oberstufe; sonst Wechsel in die Oberstufe eines Gymnasiums). Zum realen Profil dieser Schule:
Zu den Abschlüssen am Ende des Sekundarbereichs IAbschluss nach Jahrgangsstufe neunAm Ende der Jahrgangsstufe neun besteht in allen Ländern die Möglichkeit, einen ersten allgemeinbildenden Schulabschluss zu erwerben. Er wird in der Mehrzahl der Länder als Hauptschulabschluss bezeichnet. Der Abschluss wird erteilt, wenn in allen Fächern wenigstens ausreichende Leistungen vorliegen.Dieser Abschluss wird meistens zur Aufnahme einer dualen Berufsausbildung genutzt. Darüber hinaus berechtigt er unter bestimmten Voraussetzungen zum Eintritt in Berufsfachschulen sowie in das Berufsgrundbildungsjahr. Außerdem ist er eine Voraussetzung für den späteren Eintritt in bestimmte Fachschulen und in Einrichtungen des Zweiten Bildungsweges. Abschluss nach Jahrgangsstufe zehnAm Ende der Jahrgangsstufe zehn kann in allen Ländern der Mittlere Schulabschluss erworben werden. Er wird in der Mehrzahl der Länder als Realschulabschluss bezeichnet. Als Voraussetzung gilt: in allen Fächern mindestens ausreichende Leistungen.Der Mittlere Schulabschluss berechtigt zum Eintritt in weiterführende schulische Bildungsgänge, z.B. in spezielle Berufsfachschulen und Fachoberschulen. Er wird ebenfalls zur Aufnahme einer dualen Berufsausbildung genutzt. Und schließlich berechtigt er zum Besuch der gymnasialen Oberstufe, wenn - je nach bisher besuchter Schulart - bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. PrivatschulenHeruntergekommene Klassenzimmer, viele Stundenausfälle, schlechte Leistungen - der Frust über das deutsche Schulsystem ist groß. Und spätestens die Pisa-Studie hat es belegt: Lernen wird in Deutschland klein geschrieben. Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder daher auf private Schulen. Einen "unglaublichen Boom", beobachtet Petra Witt, Vorsitzende des Landesverbandes NRW der Deutschen Privatschulen. In Nordrhein-Westfalen gibt es bereits mehr als 400 private Schulen. Und ihre Zahl steigt ständig. "Das Bedürfnis, Schulen zu gründen, ist enorm. Häufig sind es Elterninitiativen oder Lehrer, die hier aktiv werden", so Petra Witt."Privatschulen müssen ebenso wie staatliche Schulen auf einem soliden Fundament stehen und die Lehrpläne einhalten. Vielen Kindern bleibt nur der Wechsel auf eine Privatschule, da in einer öffentlichen Lehranstalt zu wenig auf sie eingegangen wird. "Das staatliche Bildungssystem ist von den Lerntechniken her lediglich auf 30 Prozent der Schüler zugeschnitten", sagt Petra Witt. In privaten Schulen versucht man deshalb, individueller auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler einzugehen. Das Angebot ist dabei sehr groß: Waldorf- und Montessori-Schulen, kirchliche Schulen und Freie Schulen arbeiten mit unterschiedlichen Konzepten. Alle jedoch haben eines gemeinsam: "Privatschulen sind Dienstleister, die können sich Stundenausfälle wie bei den staatlichen Schulen gar nicht leisten", sagt Petra Witt. Ihr Geld bekommen auch die meisten privaten Schulen zu einem überwiegenden Teil vom jeweiligen Bundesland. Der Rest wird über Spenden und Elternbeiträge aufgebracht. InternateEtwa 40 000 Jungen und Mädchen leben und lernen in Internaten. Wann ist ein Wechsel dorthin sinnvoll? Was müssen Eltern wissen?"In Internate werden Kinder gesteckt, die reiche Eltern, aber chronisch schlechte Noten haben - oder Kinder, deren Eltern geschieden oder karrierebesessen sind und nie Zeit für sie haben." So weit das Klischee. Die wahren Gründe, ein Kind in ein Internat zu schicken und dafür viel Geld zu bezahlen, sind meist andere: Internate bieten im Gegensatz zu den staatlichen Schulen individuelle Betreuung, außergewöhnliche Wahlfächer, kleine Klassen, intensive Förderung - und strenge Disziplin. Das ist auch Eltern wichtig, deren berufliche Belastung im Normalbereich liegt, die es aber leid sind, an jedem Nachmittag bei den Hausaufgaben zu helfen und obendrein Chauffeursdienste zu leisten. Die Kosten sind unterschiedlich. Konfessionelle Internate verlangen etwa 500 Euro pro Monat, bei privaten kann die Gebühr mehr als 2000 Euro monatlich ausmachen. Viele Internate bieten begabten Schülern aus allen sozialen Schichten Stipendien an. Die Kostensätze allein sagen nichts darüber aus, wie gut bzw. wie geeignet ein Internat für ein Kind ist. Einerseits verursacht die individuelle Betreuung und Förderung hohe Kosten, andererseits weisen einige der teuren Schulen einen hohen Anteil - mitunter annähernd 50 Prozent - an "Problemkindern" auf, die meist leistungsbezogene und emotionale Schwierigkeiten haben. Es gibt Institute, die nur Schüler mit einem gewissen Notendurchschnitt aufnehmen oder eine Art Aufnahmeprüfung verlangen. Andere legen mehr Gewicht auf sportliche oder musische Förderung und bevorzugen entsprechend talentierte Kinder. Unter Umständen wird hier also eine Bildung vermittelt, die man kaum als ganzheitlich bezeichnen kann. Am besten besucht man die Einrichtung mit dem Kind gemeinsam und klärt dabei folgende Fragen:
Wie finde ich eine "gute Schule" für mein Kind?Entscheidend für den Bildungserfolg, meint Erziehungswissenschaftler Peter Struck, sei ohnehin nicht die Schulart, sondern die "Lehrerpersönlichkeit". Nicht die Liga, sondern der Lehrer schafft den Mikrokosmos, in dem das Kind gedeiht - oder vor sich hinkümmert. Die Frage ist also nicht, welche Schulart, sondern welche Schule ist die richtige für mein Kind? Eltern sollten nicht auf spätere Berufsaussichten starren, die sich binnen fünf Jahren ohnehin ändern, sondern herausfinden, wo es ihrem Kind gut geht. Richtig sein kann also auch eine gute Real- oder Hauptschule, eine Waldorfschule, eine Gesamtschule oder bei Kindern mit Lernschwächen eine Förderschule. Rund 460 innovative Schulen aller Schularten haben sich im Netzwerk der Bertelsmann-Stiftung zusammengeschlossen. Nutzen Sie die langjährige Erfahrung dieser Stiftung mit innovativen Schulen und Schulsystemen weltweit. Auf der Grundlage dieser Erfahrung ist ein Fragebogen entstanden, der Eltern dabei helfen soll, eine gute Schule zu identifizieren - oder auch die Schule zu hinterfragen, auf die ihre Kinder bereits gehen. Der Katalog gilt ebenso für Grundschulen wie für weiterführende Schulen, unabhängig von der Schulart.Einen noch ausführlicheren Fragenkatalog - speziell für Ganztagsschulen - hat der Arbeitskreis Neue Erziehung auf seinem neuen Internetportal "Aktiv für Kinder" entwickelt; diesen finden Sie hier. Um Antworten auf die dort genannten zehn Fragen zu erhalten, können Sie
Wie werden die Leistungen und die Begabungen ermittelt?Unter der Überschrift "Wird Susanne das Gymnasium schaffen? Oder: Vom Lesen im Kaffeesatz" hat der Arbeitskreis Grundschule Überlegungen zur Feststellung der Eignung für die weiterführenden Schulen zusammengefasst."Ob Susanne das Gymnasium und am Ende auch das Abitur schaffen würde, lässt sich nicht vorhersagen - wie sich dies bei niemandem vorhersagen lässt. Viele Faktoren entscheiden mit, keiner allein, alle in einem komplizierten Zusammenspiel: das Leistungsniveau in der Klasse, die pädagogische Qualität der Lehrerinnen und Lehrer, die Lernatmosphäre, die Unterstützung durch die Eltern gerade auch bei Lernproblemen, die persönliche Bewältigung all der Probleme, die mit der Pubertät einhergehen. Wer hier sichere Voraussagen zu treffen behauptet, liest im Kaffeesatz" (Bartnitzky 1999, S. 3). Eltern können sich aber an bestimmten Faktoren orientieren, die wir nun vorstellen. Entscheidungshilfe "Zeugnis"Im letzten Halbjahr der Grundschule bzw. der Orientierungs- oder Förderstufe bekommt das Kind ein Zeugnis, das eine Entscheidungshilfe bietet. In einzelnen Bundesländern gibt es eine Notenregelung für den Übergang in weiterführende Schulen.Allerdings enthalten die Zensuren auf dem Zeugnis zahlreiche Unsicherheitsfaktoren. Das Zeugnis "in Noten" vermittelt den Anschein der Objektivität; eine "3" ist eben eine "3"! Das stimmt so nicht. Jede Lehrerin, jeder Lehrer an der Grundschule sieht das einzelne Kind immer im Klassenverband, und es lässt sich nicht leugnen, dass es Klassen mit sehr unterschiedlichen Leistungsniveaus gibt. Die "3" ist also nur bezogen auf eine bestimmte Lerngruppe - und auf das Zensierungssystem des Lehrers! - eine "3". Wichtig ist deshalb immer, auf welchem Wege eine bestimmte Note zustande gekommen ist. Einerseits wird der Fleiß, aus dem heraus eine gute Note entstanden ist, auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, andererseits reicht Fleiß allein nicht aus, den Anforderungen aller Schularten nachzukommen. Insgesamt gesehen ist das Zeugnis Mitte der vierten Klasse sicher ein entscheidendes Kriterium für die Schulwahl, aber es verlangt sorgfältige Betrachtung, Abwägung und manchmal auch Auslegung. Das Fazit: Noten sind zwar justiziabel, aber als Mittel der Prognose beim Thema "Schulerfolg" - sieht man von den Leistungsspitzen ab - von begrenztem Wert. Entscheidungshilfe "Gutachten"Was Eltern mit älteren Kindern noch als "Grundschulgutachten" geläufig ist, heißt heute z.B. in Nordrhein-Westfalen "begründete Empfehlung für die Schulart, die für die weitere schulische Förderung am besten geeignet erscheint". Die Empfehlung wird von der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer geschrieben, aber von der Klassenkonferenz entschieden; damit sind die Meinungen von weiteren Fachlehrern berücksichtigt.Im Text der Verordnung heißt es weiter: "entscheidet ... auf der Grundlage des Leistungsstandes, der Lernentwicklung und der Fähigkeiten der Schülerin oder des Schülers sowie unter Einbeziehung des Beratungsgesprächs mit den Erziehungsberechtigten" (im ersten Schulhalbjahr). Daraus wird klar, wie wichtig die Empfehlung als Ergänzung zum Zeugnis ist.
Die Orientierungshilfen sollen aufzeigen, unter welchen Voraussetzungen einer Schülerin oder einem Schüler die angegebene Schulart empfohlen werden kann. Dabei darf nicht schematisch verfahren werden. (Siehe Erlass des Niedersächsischen Kultusministers vom 25.3.1997: "Die Schullaufbahnempfehlung darf nicht auf der Errechnung von Durchschnittswerten beruhen. Neben den Lernergebnissen sind die Schülerpersönlichkeit sowie den Lernerfolg beeinflussende äußere Faktoren zu beachten.") Entscheidungshilfe "Prüfarbeiten und Probeunterricht"Prüfarbeiten und Probeunterricht an der aufnehmenden Schule sollen klären, ob ein Schüler unter den neuen Lernbedingungen erfolgreich mitarbeiten kann.So sieht dieser Vorgang in Bayern aus: Der Probeunterricht dauert drei Tage und findet bald nach dem Termin für die Anmeldung (Ende Mai - Anfang Juni) an der Realschule bzw. am Gymnasium statt. Die Schüler werden in Unterrichtsgruppen von etwa 10 bis 20 Kindern eingeteilt und von jeweils drei Lehrern betreut. Ein Grundschullehrer sowie ein Deutsch- und ein Mathematiklehrer der aufnehmenden Schule kümmern sich um ihre Gruppe und halten dort abwechselnd Unterricht. Von den Schülern werden an den ersten beiden Tagen schriftliche Arbeiten aus den Fächern Deutsch und Mathematik verlangt. Der Prüfungsstoff umfasst dabei alles, was im zurückliegenden Schuljahr behandelt wurde. Die Aufgabenstellung orientiert sich an den Anforderungen der aufnehmenden Schule, so dass der Schwierigkeitsgrad höher liegt als in der Grundschule. Am dritten Tag findet - ebenfalls in den Fächern Deutsch und Mathematik - mündlicher Unterricht statt, wobei besonderes Augenmerk auf die Zweifelsfälle unter den Prüflingen gelegt wird. Während der drei Prüfungstage macht immer einer der betreuenden Lehrer Aufzeichnungen über die Mitarbeit. Alle schriftlichen Prüfungsaufgaben werden zentral erstellt und den Schulen vorgegeben. Dort ist für die Durchführung, Korrektur und Bewertung jeweils ein Aufnahmeausschuss verantwortlich, der sich aus Grundschullehrern (bzw. Hauptschullehrern) und Lehrern der aufnehmenden Schule zusammensetzt. Der Probeunterricht gilt als bestanden, wenn der Schüler in einem Prüfungsfach mindestens die Note 3 und in dem anderen Fach mindestens die Note 4 erreicht hat. Das Ergebnis erhalten die Eltern mit ausführlicher Begründung zugesandt. Die durch den Probeunterricht erworbene Eignung berechtigt nur zum Übertritt im unmittelbar darauffolgenden Schuljahr. Allerdings: Prüfarbeiten und Probeunterricht sind künstliche Situationen, die fern vom Realfall des Unterrichts in der konkreten zukünftigen Klasse konstruiert werden; deshalb ist auch ihr Aussagewert nach Ansicht des Arbeitskreises Grundschule gering. Vieles spricht außerdem dafür, dass selbst etliche der für das Gymnasium empfohlenen Kinder oder Kinder mit einem Notendurchschnitt von 2,5 und besser die Prüfarbeiten nicht schaffen würden. Auf der Website "http://www.note1plus.de" finden Sie typische Aufgaben mit Lösungen für den Probeunterricht. Entscheidungshilfe "Beratungsgespräch"In allen Bundesländern können sich Eltern mit den Lehrkräften ihres Kindes beraten, um eine gute Entscheidung für ihr Kind zu treffen. In einigen Bundesländern gibt es aber auch vorgeschriebene Beratungsgespräche bei Problemfällen.In Bayern ist das Beratungsgespräch mit dem Übertrittsziel Gymnasium vorgeschrieben, wenn ein Schüler als "bedingt geeignet" eingestuft wird. Die Unterredung findet vor der Ausgabe des Eignungszeugnisses an der Grundschule statt und verlangt keine sofortige Entscheidung. Die Eltern können unabhängig vom Ausgang des Gesprächs ihre Wahl treffen. Etwas förmlicher geht es beim Beratungsgespräch für den Realschul-Übertritt zu, obwohl die Eltern auch hier frei entscheiden können. Wenn ihr Kind den Probeunterricht in einem der Fächer mit Note 4 geschafft hat, werden sie zu einem Gesprächstermin an der Realschule eingeladen, bei dem ihnen ein Grundschul- und ein Realschullehrer gegenübersitzen. Die Eltern sollten die Möglichkeit nutzen, die Prüfungsaufgaben einzusehen und nach den Bewertungskriterien zu fragen. Beobachtungen über das Verhalten ihres Kindes im Probeunterricht können eine wichtige Entscheidungshilfe sein. Die folgenden Fragen sind möglichst zu klären:
Ab dem Notendurchschnitt 3,0 im Übertrittszeugnis - oder wenn der Probeunterricht am Gymnasium in jedem Fach mit der Note 5 oder schlechter abgeschlossen wurde - muss gegen Ende der Sommerferien der Probeunterricht an der Realschule nachgeholt werden. Eine dem Grundschüler, dem Orientierungstufen- oder Förderstufenschüler dienende Schullaufbahnberatung wird in vielen Fällen auch auf individuelle Beratungshilfen - z.B. durch einen Schulpsychologen - angewiesen sein. Die häufigsten Beratungsanlässe ergeben sich bei Schülern, die in ihren Schulleistungen deutlich hinter die Erwartung aus den Intelligenztests zurückfallen ("underachiever"). Als Ursachen dafür kommen persönliche Faktoren sowie die äußeren Gegebenheiten des Lernfeldes in Frage. Abhilfe bringen gezielte Fördermaßnahmen, z.B. die Zuweisung in Stütz- und Förderkurse, die Teilnahme an individuell aufgestellten Programmen zur Begabungsförderung, insbesondere zur Förderung des sprachlichen Ausdrucks. Gegebenenfalls sind andere Beratungs- oder Betreuungsmöglichkeiten zu nutzen ( Erziehungsberatungsstelle, Schulpsychologischer Dienst, Facharzt). Patentrezepte gibt es nicht. Allerdings sollten alle Eltern eine Faustregel beherzigen: Lieber ein glückliches Kind auf einer Haupt- oder Realschule als ein überfordertes, gestresstes Kind auf dem Gymnasium! Und erneut - verzwickt, verzwickt - ein "Andererseits": Auch Lehrer können sich irren. Immerhin besteht in Bayern die Hälfte der fürs Gymnasium als "nicht geeignet" eingestuften Kinder den Probeunterricht. Hinzu kommt, dass niemand eine sichere Vorhersage über neun Schuljahre machen kann. Manche Kinder sind in der Grundschule schüchtern und schweigsam und blühen erst in der Pubertät richtig auf. Umgekehrt gibt es natürlich auch viele Gründe, warum aus einem guten Grundschüler ein schlechter Gymnasiast werden kann: eine Trennung der Eltern, die erste große Liebe, andere Interessen, die wichtiger werden - all das kann dazu führen, dass ein Teenager plötzlich überhaupt keine Lust hat, sich um den Dreisatz und die Englischvokabeln zu kümmern. Entscheidungshilfe "Psychologische Testverfahren"Die Intention beim Einsatz psychologischer Tests ist darauf gerichtet, die für jeden Schüler (mit bestimmten Interessen, Begabungs- und Lernleistungsvoraussetzungen) geeignetste Schul- oder Bildungsform zu finden. Dies geschieht z. B. durch Vergleiche des individuellen Merkmalprofils mit den Anforderungen der in Frage kommenden Schulart. Auf diese Weise lässt sich für jeden Schüler die Zugehörigkeitswahrscheinlichkeit zum Gymnasium, zur Realschule, zur Hauptschule oder zur Gesamtschule am Maßstab bestimmter Lernleistungsgruppen errechnen.Bei dieser Form der Schullaufbahnberatung werden also die jeweiligen Eignungswahrscheinlichkeiten ermittelt und die Risiken gegeneinander abgewogen. Zugleich kann hier der Ratsuchende in die Entscheidungsfindung mit einbezogen werden. Dies stellt die endgültige Entscheidung (hier: Schulübertritt) auch psychologisch auf eine tragfähigere Grundlage. Entscheidungshilfe "Die eigene Erfahrung"Bettina Vollmer hat in einem Beitrag für das Internet ("Welche Schulart passt zu unserem Kind?") Fragen zur Selbstprüfung zusammengestellt. Hier eine etwas überarbeitete Form ihrer Liste.
Häufige Sorgen von ElternEs gibt eine Reihe von Sorgen, die Eltern in Beratungsgesprächen regelmäßig äußern. Leonhard Liese, Schulpsychologe aus Nordrhein-Westfalen, hat sie gesammelt und Antworten im Internet veröffentlicht (http://www.schulpsychologie.de/downloads/wallberg/schulwahl.pdf). Und später: Eine falsche Entscheidung revidieren
Schön wär’s ja, viele Eltern wären zufrieden und stolz, wenn ihre Tochter oder ihr Sohn vom Spiel mit bunten Holzbuchstaben in der ersten Klasse der Grundschule schnurstracks zur feierlichen Überreichung des Abitur-Zeugnisses dreizehn (Schul-)Jahre später "durchmarschieren" könnte. Aber alles besorgte Reden wird ins Leere gehen, aller Druck, doch fleißiger zu sein und die "guten Möglichkeiten" zu nutzen wird erfolglos bleiben, wenn eine Schülerin, ein Schüler die erforderlichen Leistungen nicht erbringen kann. Besser ist dann der rechtzeitige Blick auf Alternativen. Denn unser schulisches Ausbildungssystem ist flexibel gestaltet und weist eine breite Palette an Wahlmöglichkeiten ("Umwege") auf: Viele Wege führen zu einem Abschluss, der Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnet.
Nehmen wir als Beispiel einen Schüler am Gymnasium, der nach dem ersten Halbjahr in Klasse acht einen Warnhinweis in seinem Zwischenzeugnis liest: "Versetzung gefährdet". Er kann nun
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Letzte Änderung: 30.05.2005 09:45:44 |