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Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Welche Schule ist die richtige für mein Kind?

Walter Kowalczyk und Klaus Ottich

Dr. Walter Kowalczyk       Klaus Ottich



Vom Sortieren

Mit der Einschulung beginnt der Ernst des Lebens. Während sich die Schulanfänger noch an der Zuckertüte erfreuen, haben viele Eltern bereits den Schulabschluss ihrer Kinder vor Augen. Für das erste Klassenfoto sortiert die Lehrerin ihre neuen Schüler nach der Größe, vier Jahre später wird nach Leistung sortiert.

Der Übergang in die weiterführenden Schulen ist von dem Gedanken bestimmt, die Möglichkeiten des Bildungssystems gemäß den Fähigkeiten und Neigungen der Schülerin, des Schülers optimal zu nutzen.

Dieser Artikel dient als Orientierungs- und Entscheidungshilfe bei der Auswahl des zukünftigen Bildungsweges. Um Ihnen und Ihrem Kind diese Entscheidung zu erleichtern, bedarf es unterschiedlicher Informationen. Zum einen benötigen Sie Auskunft darüber, welche unterschiedlichen Wege und Möglichkeiten unser Bildungssystem bereitstellt. Die Information über die möglichen Bildungswege allein bietet jedoch noch keine hinreichende Entscheidungsgrundlage. Schüler und Eltern wollen auch wissen, welche Aussichten bestehen, einen bestimmten Bildungsweg erfolgreich zu absolvieren; sie möchten Hinweise über die Voraussetzungen eines zukünftigen Schulerfolgs in ihr Nachdenken einbeziehen.

Die Entscheidung ist oft aber nicht so einfach. Was ist das Beste für das Kind? Manchmal gehen die Ansichten in der Familie auseinander, manchmal schätzen Eltern und Lehrkräfte die Möglichkeiten eines Kindes unterschiedlich ein und auch die Schülerinnen und Schüler haben ihre eigene Meinung. Eine kompetente Schullaufbahn-Beratung ist also für Eltern wie für Schülerinnen und Schüler unverzichtbar.


Erwartungen, Wünsche und Hoffnungen

Eltern machen sich ein Bild von ihrem Kind

Die Eltern sehen ihr Kind in einer besonderen Art und Weise. Sie haben bestimmte Vorstellungen von seiner Leistungsfähigkeit und entwickeln Wünsche und Erwartungen, wie der Weg ihres Kindes aussehen sollte. Wenn Eltern an ihr Kind denken,
  • sehen sie es als Einzelwesen in ganz bestimmten Situationen
  • wollen sie, dass ihr Kind es einmal besser hat im Leben als sie selbst
  • geschieht dies oft auf der Grundlage eigener negativer Schulerfahrungen
  • sind sie in aller Regel davon überzeugt, dass ihr Kind mehr leisten könnte
  • sehen sie es manchmal als "Opfer" der Verhältnisse in der Schule ("Mein Sohn musste in einer unruhigen und schlecht geführten Klasse lernen")
  • denken sie auch an ihnen bekannte Kinder, die trotz fehlender Empfehlung die Realschule oder das Gymnasium erfolgreich durchlaufen haben.

Auch die Lehrer machen sich ein Bild

Im Vergleich mit den Eltern setzen die Pädagogen andere Akzente und nehmen andere Haltungen ein. Sie
  • sehen das Kind vorwiegend in Gruppensituationen
  • erleben und beurteilen das Kind im Vergleich zu den anderen in der Klasse und zu anderen Jahrgängen
  • kennen die Anforderungen der weiterführenden Schulen
  • wissen, wie die Leistungen zustande gekommen sind
  • kennen die Schicksale von so genannten "Schulversagern" und deren leidvolle Schullaufbahnen.
Wenn es um weit reichende Entscheidungen geht, wie zum Beispiel Festlegung der Schullaufbahn oder Schulwechsel, sollten Eltern und Lehrer nicht nur an später denken: "Später bist du mir einmal dankbar..." Die vorrangigen Fragen müssten sein: Was ist heute für das Kind wichtig und förderlich, damit es Erfolg haben kann? Wie kann ich heute dazu beitragen, dass es Leistungsstolz und Selbstsicherheit entwickelt?


Der Übergang

Am Ende der Grundschule müssen sich die Schülerinnen und Schüler von ihren bisherigen Lehrern und von vielen ihrer Mitschüler trennen, um einen Neuanfang zu suchen. Neue soziale Netze müssen geknüpft, alte Verhaltensmuster überprüft und Lerngewohnheiten revidiert werden.

Damit verbinden sich Hoffnungen und Ängste, die die Schüler mit ihren Eltern teilen. Das hat bereits vor Jahrzehnten die Kultusministerkonferenz bewogen, Gestaltungshinweise für den Übergang von einer Schulart in die andere zu geben. Ihre Aktualität ist erstaunlich. Hier ein Auszug:
"[...]
Der Übergang von einer Schulart in die andere ist für die Entwicklung des jungen Menschen von so weittragender Bedeutung, dass er mit aller Behutsamkeit und Sorgfalt vorbereitet und vollzogen werden muss. Die Entscheidung darüber, ob ein Kind eine andere Schulart besuchen soll, darf nicht ausschließlich durch das Ergebnis einer Prüfung von wenigen Stunden oder Tagen bestimmt sein, sie kann auch nicht der abgebenden oder weiterführenden Schule allein überlassen werden. Das Verfahren muss sich vielmehr über einen längeren Zeitraum erstrecken, der den Lehrern hinreichende Gelegenheit zur Beobachtung des Kindes und zur Beratung der Eltern gibt. [...]

Für die verschiedenen Arten von Übergängen gelten einheitlich folgende Grundsätze:

1. Jedem Kind muss - ohne Rücksicht auf Stand und Vermögen der Eltern - der Bildungsweg offenstehen, der seiner Bildungsfähigkeit entspricht.

2. Abgebende und weiterführende Schulen wirken bei der Entscheidung zusammen. Das Verfahren muss bei beiden von dem Willen zu verständnisvoller und fruchtbarer Zusammenarbeit getragen sein.

3. Für die Entscheidung über die Aufnahme eines Kindes in eine weiterführende Schule sind die für eine erfolgreiche Bildungsarbeit unentbehrlichen Kenntnisse und Fertigkeiten festzustellen; es sind aber auch Eignung, Neigung und Wille des Kindes zu geistiger Arbeit insgesamt zu werten.

4. In dem Verfahren werden die Erkenntnisse der Pädagogik und Psychologie berücksichtigt. Auf jede schematische und mechanische Gestaltung des Verfahrens ist zu verzichten.

5. Da sich die geistige Entwicklung des Kindes in verschiedenen Phasen von unterschiedlicher Dauer vollzieht, kann der Übergang nicht bei jedem Kind zum gleichen Zeitpunkt erfolgen, er muss vielmehr auf verschiedenen Altersstufen möglich sein. Ein verfrühter Übertritt ist zu vermeiden.
[...]"


Hilfen für die Entscheidungsfindung

In vielen Fällen ist die Entscheidung für eine bestimmte Schulart kein Problem; die Leistungen und das Arbeitsverhalten des Kindes, die Empfehlung der Grundschule, der Wunsch von Eltern und Kind - alles passt zusammen. Aber es gibt doch zahlreiche Fälle, in denen ein wirklicher Entscheidungsprozess mit Abwägen von Vor- und Nachteilen, Chancen und Risiken notwendig ist.


Informationen über das Schulsystem

Öffentliche Schulen

Angemessene Entscheidungen können nur informierte Eltern treffen. Es muss geklärt werden, welche Schulen zur Verfügung stehen, welche Schulen in Frage kommen und in welchen Punkten sich diese Schulen voneinander unterscheiden. Hauptschule, Realschule, Gymnasium und Gesamtschule, das sind Schularten, die meist überall gewählt werden können, vor Ort oder in erreichbarer Nähe.
Die Hauptschule
ist ursprünglich für den Großteil aller Schülerinnen und Schüler etabliert worden. Sie vermittelt ihren Schülerinnen und Schülern eine grundlegende allgemeine Bildung und bereitet auf die Berufswelt vor. Offene Unterrichtsmethoden und praxisbezogene Projektarbeit werden deshalb bevorzugt. Der Abschluss macht den Weg frei für eine Ausbildung im Handwerk, im Gewerbe oder in der Technik; er erfolgt je nach Bundesland am Ende der Klasse neun oder zehn. Die Hauptschule nimmt auch Realschüler und Gymnasiasten auf, die nicht versetzt wurden und ihre bisherige Schule verlassen müssen, weil sie die Möglichkeit des Wiederholens bereits ausgeschöpft haben. Wer eine Hauptschule besucht, ist eher handwerklich begabt und hat einen Notendurchschnitt, der unterhalb von "befriedigend" liegt. An der Hauptschule können alle Abschlüsse der Sekundarstufe I erworben werden:
  • der Hauptschulabschluss nach Klasse 9 (berechtigt zum Besuch der Klasse 10),
  • der Sekundarabschluss I (Hauptschulabschluss nach Klasse 10) nach erfolgreichem Besuch einer 10. Klasse mit den Schwerpunkten Naturwissenschaften und Arbeitslehre,
  • der Erweiterte Sekundarabschluss I nach erfolgreichem Abschluss der Klasse 10 mit den Schwerpunkten Deutsch, Englisch, Mathematik (berechtigt zum Besuch der gymnasialen Oberstufe - Gymnasium, Gesamtschule -, wenn in allen Fächern mindestens befriedigende Leistungen vorliegen).
Zum realen Profil dieser Schule:
  • Die Klassenlehrer vertreten nicht nur zwei Fächer, sondern unterrichten die Hälfte der Wochenstunden (oder mehr) in ihrer Lerngruppe. Sie werden so für viele Kinder und Jugendliche zur festen Bezugsperson, die sie über Jahre begleitet und auch ein offenes Ohr oder einen Rat für die Alltagsprobleme in der Pubertät hat.
  • Die Fächerzusammenstellung in der Hauptschule wird vielen Kindern besser gerecht. Fächer wie "Technik", "Wirtschaftslehre", "Hauswirtschaft" finden sich an jeder Hauptschule als Pflichtfächer, und dafür sind die Schulen entsprechend ausgestattet. In den Klassen fünf und sechs gibt es Förderunterricht für Kinder mit Defiziten in den Grundfertigkeiten. Ab Klasse sieben findet in mehreren Fächern in Form von "Grundkursen" und "Erweiterungskursen" eine Differenzierung nach Leistungsfähigkeit statt, um möglichst viele Schülerinnen und Schüler gemäß ihren Begabungen und Fertigkeiten zu fördern.
  • Zwecks Berufsorientierung werden Schule und Arbeitsleben frühzeitig miteinander verzahnt. Dazu gehören die oben genannten Fächer, aber auch die (in der Regel) zwei begleiteten Praxisphasen (Betriebspraktikum), die Kooperation der Schule mit Betrieben, mit der Berufsberatung und der Arbeitsverwaltung.
  • Auf der Basis der Leistungsdifferenzierung ab Klasse sieben erreicht etwa ein Drittel der Schülerinnen und Schüler an Hauptschulen den "Mittleren Bildungsabschluss", der dem Realschul-Abschluss entspricht.

Die Realschule
vermittelt ihren Schülerinnen und Schülern eine erweiterte allgemeine Bildung, die sie befähigt, ihren Bildungsweg in berufs- und studienqualifizierenden Bildungsgängen fortzusetzen. Besucht wird sie von eher praktisch begabten Schülerinnen und Schülern. Die hier stärker ausgeprägte Führung und Anleitung durch die Lehrkräfte spiegelt sich im methodischen Verfahren des Frontalunterrichts wider. Ab der siebten Klasse kann eine zweite Fremdsprache gewählt werden. Wird das Leistungsniveau der Realschule nicht erreicht, erfolgt der Wechsel zur Hauptschule. Realschulen werden vor allem von "praktisch-technisch" orientierten Kindern besucht. Auch die Realschule bietet die eben genannten drei Abschlüsse der Sekundarstufe I an, vorrangig führt sie - bei erfolgreichem Abschluss der Klasse 10 - zum Sekundarabschluss I, bei gutem Zensurendurchschnitt zum Erweiterten Sekundarabschluss I.

Zum realen Profil dieser Schule:
  • Im Gegensatz zur Hauptschule wird in der Realschule Französisch als zweite Fremdsprache angeboten, aber zunächst einmal nur "auf Probe". Wer mit der Sprache zurechtkommt, wählt sie danach als reguläres Fach. Wer aufgrund seiner Begabungsstruktur Probleme mit der zweiten Fremdsprache bekommt, kann - im Unterschied zum Gymnasium - ein anderes Fach als individuellen Schwerpunkt wählen.
  • Insbesondere naturwissenschaftlich begabten Schülerinnen und Schülern bietet die Realschule einen attraktiven Start in den weiterführenden Bildungssektor an.
  • Denn mit dem Erwerb des Erweiterten Sekundar-I-Abschlusses und dem breiten Bildungsangebot danach ist der Weg frei zu einem Studium oder zu einer anderen, vergleichbar hochwertigen Ausbildung.
  • Charakteristisch ist eine intensivere, konkretere Anleitung durch die Lehrkräfte und die Darbietung des Lernstoffes in kleineren "Portionen". Methodisch wie inhaltlich wird der Schüler deutlicher als etwa im Gymnasium "an die Hand genommen".
  • Die Ausbildung an der Realschule ist in besonderem Maße an den "Realien", an den praktischen Anforderungen einer Lehre oder einer Fachoberschule orientiert. Am Beispiel Mathematik: Abstrakt-theoretische Ableitungen und Beweise sind in dieser Schule seltener zu erwarten als praktisch-anwendungsorientierte mathematische Verfahren.

Das Gymnasium
vermittelt seinen Schülerinnen und Schülern eine vertiefte allgemeine Bildung, die sie befähigt, nach dem Abschluss im Sekundarbereich II (11. bis 13. Jahrgang) ihren Bildungsweg an einer Hochschule, aber auch in berufsqualifizierenden Bildungsgängen fortzusetzen. Zur Absicherung der allgemeinen Studierfähigkeit werden in diesem Bildungsgang entsprechende Anforderungen erhoben: deutlich ausgeprägter Lernwille, methodische Gewandtheit, abstraktes Denken, vielfältige Begabung, Kreativität, Bereitschaft und Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit anderen. Die "inneren Verhältnisse" an den Gymnasien sind für Eltern häufig besonders attraktiv: soziale Probleme treten weniger häufig auf, krasse Lernverweigerungen sind seltener, Gewalt und Kleinkriminalität ist kaum anzutreffen. Im Methodischen spielt nach wie vor der Frontalunterricht eine gewichtige Rolle, daneben treten aber zunehmend schülerorientierte Verfahren hinzu, z.B. die Erarbeitung in Form von Projektunterricht. Eine zweite Fremdsprache gehört ab Klasse sieben dazu, eine gewünschte dritte ab Klasse neun.

Nicht versetzte Schülerinnen und Schüler, die die Möglichkeit des Wiederholens bereits ausgeschöpft haben, wechseln zur Realschule oder zur Hauptschule über. Den Abschluss bildet das Abitur (die allgemeine Hochschulreife), das zum Studium berechtigt.

Etwa ein Drittel der Kinder besucht nach der Grundschule bzw. nach der Orientierungsstufe ("Förderstufe") ein Gymnasium. Diese Schülerinnen und Schüler sollten einen Notendurchschnitt von mindestens 2,5 oder eine entsprechende Empfehlung der Grundschule bzw. Orientierungsstufe haben.

Im Gymnasium können ebenfalls die bisher genannten Abschlüsse erworben werden. Mit der Versetzung in die Jahrgangsstufe 11 erwerben die Schülerinnen und Schüler den Sekundarabschluss I (Fachoberschulreife). Voraussetzung dafür sind mindestens ausreichende Leistungen in allen Fächern. Wer das Gymnasium mit diesem Abschluss verlässt, kann in einen vollzeitschulischen beruflichen Bildungsgang der Sekundarstufe II (Berufskolleg) oder in ein Berufsausbildungsverhältnis (Lehre) eintreten.

Mit der Abiturprüfung wird die allgemeine Hochschulreife erworben, die nicht nur zu einem Studium an einer Hochschule berechtigt, sondern zugleich den Weg in eine berufliche Ausbildung außerhalb der Hochschule eröffnet.

Mit der Versetzung in die Jahrgangsstufe 12 wird in Verbindung mit dem Nachweis einer abgeschlossenen mindestens zweijährigen Berufsausbildung die Fachhochschulreife zuerkannt. Dies gilt auch beim Verlassen des Gymnasiums nach der zwölften Jahrgangsstufe, wenn eine abgeschlossene Berufsausbildung nachgewiesen oder ein einjähriges gelenktes Praktikum absolviert wird.

Zum realen Profil dieser Schule:
  • Das Gymnasium vertritt in besonderem Maß den Anspruch, ein breites Fundament an Allgemeinbildung zu vermitteln. Denn die Abiturientinnen und Abiturienten sollen später im Studium den persönlich gewünschten und individuell geeigneten Schwerpunkt setzen können.
  • Gymnasiasten müssen stärker als andere Schüler selbst erkennen, was jeweils in den einzelnen Fächern zu erledigen ist, welche zusätzlichen Informationen beschafft werden müssen, welche Lerntechniken anzuwenden beziehungsweise zusätzlich zu entwickeln sind. - Als inhaltliche Besonderheit kommt ab Klasse sieben die zweite Fremdsprache (ein Hauptfach) hinzu.
  • Das Lernen vollzieht sich in größeren Schritten. Wer auf häufige Erklärungen und permanente Betreuung angewiesen (eingestellt) ist, zieht hier den Kürzeren.
  • Sinnentnehmendes Lesen, aufgabengebundenes Schreiben und textgebundenes Interpretieren erfordern - weil fächerübergreifend verlangt - solide Vorkenntnisse aus dem Fach "Deutsch" der Grundschule. Mängel in diesem Bereich schlagen stärker durch als etwa Defizite in Mathematik.
  • Die einzelnen Gymnasien gestalten bestimmte Fächer und Bereiche schwerpunktmäßig aus und kommen so zu ihren besonderen Merkmalen. Zu nennen sind zum Beispiel eine naturwissenschaftliche oder eine sprachliche Orientierung, die Betonung des musischen oder des sozialwissenschaftlichen Bereichs oder die bilingualen Bildungsgänge (der Unterricht wird in bestimmten Fächern, zum Beispiel Geschichte, Erdkunde, Politik in einer Fremdsprache erteilt).


Die in den siebziger Jahren eingeführten Gesamtschulen sollen für mehr Chancengleichheit sorgen. Statt die Schüler auf die verschiedenen Schularten zu verteilen, werden sie unter einem Dach unterrichtet.

Je nach ihren individuellen Fähigkeiten nehmen sie an unterschiedlichen Kursen teil. In der Gesamtschule können alle Abschlüsse und Berechtigungen erworben werden, die von der Hauptschule, der Realschule und dem Gymnasium vergeben werden.

Das flexible Kurssystem der Gesamtschule möchte Kindern unterschiedlicher Begabungsrichtungen und Fertigkeiten gerecht werden. Es berücksichtigt deshalb in besonderem Maße individuelle Stärken, Schwächen, Neigungen. Zum Standard der Gesamtschule gehören aus diesem Grund Unterrichtsmethoden wie Projektarbeit und Wochenplanarbeit. Alle Abschlüsse des dreigliedrigen Schulsystems (siehe die vorigen Abschnitte) können auch hier erworben werden (Voraussetzung: angeschlossene gymnasiale Oberstufe; sonst Wechsel in die Oberstufe eines Gymnasiums).

Zum realen Profil dieser Schule:
  • Nach der Vorentscheidung für diese Schulart bleiben alle weiteren Wege des deutschen Schulsystems offen, Schritt für Schritt kann jeweils neu die passende Fortsetzung der Schullaufbahn gewählt werden. In der Gesamtschule sind die Bildungsgänge der Hauptschule, der Realschule und des Gymnasiums in einem umfassenden Lernangebot aufgegangen. Gesamtschüler haben die Möglichkeit, aus dem Lernangebot der Schule ihren Bildungsgang zusammenzustellen und auf diesem Wege einen der üblichen Schulabschlüsse zu erwerben.
  • Gesamtschulen sind fast immer Ganztagsschulen, das heißt an (meist) drei Tagen der Woche kommt am Nachmittag ein Angebot aus Übungsstunden, Hausaufgabenbetreuung, Förderstunden und Arbeitsgemeinschaften hinzu. Dies entlastet die Familien gleich in mehrfacher Hinsicht von sonst üblichen (schulischen) Bürden.
  • Zur Konzeption dieser Schulart gehört auch eine umfassende pädagogische Betreuung des einzelnen Schülers und der einzelnen Lerngruppe. Hier übernimmt die Gesamtschule Aufgaben, die in anderen Schulen häufig gar nicht oder zumindest nicht so intensiv wahrgenommen werden können.

Zu den Abschlüssen am Ende des Sekundarbereichs I

Abschluss nach Jahrgangsstufe neun
Am Ende der Jahrgangsstufe neun besteht in allen Ländern die Möglichkeit, einen ersten allgemeinbildenden Schulabschluss zu erwerben. Er wird in der Mehrzahl der Länder als Hauptschulabschluss bezeichnet. Der Abschluss wird erteilt, wenn in allen Fächern wenigstens ausreichende Leistungen vorliegen.

Dieser Abschluss wird meistens zur Aufnahme einer dualen Berufsausbildung genutzt. Darüber hinaus berechtigt er unter bestimmten Voraussetzungen zum Eintritt in Berufsfachschulen sowie in das Berufsgrundbildungsjahr. Außerdem ist er eine Voraussetzung für den späteren Eintritt in bestimmte Fachschulen und in Einrichtungen des Zweiten Bildungsweges.

Abschluss nach Jahrgangsstufe zehn
Am Ende der Jahrgangsstufe zehn kann in allen Ländern der Mittlere Schulabschluss erworben werden. Er wird in der Mehrzahl der Länder als Realschulabschluss bezeichnet. Als Voraussetzung gilt: in allen Fächern mindestens ausreichende Leistungen.

Der Mittlere Schulabschluss berechtigt zum Eintritt in weiterführende schulische Bildungsgänge, z.B. in spezielle Berufsfachschulen und Fachoberschulen. Er wird ebenfalls zur Aufnahme einer dualen Berufsausbildung genutzt. Und schließlich berechtigt er zum Besuch der gymnasialen Oberstufe, wenn - je nach bisher besuchter Schulart - bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Privatschulen

Heruntergekommene Klassenzimmer, viele Stundenausfälle, schlechte Leistungen - der Frust über das deutsche Schulsystem ist groß. Und spätestens die Pisa-Studie hat es belegt: Lernen wird in Deutschland klein geschrieben. Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder daher auf private Schulen. Einen "unglaublichen Boom", beobachtet Petra Witt, Vorsitzende des Landesverbandes NRW der Deutschen Privatschulen. In Nordrhein-Westfalen gibt es bereits mehr als 400 private Schulen. Und ihre Zahl steigt ständig. "Das Bedürfnis, Schulen zu gründen, ist enorm. Häufig sind es Elterninitiativen oder Lehrer, die hier aktiv werden", so Petra Witt.

"Privatschulen müssen ebenso wie staatliche Schulen auf einem soliden Fundament stehen und die Lehrpläne einhalten. Vielen Kindern bleibt nur der Wechsel auf eine Privatschule, da in einer öffentlichen Lehranstalt zu wenig auf sie eingegangen wird. "Das staatliche Bildungssystem ist von den Lerntechniken her lediglich auf 30 Prozent der Schüler zugeschnitten", sagt Petra Witt.

In privaten Schulen versucht man deshalb, individueller auf die einzelnen Schülerinnen und Schüler einzugehen. Das Angebot ist dabei sehr groß: Waldorf- und Montessori-Schulen, kirchliche Schulen und Freie Schulen arbeiten mit unterschiedlichen Konzepten. Alle jedoch haben eines gemeinsam: "Privatschulen sind Dienstleister, die können sich Stundenausfälle wie bei den staatlichen Schulen gar nicht leisten", sagt Petra Witt. Ihr Geld bekommen auch die meisten privaten Schulen zu einem überwiegenden Teil vom jeweiligen Bundesland. Der Rest wird über Spenden und Elternbeiträge aufgebracht.

Internate

Etwa 40 000 Jungen und Mädchen leben und lernen in Internaten. Wann ist ein Wechsel dorthin sinnvoll? Was müssen Eltern wissen?

"In Internate werden Kinder gesteckt, die reiche Eltern, aber chronisch schlechte Noten haben - oder Kinder, deren Eltern geschieden oder karrierebesessen sind und nie Zeit für sie haben." So weit das Klischee. Die wahren Gründe, ein Kind in ein Internat zu schicken und dafür viel Geld zu bezahlen, sind meist andere: Internate bieten im Gegensatz zu den staatlichen Schulen individuelle Betreuung, außergewöhnliche Wahlfächer, kleine Klassen, intensive Förderung - und strenge Disziplin. Das ist auch Eltern wichtig, deren berufliche Belastung im Normalbereich liegt, die es aber leid sind, an jedem Nachmittag bei den Hausaufgaben zu helfen und obendrein Chauffeursdienste zu leisten.

Die Kosten sind unterschiedlich. Konfessionelle Internate verlangen etwa 500 Euro pro Monat, bei privaten kann die Gebühr mehr als 2000 Euro monatlich ausmachen.

Viele Internate bieten begabten Schülern aus allen sozialen Schichten Stipendien an. Die Kostensätze allein sagen nichts darüber aus, wie gut bzw. wie geeignet ein Internat für ein Kind ist. Einerseits verursacht die individuelle Betreuung und Förderung hohe Kosten, andererseits weisen einige der teuren Schulen einen hohen Anteil - mitunter annähernd 50 Prozent - an "Problemkindern" auf, die meist leistungsbezogene und emotionale Schwierigkeiten haben. Es gibt Institute, die nur Schüler mit einem gewissen Notendurchschnitt aufnehmen oder eine Art Aufnahmeprüfung verlangen. Andere legen mehr Gewicht auf sportliche oder musische Förderung und bevorzugen entsprechend talentierte Kinder. Unter Umständen wird hier also eine Bildung vermittelt, die man kaum als ganzheitlich bezeichnen kann.

Am besten besucht man die Einrichtung mit dem Kind gemeinsam und klärt dabei folgende Fragen:
  • Welches Konzept entspricht der Wesensart und der Begabungsstruktur des Kindes am ehesten?
  • Wird den Neigungen des Kindes wirklich genügend Raum gegeben?
  • Wird ein schwacher Schüler ausreichend unterstützt?
  • Sind die Zimmer und Gemeinschaftsräume so gestaltet, dass sich ein Kind darin wohl fühlen kann?
Kein Kind sollte dazu gedrängt werden, in ein Internat zu gehen. Freiwilligkeit ist oberstes Gebot. Sind die Noten schon seit einiger Zeit abgefallen, ist Nachhilfeunterricht oft sinnvoller, als einem Kind auch noch die Eingewöhnung in eine neue Gemeinschaft und die Trennung vom Elternhaus zuzumuten.


Wie finde ich eine "gute Schule" für mein Kind?

Entscheidend für den Bildungserfolg, meint Erziehungswissenschaftler Peter Struck, sei ohnehin nicht die Schulart, sondern die "Lehrerpersönlichkeit". Nicht die Liga, sondern der Lehrer schafft den Mikrokosmos, in dem das Kind gedeiht - oder vor sich hinkümmert. Die Frage ist also nicht, welche Schulart, sondern welche Schule ist die richtige für mein Kind? Eltern sollten nicht auf spätere Berufsaussichten starren, die sich binnen fünf Jahren ohnehin ändern, sondern herausfinden, wo es ihrem Kind gut geht. Richtig sein kann also auch eine gute Real- oder Hauptschule, eine Waldorfschule, eine Gesamtschule oder bei Kindern mit Lernschwächen eine Förderschule. Rund 460 innovative Schulen aller Schularten haben sich im Netzwerk der Bertelsmann-Stiftung zusammengeschlossen. Nutzen Sie die langjährige Erfahrung dieser Stiftung mit innovativen Schulen und Schulsystemen weltweit. Auf der Grundlage dieser Erfahrung ist ein Fragebogen entstanden, der Eltern dabei helfen soll, eine gute Schule zu identifizieren - oder auch die Schule zu hinterfragen, auf die ihre Kinder bereits gehen. Der Katalog gilt ebenso für Grundschulen wie für weiterführende Schulen, unabhängig von der Schulart.

Einen noch ausführlicheren Fragenkatalog - speziell für Ganztagsschulen - hat der Arbeitskreis Neue Erziehung auf seinem neuen Internetportal "Aktiv für Kinder" entwickelt; diesen finden Sie hier.

Um Antworten auf die dort genannten zehn Fragen zu erhalten, können Sie
  • die Informationsabende oder "Schnuppertage" besuchen, die mehr und mehr Schulen vor Beginn der Anmeldungszeiten veranstalten,
  • im Schulsekretariat nach Unterlagen über die Schule fragen,
  • die Homepage der Schule im Internet anschauen,
  • den Schulleiter oder Mitglieder des Kollegiums ansprechen.


Wie werden die Leistungen und die Begabungen ermittelt?

Unter der Überschrift "Wird Susanne das Gymnasium schaffen? Oder: Vom Lesen im Kaffeesatz" hat der Arbeitskreis Grundschule Überlegungen zur Feststellung der Eignung für die weiterführenden Schulen zusammengefasst.

"Ob Susanne das Gymnasium und am Ende auch das Abitur schaffen würde, lässt sich nicht vorhersagen - wie sich dies bei niemandem vorhersagen lässt. Viele Faktoren entscheiden mit, keiner allein, alle in einem komplizierten Zusammenspiel: das Leistungsniveau in der Klasse, die pädagogische Qualität der Lehrerinnen und Lehrer, die Lernatmosphäre, die Unterstützung durch die Eltern gerade auch bei Lernproblemen, die persönliche Bewältigung all der Probleme, die mit der Pubertät einhergehen. Wer hier sichere Voraussagen zu treffen behauptet, liest im Kaffeesatz" (Bartnitzky 1999, S. 3).

Eltern können sich aber an bestimmten Faktoren orientieren, die wir nun vorstellen.

Entscheidungshilfe "Zeugnis"

Im letzten Halbjahr der Grundschule bzw. der Orientierungs- oder Förderstufe bekommt das Kind ein Zeugnis, das eine Entscheidungshilfe bietet. In einzelnen Bundesländern gibt es eine Notenregelung für den Übergang in weiterführende Schulen.

Allerdings enthalten die Zensuren auf dem Zeugnis zahlreiche Unsicherheitsfaktoren. Das Zeugnis "in Noten" vermittelt den Anschein der Objektivität; eine "3" ist eben eine "3"! Das stimmt so nicht. Jede Lehrerin, jeder Lehrer an der Grundschule sieht das einzelne Kind immer im Klassenverband, und es lässt sich nicht leugnen, dass es Klassen mit sehr unterschiedlichen Leistungsniveaus gibt.

Die "3" ist also nur bezogen auf eine bestimmte Lerngruppe - und auf das Zensierungssystem des Lehrers! - eine "3". Wichtig ist deshalb immer, auf welchem Wege eine bestimmte Note zustande gekommen ist. Einerseits wird der Fleiß, aus dem heraus eine gute Note entstanden ist, auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, andererseits reicht Fleiß allein nicht aus, den Anforderungen aller Schularten nachzukommen.

Insgesamt gesehen ist das Zeugnis Mitte der vierten Klasse sicher ein entscheidendes Kriterium für die Schulwahl, aber es verlangt sorgfältige Betrachtung, Abwägung und manchmal auch Auslegung.

Das Fazit: Noten sind zwar justiziabel, aber als Mittel der Prognose beim Thema "Schulerfolg" - sieht man von den Leistungsspitzen ab - von begrenztem Wert.

Entscheidungshilfe "Gutachten"

Was Eltern mit älteren Kindern noch als "Grundschulgutachten" geläufig ist, heißt heute z.B. in Nordrhein-Westfalen "begründete Empfehlung für die Schulart, die für die weitere schulische Förderung am besten geeignet erscheint". Die Empfehlung wird von der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer geschrieben, aber von der Klassenkonferenz entschieden; damit sind die Meinungen von weiteren Fachlehrern berücksichtigt.

Im Text der Verordnung heißt es weiter: "entscheidet ... auf der Grundlage des Leistungsstandes, der Lernentwicklung und der Fähigkeiten der Schülerin oder des Schülers sowie unter Einbeziehung des Beratungsgesprächs mit den Erziehungsberechtigten" (im ersten Schulhalbjahr). Daraus wird klar, wie wichtig die Empfehlung als Ergänzung zum Zeugnis ist.
  • Leistungsstand: Damit ist das Kriterium angesprochen, das sich auch im Zeugnis spiegelt (mit den oben dargestellten Einschränkungen);
  • Lernentwicklung: Die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer beobachten Ihr Kind über eine lange Zeit. Das Zeugnis dagegen ist eine Momentaufnahme. Es kommt vor, dass ein Kind nach vorher guten Leistungen ausgerechnet im Halbjahrszeugnis des vierten Schuljahrs schlechtere Noten hat, z.B. bedingt durch längere Krankheit oder eine zeitweilig schwierige familiäre Situation. Genauso gibt es "Spätstarter", die in der Schule einen längeren Anlauf gebraucht haben. Beide Fälle verlangen mehr Aufmerksamkeit bei der Einschätzung der Entwicklungs-Chancen;
  • Fähigkeiten: Die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer können einschätzen, ob ein Kind seine Leistungen vorwiegend aus intensiver häuslicher Förderung heraus erbringt oder vielmehr "aus dem Ärmel schüttelt". Das ist (wie oben beschrieben) oft wichtiger als die Note;
  • Im Beratungsgespräch erfährt die Klassenlehrerin oder der Klassenlehrer, welchen Wunsch Sie bezüglich der weiterführenden Schule für Ihr Kind haben. Sollten Ihre Vorstellung und die Einschätzung der Schule deutlich voneinander abweichen, wird man Ihr Kind in der Zwischenzeit intensiver und gezielter beobachten und Ihre Vorstellungen dabei im Auge behalten, denn die Schule hat ein Interesse daran, sich mit Ihnen als Eltern auf eine einvernehmliche Empfehlung zu verständigen.
Viele Schulen informieren die Erziehungsberechtigten schriftlich über ihre Kriterien der Schullaufbahnempfehlung. Im Zuge der Zeugniskonferenzen ermitteln die Klassenkonferenzen der 6. Klassen (in Orientierungs- und Förderstufen) im Januar den Trend der zukünftigen Schullaufbahn der Kinder. Der Beratung des Schullaufbahntrends liegen die gleichen Kriterien zugrunde, die auch bei der Beratung der Schullaufbahnempfehlung am Ende der Klasse 6 verwendet werden. Diese Kriterien wurden in den "Orientierungshilfen für die Schullaufbahnempfehlung" zusammengestellt.

Die Orientierungshilfen sollen aufzeigen, unter welchen Voraussetzungen einer Schülerin oder einem Schüler die angegebene Schulart empfohlen werden kann. Dabei darf nicht schematisch verfahren werden. (Siehe Erlass des Niedersächsischen Kultusministers vom 25.3.1997: "Die Schullaufbahnempfehlung darf nicht auf der Errechnung von Durchschnittswerten beruhen. Neben den Lernergebnissen sind die Schülerpersönlichkeit sowie den Lernerfolg beeinflussende äußere Faktoren zu beachten.")

Entscheidungshilfe "Prüfarbeiten und Probeunterricht"

Prüfarbeiten und Probeunterricht an der aufnehmenden Schule sollen klären, ob ein Schüler unter den neuen Lernbedingungen erfolgreich mitarbeiten kann.

So sieht dieser Vorgang in Bayern aus:
Der Probeunterricht dauert drei Tage und findet bald nach dem Termin für die Anmeldung (Ende Mai - Anfang Juni) an der Realschule bzw. am Gymnasium statt. Die Schüler werden in Unterrichtsgruppen von etwa 10 bis 20 Kindern eingeteilt und von jeweils drei Lehrern betreut. Ein Grundschullehrer sowie ein Deutsch- und ein Mathematiklehrer der aufnehmenden Schule kümmern sich um ihre Gruppe und halten dort abwechselnd Unterricht.

Von den Schülern werden an den ersten beiden Tagen schriftliche Arbeiten aus den Fächern Deutsch und Mathematik verlangt. Der Prüfungsstoff umfasst dabei alles, was im zurückliegenden Schuljahr behandelt wurde. Die Aufgabenstellung orientiert sich an den Anforderungen der aufnehmenden Schule, so dass der Schwierigkeitsgrad höher liegt als in der Grundschule.

Am dritten Tag findet - ebenfalls in den Fächern Deutsch und Mathematik - mündlicher Unterricht statt, wobei besonderes Augenmerk auf die Zweifelsfälle unter den Prüflingen gelegt wird. Während der drei Prüfungstage macht immer einer der betreuenden Lehrer Aufzeichnungen über die Mitarbeit.

Alle schriftlichen Prüfungsaufgaben werden zentral erstellt und den Schulen vorgegeben. Dort ist für die Durchführung, Korrektur und Bewertung jeweils ein Aufnahmeausschuss verantwortlich, der sich aus Grundschullehrern (bzw. Hauptschullehrern) und Lehrern der aufnehmenden Schule zusammensetzt. Der Probeunterricht gilt als bestanden, wenn der Schüler in einem Prüfungsfach mindestens die Note 3 und in dem anderen Fach mindestens die Note 4 erreicht hat. Das Ergebnis erhalten die Eltern mit ausführlicher Begründung zugesandt.

Die durch den Probeunterricht erworbene Eignung berechtigt nur zum Übertritt im unmittelbar darauffolgenden Schuljahr.

Allerdings: Prüfarbeiten und Probeunterricht sind künstliche Situationen, die fern vom Realfall des Unterrichts in der konkreten zukünftigen Klasse konstruiert werden; deshalb ist auch ihr Aussagewert nach Ansicht des Arbeitskreises Grundschule gering. Vieles spricht außerdem dafür, dass selbst etliche der für das Gymnasium empfohlenen Kinder oder Kinder mit einem Notendurchschnitt von 2,5 und besser die Prüfarbeiten nicht schaffen würden. Auf der Website "http://www.note1plus.de" finden Sie typische Aufgaben mit Lösungen für den Probeunterricht.

Entscheidungshilfe "Beratungsgespräch"

In allen Bundesländern können sich Eltern mit den Lehrkräften ihres Kindes beraten, um eine gute Entscheidung für ihr Kind zu treffen. In einigen Bundesländern gibt es aber auch vorgeschriebene Beratungsgespräche bei Problemfällen.

In Bayern ist das Beratungsgespräch mit dem Übertrittsziel Gymnasium vorgeschrieben, wenn ein Schüler als "bedingt geeignet" eingestuft wird. Die Unterredung findet vor der Ausgabe des Eignungszeugnisses an der Grundschule statt und verlangt keine sofortige Entscheidung. Die Eltern können unabhängig vom Ausgang des Gesprächs ihre Wahl treffen.

Etwas förmlicher geht es beim Beratungsgespräch für den Realschul-Übertritt zu, obwohl die Eltern auch hier frei entscheiden können. Wenn ihr Kind den Probeunterricht in einem der Fächer mit Note 4 geschafft hat, werden sie zu einem Gesprächstermin an der Realschule eingeladen, bei dem ihnen ein Grundschul- und ein Realschullehrer gegenübersitzen. Die Eltern sollten die Möglichkeit nutzen, die Prüfungsaufgaben einzusehen und nach den Bewertungskriterien zu fragen. Beobachtungen über das Verhalten ihres Kindes im Probeunterricht können eine wichtige Entscheidungshilfe sein. Die folgenden Fragen sind möglichst zu klären:
  • Wie steht mein Kind leistungsmäßig im Vergleich zur ganzen Prüfungsgruppe?
  • Wie weit war mein Kind psychisch den erhöhten Leistungsanforderungen der Prüfung gewachsen?
Die erworbene Übertrittsberechtigung gilt nur im unmittelbar folgenden Schuljahr. Falls jemand sein Glück im Probeunterricht fürs Gymnasium versucht, diese Prüfung aber nicht besteht, muss er deswegen nicht automatisch an die Hauptschule wechseln. Unter bestimmten Umständen kann der Schüler - ohne Wartezeit - in die Realschule übertreten: Problemlos ist der Übergang, wenn das Übertrittszeugnis den Notendurchschnitt 2,66 aufweist und im Probeunterricht am Gymnasium wenigstens in einem Fach die Note 4 erreicht wurde.

Ab dem Notendurchschnitt 3,0 im Übertrittszeugnis - oder wenn der Probeunterricht am Gymnasium in jedem Fach mit der Note 5 oder schlechter abgeschlossen wurde - muss gegen Ende der Sommerferien der Probeunterricht an der Realschule nachgeholt werden. Eine dem Grundschüler, dem Orientierungstufen- oder Förderstufenschüler dienende Schullaufbahnberatung wird in vielen Fällen auch auf individuelle Beratungshilfen - z.B. durch einen Schulpsychologen - angewiesen sein. Die häufigsten Beratungsanlässe ergeben sich bei Schülern, die in ihren Schulleistungen deutlich hinter die Erwartung aus den Intelligenztests zurückfallen ("underachiever"). Als Ursachen dafür kommen persönliche Faktoren sowie die äußeren Gegebenheiten des Lernfeldes in Frage. Abhilfe bringen gezielte Fördermaßnahmen, z.B. die Zuweisung in Stütz- und Förderkurse, die Teilnahme an individuell aufgestellten Programmen zur Begabungsförderung, insbesondere zur Förderung des sprachlichen Ausdrucks.

Gegebenenfalls sind andere Beratungs- oder Betreuungsmöglichkeiten zu nutzen ( Erziehungsberatungsstelle, Schulpsychologischer Dienst, Facharzt). Patentrezepte gibt es nicht. Allerdings sollten alle Eltern eine Faustregel beherzigen: Lieber ein glückliches Kind auf einer Haupt- oder Realschule als ein überfordertes, gestresstes Kind auf dem Gymnasium!

Und erneut - verzwickt, verzwickt - ein "Andererseits": Auch Lehrer können sich irren. Immerhin besteht in Bayern die Hälfte der fürs Gymnasium als "nicht geeignet" eingestuften Kinder den Probeunterricht. Hinzu kommt, dass niemand eine sichere Vorhersage über neun Schuljahre machen kann. Manche Kinder sind in der Grundschule schüchtern und schweigsam und blühen erst in der Pubertät richtig auf.

Umgekehrt gibt es natürlich auch viele Gründe, warum aus einem guten Grundschüler ein schlechter Gymnasiast werden kann: eine Trennung der Eltern, die erste große Liebe, andere Interessen, die wichtiger werden - all das kann dazu führen, dass ein Teenager plötzlich überhaupt keine Lust hat, sich um den Dreisatz und die Englischvokabeln zu kümmern.

Entscheidungshilfe "Psychologische Testverfahren"

Die Intention beim Einsatz psychologischer Tests ist darauf gerichtet, die für jeden Schüler (mit bestimmten Interessen, Begabungs- und Lernleistungsvoraussetzungen) geeignetste Schul- oder Bildungsform zu finden. Dies geschieht z. B. durch Vergleiche des individuellen Merkmalprofils mit den Anforderungen der in Frage kommenden Schulart. Auf diese Weise lässt sich für jeden Schüler die Zugehörigkeitswahrscheinlichkeit zum Gymnasium, zur Realschule, zur Hauptschule oder zur Gesamtschule am Maßstab bestimmter Lernleistungsgruppen errechnen.

Bei dieser Form der Schullaufbahnberatung werden also die jeweiligen Eignungswahrscheinlichkeiten ermittelt und die Risiken gegeneinander abgewogen. Zugleich kann hier der Ratsuchende in die Entscheidungsfindung mit einbezogen werden. Dies stellt die endgültige Entscheidung (hier: Schulübertritt) auch psychologisch auf eine tragfähigere Grundlage.

Entscheidungshilfe "Die eigene Erfahrung"

Bettina Vollmer hat in einem Beitrag für das Internet ("Welche Schulart passt zu unserem Kind?") Fragen zur Selbstprüfung zusammengestellt. Hier eine etwas überarbeitete Form ihrer Liste.
  • Äußert Ihr Kind mit Nachdruck und begründet den Wunsch, auf eine bestimmte Schule zu gehen?
  • Wie selbständig arbeitet Ihr Kind?
  • Welche Einstellung hat es zum Lernen, zur Schule und zu den Hausaufgaben?
  • Wie viel Unterstützung hat es in der Grundschule benötigt?
  • Welche Interessen, Stärken und Schwächen hat Ihr Kind und welcher Schultyp passt am besten zu diesen Voraussetzungen?
  • Wie reagiert es auf Erfolge, wie auf Misserfolge?

Häufige Sorgen von Eltern

Es gibt eine Reihe von Sorgen, die Eltern in Beratungsgesprächen regelmäßig äußern. Leonhard Liese, Schulpsychologe aus Nordrhein-Westfalen, hat sie gesammelt und Antworten im Internet veröffentlicht (http://www.schulpsychologie.de/downloads/wallberg/schulwahl.pdf).


Und später: Eine falsche Entscheidung revidieren
- Auch Umwege führen zum Ziel: Eine Schullaufbahn ist keine Sackgasse

Schön wär’s ja, viele Eltern wären zufrieden und stolz, wenn ihre Tochter oder ihr Sohn vom Spiel mit bunten Holzbuchstaben in der ersten Klasse der Grundschule schnurstracks zur feierlichen Überreichung des Abitur-Zeugnisses dreizehn (Schul-)Jahre später "durchmarschieren" könnte. Aber alles besorgte Reden wird ins Leere gehen, aller Druck, doch fleißiger zu sein und die "guten Möglichkeiten" zu nutzen wird erfolglos bleiben, wenn eine Schülerin, ein Schüler die erforderlichen Leistungen nicht erbringen kann. Besser ist dann der rechtzeitige Blick auf Alternativen. Denn unser schulisches Ausbildungssystem ist flexibel gestaltet und weist eine breite Palette an Wahlmöglichkeiten ("Umwege") auf: Viele Wege führen zu einem Abschluss, der Chancen auf dem Arbeitsmarkt eröffnet. Nehmen wir als Beispiel einen Schüler am Gymnasium, der nach dem ersten Halbjahr in Klasse acht einen Warnhinweis in seinem Zwischenzeugnis liest: "Versetzung gefährdet". Er kann nun
  • freiwillig wiederholen (Antrag der Eltern bis spätestens eine Woche nach Ausgabe der Zwischenzeugnisse; Vorteile: Der eigene Entschluss kann motivierend wirken; dieser Vorgang gilt nicht als Wiederholung im üblichen Sinne; Einschränkung: Dieser Weg ist nur dann sinnvoll, wenn lediglich in einem Fach oder in zwei Fächern Lücken zu füllen sind oder wenn Krankheit und nicht Leistungsverweigerung den Engpass verursacht hat; im letzteren Fall ist ein Schulwechsel vorzuziehen)
  • in ein Gymnasium mit einem anderen Schwerpunkt übertreten (z.B. von einem musischen in ein neusprachliches oder in ein privat geführtes Gymnasium; dies ist in der Regel aber erst zum Schuljahresbeginn möglich)
  • in die achte Jahrgangsstufe einer Realschule überwechseln (allerdings mit der Folge, dass wohl unbekannter Stoff aus schulart-typischen Fächern nachgearbeitet werden muss)
  • an die Hauptschule wechseln (dies gilt weithin als - auch sozialer - Abstieg, weil die Hauptschule nicht den besten Ruf hat und deren Schüler häufig als wenig motiviert, teilweise gewaltbereit gelten; dafür sind die Erfolgsaussichten groß, den "Qualifizierten Hauptschulabschluss" zu erreichen, von dem aus der Mittlere Schulabschluss nach der "Freiwilligen 10. Hauptschulklasse" angesteuert werden kann; und dann gilt: schulischer Erfolg bringt immer auch eine persönliche Stabilisierung mit sich)
  • auf eine spätere "Nachprüfung" setzen (nicht in allen Bundesländern eingeführt; in einem der beiden mit der Note Fünf bewerteten Fächer findet nach den Sommerferien eine schriftliche und mündliche Überprüfung statt; erreicht der Schüler mindestens ein "Ausreichend", wird er nachträglich versetzt)
  • die Nichtversetzung in Kauf nehmen und anschließend "eine Ehrenrunde drehen".
Das Allerwichtigste bleibt, überhaupt einen qualifizierenden Abschluss zu erreichen. Dessen einfachste Form, der Hauptschulabschluss, berechtigt zur Anmeldung an einer Berufsfachschule (auch dann, wenn alle weiteren schulischen Stricke an der Realschule oder am Gymnasium reißen sollten). Und zur Fachhochschulreife gelangt unser Schüler nicht nur per Abitur, Fachabitur oder Mittlerer Reife; auch das Abschlusszeugnis einer Berufsoberschule oder eine extern abgelegte Abschlussprüfung an der Fachoberschule nach der zwölften Jahrgangsstufe am Gymnasium eröffnet ihm diesen Ausbildungsgang. Nähere Auskünfte über die Möglichkeiten in Ihrem Bundesland erhalten Sie von Ihrer Schule, vom Schulpsychologischen Dienst oder vom Kultusministerium (Anschriften hier).

Unser Bildungssystem ist also durchlässig angelegt, es ermöglicht unter anderem den Wechsel in eine andere Schulart. Dies gilt vor allem für die Klassen fünf und sechs, die als Orientierungs- oder Beobachtungsstufe eingerichtet worden sind. Aber auch später kann - bei guten bzw. schwachen Leistungen - ein Wechsel nach oben oder unten erfolgen. Dies klingt, als stehe beides in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander. Das ist nicht der Fall. Gewechselt wird vor allem nach unten. In Nordrhein-Westfalen kommen auf fünf "Aufsteiger" einhundert "Absteiger", so eine Untersuchung des Dortmunder Instituts für Schulentwicklungsforschung. Vor zwanzig Jahren waren es achtmal mehr Aufsteiger. Die zumindest so "gemeinte" Durchlässigkeit des Bildungssystems ist auch an den Bestimmungen für Nordrhein-Westfalen abzulesen, zusammengestellt in einer Broschüre des Ministeriums für Schule, Wissenschaft und Forschung. Wir zitieren sie im Folgenden, um einen Gesamt-Überblick zu ermöglichen.

"Alle Schulen der Sekundarstufe I sollen die Schülerinnen und Schüler befähigen, eine Berufsbildung aufzunehmen oder in vollzeitschulische allgemeinbildende oder berufliche Bildungsgänge der Sekundarstufe II einzutreten. Die Jugendlichen können in den Schularten der Sekundarstufe I den Hauptschulabschluss nach Klasse 9, den Hauptschulabschluss nach Klasse 10 sowie die Fachoberschulreife erreichen.

Im Gymnasium erhalten die Schülerinnen und Schüler mit der Versetzung in die Jahrgangsstufe 11 zugleich die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe oder der Bildungsgänge des Berufskollegs, die zur allgemeinen Hochschulreife führen. Die Hauptschule, Realschule und die Gesamtschule ermöglichen mit einem qualifizierten Abschluss nach der Klasse 10 ebenfalls den Übergang in die gymnasiale Oberstufe eines Gymnasiums (Voraussetzung: in allen Fächern mindestens befriedigende Leistungen) oder einer Gesamtschule oder in die genannten Bildungsgänge des Berufskollegs."


Kontinuierliche Schullaufbahnberatung

Nur an ganz wenigen Stellen der Schulzeit erfolgt bei uns eine Schullaufbahnberatung. Es geht auch anders und besser. In Amerika wird unter dem Begriff "Career development" ein Prozess verstanden, der sich über die gesamte Schulzeit erstreckt. In regelmäßigen Abständen wird die Schullaufbahn eines Schülers unter verschiedenen Fragestellungen thematisiert. Es geht dabei um
  • die Förderung des Nachdenkens über die eigene Arbeit
  • die Information über Stärken und Schwächen
  • Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung
  • kontinuierliche Schullaufbahnberatung, die auch ermöglicht, Weichen immer wieder neu zu stellen.
So wird erreicht, dass der Weg zum Erfolg ein permanentes Thema bleibt und Entscheidungen nicht unvermittelt-rabiat getroffen werden müssen; dies würde die Schüler, deren Eltern und die Lehrkräfte gleichermaßen entlasten. In gewisser Weise sind diese Gespräche vergleichbar mit den kontinuierlichen Unterredungen, die Schulleiter mit ihren Lehrkräften führen.


Eine psycho-logische Kurzfassung

Nach den vielen Details hier eine Zusammenfassung der relevanten Aspekte in neun Punkten von Reinhold Schmitz-Schretzmair.
  1. Alle Eltern wollen das Beste für ihr Kind.
  2. Wenn das Beste für alle Kinder eine bestimmte Schulart (z.B. das Gymnasium) wäre, könnten alle Kinder dort hingehen. Das Ergebnis wäre dann eine Gesamtschule anstelle vier verschiedener Schularten.
  3. Kinder sind nicht vergleichbar. Das beginnt schon mit der Geburt; manche Kinder kommen mit knapp sechs Jahren in die Schule, andere sind dann schon sieben Jahre alt. Erstgeborene Kinder werden von "Erst-Eltern" anders erzogen als ihre Geschwister. Die jüngeren Kinder können von ihren älteren Geschwistern schon vieles abgucken. Es gibt noch eine Menge weiterer Unterschiede zwischen Kindern, ohne dass da jemand ,,etwas falsch gemacht" hat!
  4. Viele Kinder könnten durchaus eine bestimmte Schulart "schaffen" - aber der Preis wäre zu hoch: zu wenig Freizeit, zu viel Stress und Prüfungsangst, zu geringes Selbstwertgefühl. Letztlich zählt, wo und wie ein Kind nach seinem Schulbesuch ankommt. Das Ziel ist wichtig - der Weg dorthin aber auch!
  5. Wenn ein Kind seinen Arbeitsplatz (die Schule) wechselt, geht es ihm ähnlich wie seinen Eltern, wenn die ihren neuen Job antreten. Wie fühlt man sich, wenn man beispielsweise in der neuen "Firma" mehr arbeiten muss, dafür aber "weniger Lohn" (schlechtere Noten, weniger Lob und Anerkennung) bekommt? Wie lange würden wir Erwachsenen das aushalten - wie lange ist das für ein Kind zumutbar?
  6. Erstes Ziel für alle Kinder sollte ein guter Schulabschluss nach dem 10. Schuljahr sein. Wer dieses Ziel erreicht, hat die Eintrittskarte für den weiteren Schul- und Berufsweg in der Tasche. Die allgemeine Schulpflicht ist erfüllt - der Rest ist freiwillig. Wer jetzt noch weiterhin zur Schule gehen will und kann, sollte das tun. Wer aber mit 16 oder 17 Jahren (zumindest vorerst) genug von der Schule hat, nimmt einen anderen Weg zu seinem Ziel.
  7. Langfristig setzt sich Qualität durch. Sie alle haben gute und qualifizierte Kinder; jedes für sich - auf seine besondere Art - mit seinem Recht auf eine schöne Kindheit und Jugend.
  8. Gute Eltern erkennt man nicht an der Wahl der schwierigsten Schulart, sondern an der Entscheidung für die angemessene Schulart.
  9. Wenn Sie feststellen sollten, dass Sie trotz bester Absicht eine falsche Entscheidung getroffen haben, dass Ihr Kind überfordert ist, dass es wegen der Überforderung aggressiv oder depressiv wird, wenn Sie andere Symptome feststellen: Es ist nie zu spät für Verbesserungen!

Und ein Schlusswort

Alle Eltern versuchen, gute Eltern zu sein. Das ist nicht einfach und gelingt selten problemlos. Fehler sind menschlich und erlaubt. Es reicht Kindern, eine relativ gute Mutter und einen relativ guten Vater zu haben. Kinder wünschen sich, dass ihre Eltern auch mit ihnen als relativ gutem Kind und mit einem relativ guten Schulverlauf zufrieden sind.

Das folgende Schaubild zeigt die Regelungen der einzelnen Bundesländer für den Übergang auf die weiterführenden Schulen.

Länderregelungen für den Übergang

Quelle: Kowalczyk, Walter & Ottich, Klaus: Die beste Schule für mein Kind - Entscheidungshilfen für die Wahl der weiterführenden Schule. Berlin: Cornelsen Verlag Scriptor 2003, Seite 52/53.


Literatur

Bartnitzky, Horst: Wo darf Susanne aufs Gymnasium? Oder: Von den Zufallskriterien Wohnort und Schule. - In: Grundschuleverband aktuell, Nr. 65, Januar 1999, S. 3 - 4

Kowalczyk, Walter: Elterngespräche beim Übertritt in die weiterführende Schule: "Alle wollen das Beste für das Kind" - In: Kowalczyk, Walter (Hrsg.): Konkrete Handlungsanleitungen für erfolgreiche Beratungsarbeit mit Schülern, Eltern und Lehrern. Wie Sie im Schulbereich beraten, fördern und Probleme lösen. - Kissing: WEKA (Loseblattsammlung, 18. AL, Kap. 8/2.2) 2002.

Kowalczyk, Walter: Die beste Schule für das Kind. - In: Das Lehrerhandbuch. Berlin: Raabe 2002.

Kowalczyk, Walter & Ottich, Klaus: Die beste Schule für mein Kind - Entscheidungshilfen für die Wahl der weiterführenden Schule. Berlin: Cornelsen Verlag Scriptor 2003.


Autoren

Klaus Ottich, Jahrgang 1942, ist Oberstudienrat für Deutsch und Geschichte an einem Gymnasium.
E-Mail: klausottich@web.de

Dr. Walter Kowalczyk, Jahrgang 1949, ist Schulpsychologe und Psychologischer Psychotherapeut. Er ist u.a. Mitglied in der Aktion Humane Schule und im Arbeitskreis Grundschule.
E-Mail: Walter.Kowalczyk@online.de
Internet: http://www.walter-kowalczyk.de



Letzte Änderung: 30.05.2005 09:45:44Zum Seitenanfang