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![]() Kinder zu haben, so heißt es, sei ein "Kinder-Segen". Durch Kinder wird die Partnerschaft zur Familie. Kinder und Enkel sind oft das Glück des Alters. Die geordnete Generationenfolge gilt in vielen Ländern als Garant für Glück und materielle Sicherheit. Und doch ist das Zusammenleben zwischen Eltern und Kindern auch voller Auseinandersetzungen. Viele Konflikte zwischen den Partnern entzünden sich an den Kindern und deren Erziehung oder werden über die Kinder zwischen den Erwachsenen verhandelt. Von diesen Konflikten handelt der folgende Beitrag. Ich werde die Thematik chronologisch angehen und einige Hinweise für das konstruktive Gespräch zwischen den Partnern geben. 1. SchwangerschaftWenn sich in einer Partnerschaft Nachwuchs ankündigt, kann dies Freude oder auch Schrecken, Wut und Vorwurf zur Folge haben. Das Kind war nicht oder noch nicht "geplant". Der Mann drängt vielleicht zur Abtreibung, oder beide einigen sich darauf; später melden sich dann in manchen Fällen Schuldgefühle.Die Partner sehen sich unter Umständen in ihren beruflichen und finanziellen Plänen behindert. Oder der Mann fühlt sich von der Frau "hereingelegt". Die Schwangerschaft ist manchmal Ergebnis eines so genannten "Seitensprungs", bei dem an gemeinsamen Nachwuchs und dauerhafte Partnerschaft nicht gedacht war. In dörflicher und kleinstädtischer Umgebung ist voreheliche Schwangerschaft nach wie vor Anlass zu nachbarschaftlicher Neugier und Tratsch. Der Status der allein erziehenden Mutter findet nach wie vor keine selbstverständliche Akzeptanz. 2. Niederkunft, Geburt und ZusammenlebenEine Frau, die die Niederkunft ohne Unterstützung durch den Vater des Kindes durchstehen muss, trägt ihm dies unter Umständen lebenslang nach und hält es ihm immer wieder vor. In einem konservativen Umfeld heiraten die Partner vielleicht widerwillig und ohne Enthusiasmus, weil das Kind unterwegs ist.Später erwartet der Mann dann eventuell, die Frau solle ihm "dankbar" dafür sein und seine Untreue dulden. Oder er macht die Frau dafür verantwortlich, dass ihm durch die erzwungene Ehe berufliche Chancen entgangen seien, die er als mobiler Single angeblich hätte nutzen können. 3. Beziehungen der Eltern zum KindAn das Kind richten sich nach der Geburt neben der Freude möglicherweise Ärger und Enttäuschung. Es erscheint als das leibhaftige tägliche Symbol der entgangenen eigenen Lebenschancen und muss dafür büßen.Mütter berichten manchmal, dass es ihnen - mit oder ohne konflikthafte Schwangerschaft - schwer fällt, dem Kind so viel Nähe und Zuwendung entgegenzubringen, wie es dem gesellschaftlichen Ideal einer "liebenden Mutter" entspricht. Demgemäß kann der Kommentar nahestehender Menschen, eine Frau sei keine "gute" Mutter, zu einem extremen Druckmittel werden. Das Geschlecht des Kindes ist von Bedeutung. Die Bevorzugung von Jungen ist in Mitteleuropa zum Glück im Abnehmen begriffen. Dennoch: Wenn die Eltern sich einen Jungen wünschen und es wird ein Mädchen, so hält der Mann dies der Frau vielleicht als ihr Versagen vor, wiewohl die Entscheidung über das Geschlecht im männlichen Samen fällt. Wenn beide Eltern über das Geschlecht ihres Kindes enttäuscht sind, versuchen sie manchmal, das Kind so zu erziehen, wie sie sich das gewünschte Geschlecht vorstellen, also Jungen zart und zaghaft, Mädchen wild und stark. Dann wächst das Kind mit einem geheimen Auftrag auf, anders zu sein und zu werden, als es ist. 4. Divergenzen und Konvergenzen in elterlichen Erziehungs-VorstellungenUnterschiedliche Auffassungen von Erziehung bestehen nahezu regelhaft zwischen den Eltern. Sie neigen dazu, in der Erziehung ihrer Kinder ihre eigene Erziehung wiederholen oder gegen sie opponieren zu wollen.Da sie ihre Erfahrungen auf diesem Gebiet sehr früh gemacht haben, betrachten sie sie meist nicht als mögliche Varianten, sondern als unverrückbare Wahrheiten. Entsprechend schwer fällt es ihnen, sie der gelassenen gemeinsamen Erörterung auszusetzen und zu gemeinsamen Neuentscheidungen zu finden. Solche subjektiven Gewissheiten hat fast jeder Mensch über viele Bereiche der Erziehung:
5. Streit in Gegenwart der KinderGenerell lautet eine schwer zu beantwortende Frage: Sollen Eltern in Gegenwart ihrer Kinder streiten oder nicht? Dafür spricht vielleicht, dass die Kinder Missstimmung und Gereiztheit ohnehin bemerken und dass ein sofortiger Widerspruch oft helfen soll, einen ansonsten vorgeblich eintretenden Missstand abzuwenden. Dem ist entgegenzuhalten, dass Kinder sich während des elterlichen Streits meist sehr unwohl fühlen und oft hilflos versuchen zu schlichten, was ihre Kräfte überfordert.Eine klare Aufgabenverteilung zwischen den Eltern, die jedem von ihnen einräumt, in der Zeit, die er oder sie mit den Kindern verbringt, die volle Verantwortung für das Geschehen zu übernehmen, macht manche Auseinandersetzung überflüssig. Eine kurze Verständigung über Ort und Zeitpunkt, wo die Eltern sich dem strittigen Thema in Ruhe und unter vier Augen widmen können, wird oft eine weitere Hilfe sein. 6. Konfliktdynamik der PartnerschaftManchmal gibt es unterschwellige Partnerkonflikte, die auf der Ebene der Kindererziehung verhandelt werden, aber in erster Linie zwischen den Eltern selbst schwelen.Manche Partner stehen miteinander in einer permanenten Auseinandersetzung um die Macht und benutzen dabei ihre Kinder, um ihren Argumenten Nachdruck zu verleihen:
7. Rollenzuweisungen an KinderManchmal versuchen Eltern, ihre Kinder in eine Rolle einzuweisen, der das Kind dann versucht, gerecht zu werden. Es soll z.B. als Substitut für einen Aspekt des eigenen elterlichen Selbst eintreten, als idealisiertes oder als abgelehntes Kind oder als Bundesgenosse in der Auseinandersetzung mit dem Partner, insbesondere in Situationen von Trennung und Scheidung. Gemeinsam ist diesen verschiedenen Rollenzuweisungen, dass sie dem Kind als etwas Fremdes übergestülpt werden, also dessen eigenem Wesen und Wollen nicht entsprechen (Richter, H. E. 1968: Eltern, Kind und Neurose).Manche Kinder werden von einem eigenen Elternteil missbraucht. Die Rolle des anderen Elternteils bleibt dabei oft undeutlich: nicht zur Kenntnis nehmend, duldend, untätig, um die Aufrechterhaltung der eigenen Partnerschaft bemüht. Klärung wie auch Abgrenzung und Trennung ist in diesen Fällen oft erst viele Jahre später möglich, nach Eintreten von Volljährigkeit und Auszug, in einer eigenen Partnerschaft und mit fachlicher Hilfe. Im Falle von Trennung und Scheidung wird das Kind besonders gern in die Rolle des umstrittenen Bundesgenossen eingeführt. Die Eltern streiten darüber, bei wem das Kind es besser hat. Aber dem Kind geht es dabei schlechter. Über Kinder kann man in diesem Zusammenhang sagen: Auch wenn sie unter dem Dauerstreit der Eltern leiden, so ziehen sie doch in aller Regel eine Trennung der Eltern als Lösung des Problems nicht in Betracht und sind totunglücklich, wenn die Eltern diesen Schritt vollziehen. 8. Familiäre InszenierungenÄhnlich wie bei den Rollenzuweisungen verhält es sich in den Fällen, in denen eine Familie in bestimmter Weise rigide inszeniert wird: ängstlich, paranoid, hysterisch, depressiv, zwanghaft oder auf andere Weise einseitig in einem bestimmten eingeschränkten Weltbild. Die Initiative geht hier in der Regel von Vater oder Mutter aus, die die restlichen Mitglieder der Familie in dieses Szenario hineinziehen. Wenn sich der Partner oder die Kinder widersetzen, so gilt dies bereits als Bestätigung für die Richtigkeit der bestehenden Gefährdung von Seiten der Außenwelt und als Bestätigung für die Notwendigkeit, diesen neurotischen Stil zu wählen. Der Druck, die gewählte Methode der Gefahrenabwehr beizubehalten, nimmt entsprechend zu.9. Regeln für die partnerschaftliche KonfliktklärungTrotz dieser Fülle möglicher Konflikte, die im Zuge der Kindererziehung in der Partnerschaft der Eltern auftreten können, erleben viele Menschen ihr Familienleben als überwiegend glücklich. Bei der Besprechung konflikthafter Themen erweisen sich oft folgende Regeln als hilfreich:
Autor
Prof. Dr. Jörg Fengler ist Professor der Heilpädagogischen Psychologie an der Universität Köln mit den Schwerpunkten in Forschung und Lehre: Klinische und Pädagogische Psychologie, Supervision, Sucht-Prophylaxe, Burnout-Prophylaxe und Evaluation psychosozialer Interventionen. Er ist Psychotherapeut, Gruppendynamik-Trainer, Supervisor und Lehrsupervisor.
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Prof. Dr. Jörg Fengler | ||
Letzte Änderung: 14.03.2005 15:59:34 |