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![]() Im folgenden Artikel werden in einer Übersicht die wichtigsten Entwicklungsschritte der kindlichen Sexualität vom Säugling bis zum Teenager erläutert. Hier finden Eltern wichtige grundlegende Informationen und praktische Ratschläge und Tipps, wie sie an dieses Thema zusammen mit ihren Kindern herangehen können. Die kindliche Sexualität als Lernerfahrung und wichtiger EntwicklungsbestandteilVielleicht verwundert dieser Gedanke jetzt einige Eltern etwas, aber es ist eine Tatsache: Die Entwicklung der kindlichen Sexualität beginnt nicht erst mit den Teenagerjahren, sondern findet ihren Anfang schon im Säuglingsalter.Bereits vor der Geburt ist das Kind ein Wesen, das mit Sinnen ausgestattet ist und seine Welt und Umgebung über seine ersten sinnlichen und lustvollen Erfahrungen kennen lernt. Das Sinnliche und Lustvolle an den Erfahrungen ist wichtig für die weitere Entwicklung: Es macht die Erfahrungen angenehm und schön und stellt so sicher, dass das Kind sie gerne macht, deshalb wiederholt und so daraus lernen kann. Wären Sinneseindrücke nur negativ bzw. unangenehm so würde der Mensch sie meiden. Es wäre also nicht gewährleistet, dass Lernprozesse gestartet werden können bzw. eine Entwicklung hin zu einem gesunden Menschen ablaufen kann. Geht man nun noch einen gedanklichen Schritt weiter, so lässt sich folgendes daraus schließen: Die Tatsache, dass gerade sinnliche, positive und lustvolle Erfahrungen eine gesunde Sexualität ausmachen, hat einen wichtigen und plausibel erklärbaren Zweck in der Entwicklung des Menschen: sie stellt sicher, dass der Mensch aufgrund der positiven Gefühle, die er mit der Sexualität verbindet das Bedürfnis hat, sich fortzupflanzen - auf diese Art und Weise stellt die Natur sicher, dass sich die menschliche Rasse weiterentwickelt und nicht ausstirbt. Sinnliche Erfahrungen vor der GeburtBereits vor der Geburt kann man bei den Ungeborenen beobachten, dass sie an den Daumen / Fingern nuckeln, bzw. über den Mund Fruchtwasser aufnehmen und schlucken. Ebenso bewegen sie sich in der Gebärmutter, schwimmen regelrecht (solange der Platz dazu vorhanden ist), und können so über ihre Haut den Kontakt zum warmen Fruchtwasser fühlen, das sie umgibt und bei jeder Bewegung sanft streichelt.Weiterhin können sie bereits hören und Geräusche aus ihrer Umgebung wahrnehmen. Dabei spielt die Stimme der Mutter eine große Rolle. Es hat sich z.B. auch gezeigt, dass Ungeborene schon eine gewisse Vorliebe für harmonische Musik, wie z.B. klassische Musik, haben. Man nimmt an, dass diese die Entwicklung der Nervenzellen im Gehirn des Ungeborenen stimulieren kann. Außerdem wirkt sie beruhigend und ausgleichend auf das Kind. Dies sind nur einige Beispiele erster grundlegender Kontaktaufnahmen mit seiner Umwelt, mit denen das Kind seine Umwelt wahrnehmen kann, erste Reize verarbeitet und so in seiner Entwicklung gefördert wird. Sinnliche Kontaktaufnahme nach der GeburtAuch direkt nach der Geburt machen Säuglinge umfassende sinnliche Erfahrungen. Dies geschieht zu Beginn vorwiegend über den Mund: der Säugling entdeckt und erlebt schöne und wohlige Gefühle, die einer der ersten Ausdrücke der kindlichen Sexualität sind. Das Saugen und Nuckeln an Mamas Brust oder an der Flasche, wenn das Kind hungrig ist, macht sinnlich Freude und befriedigt das elementare Bedürfnis des Hungers. Gleichzeitig nimmt der Säugling den Geruch der Mutter wahr, anhand dessen er sie in Zukunft identifizieren kann.Der Mund ist in dieser Phase ein wichtiges Sinnesorgan, über das das Kind seine Umwelt wahrnimmt. Die sinnliche Freude am Nuckeln und Saugen überträgt sich nur kurze Zeit später auf Gegenstände wie Schnuller, Daumen oder Schmusetuch. Neben der Freude und Entspannung, die diese Tätigkeiten mit sich bringen, erfüllt dieses Verhalten einen weiteren wichtigen Zweck: für das Kind interessante Gegenstände werden erkundet und ausprobiert. Durch das In-den-Mund-nehmen nimmt das Kind Informationen über den jeweiligen Gegenstand auf und verarbeitet sie. Es erfährt so die Oberfläche und ihre Beschaffenheit, nimmt den Geruch und den Geschmack wahr. Zusätzlich erlebt es durch Tasten mit den Händen die Form und das Gewicht des gesamten Gegenstands. Die Haut - ein sinnliches OrganWeitere sinnliche Eindrücke nimmt das Kind über seine Haut wahr. Sie ist generell das größte Sinnesorgan des menschlichen Körpers. Über ihre empfindliche und mit feinsten Nerven durchzogene Oberfläche nimmt der Mensch schon als Kleinkind vielfältige Kontakte zur Umwelt auf. Das Schmusen, Waschen/Baden und Eincremen sind nur drei der häufigsten Beispiele, mit denen ein Säugling täglich über seine Haut Kontakte zur Außenwelt aufnimmt, Reize erfährt, und so seine Umwelt kennen lernt. Bei der Berührung der warmen und weichen Haut von Mama oder Papa erlebt er Geborgenheit und Schutz. Er nimmt den Eigengeruch der jeweiligen Person auf, erkennt daran Mutter und Vater und lernt sie zu unterscheiden.Die ersten MonateMit wenigen Monaten lernt das Kind zu greifen und etwas anzufassen. Neben der Erkundung seiner Umwelt beginnt das Kind nun auch den eigenen Körper inklusive seiner Genitalien zu erforschen und erkennt, dass diese Berührungen angenehme Gefühle auslösen können. Schon in diesem Alter kann man manchmal beobachten, dass Jungen und Mädchen zur Entspannung an den eigenen Genitalien spielen und an ihnen reiben. Erste Erektionen beispielsweise, sind bei Jungen in diesem frühen Lebensalter nichts Ungewöhnliches und sind absolut normal.Die ersten LebensjahreAb dem zweiten, dritten Lebensjahr entwickeln Kinder ihre Sprache. Sie erfahren, dass alle Dinge um sie herum, die sie im Laufe ihres ersten Lebensjahres über Sehen, Hören, Tasten usw. kennen gelernt haben, auch eigene Namen haben. Sie zeigen darauf und wollen wissen wie der Gegenstand heißt. Durch ständiges Nachfragen lernen Kinder. Der Wortschatz erweitert sich, das Kind lernt zu unterscheiden, Zusammenhänge herzustellen und seine Welt zu ordnen. Da werden natürlich auch die Geschlechtsorgane mit einbezogen. Kinder beginnen nun bewusst, ihre Geschlechtsorgane zu untersuchen und zu stimulieren und erkennen, dass sie ein Mädchen oder ein Junge sind.Die sexuelle IdentitätDie sexuelle Identität entwickelt sich. Sie erkennen erstmals, dass die Stimulation lustvolle Gefühle hervorruft und erleben durchaus schon so etwas wie erste Orgasmen. Auch die Ausscheidungen werden nun für das Kind interessant, es erlernt die eigene Kontrolle über die Schließmuskulatur und erfährt dabei auch, dass das bewusste Loslassen und Zurückhalten lustvoll sein kann.Der kleine UnterschiedIm Alter zwischen vier und fünf Jahren beginnen Kinder sich für den Unterschied zwischen Mädchen und Jungen, Mann und Frau zu interessieren. Sie stellen Fragen danach, woher sie kommen bzw. wie sie auf die Welt gekommen sind. Das Interesse an sexuellen Dingen wächst stark, die ersten Doktorspiele können nun Thema werden. Hierbei beschäftigen sich die Kinder über das spielerische Miteinander mit dem Körper eines anderen Kindes. Sie lernen ihn kennen und erleben, dass andere Kinder auch so aussehen wie sie selbst. Sie erkennen, dass es neben dem eigenen Geschlecht ein zweites gibt, das seine eigenen Besonderheiten hat und anders aussieht als das eigene Geschlecht.Puppenmama und CowboyDie Geschlechterrolle des Kindes bildet sich weiter aus. Als "Puppenmama" oder "schöne Prinzessin", oder als "Macho" oder "Cowboy" werden die Geschlechterrollen im Spiel erprobt und gefestigt. Mädchen umgarnen unter Umständen jetzt den Vater, Jungen machen der Mutter vielleicht Heiratsanträge: "Wenn ich groß bin, heirate ich Dich!". Gleichzeitig können sie auf den gleichgeschlechtlichen Elternteil mit Eifersucht reagieren.Nach dem fünften Lebensjahr beginnen Kinder verstärkt, sich mit gleichgeschlechtlichen Spielpartnern zu beschäftigen. Das stärkt noch einmal die Definition und Ausreifung der eigenen Geschlechterrolle. Oft bringen die Kinder jetzt aus dem Kindergarten umgangssprachliche Begriffe mit wie "Schwanz" für Penis oder "Möse" bzw. "Pussi" für die Scheide, und miteinander schlafen wird zu "ficken", "bumsen" oder "vögeln". Eltern sollten sich von dieser kindlichen Offenheit nicht erschrecken lassen, Kinder sind neugierig und stellen viele Fragen. Trotz alledem erwarten sie keine langen Vorträge und Erklärungen. Sie sind neugierig und wollen einfach wissen, was sie selbst, ihren Körper und den anderer Menschen, und damit unmittelbar auch die Eltern angeht. Vielleicht kann man mit den Kindern gemeinsam in einem Sexualaufklärungsbuch für Kinder blättern oder im Lexikon etwas gemeinsam nachschlagen. Es gibt ausführliche Ratgeber und kindgerechte Bücher, in denen diese Themen fachgerecht erarbeitet werden. Ist das peinlich!?Eltern dürfen auch ruhig mal sagen, wenn sie etwas nicht genau wissen. Man muss nicht alles genauestens erklären können. Wichtig ist, dass man sich mit dem Kind regelmäßig und vertraut austauschen kann und auf seine Gefühle eingeht. Es kann für das Kind auch sehr lehrreich und hilfreich sein, wenn es merkt, dass es auch Erwachsenen nicht immer leicht fällt, über intime Dinge zu reden bzw. zu erzählen, welche Tabus es in der eigenen Kindheit gab. Ein offenes Gespräch vermittelt dem Kind auf jeden Fall, dass seine Fragen und seine Person ernst genommen werden und dass es keinen Grund gibt, sich für diese Themen zu schämen oder sie zu verheimlichen."Dafür bist Du noch zu klein""Dafür bist Du zu klein." oder "Das verstehst Du nicht." - solche Sätze helfen niemandem weiter, weder den Eltern noch dem Kind. Das Kind fühlt sich dadurch alleine gelassen. Auch das berühmte Märchen vom Klapperstorch sollte man vermeiden. Dadurch vermitteln Eltern falsches Wissen und laufen Gefahr, das Vertrauen der Kinder zu verspielen - früher oder später erfährt und versteht das Kind, dass es den Klapperstorch nicht gibt, sondern dass der Mensch auf anderem Wege entsteht. Fragt das Kind nach der Herkunft von Kindern, so genügt es zu diesem Zeitpunkt meist schon, wenn man ihm erklärt, dass sie im Bauch der Mutter wachsen.Der SchuleintrittIn der Zeit zwischen dem Schuleintritt und dem 10. Lebensjahr setzt sich die sexuelle Entwicklung etwas zur Ruhe: Schamgefühle erwachsen und die Kinder beginnen sich von den Eltern abzugrenzen und weisen öfter körperliche Zärtlichkeiten und Nähe zurück. Gleichzeitig werden sie in ihrem zwischenmenschlichen Leben selbstständiger. Sie sind nun gerne in kleinen Grüppchen zusammen, wobei zu bemerken ist, dass Jungen größere Gruppierungen bevorzugen. Die Jungen- und Mädchengruppen treten in diesem Alter im Rahmen von spielerischen Neckereien in Kontakt. Obwohl man das andere Geschlecht momentan "doof" findet, sind diese Spielereien doch sehr aufregend und bezwecken die Auseinandersetzung mit und den Ausbau von gegengeschlechtlichen Beziehungen.Die PubertätUngefähr mit dem 11.Lebensjahr setzt die Pubertät ein und der Körper beginnt sich durch die vermehrt ausgeschütteten Geschlechtshormone rasant zu verändern. Mädchen werden mit der ersten Regelblutung zwischen 11 und 16 Jahren geschlechtsreif; Jungen erleben erstmals zwischen 10 und 12 Jahren ihren ersten Samenerguss. Die kindliche, auf sich selbst bezogene Sexualität wendet sich nun langsam einem Partner zu. Sexuelle Phantasien entwickeln sich nun und beginnen eine Rolle zu spielen. Fast alle Jugendlichen machen ihre ersten Erfahrungen mit Selbstbefriedigung. Ebenso kommt es zu den ersten sexuellen Kontakten.Dadurch dass die Hormone in dieser Zeit verrückt spielen, leiden die Jugendlichen stark unter Stimmungsschwankungen und innerer Zerrissenheit. Dazu fällt es ihnen oft schwer, ihr verändertes Äußeres anzunehmen, das sich im Laufe dieser Zeit rasant verändert. In dieser schwierigen Zeit sollten Eltern versuchen, ihren Kindern als guter Freund zur Seite zu stehen und sich ihren Fragen und Ängsten zu öffnen. Die AufklärungEine gelungene Sexualerziehung beginnt nicht mit einem der berühmten "Aufklärungsgespräche", die mit Sicherheit viele noch als vielleicht ziemlich peinliche und verkrampfte Angelegenheit in Erinnerung an ihre Kindertage haben. Eine gelungene Sexualerziehung sollte dem Kind am besten von Geburt an ein positives Gefühl, eine positive Einstellung zum eigenen Körper vermitteln. Geborgenheit, Vertrauen, Körperkontakt und schöne, sinnliche Erlebnisse und Erfahrungen bilden die Basis für die spätere Beziehungs- und Liebesfähigkeit eine jeden Menschen. Ein Mensch, der offen und selbstverständlich mit sich und seinem Körper umgehen kann, fühlt sich selbstbewusst, geliebt und akzeptiert. Dies bildet die Grundlage zu einem gesunden und starken Selbstbewusstsein.Eltern und ihre SexualitätKinder spüren schon von klein auf, wie die Eltern zu ihrem Körper und damit zu ihrer Sexualität und dem männlichen und weiblichen Rollenverhalten stehen. Sie übernehmen vieles davon unbewusst und unreflektiert in ihr weiteres Leben. Auf Fragen und Neugierde der Kinder sollten die Eltern antworten und die Sinnlichkeit und Entdeckung der eigenen Körperlichkeit des Kindes fördern.Deshalb ist es sehr wichtig, sorgfältig, behutsam und aufmerksam an dieses Thema heranzugehen. Möglichst ohne Schweißausbrüche und übermäßigen Stress, denn es geht doch schließlich um eine der schönsten Sachen der Welt. Je entspannter und natürlicher Eltern mit den Themen Körperlichkeit und Sexualität umgehen können, umso mehr profitiert auch der Nachwuchs davon. Ein kleiner Rat zum SchlussEins zum Trost bei diesem heiklen Thema: Niemand bleibt beim Thema Sex sachlich und gelassen - das müssen auch die Eltern nicht. Für die Kinder ist es wichtig zu begreifen und vermittelt zu bekommen, dass auch sie als Erwachsene persönliche Grenzen besitzen. Kinder in ihrer sexuellen Entwicklung zu begleiten ist eine Aufgabe, die in jeder Entwicklungsstufe ein Thema sein wird. In jedem Alter stellt diese Aufgabe andere Ansprüche an die Eltern.Der Mensch empfindet nicht erst Lust, wenn er in die Pubertät kommt: sie gehört vom ersten Augenblick des Lebens dazu. Oft ist den Eltern, den Erwachsenen allgemein, der Ausdruck kindlicher Sexualität unangenehm - sowas ist doch nur was für die "Grossen"! Es ist aber wichtig zu erkennen, dass die Sexualität nicht erst mit dem Erwachsensein beginnt. Sie ist zeitlebens ein wichtiger, lebenserhaltender Teil des menschlichen Daseins, der es verdient, als etwas Positives und Schönes gesehen und erlebt zu werden. Eltern haben als Vorbilder und Wegweiser ihrer Kinder die Aufgabe und die Pflicht, ihren Kindern dieses Thema positiv und selbstbewusst nahe zu bringen und sie auf dem Weg des Erwachsenwerdens auch in diesem Bereich zu unterstützen. Versuchen Sie, so unvoreingenommen wie es Ihnen möglich ist an das Thema heranzugehen. Entdecken sie gemeinsam mit Ihrem Kind die Sexualität und die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen. Es gibt mittlerweile hervorragende Literatur zu diesem Thema. Bereits für die Kleinsten gibt es Bilderbücher, in denen dieses Thema altersgerecht und pädagogisch sinnvoll bearbeitet wird. Literatur
Helmut Lukesch: Auswirkungen elterlicher Erziehungsstile.
Verlag für Psychologie, Dr.C.J.Hogrefe, Göttingen, Toronto, Zürich, 1975 Quelle
www.hoppsala.de, Unterbereich Erziehung AutorinSonja Lobbe, geb. Schmitt
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Sonja Lobbe | ||
Letzte Änderung: 26.10.2004 13:03:19 |