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![]() Der Wechsel des Kindes vom Kindergarten in die Schule wurde im Staatsinstitut für Frühpädagogik aus drei Blickwinkeln untersucht. Befragt wurden Erzieherinnen, Eltern und Kinder. An 450 repräsentativ ausgewählte Kindergärten in Bayern wurde je ein Fragebogenpaar über ein erstgeborenes Kind, das die Erzieherin seit Beginn des Kindergartenbesuches kennen sollte, verschickt. Der zweite Fragebogen sollte von den Eltern dieses Kindes ausgefüllt werden. Die Rücklaufquote der Fragebögen war gut (ca. 33 %), mit einem ausgewogenen Verhältnis von Mädchen und Jungen (85/77) und einer guten Streuung von Bildungsabschlüssen und Erwerbstätigkeit der Eltern. 27 Kinder wurden am Ende des letzten Kindergartenjahres, 3 Monate nach Schuleintritt und nach Erhalt des ersten Halbjahreszeugnisses interviewt. Die Eltern dieser Kinder wurden drei und sechs Monate nach dem Schuleintritt interviewt. Hintergrund ist die Übergangstheorie, die die Autoren im Zusammenhang mit dem Start in den Kindergarten ausführlich dargestellt haben (Niesel & Griebel, 2000). Der Übergang vom Kindergarten in die Grundschule: Was Eltern wissen wollen"Unser Kind kommt bald in die Schule ..." - im letzten Kindergartenjahr gewinnt dieses Thema für Eltern zunehmend an Bedeutung. Wir wollen dies aus der Sicht von Eltern und Kindern beleuchten, und zeigen, wie Erzieherinnen Familien unterstützen können.Während sich die meisten Kinder auf die Schule und auf ihren neuen Status als Schulkind freuen, mischt sich bei vielen Eltern in die Freude und den Stolz über ihr "großes" Kind auch Traurigkeit und Wehmut über das Ende eines unbeschwerten Abschnittes der Kindheit. Der vielzitierte "Ernst des Lebens" steht bevor. Eltern wünschen sich und ihrem Kind, dass der Schulalltag möglichst vom ersten Tag an problemlos laufen möge und gute Leistungen sich von Beginn an einstellen. Nicht wenige Eltern sprechen im Zusammenhang mit dem Schuleintritt auch schon die weitere Schullaufbahn ihrer Kinder an. Eltern möchten daher den Start ihres Kindes in die Schule möglichst optimal gestalten. In den Gesprächen mit den Eltern ließen sich folgende Strategien erkennen:
In allen Fragen der Schulvorbereitung und des Übergangs ist für Eltern die Erzieherin die erste Ansprechpartnerin. Sie ist die Fachfrau, die die Entwicklung des Kindes begleitet hat und über Erfahrung und fachliche Kompetenz verfügt und bei besonderen Problemstellungen beim Übergang zum Schulkind die entsprechenden Beratungsangebote in der Kommune kennt. Vertreter der Schule stehen nur selten vor dem Eintritt als Informationsquelle zur Verfügung. Zu den wichtigen Themen, die Erzieherinnen mit den Eltern von Vorschulkindern in Einzelgesprächen oder auf Elternabenden besprechen können, gehören Erwartungen und Vorstellungen über Anforderungen der Schule. Wenn Eltern an die Vorbereitung ihres Kindes auf die Schule denken, konzentrieren sie sich häufig auf die kognitiven Anforderungen und die Erwartungen, die an das Verhalten eines Schulkindes gestellt werden. Stärker als im Kindergarten erwarten sie im Falle der Nichterfüllung der neuen Rollenanforderungen für ihr Kind negative Konsequenzen. Dabei lassen sich Eltern von ihren eigenen Schulerfahrungen und vom "Hörensagen" leiten. Erzieherinnen können Eltern entlasten, wenn sie - möglichst in Kooperation mit der Grundschule - ihnen mehr Klarheit darüber verschaffen, was ein Kind am Ende der Kindergartenzeit können sollte und was es erst in der Schule lernen wird. Dazu gehört das Konzept der Schulvorbeitung in der Einrichtung. Werden z.B. Vorschulmappen oder -blätter eingesetzt? Wenn "ja" warum, wenn "nein" - warum nicht? Zu bedenken ist auch, dass Eltern häufig selber Schulvorbereitung betreiben. In unserer Untersuchung zeigte sich, dass insbesondere die Kinder, die in der Einrichtung mit Vorschulmappen und -blättern arbeiten, dies zusätzlich in der Familie tun. Eltern sollten wissen, dass z.B. auch eine Nachtwanderung oder das Lernen eines Zaubertricks zur Schulvorbereitung gehören, weil Selbstbewusstsein, Wissbegier und Lernfreude gefördert werden. Vielleicht haben Kinder das Schulespielen entdeckt und daraus ist eine regelmäßige Aktivität geworden? Auch dies kann als Schulvorbeitung im Sinne der Vorwegnahme und Einübung von neuen Anforderungen gesehen werden. Die Perspektive erweiternEltern müssen wissen, dass die Bewältigung des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule mehr Bereiche betrifft als "nur" das Erfüllen der neuen Rollenanforderungen. Auf der Ebene der Beziehungen werden große Veränderungen stattfinden. Um seinen Platz in der Schule zu finden, muss sich das Kind selbständig in einem neuen Beziehungsnetz von Erwachsenen und Kindern zurechtfinden. Wenn es ihm gelingt, Beziehungen anzubahnen, aufzubauen und weiter zu entwickeln, ist eine wichtige Voraussetzung dafür erfüllt, dass sich das Kind in der Schule wohlfühlt und gute Leistungen erbringen kann. Vielfältige Beziehungserfahrungen in der Kindertragesstätte sind eine gute Vorbereitung dafür.Auch zwischen Kind und Eltern wird sich die Beziehung verändern: Zum einen streben die Kinder nach mehr Unabhängigkeit und Selbständigkeit, zum anderen üben die Eltern mehr Kontrolle aus, indem sie die Leistungen ihrer Kinder loben oder kritisieren, was für die Kinder im Vergleich zum Kindergarten eine neue Erfahrung ist. Die Hausaufgaben repräsentieren den Einfluss der Schule auf die Familie und sind nicht selten eine Quelle für Konflikte. Um die Anforderungen der beiden sozialen Systeme Familie und Schule in Einklang zu bringen, müssen Eltern ihren Tagesablauf und ihre Formen der Arbeitsteilung neu überprüfen und manchmal verändern. Regelmäßigkeit und Pünktlichkeit gewinnen an Bedeutung und die neuen Pflichten werden es mit sich bringen, dass öfter gegen den Wunsch des Kindes entschieden wird. Es kann also sein, dass das Kind die Atmosphäre in der Familie als strenger erlebt. Die Identität des Kindes wird sich wandeln. Als Schulkind fühlt es sich nicht nur "älter" und "größer" als als Kindergartenkind. In der Rangordnung der Schule gehört es nun wieder zu den Kleinen. Es muss auch ein neues Wir-Gefühl für seine Klasse und für seine Schule entwickeln. In den Augen ihrer Eltern hatten die Kinder in unserer Untersuchung sich insgesamt zu selbständigeren, selbstsicheren, wissbegierigen Schulkindern entwickelt. Dieser Ausdruck von kindlichem Wohlbefinden ist eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches soziales und kognitives Lernen. Eltern entwickelten im ersten halben Jahr nach der Einschulung ihrer Kinder ein neues Gefühl der Identität als Schulkind-Eltern. Übergänge sind immer mit starken Emotionen verbunden. Die Trennung von den Eltern ist beim Eintritt in die Schule für die Kinder in der Regel kein Problem mehr. Dennoch kann es zu Tränen, Anklammern oder anderen Ausdrucksformen von Ängstlichkeit kommen. Dies sind keine Anzeichen von Unreife oder Verhaltensauffälligkeiten, sondern Ausdruck einer momentanen Überforderung, die im Verlauf der Übergangsbewältigung zugunsten einer positiven Grundstimmung verschwinden wird. Genügend Zeit einräumenAm Ende der Kindergartenzeit soll ein Kind bereit sein, ein Schulkind zu werden. Ein "fertiges" Schulkind wird es erst in der Schule. Wenn es ein kompetentes Schulkind geworden ist, empfindet es sich in der Schule als an dem Ort, an den es für einen Teil des Tages gehört, wo es sich wohlfühlt. Dann kann es die Angebote, die ihm die Schule für seine geistige, soziale und körperliche Entwicklung bietet, altersgemäß nutzen. Übergänge werden in der Forschung als Phasen von verdichteten Entwicklungsanforderungen bezeichnet. Die Bewältigung der Anforderungen in den verschiedenen Bereichen ist ein Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum erstrecken kann, der lange vor dem eigentlichen Ereignis - dem Eintritt in die Schule - beginnt und einen Teil des ersten Schuljahres in Anspruch nimmt - eine Zeit, die Kinder und Eltern brauchen.... und das sagen die Kinder
Kathrin: Literatur
Kalwitzki, S.: Unser Kind kommt in die Schule. Elternfragen zum Schulanfang. München: dtv 1996 Quelle
Kinderzeit. Magazin für ErzieherInnen und Eltern 2000, Heft 2, S. 12 - 14 unter dem Titel: "Wir kommen in die Schule! Willkommen in der Schule?" Die Autoren
Wilfried Griebel, geb. 1951, Diplom-Psychologe, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Staatsinstitut für Frühpädagogik in München. Adresse
Staatsinstitut für Frühpädagogik | ||
Letzte Änderung: 20.04.2009 15:30:43 |