ZUM TEXTHauptmenüHauptseiteFamilienhandbuch-Forum Stichwortsuche von A bis ZAktivitäten mit KindernAngebote/Hilfen Behinderung Elternschaft Ernährung Erziehungsbereiche Erziehungsfragen Familie und Beruf Familienbildung Familienforschung Familienpolitik Gesundheit Häufige Probleme Haushalt/Finanzen Jugendforschung Kindertagesbetreuung Kindheitsforschung Kindliche Entwicklung Leistungen für Familien Partnerschaft Rechtsfragen Schule Teil- und Stieffamilien Trennung/Scheidung VerschiedenesImpressumKontakt | ZUM MENÜZeitmanagement im FamilienalltagRegina Hilsberg "Jetzt beeil dich aber mal!" - wie oft am Tag sagen Sie diesen Satz? Schnell machen zu müssen, das ist ein Druck, dem wir alle ausgesetzt sind. "Effektivität steigern" ist das (angebliche) Zauberwort, mit dem Betriebe glauben, ihre Probleme lösen zu können. Dieses Bestreben unterwandert ganz klammheimlich unser gesellschaftliches Leben auch in Bereichen, in denen wir denken, dass es dort erst einmal nichts zu suchen hat. Zum Beispiel in der Familie. Die Familie ist ja so etwas wie ein kleiner Betrieb, der funktionieren muss. Natürlich wollen wir uns in der Familie in erster Linie geborgen fühlen und bezeichnen sie als den Gegenpol zur "Arbeit". Aber dieses Geborgenheitsgefühl deckt noch keinen Frühstückstisch und wäscht kein verschwitztes T-Shirt. Bei aller Liebe muss in der Familie eben doch eine Menge praktischer Alltag bewältigt werden. Wie Sie das schaffen können und dabei noch ein erfreuliches Familienleben führen, dazu möchte ich Ihnen im Folgenden ein paar Tipps geben - ich habe sie alle in meiner sechsköpfigen Familie ausprobiert! Sie finden sie in den folgenden vier Abschnitten dieses Beitrags:
Jetzt mach' mal schnell! Über das unterschiedliche Zeitempfinden von Kindern und ErwachsenenVermutlich haben Sie diesen Artikel angeklickt, weil Sie wie viele Ihrer Zeitgenossen immer wieder das Gefühl von Zeitknappheit haben. Aber womit "fühlen" wir eigentlich "Zeit"?Für Licht, Geräusche, Oberflächen und Gewichte haben wir angeborene Wahrnehmungssinne: Augen, Ohren, Haut, Muskeln. Das Vergehen von Zeit können wir aber nicht spüren; wir haben kein Sinnesorgan dafür. Die innere Uhr, mit der wir abschätzen, wie die Zeit vergeht, bildet sich erst im Lauf der Kindheit. Das funktioniert etwa so: Jeden Tag erlebt ein Kind, dass es morgens hell wird und abends wieder dunkel. Und parallel zu diesem Gang der Sonne merkt es, dass es eine bestimmte Menge Tätigkeiten ausführen kann, bis es dunkel wird. Die Länge des Tages wird also über die Gleichzeitigkeit der Sonnenbewegung und der darin eingepassten menschlichen Tätigkeit definiert. Nun hat man aus praktischen Gründen ein Gerät erfunden, das eine ebenso gleichförmige Aktion vollbringt wie die Sonne, aber auch bei Regenwetter sichtbar ist: die Uhr. Nun kann man sich selbst in seinen Aktionen mit diesem Zeiger vergleichen. Kindern fällt das schwer. Denn ein Kind begreift erst frühestens im Schulalter, dass der Rest der Welt auch unabhängig von ihm seinen Gang geht - dass der Bus mit dem Abfahren eben nicht darauf wartet, bis es seine Schuhe zugebunden hat. Auch Geschwindigkeit kann ein Kind noch nicht einschätzen. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen und findet sogar seinen Niederschlag im Verkehrsrecht, das bei Unfällen mit Kindern immer dem Erwachsenen die Schuld gibt, auch wenn das Kind sich nicht vorschriftsmäßig verhalten hat. Zu wissen, wie man in gleichzeitig und verschieden schnell ablaufende Aktionen seine eigenen Tätigkeiten "einpassen" kann - das ist eine große Kunst. Auch wir Erwachsenen beherrschen sie unterschiedlich gut. Es gibt Menschen, die mit ihrer Zeit stets gut zurechtkommen, und andere, die sich immer zu viel vornehmen und ständig zu spät kommen. Beim Zeitmanagement in der Familie haben wir es nun mit einer Gruppe von Menschen zu tun, die sehr unterschiedlich entwickelte innere Uhren haben. Da gibt es vielleicht einen Elternteil, der immer pünktlich und planvoll handelt, einen, der eher spontan ist und vieles "auf den letzten Drücker" erledigt, ein Kleinkind, das jeden Morgen glaubt, die Welt bestünde nur aus seinem Müsliteller und dem Kakao, mit dem man so herrlich Kanäle durch die Haferflocken ziehen kann, einem Schulkind, dem morgens beim Ranzenpacken einfällt, dass es das Einmalsieben noch üben muss, weil es heute eine Mathearbeit schreibt, und einem Teenager, der abends um sieben fragt, ob Papa ihn mal kurz zu seinem Freund fährt, da steigt nämlich eine Fete mit eine paar Austauschschülern... Was tun?
Wie sieht's bei dir denn wieder aus! Über den Ordnungssinn von Kinder und JugendlichenEs ist ein Dauerbrenner in fast allen Familien: das leidige Aufräumen. Kinder haben andere Ordnungsvorstellungen als Erwachsene - wenn sie denn überhaupt welche haben.Kinder müssen, wenn sie auf die Welt kommen, zunächst einmal unendlich viel lernen. Sie müssen in ihrem kleinen Kopf speichern, wie die Welt aussieht: dass die Stühle am Tisch stehen, dass die Haustür nach draußen führt, dass das Essen auf den Teller gelegt wird, dass man durch das Telefon hindurch mit Oma sprechen kann, dass Löwenzahn in der Wiese wächst und dass es Wurst beim Fleischer gibt. Und und und Kinder hinterfragen das alles nicht. Sie sammeln all diese Eindrücke, und so entsteht in ihrem Kopf ein buntes Bilderbuch der Welt. Und nun kommen die Erwachsenen daher und behaupten, dass es in dieser Welt einen Bereich gibt, an dem sie herumräumen sollen, nämlich ihr Zimmer. Dabei ist ihr Geist in erster Linie darauf eingestellt, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Wenn die Socken neben dem aufgeklappten Bilderbuch auf der Erde herumfliegen, dann liegen sie gerade so da wie der dicke Stein, an dem sie auf ihrem Schulweg täglich vorbeikommen - den räumt schließlich auch keiner weg. Aufräumen heißt, der Welt einen kleinen Bereich zu entreißen und selbst zu gestalten - und zwar nach Maßstäben, die man sich einmal ausgedacht hat und an denen man über lange Zeit festhält. Das fällt Kindern schwer. Sie gestalten zwar auch gerne kleine Lebensbereiche, aber das geschieht im Spiel. Spielend können Kinder wunderbare Ordnungen schaffen: Puppenwohnungen, unglaubliche Bauten aus Bauklötzen und Bauernhöfe auf dem Kinderzimmerteppich... Aber diese Ordnungen in die abstrakte Grundordnung ihres Zimmers zurück zu verwandeln, bedeutet für Kinder eine Anstrengung der besonderen Art. Denn Aufräumen ist eigentlich ein geistiger Akt, auch wenn man körperlich von einer Ecke des Zimmers in die andere läuft und dabei Dinge von einem Ort zum anderen trägt. Aufräumen ist in erster Linie Kategorisierung von Gegenständen. Es geht nicht um das rote T-Shirt, die Barbie mit dem hellblauen Kleid, die Schranke von der Holzeisenbahn und den grünen Buntstift, sondern um Kleidung, Puppen, Eisenbahnzubehör und Malzeug. Diese zusammenfassenden Kategorien bilden sich im Kopf des Kindes viel langsamer, als uns Erwachsenen lieb ist. Selbst Teenager können noch völlig verzweifelt in ihrem mit Gegenständen übersäten Zimmer sitzen und nicht wissen, wie sie es anfangen sollen, das alles zu sortieren. Die Eigenart von Kindern, im Gegensatz von Erwachsenen Unordnung leichter akzeptieren zu können, weil sie sie einfach als ein Stück Welt nehmen, das sie sich einprägen müssen, bedeutet aber nicht, dass ihnen Unordnung nichts ausmacht. Sie brauchen freie Räume, um ihre eigenen Spielräume aufbauen zu können - und ein solcher freier Raum ist ein aufgeräumtes Spielzimmer. Was tun?
Das machen wir jetzt zusammen! Über die Vielschichtigkeit von FamilienzeitWenn Sie versuchen, gängige Zeitmanagement-Ratgeber auf Ihr Familienleben anzuwenden, werden Sie ganz schnell auf Schwierigkeiten stoßen. In diesen Ratgebern ist viel die Rede davon, dass Sie Prioritäten setzen müssen, dass Sie Arbeiten delegieren sollen, dass Sie sich nicht mit Privatem aufhalten sollen, dass Sie sich nicht ablenken lassen und nicht mehrere Dinge gleichzeitig tun sollen. Für den reibungslosen Ablauf betrieblicher Arbeit mag das alles stimmen - in der Familie kann gerade ein solches Verhalten aber die Hektik noch erhöhen.Denn Familienleben funktioniert nicht mehr,
In vielen Erziehungsratgebern ist die Rede von "Qualitätszeit" im Gegensatz zu "Quantitätszeit". Damit ist gemeint, dass Kinder mehr davon haben, wenn sie die Eltern wenige Stunden intensiv für sich haben, anstatt viele Stunden mit Eltern zu verbringen, die mit ganz anderem beschäftigt sind als mit ihren Kindern. Das ist so wahr wie falsch. Wahr ist, dass es für Kinder nicht förderlich ist, wenn sie von den anwesenden Eltern einfach links liegen gelassen werden. Falsch ist aber die Annahme, dass Kinder es brauchen, ständig im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Eltern zu stehen. Kinder lieben es, bei dem, was die Eltern tun, einfach dabei zu sein. Ein Beispiel: Eine Mutter will am Freitagnachmittag nach der Arbeit unbedingt die Wohnung putzen, damit sie am Samstag mit den Kindern auf den Spielplatz gehen kann. Die Kinder stören dabei, sie tapsen durch den frisch gewischten Flur, stolpern über die Staubsaugerschnur, haben mitten auf dem Teppich, der gesaugt werden soll, eine Wohnung für die Barbies aufgebaut, verteilen das bereit gestellte Scheuerpulver in der Toilette und baden schließlich den Teddy im Putzeimer. Die Frau ist völlig entnervt und hält ihren Kindern immer wieder vor, dass sie doch jetzt nur schnell fertig werden will, damit sie morgen Zeit für sie hat. Ein bisschen übertrieben? Vielleicht. Aber Ähnliches haben Sie sicher schon erlebt. Verwandeln wir das Szenario: "Heute machen wir die Wohnung sauber!" Die Mutter lässt die Sechsjährige den Wassereimer füllen und einen Spritzer Reiniger hineintun. Sie darf dann auch mal mit dem Wischer durch den Flur fahren. Der Dreijährige darf den Staubsauger an- und abstellen, und wenn er das etwas häufiger tut als es unbedingt nötig wäre, hat er doch seinen Spaß dabei - selbst wenn das Saugen für Sie etwas länger dauert. Die Barbiewohnung wird gemeinsam weggeräumt, und in all der Geschäftigkeit gibt es auch noch eine kleine Pause mit Tee und Keksen. Am Abend ist nicht alles fertig, am Samstag muss eben doch noch das Bad geputzt und die Bettwäsche gewechselt werden, das gibt noch einmal einen halben Tag Arbeit für das Team. Vielleicht muss der Spielplatzbesuch sogar gestrichen werden, weil sich für den Nachmittag die Oma angesagt hat - aber ist das wirklich ein Verlust? Die Kinder hatten ihren Spaß, sie haben etwas gelernt, sie hatten die ganze Zeit ihre Mutter um sich, konnten sich mit ihr unterhalten, sie etwas fragen, ein bisschen kuscheln. Ist das keine "Qualitätszeit"? Mein Rat an Sie: Definieren Sie Hausarbeit einfach um von einer lästigen Sache, die schnell erledigt werden muss, zu einem gemeinsamen Erlebnis mit Ihren Kindern! Natürlich kann man nicht jedes Putzen zu einem grandiosen "Event" aufblasen. Aber wenn Sie sich angewöhnen, das, was getan werden muss, gemeinsam zu tun und diese Zeit als gemeinsame Zeit zu verbuchen, haben Sie schon eine Menge Stress aus dem Alltag herausgenommen. Erhalten - Verwalten - Gestalten. Planungshilfen für den FamilienalltagDie Eigenheiten von Kindern und Jugendlichen in Bezug auf Zeit und Ordnung in der Organisation des Alltags zu berücksichtigen, ist ein wichtiger Punkt. Aber auch durch geschickte Planung lässt sich eine Menge Stress abpuffern.Die Familienarbeit besteht im Wesentlichen aus drei Bereichen:
ErhaltenDer MonatsmanagerFür Arbeiten, die zyklisch wiederkehren, empfiehlt es sich, einen rotierenden Plan, einen "Monatsmanager" zu erstellen. Das kostet Sie einen Abend Nachdenken, entlastet Sie aber dann davon, täglich neu überlegen zu müssen, welche Arbeit am dringendsten ansteht. Besorgen Sie sich vier Stundenplanvordrucke, wie Schüler/innen sie verwenden, und dann gehen Sie so vor:
VerwaltenDer KalenderDie unabdingbare "Verwaltungszentrale" einer Familie ist der Kalender, in den alle Familienmitglieder ihre Termine eintragen. Es gibt mittlerweile Familienplaner zu kaufen, bei denen für Eltern und Kinder je eine Spalte vorgesehen ist. Diese Planer sind sehr übersichtlich, haben aber den Nachteil, dass Kinder und Jugendliche dazu neigen, nur ihre Spalte zu beachten, und dabei übersehen, dass ihre Eltern vielleicht gleichzeitig einen Termin haben und nicht "Taxi fahren" können. Wir haben gute Erfahrungen mit einem ganz normalen Wochenübersichts-Kalender gemacht, bei denen lediglich vermerkt wird, wen der jeweilige Termin betrifft. Dabei ist schneller zu sehen, ob es Terminüberschneidungen gibt. Der Essensplan Sofern Ihre Familie nicht überwiegend in Kantinen versorgt wird, empfiehlt sich ein mindestens wochenweise festgelegter Essensplan. Sie wissen, was Sie einkaufen müssen, das tägliche Nachdenken entfällt - und wenn Sie die Kinder in die Planung einbeziehen, findet jeder mindestens einmal pro Woche etwas auf dem Teller, was ihm schmeckt, und ist ein wenig toleranter gegenüber weniger geliebten Speisen. Sie können den Plan auch auf vier Wochen festlegen und mit dem Monatsmanager koppeln; der Zeitraum ist lang genug, dass trotz der festgelegten Abfolge keine Langeweile aufkommt. Der Einkaufsleitfaden Die moderne Kopiertechnik macht es Ihnen möglich, sich ein äußerst praktisches Hilfsmittel für Ihre Einkaufsplanung herzustellen: ein kleines Ringbuch mit vorgefertigten Einkaufszetteln:
Das Pinnbrett Wahrscheinlich haben Sie schon eines. Aber am besten hängen Sie zwei davon auf. An eines kommen die Urlaubspostkarten und Geburtsanzeigen aus der Bekanntschaft, an das andere so wichtige Dinge wie Schulstundenpläne der Kinder, Öffnungszeiten von Schwimmbad und Bibliothek, Busfahrpläne, ständig gewählte Telefonnummern, regelmäßige Trainingstermine des Sportvereins und Ähnliches. An diesem Brett bekommt auch jedes Familienmitglied ein Feld für Mitteilungszettel. Ein bisschen Pflege braucht ein solches Brett, wenn es nicht nach einem halben Jahr von längst überholten Memo-Zetteln überfüllt sein soll, aber vor allem die Rubrik mit den festen Zeiten wird Ihnen manches Herumsuchen und Rätseln ersparen. Das Büro im Haus Was einem Betrieb nützt, nützt auch Ihnen zu Hause: großzügige, gut beschriftete Ablagen - dann geht Ihnen kein wichtiger Brief verloren! GestaltenPlanen Sie ein größeres Unternehmen, werden Sie sicher einen Zettel und einen Stift nehmen und aufschreiben, an was Sie dabei denken müssen. Dabei haben Sie wahrscheinlich schon bemerkt, dass einem menschlichen Kopf nicht immer alles komplett und in ordentlicher Reihenfolge einfällt. Sammeln Sie Ihre Ideen in einem solchen "Ideenbaum" wie unten abgebildet (in der Management-Fachsprache heißt das "Mind-Mapping"). So haben Sie immer die Chance, etwas einzufügen, wenn Ihnen zu einem Bereich noch etwas einfällt.![]() Ist Ihr "Baum" dann vollständig, nehmen Sie ein paar Buntstifte und markieren
Literaturhinweis
Noch mehr Planungshilfen und mehr Gedanken zum Thema "Zeit" in der Familie finden Sie in meinem Buch "Mehr Zeit für die Familie - Wie Sie den Alltag richtig organisieren", erschienen in der Reihe "Mit Kindern leben" im Rowohlt Taschenbuch Verlag 1999. Adresse
Regina Hilsberg | ||
Letzte Änderung: 06.09.2004 14:13:43 |