ZUM TEXTHauptmenüHauptseiteFamilienhandbuch-Forum Stichwortsuche von A bis ZAktivitäten mit KindernAngebote/Hilfen Behinderung Elternschaft Ernährung Erziehungsbereiche Erziehungsfragen Familie und Beruf Familienbildung Familienforschung Familienpolitik Gesundheit Häufige Probleme Haushalt/Finanzen Jugendforschung Kindertagesbetreuung Kindheitsforschung Kindliche Entwicklung Leistungen für Familien Partnerschaft Rechtsfragen Schule Teil- und Stieffamilien Trennung/Scheidung VerschiedenesImpressumKontakt | ZUM MENÜEntwicklungsstörungen / TeilleistungsschwächenUlrich Strehlow EntwicklungsstörungenDer Begriff "Entwicklungsstörungen" ist sehr allgemein. Im weitesten Sinne sind hierunter alle wesentlichen Abweichungen vom Entwicklungsverlauf eines gesunden Kindes gemeint, also z.B. in der motorischen, sprachlichen, geistigen oder seelischen Entwicklung.Ein wesentliches Ziel der allgemeinen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt (U1 - U10) ist das rechtzeitige Erkennen und Einleiten einer fachgerechten Behandlung bei Entwicklungsstörungen. Diese Vorsorgeuntersuchungen finden in bestimmten Altersstufen statt und umfassen auch eine Untersuchung des Hör- und Sehvermögens. In Zweifelsfällen kann der Kinderarzt an die entsprechenden Fachkräfte weiterverweisen, z.B. den Hals-Nasen-Ohrenarzt, den Augenarzt, Kinder- und Jugendpsychiater oder Logopäden. Die Kosten für diese Untersuchungen werden von den Krankenkassen übernommen. Aus der Feststellung einer Entwicklungsstörung können sich sehr verschiedene Empfehlungen für das weitere Vorgehen ergeben. Diese Empfehlungen sollten mit den Eltern in jedem Einzelfall individuell ausführlich besprochen werden und mit Unterstützung der entsprechenden Fachleute umgesetzt werden. TeilleistungsschwächenBei Entwicklungsstörungen sind häufig sind nicht alle o.g. Bereiche im gleichen Maße gestört bzw. in ihrer Entwicklung verzögert. Von Graichen wurde der Begriff der "Teilleistungsstörung" eingeführt, später auch manchmal im gleichen Sinne "Teilleistungsschwäche" genannt. Damit werden Entwicklungsstörungen von Teilen des sehr komplexen Zentralen Nervensystems (ZNS) beschrieben, die sich dann in all den alltäglichen Funktionen auswirken sollen, für deren Funktion diese spezielle Einheit des ZNS erforderlich ist. Als Beispiel gelten Wahrnehmungsstörungen, z.B. die Fähigkeit, Wahrnehmungseindrücke in eine zeitliche Reihenfolge zu bringen.Da diese speziellen ZNS-Funktionsmodule schwer direkt zu beobachten sind, wurde der Begriff Teilleistungsschwäche bald auch auf die direkt zu beobachtenden Folgen angewandt, z.B. Legasthenie oder Dyskalkulie. Auch andere solche beobachtbaren Teilleistungsschwächen wären abgrenzbar, z.B. ausgeprägte Unmusikalität oder Unsportlichkeit. Da Letztere aber für die schulische Entwicklung der Kinder weniger im Vordergrund stehen, haben sich hier keine eigenen Begriffe ausgebildet. Umschriebene EntwicklungsstörungenViele Begriffe auf diesem Gebiet - wie Legasthenie oder Teilleistungsschwäche - sind nicht nur beschreibend, sondern lassen oft auch gleich Vorstellungen zu den Ursachen dieser Erscheinungen mit anklingen, auch wenn das ursprünglich gar nicht so gedacht war. Nur so ist die manchmal sehr emotional geführte Diskussion darüber zu verstehen, ob es z.B. so etwas wie "Legasthenie" überhaupt gibt. Denn unbestritten gibt es Kinder, die leichter, und andere, die schwerer Lesen und Rechtschreiben erlernen.Um diese Vermischung zu vermeiden, hat die WHO in ihren Diagnosekatalogen (ICD-10) u.a. für die Kinderpsychiatrie versucht, solche Vermischungen zu vermeiden und sich für eine Diagnosestellung möglichst nur auf beobachtbares, genau zu beschreibendes Verhalten zu stützen. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie hat auf der Basis Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung von umschriebenen Entwicklungsstörungen entwickelt. Diese Leitlinien sind für jedermann im Internet einsehbar (http://leitlinien.net). So genannte "umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten", also eine umschriebene Lese-Rechtschreibschwäche oder eine umschriebene Rechenschwäche, fallen erst in der Schule auf. Zunächst sind auch die Lehrer/innen die ersten Ansprechpartner für die Schüler/innen und ihre Eltern. Wie die Schulen mit diesem Problem umgehen sollten, ist in den jeweiligen Erlassen der verschiedenen Bundesländer geregelt. In manchen Fällen ist aber auch außerschulische Hilfe erforderlich. Es können sehr ausgeprägte Wahrnehmungsstörungen bestehen, die es für die Kinder sehr schwer machen, von der Förderung an der Schule zu profitieren. Ferner können sich Probleme mit Aufmerksamkeit, Konzentration und motorischer Unruhe ("ADS") oder Ängste und Vermeidungsverhalten auf die erlebte Lernschwäche oder überzogenen Anforderungen einstellen. Ansprechpartner sind Kinder- und Jugendpsychiater, Erziehungsberatungsstellen, Sozialpädiatrische Zentren u.a. Hilfe für betroffene Eltern bieten auch Selbsthilfegruppen, die zentral im Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. organisiert sind. Wichtig ist, dass bei Schwierigkeiten, die nicht mehr von Kind, Eltern und Schule alleine geklärt werden können, ausreichend Hilfe bei den entsprechenden Fachleuten in Anspruch genommen wird. Die Problematik ist häufig kompliziert und erfordert ein umfassendes Therapiekonzept, an dem alle Beteiligten möglichst gut zusammenarbeiten sollten. Literatur
v. Suchodoletz, W. (Hrsg.): Therapie der Lese- Rechtschreibstörung (LRS). Traditionelle und alternative Behandlungsmethoden im Überblick. Stuttgart, Kohlhammer 2003 AutorProf. Dr. Ulrich Strehlow, Chefarzt Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Klinik an der Lindenhöhe; Apl. Professor an Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg. Wissenschaftliche Arbeiten zur Diagnostik, Therapie und Verlauf der umschriebenen Lese- Rechtschreibschwäche, bis 1999 Leitung einer Arbeitsgruppe Legasthenie. Adresse
Prof. Dr. Ulrich Strehlow | ||
Letzte Änderung: 08.07.2004 14:47:02 |