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Das Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik (IFP)www.familienhandbuch.de

Diabetes im Kindes- und Jugendalter

Tamara Bacon Lara      Foto: Tamara Bacon Lara


Diabetes mellitus - eine lebenslängliche Diagnose. Rund eine Million diabetische Kinder gibt es in der Welt, davon etwa 25.000 in Deutschland. In jedem Alter kann der Diabetes, im Volksmund "Zuckerkrankheit" genannt, auftreten. Nicht nur ältere Kinder und Jugendliche sind betroffen, immer mehr Babys und Kleinkinder erkranken jährlich.

Für viele Eltern ist diese Diagnose ein Schock. Viele Fragen stellen sich nun: Wie wird die Zukunft meines Sohnes oder meiner Tochter aussehen? Warum ist gerade er/sie an Diabetes erkrankt? Haben wir etwas falsch gemacht? "Wie soll ich reagieren?", fragen viele Eltern, die sich zunächst einmal mit den Veränderungen im Leben der ganzen Familie abfinden müssen. "Was kann ich tun, um meinem Kind den Umgang mit seinem Diabetes zu erleichtern?"

Meist nehmen die kleinen oder größeren Patienten ihre Krankheit leichter an, da sie nach der Diagnosenstellung und der ersten Zeit im Krankenhaus noch keine genaue Vorstellung von dem haben, was auf sie zukommen kann. Nach erfolgter Ersteinstellung und Erstschulung von Eltern und Kind im Krankenhaus wird der Diabetes nicht mehr so fremd sein. Die Eltern sowie - je nach Alter - die kleinen Patienten lernen Blutzucker testen, Insulin spritzen, die Berechnung der Mahlzeiten und vieles mehr. Dennoch kann es eine Weile dauern, bis die Familie bereit ist, den Diabetes zu "akzeptieren".

Die Lebensgewohnheiten des Kindes sollten jetzt nicht grundlegend geändert werden. Es wird weiter in den Kindergarten/ in die Schule gehen, es kann wie bisher im Sportverein tätig sein, zur Musikschule gehen, mit Freunden spielen. Je offener Sie als Eltern mit dem Diabetes umgehen, desto leichter akzeptieren ihn auch meist die Kinder.


1. Diabetes bei Kindern und Jugendlichen - was ist das?

In den meisten Fällen erkranken Kinder an einem so genannten Typ-1-Diabetes. Beim Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die körpereigenen Betazellen der Bauchspeicheldrüse (lat. Pankreas) nach und nach zerstört. Die Betazellen sind für die Insulinproduktion zuständig. Nur mit Hilfe des Insulins ist es möglich, dass die aus den Kohlenhydraten aufgenommenen Glukoseteilchen, die sich zunächst im Blut befinden, in die Muskel- bzw. Fettzellen eindringen können. Ohne Insulin hungern die Zellen und verlieren an Energie; die Glukose staut sich im Blut und der Blutzuckerspiegel steigt an. Auch für die Hemmung der Glukoseproduktion in der Leber ist das Hormon Insulin zuständig. Ist durch das Fehlen des Insulins eine korrekte Stoffwechselregulation nicht mehr gewährleistet, muss das Hormon in das Unterhautfettgewebe gespritzt werden.


1.1 Wie macht sich der Diabetes bemerkbar?

Folgende typische Krankheitszeichen weisen auf einen Diabetes mellitus hin:
  • Extremer Durst und große Urinmengen: Bei erhöhten Blutzuckerwerten wird Glukose über die Niere in großen Mengen im Urin als "Urinzucker" abgeführt. Als Folge der Urinzuckerausscheidung kommt es zu einem starken Wasserverlust, der zu einem exzessiven Durstgefühl führt. Mehrere Liter Flüssigkeit werden dann - Tag und Nacht - benötigt. Leider stillen gerade Kinder und Jugendliche den Durst mit zuckerhaltigen Getränken, als Folge derer der Blutzucker weiter ansteigt.
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit und starke Gewichtsabnahme: Die Muskeln leiden unter mangelndem Energienachschub und sind nun auf ihre Energiereserven angewiesen. Ein Abbau der körpereigenen Fettreserven ist hier die Folge. Jedoch nicht alle entstehenden Fettsäuren werden abgebaut, es bilden sich so genannte Ketonkörper, die im Urin ausgeschieden werden (Azeton). Eine Anhäufung der Ketonkörper führt zur Ketoazidose (Übersäuerung des Blutes), die sich oftmals durch den starken Azetongeruch beim Atem des Kindes bemerkbar macht. Die Kinder sind durch den Energieverlust müde, schlapp und lustlos. Selbst für lieb gewonnene Aktivitäten wie das Ballett, den Fußballverein oder die Gymnastikgruppe bleibt immer weniger Kraft. Der Abbau des Fettgewebes gekoppelt mit dem starken Wasserverlust führt auch zu einer Gewichtsabnahme, welche die Schwäche zusätzlich verstärkt.

1.2. Leben mit dem Diabetes

Nach der Diagnose Diabetes mellitus, der Einweisung in das Krankenhaus und der Erstschulung ist die Zeit gekommen, dass Ihr Kind wieder in die häusliche Umgebung kommt. Alles ist nun ganz anders als zuvor. Die täglichen Insulinspritzen müssen eingehalten, die Blutzuckermessungen kontinuierlich durchgeführt und die Ernährung an die neue Situation angepasst werden. Das im Krankenhaus Erlernte muss im praktischen Leben umgesetzt werden.


Die tägliche Insulinspritze


Die richtige Balance zu halten und korrekte Entscheidungen - meist schnell - zu treffen, ist nicht immer so leicht. Es dauert seine Zeit, bis die täglichen Handgriffe Routine für Eltern und Kind werden. Die Angst ist oft gerade für Sie, die Eltern, ein ständiger Begleiter: bei Aktivitäten außer Haus, bei Geburtstagsfeiern, bei akuten Erkrankungen und bei schlechten Blutzuckerwerten. Wichtig ist es aber, dass Sie lernen, den Diabetes Ihres Kindes anzunehmen und nicht gegen ihn zu kämpfen. So helfen Sie Ihrem Kind, leichter mit der neuen Situation umzugehen. Denn gerade für es ist es (über-) lebenswichtig, auch nach der Diagnose Diabetes keine Außenseiterrolle einzunehmen. Ermutigen Sie Ihr Mädchen oder Ihren Jungen, die Freizeit weiterhin aktiv zu gestalten. Der Diabetes ist auch kein zwingender Grund, bestehenden Schul- bzw. Ausbildungswünschen nicht nachzugehen. Diabetes ist eine chronische Erkrankung - diabetische Kinder und Jugendliche sind aber genau so leistungsfähig wie Nicht- Diabetiker.

Kontakte mit anderen Diabetikern - bzw. mit Eltern anderer diabetischer Kinder - sind empfehlenswert. Hier können sich Mütter und Väter über Alltagssorgen und anfallende Probleme unterhalten und sich gegenseitig Tipps im Umgang mit dem diabetischen Kind und dessen Geschwistern holen. Die betroffenen Kinder sehen hier, dass sie nicht die einzigen sind, die an Diabetes leiden. Das Zusammensein mit anderen diabetischen Kindern hilft, die Krankheit als etwas "Normales" zu betrachten. Alleine die Tatsache, dass auch andere Kinder betroffen sind, nimmt der Krankheit das "Besondere".


2. Kinder mit Diabetes Mellitus in der Schule und im Kindergarten

2.1 Die Betreuung in der Schule

An Diabetes erkrankte Kinder oder Jugendliche sind ebenso leistungsfähig wie andere Kinder. Nur in seltenen Fällen, so zum Beispiel bei starken psychologischen Problemen mit dem Diabetes, beeinflusst die Krankheit die kognitiven Fähigkeiten. Bei der Wahl der Schule bzw. des Schultyps soll und darf aus diesem Grunde der Diabetes nicht im Mittelpunkt stehen.

Es ist sicher ein wichtiger Punkt, dass Ihr diabetisches Kind keine Sonderstellung in der Schule oder im Kindergarten einnehmen soll. Um dies zu erreichen ist es sehr wichtig, Erzieher/innen und Lehrer/innen über die bestehende Krankheit zu informieren und ihnen einen für Laien leicht verständlichen Leitfaden im Umgang mit dem betroffenen Kind an die Hand zu geben. Besonderes Augenmerk sollten Sie darauf legen, den Pädagog/innen zu vermitteln, dass Ihr Kind an allen Aktivitäten teilnehmen kann und selbst gut über den Umgang mit seiner Stoffwechselerkrankung Bescheid weiß.

Im Umgang mit Diabetes geschulte ältere Kinder und Jugendliche sind in den seltensten Fällen auf ständige Beobachtung seitens der Lehrer/innen angewiesen. Um eventuell unbegründete Ängste und die Sorge vor Überforderung zu vermeiden, muss den Lehrer/innen klar gemacht werden, dass die Behandlung des Diabetes nicht in deren Verantwortung liegt, sondern dass Sie als Eltern gemeinsam mit dem behandelnden Arzt die medizinische Verantwortung für Ihr Kindes übernehmen. Bei auftretenden Unterzuckerungen allerdings, die möglicherweise auch mit Bewusstlosigkeit einhergehen können, ist - wie bei allen Notfällen in der Schule- die aktive und sofortige Hilfeleistung des Lehrers gefragt.

Nachfolgendes informatives Schreiben für Lehrer/innen enthält notwendige Hinweise zum Umgang mit Ihrem Kind.

Informationsschrift für Lehrer/innen

Sehr geehrte/r Frau/Herr _____________,

im folgenden Schuljahr werden Sie den Schüler/die Schülerin _____________ in Ihrer Klasse haben, der/die an Diabetes mellitus erkrankt ist.

Beim Diabetes mellitus handelt es sich um eine Störung des Zuckerstoffwechsels. Man geht davon aus, dass in Deutschland etwa 25.000 insulinpflichtige Kinder und Jugendliche leben. Jungen Diabetikern fehlt das zur Blutzucker- und Stoffwechselregulation notwendige Insulin, als Folge dessen es zu starkem Gewichtsverlust, starker Müdigkeit und Schwäche kommt. Durch die Insulininjektionen lassen sich diese Probleme weitestgehend beseitigen. Dennoch ist die Anpassung der Insulinmenge schwierig, da eine Reihe von Faktoren die Blutzuckerregulation beeinflusst. Um die Balance zwischen Kohlehydraten und Insulin zu halten, muss sich das diabetische Kind an einen festen Essensplan halten. Sowohl die Uhrzeit als auch die Menge müssen vom Arzt festgelegt werden. Ein Nichteinhalten des Essenplans kann zu Unterzuckerungen führen.

Es ist also sehr wichtig für _____________, pünktlich - wenn nötig auch während des Unterrichts - zu essen!

Unter einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) versteht man einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel. Typische Symptome einer Unterzuckerung sind:
  • Konzentrationsschwäche
  • Kopfschmerzen
  • Zittern
  • weiche Knie
  • Nervosität
  • verwirrtes Verhalten
  • Schweißausbruch
  • Blässe
  • Aggressivität
  • starker Hunger
Auch andere Faktoren - wie zum Beispiel viel Bewegung - können zu einer Unterzuckerung führen. _____________ hat ein Blutzuckermessgerät bei sich, mit dem er/sie den Blutzuckerspiegel testen kann. Sollte der gemessene Wert unter 70 liegen, muss Ihr/e Schüler/in sofort Traubenzucker (Coca Cola, Obstsaft) zu sich nehmen, welche/n _____________ immer bei sich trägt. Vielleicht können die Eltern auch in Ihrem Pult Traubenzucker deponieren. Auf keinen Fall darf das Kind mit einer Hypoglykämie alleine nach Hause geschickt werden!

Sollte der Blutzucker so niedrig sein, dass das Kind nicht mehr schlucken kann, darf ihm nichts gewaltsam eingeträufelt werden. In einem solchen Fall benachrichtigen Sie einen Arzt, der dem Kind eine Glukagonspritze verabreicht. Rechtzeitiges Testen kann dies aber vermeiden. In manchen Fällen kann es vorkommen, dass das Kind die Anzeichen eines zu niedrigen Blutzuckers selbst nicht richtig wahrnimmt oder deutet. Sollten Sie selbst eine Auffälligkeit bemerken, wäre es daher eine große Hilfe, _____________ auf einen Blutzuckertest anzusprechen.

Blutzucker-Testen kann viele Probleme verhindern - eine Unterzuckerung kann jederzeit eintreten, auch während des Unterrichts, bei Klassenarbeiten oder Stillarbeit!

Wenn sich _____________ mit Ihrer Hilfe an die oben aufgeführten Punkte hält, ist er/sie genauso leistungsfähig wie seine/ihre Mitschüler. Rücksichtnahme aus falsch verstandenem Mitleid ist fehl am Platz. Zuckerkranken Kindern wird am besten geholfen, wenn man keine Unterschiede zu den gesunden Mitschüler/innen macht. Eine Befreiung vom Sportunterricht, ein Zurückstellen bei Ausflügen oder Klassenfahrten ist nicht gerechtfertigt und psychologisch gesehen nachteilig für das Kind. Vielleicht können Sie _____________ eine Schulstunde zur Verfügung stellen, bei der er/sie selbst über seine/ihre Krankheit berichten kann und dadurch auch das Verständnis der anderen Schüler gefördert wird.

Ihre Kooperation ist ein wichtiger Bestandteil für die Integration der/des chronisch kranken _____________!

Alle weiteren Informationen werden Ihnen die Eltern von _____________ sicherlich gerne bei einem persönlichen Gespräch geben. Auch wir stehen bei Fragen und Problemen jeder Zeit zu Ihrer Verfügung.


Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher e.V., Hahnbrunnerstr. 46, 67659 Kaiserslautern, Tel.: 0631/76488, Fax: 0631/97222

2.2 Die Betreuung im Kindergarten

Ebenso wie im Schulalltag kann auch von den Erzieher/innen im Kindergarten nicht erwartet werden, dass diese für die Behandlung des Kindes zuständig sind. Sie dürfen nicht vergessen, dass die Erzieher/innen keine medizinische Ausbildung hinter sich haben. Diabetes ist auch nicht die einzige Krankheit, an denen Kindergartenkinder leiden können: Mit Allergien, Epilepsie, Zöliakie und vielem mehr werden die Aufsichtspersonen verstärkt im Kindergarten konfrontiert. Ein kompaktes Wissen über all diese Krankheiten kann von den Kindergärtnerinnen nicht erwartet werden.

Gerade im Kindergarten aber sind Sie aufgrund des Alters der Tochter/ des Sohnes mehr auf die Unterstützung seitens der Erzieher/innen angewiesen. In einem persönlichen Gespräch sollten Sie daher die Punkte anführen, die für diese bedeutend sind. Besonders empfehlenswert ist anfangs die mehrtägige Begleitung durch einen Elternteil, damit die Erzieher/innen einen praktischen Einblick erhalten, was bei dem ihnen anvertrauten Kind zu beachten ist.

Folgende Auskünfte, individualisiert auf Ihren Sohn oder Ihre Tochter, sollten Sie dem Kindergarten - möglichst schriftlich - weitergeben:
  • Diabetische Kinder sind ebenso leistungsfähig wie gesunde Kinder. Sie können an fast allen Aktivitäten teilnehmen. Teilen Sie der Erzieherin mit, was bei besonderen Anstrengungen zu beachten ist, oder nehmen Sie - falls es Ihnen möglich ist - die Gelegenheit wahr, an dem geplanten Vorhaben teilzunehmen.
  • Diabetische Kinder haben einen festgelegten Ernährungsplan. Da sie eine vorgeschriebene Anzahl von Kohlenhydraten zu bestimmten Zeiten zu sich nehmen müssen, sollte darauf geachtet werden, dass die Kinder ihr Essen nicht austauschen und ganz aufessen. Kohlenhydratfreie Nahrungsmittel, wie z.B. Salate oder Gemüsesorten, können jeder Zeit ohne Begrenzung gegessen werden.
  • Bei einer auftretenden Hypoglykämie muss das Kind zuckerhaltige Nahrungsmittel zu sich nehmen, welche Sie im Kindergarten deponieren sollten. Dazu zählen u.a. Traubenzucker oder Fruchtsäfte. Ein genauer Plan, bei welchem Wert das Kind welche Menge essen soll, ist in jedem Fall nützlich.
  • Da manche Kinder ihre Unterzuckerung nicht bemerken, ist es ratsam, (wenn möglich) den Blutzucker von der Erzieherin testen zu lassen, wenn das Kind sich ungewöhnlich verhält. Weisen Sie die Erzieher/innen auf die typischen Merkmale (starke Müdigkeit, Kopfschmerzen, Blässe, Aggressivität...) Ihres Sohnes/ Ihrer Tochter bei einer Unterzuckerung hin.
  • Bei einer Bewusstlosigkeit muss sofort der Notarzt verständigt werden. Sind die Erzieher/innen mit der Gabe von Glukagon vertraut und dazu im Notfall bereit, sollte dies die erste Aktion sein.
  • Niedriger Blutzucker kann gefährlich werden, ein erhöhter Blutzucker über wenige Stunden hingegen ist nicht akut lebensgefährlich. Deshalb gilt in einem Zweifelsfall die Regel: Erst essen, dann messen!
Stellen Sie für alle Rückfragen dem Kindergarten eine Telefonnummer zur Verfügung, unter der einer der Erziehungsberechtigten immer erreichbar ist.

Die anderen Kinder sollten - je nach Alter vielleicht vom Kind selbst - kurz darüber informiert werden, dass ihr Kamerad Diabetiker ist und nicht alles unbegrenzt essen darf, ansonsten aber genauso leistungsfähig und belastbar ist wie sie selbst.

Wichtig für eine gut funktionierende Integration des Kindes im Kindergarten ist die permanente Kommunikation zwischen Eltern und Erziehern!


3. Miteinander leben - voneinander lernen: Der Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher e.V.

Der Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher wurde im Jahre 1974 von Dr. med. h.c. Heinz Bürger-Büsing, mit Unterstützung seiner Frau Rosel, gegründet. Anlass war die Erkrankung seiner jüngsten Tochter, die mit zwei Jahren an Diabetes mellitus erkrankte.

Ziel des Gründers war es einerseits, anderen betroffenen Eltern bei sozialen, medizinischen und psychologischen Fragen hilfreich beistehen zu können, andererseits den kleinen Patient/innen durch Aufklärung und Information der Öffentlichkeit ein "normales" Leben zu ermöglichen.


3.1 Aufgaben und Ziele des Verbandes

Die intensive Schulung der an Diabetes mellitus erkrankten Menschen ist eine der zentralen Aufgaben des Bundes diabetischer Kinder und Jugendlicher. Mehrmals im Jahr finden Seminare - mit oder ohne Begleitpersonen - im Rosel Bürger-Büsing-Haus statt. Doch auch für täglich anfallende Probleme stehen die Mitarbeiter des BdKJ telefonisch und persönlich zur Verfügung. Hilfe erhalten Sie:
  • bei Problemen oder Fragen Ihres Kindes in der Schule oder im Kindergarten
  • durch Informationen öffentlicher Stellen über den Diabetes
  • durch Unterstützung bei der Durchsetzung des Schwerbehindertenstatus
  • durch psychologischen Beistand und ein offenes Ohr (direkter Ansprechpartner) für Jugendliche, die aufgrund ihrer Krankheit Probleme mit sich selbst oder ihrer Umwelt haben. Die regelmäßig frei geschaltete "Sorgen- und Fragenlinie" für junge Diabetiker und Diabetikerinnen ermöglicht es, sich anonym auszusprechen und durch einen selbst betroffenen Ansprechpartner beraten zu werden.
  • Unterstützung bei der Suche einer Schwerpunktpraxis oder einer anerkannten Krankeneinrichtung
  • Abbau von Vorurteilen in der Öffentlichkeit durch regelmäßig durchgeführte Veranstaltungen
  • Regelmäßige Informationen über Neues, Wissenswertes und Zukunftsweisendes in der Diabetologie durch das viermal jährlich kostenlos an die Mitglieder verschickte Fachjournal "Diabetes aktuell/ Hallo - Du auch". Die "bunten Kinderseiten" richten sich hierbei direkt an die Kinder und Jugendlichen und fordern sie zur aktiven Mitgestaltung auf.

3.2 Schulungen im Rosel Bürger-Büsing-Haus

Im Jahre 1975 führte der Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher erstmals zwei Ferienkuren in Eppenbrunn bei Pirmasens durch. Die Ferienkuren fanden in einem Schullandheim statt, das dem BdKJ zu festgelegten Zeiten im Jahr zur Verfügung stand. Je 60 diabetische Kinder konnten innerhalb von drei Wochen neu eingestellt und ärztlich betreut werden. Neben pädagogischer und psychologischer Betreuung stand hierbei die Schulung der jungen Patient/innen im Mittelpunkt.

Von 1975 bis 1978 wurden solche Sommerseminare durchgeführt. Dr. Bürger-Büsing entschloss sich 1976, im Landkreis Kaiserslautern ein eigenes Schulungshaus zu bauen, um Seminare und Veranstaltungen flexibler gestalten zu können. Nachdem ihm - Dank seiner hartnäckigen Spendersuche - 3,5 Millionen DM zur Verfügung standen, konnte am 06.06.1979 die feierliche Einweihung des ohne staatliche Hilfe errichteten Zentrums begangen werden.


3.2.1 Schulungsveranstaltungen für Kinder und Jugendliche

Im Sommer 1979 konnten so die ersten drei Ferienkuren für diabetische Kinder im Alter von 5 bis 16 Jahren im verbandseigenen Haus realisiert werden. Seither hatten tausende Kinder die Gelegenheit, im pfälzischen Rehabilitations- und Schulungszentrum vieles über ihren Diabetes zu erfahren, ihre Erkrankung akzeptieren zu lernen und mit eigenen Augen zu sehen, dass sie mit ihrem Diabetes nicht "alleine" sind.

Nach dem Tode der Ehefrau des Gründers, erhielt das Schulungshaus den Namen Rosel Bürger-Büsing-Haus.

Auch heute noch finden im Sommer so genannte "Sommerschulungsseminare für diabetische Kinder und Jugendliche" statt. Für 14 Tage werden maximal 40 Jungen und Mädchen aufgenommen und von pädagogischem und medizinisch ausgebildetem Fachpersonal geschult und betreut. Der jeweils rund um die Uhr anwesende Diabetologe nimmt Stoffwechselkorrekturen oder Neueinstellungen (in Absprache mit dem betreuenden Arzt) vor und versucht, mit Unterstützung des übrigen Betreuungspersonals die Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu stärken.


Sommerschulung


Sehr wichtig und interessant für die Stoffwechseleinstellung sind die im Rosel Bürger-Büsing-Haus befindlichen CGMS Glukose Sensoren. Dank dieses Gerätes, in der Form ähnlich einer Insulinpumpe, ist es möglich, innerhalb von einer Zeitdauer von 72 Stunden kontinuierlich die Glukose zu messen. Die entsprechend gespeicherten Daten können anschließend auf den PC herunter geladen und vom Diabetologen analysiert werden. Unbemerkte oder nächtliche Unterzuckerungen, steigende Blutzuckerwerte in den frühen Morgenstunden oder deutlich erhöhte Blutzuckerwerte nach den Mahlzeiten können u.a. mit den Glukose Sensoren bemerkt und durch eine Stoffwechselanpassung ausgeglichen werden.

Doch nicht nur die Schulung bestimmt den Tagesablauf. Bei verschiedenen Freizeitaktivitäten haben die Kinder die Möglichkeit, das bereits Erlernte anzuwenden und zu beachten. Im Zusammensein mit den anderen Kindern mit Diabetes erscheinen die täglich anfallenden Pflichten wie regelmäßiges Testen, Spritzen und Essen oftmals als "völlig normal". Der Erfahrungsaustausch führt häufig zu einem gestärkten Selbstbewusstsein, auch nach dem Seminar in der häuslichen Umgebung.


3.2.2. Mutter-/Vater-Kind-Seminare

Auf Wunsch vieler Eltern werden im Diabetes-Zentrum seit den Osterferien 1980 auch Mütter/ Väter oder Familien geschult. Drei Mal jährlich können bis zu 30 Erwachsene mit ihrem diabetischen Kind stationär aufgenommen werden. Im Vordergrund dieser einwöchigen Seminare steht die Stoffwechselkorrektur bzw. Neueinstellung, verbunden mit der intensiven Schulung der Mütter/ Väter/ Eltern, die in vier Schulungssequenzen pro Tag über alles Wichtige im Bereich Diabetes informiert werden. Dafür steht - ähnlich wie im Sommerseminar für Kinder - ein Diabetologe zur Verfügung.

Die Betreuung der Kinder übernehmen ausgebildete Kräfte, die in der Regel selbst von Diabetes betroffen sind. Auch die Kleinen werden - in altersgemäß aufgeteilten Gruppen - kindgerecht geschult. Jugendliche können auf Wunsch auch jeder Zeit an der Erwachsenenschulung teilnehmen. Die Seminare finden jeweils in den Oster-, Sommer- und Herbstferien statt.

Unter dem Motto "Miteinander leben - voneinander lernen" ist es dem BdKJ ein Bedürfnis, sich für optimale Betreuung und Integration stark zu machen.


Autorin

Tamara Bacon Lara
Bund diabetischer Kinder und Jugendlicher e.V.
Hahnbrunnerstraße 46
67659 Kaiserslautern
Tel.: 0631/76488
Fax: 0631/97222
Email: diabeteskl@aol.com
Website: http://www.bund-diabetischer-kinder.de


Letzte Änderung: 05.08.2008 13:05:34Zum Seitenanfang